2009-01:Gentechpersonen

Aus grünes blatt
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Ross und Reiter: Who is who im Gentech-Sumpf

Hans-Jörg Buhk heißt der Chef der Gentechnik-Abteilung im Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Detlev Bartsch sein Stellvertreter. Beide haben schon vor Jahren bekanntgegeben, dass sie Gentechnik für sicher halten. Sie unterschrieben Manifeste zum Abbau von Kontrollen bei der Zulassung - dabei sollen sie selbst eigentlich die obersten Kontrolleure sein. Doch ihr Ziel haben sie bei Auftritten in Werbefilmen und auf Industriemessen immer wieder verkündet: Die Gentechnik voranbringen. Kein Wunder, dass noch nie ein Antrag auf eine Freisetzung abgelehnt wurde. Buhk, Bartsch und Konsorten in Bürotrakten der Berliner Mauerstr. 39-42 sind Garanten für den Durchmarsch der Agro-Gentechnik.

Noch schillernder ist der Lebenslauf von Prof. Inge Broer, der Lieblingsgentechnikerin von Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Neben dem noch zu erwähenden Joachim Schiemann ist sie die Top-Postenjägerin der Szene. Dabei sitzt sie, jeweils mehrfach, in Gremien, die forschen, anwenden, Geld verteilen, Lobbyarbeit betreiben und selbst da, wo das alles kontrolliert werden soll. Ein ganz kleiner Auszug: Wissenschaftlichen Beirat de Ministeriums für Landwirtschaft, Arbeitsgruppe „Anbaubegleitendes Monitoring“ der Biologischen Bundesanstalt Braunschweig, Vorsitzende des Genversuchsbetreibers FINAB, Informationskreis Gentechnik des Bundes Deutscher Pflanzenzüchter, Kuratorium der Gentech-Konzerns KWS, Forschungsverbund Mecklenburg Vorpommern FMV, Leiterin des versuchsbetreibenden Instituts für Agrobiotechnologie der Universität Rostock, Gutachterin der Deutschen Stiftung Umwelt für Biotechnologie, Leiterin der Ad hoc Arbeitsgruppe Gentechnik des Umweltministeriums MV, Gesellschaftervorsitzende des Versuchsdienstleisters biovativ GmbH, Gesellschafterin des Gentech-Firmenverbundes BioOK, Sprecherin des Clusters ,Pflanzen mit neuen Eigenschaften' der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Expertin der EFSA und TeilnehmerIn am Runden Tisch bei Forschungsministerin Schavan.

Begeisterung bei GentechnikgegnerInnen lösten die Auftritte eines weiteres Bundesbehördenangestellten aus, der inzwischen im Ruhestand ist: Klaus-Dieter Jany gab mit seinen platten Phantasien von neuer Artenvielfalt durch künstliche Tiere und Pflanzen das Abziehbild des skrupellosen Gentechnikmachers ab. Das er im Hauptberuf eigentlich für die Sicherheit von Lebensmittel zuständig sein müsste, machte erschrocken. Immer wieder tauchte er an der Seite der mit ihrer primitiven Weltsicht immer wieder zur Lachnummer mutierenden FDP-Bundestagsabgeordneten Christel Happach-Kasan auf. Sie organisierten Patenschaften für bedrohte Genmaispflänzchen und demonstrierten mit deutschlandfarbenen FDP-Nachwuchseliten gegen vermeintliches Faustrecht, mussten aber auf Nachfrage einräumen, vom geltenden Gentechnikrecht keine Ahnung zu haben.

Gefährlicher ist Joachim Schiemann. Von 1976 bis 1991 arbeitete er am Vorläufer des heutigen IPK in Gatersleben. Von dort wechselte er zur BBA (später: JKI) nach Braunschweig, dann zum neuen Hauptsitz des JKI nach Quedlinburg. Obwohl vielfach als Gentechnik-Befürworter aufgetreten, ist Schiemann dort Leiter des ,Instituts für Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen'. Auf der Selbstdarstellungsseite dieser JKI-Abteilung werden deren Aufgaben und die Gentechnik voreingenommen als wichtige Zukunftsbranche bezeichnet: „Die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen ist weltweit auf dem Vormarsch - die wissenschaftliche, öffentliche und politische Auseinandersetzung mit dieser Thematik, die eine wichtige Zukunftsbranche für Forschung und Wirtschaft darstellt, ist daher nach wie vor aktuell. ... Die Aufgaben des Instituts leiten sich aus dem Gentechnikgesetz, dem Pflanzenschutzgesetz, hierzu erlassenen Rechtsverordnungen und den im Forschungsplan des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) festgeschriebenen Forschungsaufgaben ab. Sie umfassen insbesondere Fragen der Risikobewertung und des Monitoring von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sowie der Koexistenz von Anbausystemen mit und ohne Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Das Institut wirkt am Genehmigungsverfahren für die Freisetzung und das Inverkehrbringen von GVO mit. Im Rahmen von biologischer Sicherheitsforschung und freisetzungsbegleitenden Forschungsarbeiten mit Kulturpflanzen sowie des Monitoring werden Sicherheitsaspekte und mögliche Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf den Naturhaushalt und die nachhaltige Landbewirtschaftung untersucht. Das Institut berät die Bundesregierung, insbesondere das BMELV, in Fragen der Sicherheit in der Gentechnik und der Koexistenz. Es koordiniert die Forschungsarbeiten zur biologischen Sicherheit von GVO im Julius Kühn-Institut und im Forschungsbereich des BMELV.“

Schiemann arbeitete bereits in mehreren Kontrollinstitutionen und Gremien von Geldgebern, u.a. von 2000 bis 2004 beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und ab 2003 „als Sachverständiger für die Efsa. Seine Risiko-Einschätzungen dienen der EU-Kommission und dem EU-Parlament als Grundlage für Entscheidungen zur Gentechnik“. Während er Gentechnikanwendungen prüfen und überwachen sollte, betätigte er sich gleichzeitig selbst als Entwickler und führt Versuche durch. Sein Thema: Grenzwertforschung. Dass er höhere Schwellen will, gab er allerdings auch bereits vorher bekannt.

Bei den meisten Freisetzungsversuchen mischen Kleinstfirmen mit, die die gleiche Geschäftsführerin haben: Kerstin Schmidt. Gentechnik ist nicht ihr Fachgebiet, sie ist Mathematikerin. Das passt auch besser, denn die Biosicherheitsforschung ist in Deutschland eher ein Selbstbedienungsladen für Labore, Firmen und Konzerne, Uni-Instiute und Einzelpersonen. Fast alle Versuche dienen ganz anderen Zwecken, die aber nur verdeckt bearbeitet werden. Schmidt regiert im AgroBioTechnikum und in der BioTechFarm, beim Dienstleister biovativ und im Firmenverbund BioOK. Ob sie überhaupt eine eigene Position zur Gentechnik hat, blieb bis heute offen. Verdächtig gern macht sie einfach alles, wofür es Geld gibt. In jedem Fall sind die meisten teuren sogenannten Forschungen in der Hand einer Person, die vom Thema keine oder wenig Ahnung hat. Für das Ziel der Simulation von Forschung, der Umleitung von Geldern in unübersichtliche Firmengeflechte und der Ausbreitung der Gentechnik in die Umwelt reicht das.

Bleibt noch die Klementine der grünen Gentechnik. Chef des wichtigsten Lobbyverbandes InnoPlanta ist Uwe Schrader, gleichzeitig FDP-Landtagsabgeordneter und vormals unter Parteikollege Rehberger (tritt jetzt als Anwalt der Genweizenanbauer von Gatersleben auf) Referent im Wirtschaftsministerium. Er war und ist Top-Strippenzieher: Erst für das IPK als erste deutsche Gentechnikhochburg, dann für das Nachfolgemodell BioTechFarm, deren erste Geschäftsführer er übernahm. InnoPlanta vereinigt rund 60 Partner aus Forschung, Wirtschaft, Finanzen und Politik. Im Beirat sitzen Klaus-Dieter Jany (BfEL) und Jens Katzek (BIO Mitteldeutschland). Genius als Mitglied übernimmt PR-Aufgaben. Unter den weiteren Mitgliedern sind KWS, NovoPlant, SunGene und TraitGenetics (Gatersleben), BIO Mitteldeutschland, Landesbauernverband Sachsen-Anhalt, die Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ Quedlinburg, jetzt JKI) und das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK Gatersleben).