2009-01:Peru

Aus grünes blatt
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Der Krieg Perus gegen die Indígenas

Kind der Nacht Seit zwei Monaten finden im peruanischen Amazonasgebiet friedliche Proteste und direkte Aktionen von Indígenas statt. Sie richten sich gegen neu erlassene Dekrete unter der sozialdemokratischen Regierung Alan Garcías vorzugehen, welche sie fundamentaler Rechte beraubt und die Ansiedlung von Ölfirmen in ihren Stammesgebieten forciert.

Nur einen Monat später hatte die peruanische Regierung einen zwei Monate anhaltenen Notstand für mehrere Provinzen im Amazonasgebiet ausgerufen. Militär-und Sondereinheiten der Polizei wurden in die betroffenen Regionen entsendet, um die friedlichen Proteste gewaltsam zu unterdrücken und die Interessen der überwiegend großen Unternehmen aus dem Ausland zu schützen.

Am 5. Juni kamen bei der gewaltsamen Räumung einer Straßenblockade von mehr als 5.000 Indíginas in Bagua (Nordperu) durch die Polizei möglicherweise bis zu 40 Menschen ums Leben. Nach dem Angriff staatlicher Sicherheitsorgane auf die friedliche Straßenblockade wurde eine Ölförderanlage in der Nähe der Stadt besetzt. Um ein Ende des blutigen Polizeieinsatzes zu fordern, wurden dabei 38 Polizisten als Geiseln genommen. Bei einem Befreiungsversuch durch die Polizei nur einen Tag später, kamen nach Behördenangaben neun der Geiseln ums Leben, 22 konnten befreit werden, sieben galten zunächst als vermisst.

Nachdem der Vorsitzende der indigenen Organisation Aidesep, Alberto Pizango, von der peruanischen Regierung zur Fahndung ausgeschrieben wurde, konnte er zunächst in die Botschaft Nicaraguas in Lima fliehen und beantragte Asyl.

Am 11. Juni hat die peruanische Regierung nach einer Abstimmung im Parlament das umstrittene Dekret 1090 bis auf weiteres außer Kraft gesetzt, während die Proteste auf der Straße weitergehen. Am für Freitag geplanten Streik der Arbeitnehmer-Dachorganisation CGTP und einen Protestmarsch zum Präsidentenpalast in Lima beteiligten sich mehrere zehntausend Menschen. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften.

Am 05.06.2009 kamen mindestens 38 Menschen bei der Räumung einer Straßenblockade von Indígenas in Bagua/Peru ums Leben. Der Artikel geht auf den Hintergrund des Massakers ein und zeigt Handlungsmöglichkeiten und Perspektiven auf.

Seit dem 9. April finden im peruanischen Amazonasgebiet starke Proteste und direkte Aktionen von Indígenas statt, um gegen neue Gesetze der Regierung Garcia vorzugehen, welche sie fundamentaler Rechte beraubt und die Ansiedlung von Ölfirmen in ihren Stammesgebieten forciert. Dabei geht es u.a. um Freihandelsabkommen mit den USA und Ausbeutung von Ölvorkommen durch den britisch-französisch Konzern Perenco. Die Indígenas wehren sich gegen ihre Enteignung, die Zerstörung des Regenwaldes durch die Ölförderungen und fordern das Recht auf eine eigenständige und nachhaltige Entwicklung. Ihre Forderungen untermauerten sie mit Blockaden von Straßen und Flüssen, um Arbeiter der Ölfirmen nicht zu den Bohrstellen zu lassen. Zuerst ignorierte die Regierung Garcia bewußt die Mobilisierung und Forderungen der Indígenas und hoffte, die Bewegung würde sich tot laufen. Am 04. Mai durchbrach ein Kanonenboot des Militärs zusammen mit mindestens einem Boot des britisch-französischen Ölkonzerns Perenco eine Blockade auf dem Napo-Fluss, einem der wichtigsten Zuflüsse des Amazonas. Am 09. Mai verhängte die Regierung den Ausnahmezustand über die Staaten Loreto, Amazonas, Cusco, und Ucayali nachdem ein Tag zuvor die wichtigsten Indígena-Organisation Aidesep eine Radikalisierung ihrer Aktionen angekündigt hatte. Dabei ist der Ausnahmezustand als „Kriegserklärung“ gegen jene, „die den Lauf der Geschichte ändern wollen“ zu verstehen, so Roger Rumrrill. Eine Lizenz für die Regierung, die Indigenen mit Gewalt zu unterdrücken. Gleichzeitig diffamierte die Regierung die Bewegung der Indígenas medial als „unwissend“.

Am Freitag den 05. Juni wurde bei der Räumung einer friedlichen Straßenblockade von bis zu 5000 Indígenas in der Nähe der Stadt Bagua Schußwaffen, Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt, so das die Situation eskalierte. Die Polizei feuerte aus einem Hubschrauber auf die Blockierenden und in der Stadt Bagua schossen Scharfschützen auf Indígenas. Die Indígenas verteidigten sich mit erbeuteten Waffen von der Polizei, wobei sie jedoch vor der Konfrontation unbewaffnet waren. Im Zuge der Auseinandersetzungen kamen mindestens 28 Protestierende und 10 Polizisten um Leben, mindestens 150 weitere Menschen wurden verletzt. Dabei ist es möglich, das die Zahl der Opfer noch größer ist, da die Polizei Leichen verbrannt und beseitigt haben soll. Unter den Opfern der Protestierenden sind mindestens drei Kinder und zwei nicht-indigene Anwohner aus Bagua.

Nach dem Massaker von Bagua besetzten empörte Menschen eine Ölförderanlage in der Nähe dieser Stadt und brachten zeitweilig 38 Polizisten in ihre Gewalt, um ein Ende des Polizeieinsatzes zu fordern. Als die Polizei am Sonnabend versuchte, die Gefangenen zu befreien, kamen Behördenangaben zufolge neun Polizisten ums Leben, 22 konnten befreit werden, sieben wurden zunächst vermißt.

Ein Mitarbeiter der sehr aktiven Internetseite Intercontinetal Cry schreibt in seinem Mikroblog folgendes @indigenous_news „We must look at the big picture. Bagua is not isolated. The same violence is happening in dozens of countries. I could list them“. Die Quintessenz dieser Tragödie ist, das der fossile Kapitalismus sich immer weiter ausdehnt und in dreierlei Hinsicht tötet:

  1. Die Menschen mit ihrer einzigartigen Kultur sterben durch Repression und autoritärer Formierung kapitalistischer Interessen. Damit stirbt auch Stück für Stück die Möglichkeit von diesen nachhaltige Kulturen jenseits Mark und Staat (ohne Romantisierung) lernen zu können.
  2. Des Regenwald wird durch Ölverschmutzung, Erzabbau und Holzeinschlag zerstört und dient so nicht mehr als CO2-Speicher und Schatz der Artenvielfalt, wodurch das Ökosystem der Erde weiter destabilisiert wird.
  3. Durch Ausbeutung der Öl und Gasreserven im Regenwald wird der Klimawandel weiter angeheizt, was unberechenbare Folgen hat.

TODAY I DIED in Bagua

(aus dem Blog http://peruanista.blogspot.com/2009/06/hoy-he-muerto-en-bagua-fotos-y-videos.html) Today I died in Bagua, I was shot today. Today I was tortured, they dragged my body and then burned me down. My remains were thrown to the river. Today I was the art student shot in the chest, the four year old girl shot in the stomach. Mine was the immobile and bleeding body that the Peruvian Police has shot again cowardly, I am the mother who saw his son dying with my body was shaking in the road. Today I was the Indigenous man who went crazy and burned the government of Peru’s facilities because they do not represent me anymore.

I am the victim of genocidal racism of the right-wing Garcia government with the complicity of a mafia of apristas and fujimoristas. Today I'm hurt, I died today, today I am lying on a road and my body will be eaten by animals, because the police are shooting my family and friends who wants to rescue me. Today I am the Indigenous Peruvian, I am my people, my blood, my pain, my inquiry, my body, my anger.

Today I ask you, I require you, I demand you Alan García to resign, leave, get out! you're not my president, you are a genocidal criminal. Take your fucking murderers with you. One day you will end up behind bars. Evil, murderer, genocidal, racist, thug, you disgust me Alan García.


Was kann mensch tun unmittelbar tun?

  • Online-Kampagnen unterstützen (http://amazonwatch.org/peru-action-alert.php)
  • den Kampf durch (Online-)Publikatonen, Infoverstaltungen,usw. bekannter machen
  • Geld sammeln/spenden für direkte Unterstützung der Opfer und Antirepressionskosten (http://bit.ly/3xRZo)
  • Protestaktionen vor Peruanischen Botschaft organisieren (in den USA laufen heute drei Aktionen!)
  • intensiver Auseinandersetzung mit den Ölkonzern Perenco, in wie weit durch Campagning und direkte Aktionen Druck aufgebaut werden kann.


Perspektive

Neben der direkten Unterstützung der indigenen „Communities in Struggle“ ist es wichtig Wege jenseits des fossilen Kapitalismus zu beschreiten und die Illusion eines nachhaltigen Kapitalismus zu kritisieren. Wir müssen das Thema Klimawandel von linksradikaler Seite besetzen und die soziale Frage wieder mehr in Vordergrund rücken. Eine Möglichkeit wäre z.B. die Mitarbeit in lokalen Klimabündnissen, um dort kritische Inhalte und die rassistischen Folgen des fossilen Kapitalismus zu thematisieren. Eine sehr schöne und inspirierende Analyse/Perspektive für eine nachhaltigen, klassenkämpferischen Antikapitalismus mit utopischem Gehalt bietet das Buch „Nowtopia“ von Chris Carlson (http://www.nowtopia.org). Und nicht zu vergessen:

Auf im Dezember nach Kopenhagen! Sozialer Wandel statt Klimawandel!

Auf Twitter das Hashtag #Bagua folgen und folgende Mikroblogs sind ebenfalls gute Informationsquellen:

  • @AmazonWatch
  • @CarlosQC
  • @indigenous_news
  • @Qorianka
  • @Servindi (Spanish)
  • @bandawatch
  • @Cyberjuan
  • @kjikaqawej