2011-02:South Lanarkshire: Widerstand vor Ort und globale Solidarität

Aus grünes blatt
Wechseln zu: Navigation, Suche


Deinem Artikel fehlt die Angabe der AutorIn oder der Quelle, aus der er übernommen wurde. Diese Angabe ist einerseits der Nachvollziehbarkeit wegen sinnvoll und andererseits presserechtlich notwendig, da es sich um keinen "redaktionellen Beitrag" handelt, der vom "V.i.S.d.P." (VerantwortlichEr im Sinne des Pressegesetzes) verantwortet wird.

Bitte ergänze diese Information. Auch die Angabe von Pseudonymen und Kürzeln ist möglich.

Nach Ergänzung dieser Angaben kannst du diesen Kasten aus dem Artikel entfernen.


Bereits in den letzten Ausgaben des grünen blattes gab es Berichte und Interviews zu den direkten Aktionen gegen Kohleabbau in Schottland, South Lanarkshire. Hier nun ein weiteres Interview über aktuelle Entwicklungen, passend zum Titelthema über Kohle.

Frage: Ihr habt die Besetzung des Happendon Wood Action Camps freiwillig beendet. Hattet ihr nicht mehr genug Ressourcen oder geht es eher um einen Strategiewechsel?

Antwort: Ein Mix aus beidem. Wir hielten den Wald 9 Monate besetzt und während dieser Zeit ist hier viel passiert. Von kontinuierlichen direkten Aktionen gegen die Infrastruktur von Scottish Coal, bis zur Bildung einer gesellschaftsübergreifenden Kampagne gegen Tagebaue. Während der Zeit stellte Scottish Coal 3 neue Anträge für neue Tagebaue. Das bedeutet, dass der Happendon Wald derzeit nicht bedroht ist. Deshalb entschieden wir, ein paar Monate Pause zu machen vom Waldbesetzungsleben und unseren Fokus anschließend auf die erste der 3 beantragten Minen zu setzten. Das ist Glentaggart East mit einem geplantem Abbau von 4 Millionen Tonnen.

Frage: Wie entwickelt sich der Widerstand gegen die 3 geplanten Tagebaue in der Gesellschaft und welche Rolle spielen radikale Umweltaktivist_innen dabei?

Antwort: Der Widerstand wächst und es gibt mehr Menschen die sich selber ermächtigen und sich an der Kampagne beteiligen. Die Tatsache, dass 3 neue Minen gleichzeitig geplant sind bedeutet, dass alle Orte davon gleichzeitig betroffen sind. Das ist für ? eine Gelegenheit, dass diese zusammenarbeiten und weniger isoliert handeln. Es gibt definitiv ein Gefühl von einer gemeinsamen größeren Stärke. Dennoch gibt es trotzdem ein sich gleichzeitig breit machendes Gefühl der Ohnmacht, weil alles was in den letzten Jahren gegen die Minen unternommen wurde, diese noch nicht verhindern konnte. Weil Menschen so krass von Entscheidungsfindungen ausgeschlossen werden, gibt es viele die glauben nichts machen zu können. Die Menschen sind definitiv angepisst. Es ist bloß eine Frage des Plans wie diese Wut in Aktionen umgesetzt werden kann. Die Rolle der Umweltaktivist_innen ist es derzeit einen Knotenpunkt aufzubauen für die Kampagne. Einen Ort der Vernetzung und der Kommunikation mit und unter den lokal Betroffenen. Und ein konstanter Dorn zu sein, gegen die Kohleunternehmen, die lokale Verwaltung mit Aktionen und Negativwerbung.

Frage: Derzeit entwickeln sich überall auf der Welt Anti-Kohle Kämpfe auf lokaler Ebene. Im globalen Süden gibt es Aktionen mit Zehntausenden. In einigen Ländern wurden in den letzten Monaten Aktivist_innen ermordet. Aktivist_innen von Coal Action Scotland haben vor kurzem eine Aktion in Solidarität mit den Widerständen in der Süd-Mongolei gegen die chinesischen Kohlepläne gemacht. Kannst du etwas über die Aktion erzählen und über eure Überlegungen, wie und ob es möglich ist eine globale Bewegung gegen Kohleabbau und -verbrennung aufzubauen?

Antwort: Wir hielten eine Kundgebung vor der chinesischen Botschaft in Edinburgh ab – in Solidarität mit den mongolischen Gemeinschaften, um sie soweit möglich zu unterstützen und um in Schottland das Bewusstsein zu dem Thema zu steigern. Während wir uns hauptsächlich auf den Kohleabbau in Großbritannien fokussieren, ist es immernoch so, dass Großbritannien 3-mal soviel Kohle importiert, wie es selber abbaut. Deshalb versuchen wir Wege zu finden um Verbindungen mit den Kämpfen im globalen Süden herzustellen. Zum Beispiel luden wir die „Tödliche Kohle Tour“ aus Indonesien ein und vernetzten uns mit Kolumbianischen Gemeinden, die unter den Auswirkungen von Kohleabbau leiden.

In Bezug auf das Formen einer globalen Bewegung gegen Kohle ist das eine schwere Frage: Wir haben in den letzten Jahren, durch die Erfahrungen der UK Klimacamps, versucht unsere Kämpfe so weit wie möglich lokaler werden zu lassen und uns darauf zu fokussieren, was wichtig für die lokale Bevölkerung ist, ökologische und soziale Kämpfe zu verbinden. Wir versuchen Bewegungen zu verbinden und Unterstützung und Solidarität zu geben wenn wir können. Wir organisierten demletzt eine einwöchige Veranstaltung „Die wahren Kosten der Kohle“ über Bergbau in den Appalachen (USA). Ich persönlich glaube nicht, dass große internationale Organisationen effektiv sind. Sie tendieren dazu sich zu institutionalisieren und sich von den konkreten Aktivitäten und Kampagnen zu entfremden. Vielleicht könnte ein Modell von lokalen, autonomen Aktivitäten mit einer Betonung auf Solidarität und Unterstützung für andere Bewegungen effektiv sein.

Frage: Ich habe gehört, dass „Friends of the Earth Scotland“ den CCS-Plänen positiv gegenübersteht. Kannst du etwas darüber sagen, und was du glaubst was die Motivationen dieser NGO ist und was eure Position zu CCS ist?

Antwort: Einige Umwelt-NGOs in Schottland, wie der WWF (World Wildlife Fund), Friends of the Earth Scotland, and WDM (World Development Movement) haben die Position, dass CCS helfen kann die CO2 Emissionen drastisch zu reduzieren. Deshalb unterstützen sie den Neubau des Longannet Kohlekraftwerks (das drittgrößte Europas) mit CO2-Abscheidung und -Speicherung. Unsere Meinung ist, dass CCS ein grünes Deckmäntelchen ist und dass technikfixierte Lösungen auf der Grundlage der Agenda des grünen Kapitalismus keine echten Lösungen sein können, sondern eine Verschlimmbesserung des Problems. Die NGOs sind Teil bürgerlicher Infrastruktur und oft Teil des Problems und nicht der Lösung. Die Lösung in diesem Fall wäre ganz einfach das Kraftwerk abzuschalten.

Frage: Was sind eure nächsten geplanten Aktivitäten?

Antwort: Während des Sommers machen wir eine „Community Roadshow“ durch die vom Tagebau betroffenen Orte in South Lanarkshire als Teil unserer Bestrebungen die Glentaggart East Mine zu verhindern. Und wir organisieren ein zweites Outdoor Skillshare vom 26. bis zum 29. August. Wir hoffen, dass das „skillshare“ ein Brennpunkt sein wird, für Menschen die an direkten Aktionen zu Umweltthemen arbeiten um zusammen zu kommen, Fähigkeiten zu teilen und die Bewegung zu stärken. Es wird sich auf die Fähigkeiten fokussieren, die benötigt werden um eine Fläche zu verteidigen und zu besetzen und erfolgreich in unseren Kämpfen zu sein.