2012-01:8 Thesen einer emanzipatorischen Technikkritik

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Inhaltsverzeichnis

8 Thesen einer emanzipatorischen Technikkritik

von Jan-Hendrik Cropp

These 1: Kapitalistische Technik wird nicht für die Bedürfnisse der Menschen entwickelt, erfunden oder verwendet, sondern pervertiert deren Bedürfnisse und deren Befriedigung

Kapitalismus pervertiert Bedürfnisse und deren Befriedigung. Manchmal schafft er auch erst Bedürfnisse. Technik ist ein Vermittler zwischen Bedürfnissen (z.B. Kommunikation) und deren Befriedigung (z.B. durch ein Handy). Bedürfnisse sind zwar ernst zu nehmen. Allerdings stellt sich aus emanzipatorischer Perspektive die Frage nach dem „Warum?“ und „Auf wessen Kosten?“ dieser Bedürfnisse. Zwar gibt es keine "wahren" und "falschen" Bedürfnisse. Eine emanzipatorisch-technikkritsche Perspektive sollte diese Einteilung auch nicht vornehmen. Allerdings kritisiert sie Technik (z.B. das Handy), welche im Hier und Jetzt Herrschaftsmechanismen bedarf, um hergestellt zu werden. Sie hinterfragt, ob in einer emanzipatorischen Gesellschaft bestimmte Technologien zur Bedürfnisbefriedigung (Handynutzung für Kommunikation) noch von Nöten sind oder die Bedürfnisse nicht anders befriedigt werden können, weil weniger (z.B. durch weniger Stress oder verbindliche Absprachen) und / oder anders kommuniziert wird (z.B. direkt, weil wir näher beieinander wohnen oder mehr Muße zum Reisen haben). Sie unterstützt eine präzise Artikulation von Bedürfnissen statt diese mit der Technik an sich zu verwechseln (wo das Handy dann plötzlich selbst zum Bedürfnis wird).

Um das Beispiel des Handys nochmal durch zu deklinieren: Für das simple Bedürfnis der Kommunikation mit Freund_Innen wird auf einmal ein Handy nötig, da der Kapitalismus uns alle zu Flexibilität, permanenter Mobilität und räumlicher Distanz zwingt, die uns das Bedürfnis nicht anders befriedigen lässt. Zusätzlich pervertiert die Eigendynamik der Technik des Handys dieses Bedürfnis der Kommunikation in soweit, als das es die Erwartung einer permanenten Erreichbarkeit erzeugt. Die permanente Kommunikations-Möglichkeit kann dazu führen, dass Handy-Gespräche immer gehaltloser; direkte, kommunikative Begegnungen seltener und Absprachen immer unverbindlicher werden.

Noch deutlicher pervertiert und vermehrt der Kapitalismus das Bedürfnis nach, ja die Notwendigkeit der Mobiltät und deren Technik. Ob durch die räumliche Isolation von ganzen (ländlichen) Regionen oder durch das auseinander reißen von Arbeitsplatz, Wohnort, sozialen Kontakten und Versorgungsstrukturen. In der Utopie würden Bedürfnisse und ihre Befriedigung radikal transformiert und die technische Pervertierung aufgehoben. Sie würde sogar verunmöglicht. Denn viel kapitalistische Technik würde modifiziert oder wegfallen und Neues erfunden. Die Befriedigung von Bedürfnissen (Handy für Kommunikation), welche mit den Bedürfnissen einer anderen Person in Konflikt steht (z.B. Subsistenz-Bäuer_Innen in einem von Coltan-Abbau betroffenen Gebiet) kann dann nicht mehr herrschaftsförmig durchgesetzt werden, sondern bedarf eines horizontalen Aushandlungsprozesses.


These 2: Kapitalistische Technik entfremdet Nutzer_Innen, erzeugt Ausgrenzung und schafft Barrieren

Technik sollte ein Werkzeug sein, um die Menschen im konkreten und kreativen Tätigsein zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu stärken. Ob eine bestimmte Technologie dieser Ermächtigung dient, kann von mensch zu mensch unterschiedlich empfunden werden. Problematisch wird es allerdings, wenn die gesellschaftlichen Verhältnisse dazu führen das wir nicht mehr die Wahl haben, ob wir und welche Technologien wir nutzen wollen. Wer heute das Internet, aus welchen Gründen auch immer, nicht nutzen möchte oder es mangels Fähigkeiten nicht nutzen kann, wird schnell und automatisch sozial ausgegrenzt, da große Teile des gesellschaftlichen Lebens auf dessen Nutzung abgestimmt ist. Auch stellt sich immer die Frage, in wie weit Wissen zur Nutzung einer bestimmten Technologie nötig ist, um gesellschaftlich Teil zu haben und die eigenen Lebensumstände zu gestalten. Emanzipatorisch wäre: Alle Menschen, die von bestimmten Entscheidungen betroffen sind, sollten an diesen beteiligt werden. Unabhängig von ihrem technischen Know-How.

Viele kapitalistische Technologien sind dafür entworfen, möglichst viel und möglichst schnell zu produzieren. Die Maschinen am Fließband der modernen Industrie geben auf dieser Basis ein bestimmtes, monotones Arbeitsmuster vor und haben ein geringes gestalterisches Potential. Dazu entgegnet eine emanzipatorische Technikkritik, dass der Mensch das Arbeitsmuster und die Arbeitsgeschwindigkeit vorgeben sollte. Die Ausprägung der Produkte und die Produktionsprozesse selbst sollten auf Basis dieser Vorgaben entstehen. Diese Kritik beantwortet allerdings nicht die Frage, ob Menschen unter nicht-kapitalistischen Bedingungen jegliche Massenproduktion abschaffen oder sie für manche Bereiche weiterhin (als notwendiges Übel) genutzt wird, in denen eine gestalterische Einzelfertigung mangels Lust nicht umgesetzt oder per se schwierig ist. Oder ob auf bestimmte Technologien auf Grund dieser Schwierigkeiten ganz verzichtet wird.

Es sollte schließlich nicht vergessen werden, dass es jene Maschinen waren, die die totale Kontrolle, Verwertung und Disziplinierung der Arbeiter_Innen zum Ziel hatte. Und eben jene diese Maschinen zerstörten und zum Teil immer noch zerstören, um ihren selbstbestimmten Lebensrythmus mit ausgedehntem Müßiggang zu verteidigen.


These 3: Kapitalistische Technik hat oft einen potentiell herrschaftsförmigen Charakter

Es scheint wichtig, dass die zu nutzende Technik von möglichst vielen Menschen selbst durchschaut und gestaltet werden kann. Sie sollte so einfach und verständlich konstruiert sein, dass zwar nicht jede Nutzer_In alles verstehen muss, aber es in der Nutzer_Innen-Gemeinschaft und ihrem Umfeld dennoch immer Menschen gibt, die sie den Bedürfnissen entsprechend anpassen und unkompliziert reparieren können. Das Wissen dazu sollte allen frei zur Verfügung stehen. All dies ist nötig, um eine Konzentration von Macht bei einigen wenigen Expert_Innen zu verhindern. Dieses Prinzip könnte dafür sorgen, dass ein Teil der modernen, kapitalistischen Technologie mit ihrer extremen Spezialisierung nicht mehr umsetzbar ist. Denn oft geht diese fachliche Spezialisierung Hand in Hand mit einer örtlichen Zentralisierung von Technologien. Als Beispiel kann die Fusionsenergie heran gezogen werden. Dort werden Kraftwerke als einzige Energielieferanten für eine riesige Region geplant, betrieben mit dem Wissen einer kleinen Expert_Innen-Clique.

Ähnlich kritisch verhält es sich mit Risikotechnologien, wie Atomkraft, Gentechnik und Nanotechnologie. Deren Einführung stellt die kapitalistisch-moderne Gesellschaft vor vollendete Tatsachen, ohne vorher umfangreiche Untersuchung der Auswirkungen auf Mensch und Natur abzuwarten. Eine emanzipatorische Technikkritik fordert eine transparente, gesellschaftliche Debatte und gemeinschaftliche Abwägung zu solchen Technologien. Sie bezieht auch ethische Aspekte der Würde und Rechte aller Lebewesen mit ein und setzt deshalb eben jene Untersuchungen in einer von Mensch und Natur isolierten Umgebung um, die das Risiko der unkontrollierten Ausbreitung auf ein Minimum reduzieren.


These 4: Kapitalistische Technik führt zu Ausbeutung von Mensch und Natur entlang des gesamten Produktionsprozesses

Jede Technologie basiert auf der Umformung von Rohstoffen, um hergestellt zu werden. Überall dort wo der Kapitalismus diese aus der Erde kratzt, trifft er auf den Widerstand der lokalen Bevölkerung. Forderungen sozialer Bewegungen gegen den Bergbau reichen von eine anderen Art und Weise der Rohstoffgewinnung bis zu einem konsequenten "Nein!" zu jeglicher Ausbeutung der Ressourcen. Ähnliche Stimmen hört man an den Orten aller weiteren Verabeitungsschritte hin zum fertigen Technikprodukt:

  • An Orten der Aufbereitung von Rohstoffen (z.B. Schmelzen)
  • An Fabriken für die unzähligen Fertigungsschritten bis zum Endprodukt (z.B. IT-Sweatshops)
  • An Orten, an denen Technologien und ihre Produkte entsorgt werden (z.B. Schrotthalden)

An all diesen Orten werden Menschen und Natur ausgebeutet: Menschen, oft Bäuer_Innen und Bauern werden enteignet: Ihnen wird ihr Land genommen, um den Bergbau und den Bau von Fabriken durchzusetzen. Jene, die ihr Land behalten dürfen, finden es durch die Abfallprodukte des Bergbaus und der Fabriken vergiftet und verseucht; ihre Lebensqualität wird vermindert. Die kaputte Technik wird nach der Nutzung als Schrott oft in den gleichen Ländern abgeladen. Die prekäre Ausschlachtung der Geräte erzeugt ähnliche gesundheitliche Probleme, denn die kapitalistische Technik ist nicht auf eine technisch einfache Wiederaufbereitung / Reparierbarkeit hin konstruiert. All dies nimmt den Menschen ihre Produktionsmittel (z.B. Land) und treibt sie von selbstbestimmtem, konkreten Tätigsein (z.B. Subsistenz) in abstrakte Lohnarbeitsverhältnisse in z.T. eben den Fabriken, die das Problem verursacht haben.

Zusätzlich wird Natur als Ware rücksichtslos ausgebeutet. Die Erhaltung von Ökosystemen auch als menschlicher Bezugsrahmen spielt keinerlei Rolle. Eine emanzipatorische Technikkritik fordert hier eine Solidarisierung mit sozialen Kämpfen. Sie verlangt das Mitdenken dieser Konsequenzen bei der eigenen Technikbewertung und bei der Formulierung von technologischen Utopien. Sie will eine Abschaffung (staatlich) durchgesetzter Zwangsmechanismen und setzt sich dafür ein, dass Ressourcen als globale Gemeingüter betrachtet werden und deren Nutzung in einem globalen, horizontalen Aushandlungsprozess bestimmt wird.


These 5: Kapitalistische Technik mit extrem komplexen globalen Produktionsketten macht die Selbstorganisierung komplizierter

Radikalen Transformation heißt, dass Menschen, die durch und durch von kapitalistischem und herrschaftsförmigem Verhalten durchzogen sind, sich darin üben, in freien Assoziationen, freie Vereinbarungen zu treffen und in diesem Rahmen zu produzieren. Die eben beschriebenen, extrem komplexen Produktionsketten, die Ressourcen aus allen Teilen der Welt und zig verschiedene Produktionsschritte benötigen, müssten entsprechend selbstorganisiert gelingen. Historische Beispiele solcher zum Teil erfolgreichen Transformationsversuche gibt es zwar. Aber nicht für die Art komplexer Produktion, die für unseren Lebensstil nötig ist: Die transformierten Produktionen waren entweder subsistenz-, landwirtschafts- oder handwerksorientiert (z.B. Kuba zur Zeit der Ölkrise, Makhnovistas nach der russischen Revolution, Zapatistas in Südmexiko etc.), (ver-)nutzten bereits vorhandene Technologien und Maschinen (z.B. Straßenbahnen während dem Spanischer Bürgerkrieg etc.) oder organisierten nur kleinste Teilschritte der Produktion vor allem oft die "saubere" Endfertigung (z.B. in besetzte Fabriken wie beim Strike Bike etc.). Für die Möglichkeit selbstorganisierter, komplex zu produzierender Technologie gibt es weder im Hier und Jetzt, noch in der Menschheitsgeschichte, Anhaltspunkte. Bereits mit Selbstorganisation in den kleinsten Gruppen stehen wir, die von dieser Gesellschaft geprägten Menschen, vor ziemlich Schwierigkeiten. Aber sie erlauben wenigstens, im Gegensatz zu Großgruppen, direkte Kommunikation und Intervention. Paradoxerweise, lässt aber gerade das vermuten, dass freie Assoziation und Vereinbarungen wenn überhaupt, dann eher in überschaubaren Gruppen machbar sind, die sich untereinander vernetzen. Ob eine solche Vernetzung die Produktionsprozesse für Technik mit komplexen Produktionsketten organisieren kann, bleibt offen. So wünschenswert dies scheint: Konkrete Beispiele sucht man vergebens. Die Historie und der Ist-Zustand machen wenig Hoffnung. Als Fazit sollte die Organisierung emanzipatorischer Technikproduktion bei den Rohstoffen beginnen, denn sie sind das Fundament, ohne das die tollsten, emanzipatorischen Technologien wie ein Kartenhaus zusammenfallen.


These 6: Kapitalistische Technik festigt die diskursive Herrschaft der ihr zu Grunde liegenden Wissenssysteme und Entwicklungsvorstellungen

Kapitalistische Technologie gibt es oft nur im Paket mit Wissenschaft als Ideologie. Sie ist im Kontext kapitalistischer Technologie nicht (nur) die ihr zu Grund liegende hilfreiche Methode, sondern dient als Weltanschauung und hegemoniales Wissenssystem. Als Weltanschauung propagiert sie eine lineare Fortschritts- und Entwicklungsvorstellung, die immer weiter nach oben zeigt: Schneller, weiter, mehr, größer, besser usw. Genügsamere Weltanschauungen, die das Wiederkehrende oder das Andauernde, das Chaotische oder das Unvorhersehbare betonen, werden durch die hegemoniale Position von Wissenschaft verdrängt. Die Anhänger_Innen andere Weltanschauungen werden verspottet und damit ein Minderwertigkeitsgefühl geschaffen, das mit dem Erwerb und der Nutzung moderner Technologien als Symbole der Wissenschaftsideologie zu kompensieren versucht wird. In seiner entsprechend hegemonialen Position als "bestes" Wissenssystem diskreditiert die ideologische Wissenschaft. Sie versucht gegenüber Technologien, die einfach und an die lokalen Gegebenheiten angepasst sind (z.B. wasserbetriebene Getreidemühlen im indischen Himalaya), nach und nach eine Ablehnung der selbigen in der Bevölkerung zu erzeugen. Mit dem Ziel sie durch "moderne", "wissenschaftliche" Technologie zu ersetzen, die in ihrer Unangepasstheit aber desaströse Folgen haben kann. Eine emanzipatorische Technik- und in diesem Fall Fortschrittskritik fordert die verschiedenen Wissenschaftsfelder als Methoden neben vielen zu verstehen, mit der z.B. angepasste Technologie als Ergebnis von Erfahrungswissen verbessert oder ergänzt werden kann.

„Wissenschaftliche“ Fortschrittsgläubigkeit wirkt aber auch direkt gegen eine emanzipatorische Technikkritik. Sie ermöglicht es nämlich, dass die komplexen Schwierigkeiten, die in dieser Kritik formuliert werden, mit einem unfundierten Argument aus dem Weg zu räumen: Nämlich, dass durch einen Wegfall der kapitalistischen und / oder herrschaftsförmigen Verhältnisse und durch neue, nicht-kapitalistische, technologische Entwicklungen all diese Schwierigkeiten nicht mehr auftauchen. Diese Perspektive will wieder nur mit technischem Ingenieursdenken konkrete, unübersehbare soziale und politische Konflikte lösen. Das ist nicht nur im Kapitalismus absurd.


These 7: Kapitalistische Technik basiert auf fossilen Ressourcen, die bald nur noch begrenzt und irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen. Sie verursacht zudem Klimazerstörung

Wann das Fördermaximum für Erdöl erreicht ist, wird heiß diskutiert. Wann genau dieses erreicht ist, ist für eine emanzipatorische Technikkritik aber ziemlich egal. Sie erkennt allerdings an, dass moderne Technologie auf fossilen Ressourcen basiert die wahrscheinlich eher früher als später knapp werden bzw. deren Ausbeutung immer aufwändiger wird. Sie erkennt auch an, dass um die Klimazerstörung zu stoppen eine Transformation hin zu einem klimaneutralen Leben, kooperativ organisiert werden muss. Die notwendige emanzipatorische Forderung nach einer global-gerechten Verteilung aller Ressourcen auf alle Menschen hat weitreichende Konsequenzen für eine emanzipatorische Technikentwicklung. Wenn der Ressourcen-Verbrauch auf 1 / 10 des jetzigen BRD-Verbrauchs gedrosselt wird oder Klimaneutralität erreicht werden soll, stellt sich die Frage: Für welche Technologien wollen wir die verbleibenden Ressourcen nutzen? Für was reichen sie? Welche Technologien sind (auch von den Treibhausgas-Emmissionen her) verallgemeinerbar? Sicher nicht die zur maximalen Verwertung entwickelten kapitalistischen Technologien. In einer begrenzten Welt, gibt es begrenzte Möglichkeiten. Für welche Möglichkeiten wir uns entscheiden sollten, damit niemand einen Mangel empfindet, wird Ergebnis einer gesellschaftlicher Debatte sein. Gleichzeitig müssen wir eine Wirtschaftsweise und Technologieentwicklung voran treiben, die wirklich erneuerbar ist. Diese würden auf einer Nutzung von Land, Boden, Sonne, Wind und Wasser basieren.

Wie begrenzt unsere Möglichkeiten genau sind ist ebenfalls, trotz vielfältiger, aber sich widersprechende Prognosen, nicht vorhersehbar. Auch auf welchem technologischen Niveau sich eine erneuerbare Ökonomie bewegen wird ist unklar. Welche Transformationsmöglichkeiten wir haben, hängt von der Verfügbarkeit der fossilen Energieträger, dem Energiebedarf der Transformation und der Höhe einer gerechten Emissionsintensität ab. Unmöglich scheint es allerdings, auf Grund der oben formulierten Ansprüchen und der jetzigen Ressourcen- und Klimalage, den heutigen materiellen Lebensstil beizubehalten. Die Devise in Sachen Technikpotential scheint zu sein: Keine großen Hoffnungen machen, auf das schlimmste vorbereiten und alles dafür tun, dass angepasste Technologien und eine entsprechende Transformation möglichst bald ins Rollen kommen. Denn der Kapitalismus wird weiterhin versuchen mit technischen Scheinlösungen für die kommenden Desaster Profit zu machen.


These 8: Kapitalistische Technik und deren Nutzung im Hier und Jetzt mag unvermeidbar sein. Eine kritische Reflexion der damit verbundenen Herrschaftsmechanismen ist nötig

Ich sitze vorm Rechner und formuliere diese Thesen. Ich nutze Traktoren und Diesel um nicht-warenförmiges Gemüse herzustellen. Ob das in einer herrschaftsfreieren Welt weiterhin möglich ist, weiß ich nicht. Ich bin mir der Widersprüche in meinem alltäglichen Leben bewusst und wäge ab welche technikkritischen Schritte hin zu einer umfassenden Transformation ich in meinem alltäglichen Leben bereits gehen kann ohne mich zu sehr zu beschneiden. Ich organisiere mich in Kooperation mit anderen, um mehr und mehr dieser Widersprüche zu überwinden. Unter anderem dazu soll dieser Text anregen.

Entwurf für eine emanzipatorischen Technikentwicklung und Technikproduktion:

  1. Allein oder zusammen mit anderen Menschen eine Idee und ein Design für eine Technologie entwickeln oder diskutieren.
  2. Wenn gewollt oder nötig, andere Menschen finden, die Interesse an der Technologie und deren Produktion haben.
  3. Rohstoffgewinnung für diese Technologie in direkter Kooperation organisieren.
  4. Gesamten Produktionsprozess und damit möglichst alle Fertigungsschritte selbst oder in direkter Kooperation organisieren.
  5. Technologie in der Praxis auf die oben formulierten Kriterien überprüfen.
  6. Anpassen und weiterentwickeln.