2009-01:Chuitna Kohletagebau gefährdet unberührte Feuchtgebiete in Alaska

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Karte des Cook Inlet in Alaska und des Standorts der Kohle-Abbaue
Karte Alaskas mit Standorten der Kohleindustrie
Feuchtgebiete und borealer Wald - in Nord-Alberta (CA)
Foto: Falk Beyer

Inhaltsverzeichnis

Chuitna Kohletagebau gefährdet unberührte Feuchtgebiete in Alaska

fb Nahe Anchorage, mit knapp 280.000 EinwohnerInnen die größte Stadt Alaskas[1], soll inmitten weitgehend unberührter Natur[2] ein riesiger Steinkohle-Tagebau entstehen. Auf einer Fläche von über 2.000 Hektar soll mit dem "Chuitna Coal Project" im Wassereinzugsgebiet des Chuitna River der größte Kohle-Tagebau in der Geschichte Alaskas und gleichzeitig der größte Tagebau der USA[3] errichtet werden. Der Tagebau wird etwa 18 Kilometer reichhaltiger Lachs-Ströme[2][4] zerstören, die wichtige Laichgebiete darstellen. Außerdem werden Tausende Hektar Feuchtgebiete vernichtet. 95 % der BewohnerInnen der Gegend von Tyonek[5], dem nächstgelegenen Dorf, haben sich gegen den Tagebau ausgesprochen. Das hält das Unternehmen PacRim nicht davon ab, das umweltzerstörende[6] und die Existenzgrundlage der dort lebenden Menschen gefährdende Projekt[7] weiter voranzutreiben.[4] Ein gefährlicher Präzedenzfall droht in Alaska zu entstehen, denn niemals zuvor wurde im nördlichsten Bundesstaat der USA die Errichtung eines Tagebaus mitten in einen Lachsstrom genehmigt[6][4][8].[9]

Borealer Wald

Der boreale (Nadel-)Wald ist die am nördlichsten gelegene Vegetationszone der Erde, in der das Wachstum von Wäldern möglich ist. Dieser Waldtypus entsteht in der kaltgemäßigten Klimazone und existiert daher ausnahmslos auf der Nordhalbkugel. Nördlich der borealen Nadelwaldzone befindet sich die Tundra; im Süden schließen sich kühlgemäßigte sommergrüne Laubwälder oder Waldsteppen an. Das Ökosystem der borealen Nadelwaldzone bildet die größten zusammenhängenden Wälder der Erde.[10]

Die Flora wird durch Nadelwälder gekennzeichnet, die in südlicheren und ozeanisch beeinflussten Gebieten mit Birke und Espe durchsetzt sind. Der boreale Nadelwald ist in seinen Kerngebieten oft durch nur eine oder zwei Baumarten bestimmt und zählt daher zu den weniger artenreichen Wäldern. Dies liegt in erster Linie an der kurzen Vegetationsperiode von nur 2 bis 4,5 Monaten. Im Süden geht der boreale Nadelwald in gemäßigten Mischwald mit sommergrünen Laubbäumen über. Zu den Charakterarten zählen nicht nur Bäume, sondern auch Sträucher und Kräuter. Dies sind Heidel- und Preiselbeere, Wald-Wachtelweizen, Siebenstern, Blaue Heckenkirsche, Moosglöckchen, Sprossender Bärlapp und Tannen-Bärlapp, außerdem zahlreiche Moose, die allesamt Säurezeiger sind.[10]

Im borealen Nadelwald leben mehr als 300 Vogelarten. Außerdem ist dies der Lebensraum von vielen Säugetieren wie Elch, Wolf, Vielfraß, Bison, Karibu, Bären, Luchs, Fuchs, Hase, Marder, Otter, Biber, Stinktier, Flughörnchen, Lemming und Kojote. Flüsse und Seen der borealen Nadelwälder sind Lebensraum für zahlreicher Fischarten, darunter viele Lachsarten. Trotz der Kälte gibt es relativ viele Arten von Amphibien und Reptilien.[10]

Zwei Drittel der borealen Nadelwälder stehen auf Dauerfrostboden, auch bekannt als Permafrostboden. Der Permafrost taut erst im Frühsommer oberflächlich auf (bis in Tiefen von 0,5 - 1 m) und neigt durch das anstehende Wasser zur Versumpfung. Die Wurzelmasse der Bäume ist daher kaum tiefer als 20 - 30 cm im Boden verankert. Die Versumpfung bedingt auch hier aufgrund des Sauerstoffmangels eine unvollständige Zersetzung der organischen Masse sowie eine ungenügende Mineralisierung der in ihr gebundenen Nährstoffe. So bilden sich vielerorts auch Moore.[10]

Borealer Wald an der Ostseite des Cook Inlet
Foto: Falk Beyer

Kohleindustrie in Alaska

Die Usibelli-Kohlemine nahe Healy ist bisher das einzige sich in Betrieb befindende Bergwerk Alaskas. Es versorgt sechs Kohlekraftwerke im Inneren Alaskas und exportiert Kohle nach Korea und Chile.[8][11] Die aktuellen Pläne der Kohleindustrie werden die Zahl und das Kapazitäten von Kohle-Anlagen in Alaska vervielfachen.

Kohle macht nur etwas mehr als 10 % von Alaskas Stromerzeugung aus. Dieser Anteil wird vollständig vom Usibelli-Kohlebergwerk versorgt. Derzeit besteht für Alaskas Kohlekraftwerke kein Bedarf an der Kohle, die in Chuitna abgebaut werden soll. Daher würde diese Kohle höchstwahrscheinlich an asiatische Märkte einschließlich Südkorea, Japan und China sowie weitere denkbare Märkte in Mexiko und Chile exportiert werden.[8]
Chuitna River an der Westseite des Cook Inlet
Foto: Damion Brook Kintz
Weiterer Blick auf die Chuitna-Region
Foto: Damion Brook Kintz
Der Chuitna River 2006
Foto: Damion Brook Kintz

"Chuitna Coal"-Tagebau

Das sogenannte Chuitna Coal Project ist ein Übertage-Bergwerk, das im Beluga Coal Field etwa 70 Kilometer westlich von Anchorage in Süd-Zentral-Alaska an der Westseite des Cook Inlet gelegen ist[12][4]. Direkt betroffen sind davon das Dorf Tyonek und die Gemeinde Beluga[6]. Alaska besitzt mehr als die Hälfte der Kohlereserven der USA. Mit dem Steigen der Kohlepreise steigt auch die Nachfrage nach Alaskas Kohle, so dass kostspielige Großprojekte wie die Chuitna-Mine attraktiver werden[13]. In dem Tagebau soll Fettkohle (engl. "sub-bituminous coal"), eine Steinkohlen-Art mit Feuchtigkeitsgehalt von etwa 20%[14], abgebaut werden. Das Einzugsgebiet des Chuitna River bedeckt große Fettkohle-Lagerstätten geringer Qualität; Alaska hat Tausende Hektar Kohlepachtverträge in diesem Gebiet vergeben[9]. Märkte für die minderwertige Fettkohle werden wahrscheinlich asiatische Kohlekraftwerke sein[12].

Grundbesitz

PacRim verfügt über eine Pachtfläche von über 8.300 Hektar[15], die dem Alaska Mental Health Trust gehören. Hier werden etwa eine Milliarde Tonnen geringschwefelhaltige "Fettkohle" vermutet. Die nachgewiesenen Reserven belaufen sich auf 771 Millionen Tonnen. Innerhalb der Pachtfläche hat PacRim drei Bergbau-Abschnitte (LMU) untersucht.[8] Der Alaska Mental Health Trust ist ein staatliches Unternehmen, das die Einnahmen aus Immobilien für die Versorgung seelisch kranker Menschen verwendet[16]. Da erscheint es makaber, dass eine um die Gesundheit bemühte Organisation ihr Geld mit schmutzigen Geldanlagen macht. Denn so werden indirekt körperliche Erkrankungen gefördert, weil der Kohlebergbau große Mengen schädlicher Emissionen freisetzt.

Weiteres Land innerhalb und angrenzend an PacRims Pachtflächen gehören dem Bundesstaat Alaska, dem Kenai Peninsula Borough, der Tyonek Native Corp., der Cook Inlet Region, Inc. (CIRI) und privaten EigentümerInnen. Derzeit ist die Abbaufläche nicht an Alaskas Fernverkehrsstraßen angeschlossen. Das Gebiet ist lediglich per Luft oder See zugänglich. Start- und Landebahnen existieren in Beluga und Tyonek, die wiederum per Schotterstraßen - Überbleibsel früherer Holzwirtschafts-, Öl-, Gas- und Kohleerkundungs-Vorhaben - erreichbar sind. Eine weitere private Start- und Landebahn gibt es nahe dem Beluga-Kraftwerk. Binnenschiff-Anlegestellen zur Versorgung lokaler AnwohnerInnen gibt es in Ladd Landing, Tyonek und Granite Point.[8]

Anlagen-Übersicht

Die aktuelle Projektbeschreibung umfasst einen großflächigen Tagebau und damit verbundene Anlagen, ein 20 Kilometer langes, teilweise umschlossenes Kohle-Transportband, Wohngebäude für die Beschäftigten, Start- und Landebahn-Anlagen, ein Logistik-Zentrum und ein Kohle-Export-Terminal. Dem Industrieprojekt ist eine Laufzeit von mindestens 25 Jahren angedacht.[15][17] PacRim Coal will Grundstücke bei Ladd Landing pachten, um ein 500.000 Tonnen-Kohlelager und Exportanlagen für den angekündigten Chuitna-Kohletagebau zu errichten. Diese werden kommerzielle Fischerei-Bereiche direkt verdrängen und beeinträchtigen[2].[4]

Anderthalb Kilometer von der Three Mile Creek Subdivision entfernt werden hier Kohlehaufen unbedeckt für den Transport nach China gelagert werden. Der Hafen wird die Landnutzung und den Charakter der Gemeinden Beluga und Tyonek für immer verändern.[18] Zur Bedienung der jährlich bis zu 120 Großfrachtschiffe, die die Kohle nach Asien transportieren sollen, ist hier der Bau eines 3 Kilometer in das Cook Inlet hineinragenden Docks vorgesehen[15], das wichtige Lachs-Wander-Korridore im oberen Cook Inlet und im Mat Su Valley ebenso wie auch die Netzfischerei beeinträchtigen wird.[6] Die massiven Gezeiten und starken Strömungen im Cook Inlet erzeugen im Zusammenspiel mit den bekanntlich rauhen, windigen und eisigen Bedingungen dieser Buch ein hohes Risiko von Katastrophen in einem erstklassigen Lachslebensraum.[2][4]

Ladd Landing liegt gegenüber Kenai nahe den Gemeinden Beluga und Tyonek[19]. Es handelt sich um öffentlichen Grund und Boden im Besitz des Kenai Peninsula Borough[20], der eine Pachtoption für das Land seit 1987 an die Tidewater Services Corp vergab. 1994 übertrug die Midgard Energy Co., durch eine Fusionierung neue EigentümerIn der Pachtrechte, diese Option an Richard Bass, William Herbert Hunt und den William Herbert Hunt Trust Estate. Über die Jahre wurden die Pachtrechte immer wieder verlängert, aus wirtschaftlichen Gründen aber nicht genutzt. Anfang 2008 übertrugen die EigentümerInnen ihre Option an PacRim Coal LP. Im März 2009 lehnte die Bezirksversammlung von Kenai Peninsula die neuerliche Verlängerung der Pachtoption für PacRim ab[4]. Im April hat das Landverwaltungsbüro des Bezirks nun den Prozess zur Beendigung des Pachtvertrags mit seinen alten Bedingungen begonnen. VertreterInnen des Bezirks zufolge sollen diese Bedingungen, die nach beiderseitigem Einvernehmen veraltet sind und einer Überarbeitung bedürfen, neu verhandelt werden.[8]

Start- und Landebahnen sowie die Wohnanlagen für die MitarbeiterInnen des Kohleprojekts werden südlich des Abbaugebiets an der Zufahrtsstraße zum Tagebau liegen. Es werden dort Einzelwohnanlagen, Müllverarbeitungseinrichtungen und ein Kasino entstehen. Außerdem werden die Leitungs- und Verwaltungsbüros hier Platz finden.[21]

Genehmigungsverfahren

PacRim hat 3-4 Einzelgenehmigungen für Teilprojekte beantragt und einen Gesamtantrag für die Beurteilung der Gesamtauswirkungen des Kohle-Projekts eingereicht.[21]

Das Chuitna Coal Project befindet sich in einem fortgeschritten Genehmigungsstadium. Der Antragsteller, PacRim, hat bereits viele der Antragsunterlagen, bestehend aus Bergbau- und Renaturierungsplänen und Basis-Studien, eingereicht. Das Unternehmen arbeitet gerade am Zusammentragen von zusätzlichen Grundlagen zur Wasser-Tierwelt und kulturellen Ressourcen. Bisher wurde das vollständige Unterlagenpaket für das Chuitna Coal Project noch nicht bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, der Abteilung für Bergbau, Land und Wasser (Division of Mining, Land & Water[22]) des Ministeriums für Natürliche Ressourcen Alaskas (DNR - Alaska Department of Natural Ressources[23]), eingereicht. Es wurden auch noch keine formalen Sichtungen der Unterlagen durch die Behörde eingeleitet. Wenn die vollständigen Unterlagen einmal eingereicht sind, findet eine Beurteilung der Vollständigkeit des Antrags und der Gesamtfolgen des Projekts statt. Die Vervollständigung des Antrags war zum Ende 2008/Anfang 2009 von der zuständigen Abteilung im Ministerium für Natürliche Ressourcen erwartet worden. Allerdings war dies bis Ende Juni 2009 nicht erfolgt.[17]

Das DNR ist die leitende staatliche Stelle, die an der Genehmigung von Kohleprojekten in Alaska beteiligt ist. Eine Arbeitsgruppe für große Bergbauprojekte (Large Mine Project Group) wurde vom DNR ernannt und mit VertreterInnen der verschiedenen beteiligten Stellen (insbesondere des Ministeriums für Natürliche Ressourcen, des Ministeriums für Umweltschutz, des Ministeriums für Fischerei und Jagd und des Ministeriums der Justiz) besetzt, um das Genehmigungsverfahrens für das Chuitna Coal Project zu koordinieren.[17][21] Leitende Bundesbehörde für die ergänzende Umweltfolgenstudie (engl. "Supplemental Environment Impact Statement") ist die EPA (Environmental Protection Agency). Bereits im 2. oder 3. Quartal 2007 sollte die finale Fassung der Studie veröffentlicht werden; dies ist noch immer nicht geschehen. Ursprünglich war der Produktionsbeginn im 3. Quartal 2009 geplant gewesen.[21]

300 bis 350 Arbeitsplätze sollen durch dieses Monsterprojekt geschaffen werden.[21][8]


Unberührte boreale Wald- und Feuchtgebiete in Gefahr

Der Chuitna River stellt ein wichtiges Habitat für Subsistenz-Fischerei und Jagd dar[9]. Er fließt von seinen Quellen am Fuße der Alaska Ranges[24] 40 Kilometer ungehindert in das Cook Inlet[2]. Ein großer Teil der Nahrungsquellen für die Menschen im ländlichen Raum Alaskas wird durch Fisch gebildet. Ackerbau macht nur einen geringen Anteil der Nahrungsmittel aus[25].

Der Lebensraum...

Der Chuitna River und seine Nebenflüsse beherbergen alle 5 Spezies des wildlebenden Pazifischen Lachses: den Buckellachs (Oncorhynchus gorbuscha)[26], den Rotlachs (Oncorhynchus nerka)[27], den Königslachs (Oncorhynchus tshawytscha)[28], den Ketalachs (Oncorhynchus keta)[29] und den Silberlachs (Oncorhynchus kisutch)[30]. Außerdem leben hier der Dolly Varden (Salvelinus malma malma)[31] und die Forelle. Wichtige Vogelarten sind Weißkopfseeadler, Trompetenschwan und Sandhügel-Kranich sowie Küstenvögel und Singvögel. Darüber hinaus umfasst das Wassereinzugsgebiet des Chuitna River wichtige Habitate für Schwarzbär und Grizzly[9], Elche, Biber und andere jagdbare Tiere, auf die die BewohnerInnen zur Eigenversorgung, zum kommerziellen und persönlichen Nutzen angewiesen sind.[4] Die Nonprofit-Organisation American Rivers[32] führte den Chuitna River 2007 in den "Top Ten der gefährdetsten Flüsse der Vereinigten Staaten" aufgrund der mit dem großflächigen Tagebau verbundenen Gefahren.[6][2]

40 % der Fläche, die der Tagebau zu Beginn einnehmen wird, sind Feuchtgebiete.[2] Nahe den Küsten stellen diese Lebensräume für Enten, Gänse und Zugvögel[9]. Zwei Wild-Schutzgebiete befinden sich in der Nähe des geplanten Chuitna-Tagebaus - das Susitna Flats Wildlife Refuge im Nordosten und das Trading Bay Wildlife Refuge im Südwesten[8].

...und seine Vernichtung

In der ersten Phase werden im 1. LMU ("Logical Mining Unit") mehr als 2.000 Hektar, einschließlich etwa 18 Kilometer natürlicher Lachs-Laich- und Aufzuchtsgebiete des Middle Creek, eines Nebenarm des Chuitna River, abgetragen werden[6], um 12 Millionen Tonnen Kohle zu produzieren. Wenn er gänzlich ausgebaut ist, wird der Tagebau mehr als eine Milliarde Tonnen Kohle auf etwa 3.000 Hektar über die nächsten 25-50 Jahre entnehmen.[4] Letztlich könnte sich der Tagebau auf bis zu 7.800 Hektar ausweiten, abzüglich der Flächen für mit dem Bergbau, Transport und Verarbeitung verbundene Anlagen. Wenn die Transport-Infrastruktur zum Cook Inlet gebaut worden ist, ist es wahrscheinlich, dass sich der Kohlebergbau in der Region über die Zeit ausweiten würde.[8]

Kohle hat im Wasserhaushalt eine wichtige Funktion als Filter. Sie wird daher von einigen Indigenen als die "Leber der Erde" bezeichnet.[13] Pro Tag wird PacRim eine durchschnittliche Menge von über 26 Millionen Liter Bergbau-Abwässer in den Chuitna River und seine Nebenflüsse entsorgen[8] und damit das Wassersystem pro Jahr mit 9,5 Milliarden Kubikmetern Bergbau-Abwässern zusätzlich belasten[6][2][4].

Der Bergbau wird lebendige und unberührte Fisch- und Wildtier-Habitate zerstören[2], den Lebensraum des gefährdeten Beluga-Wals, der in einer speziellen Unterart nur hier vorkommt, riskieren[8] und nachhaltige Einwirkungen auf BewohnerInnen, JägerInnen, FischerInnen, TouristInnen und SelbstversorgerInnen haben[7][2]. Eine Renaturierung, die von PacRim angekündigt wird[17][4], kann dieses Ökosystem nicht wieder herstellen. Grundsätzlich ist es unmöglich die Komplexität von über Tausende von Jahren gewachsenen Biotopen künstlich nachzubilden. Es kann höchstens eine billige Kopie der Vielfalt erwartet werden, die bei genauerer Betrachtung einem Vergleich mit der zerstörten Natur nicht standhält. Im speziellen Fall kommt noch hinzu, dass die Renaturierung von Bergwerken besonders in Feuchtgebieten und in dem hier vorherrschenden kalten Klima problematisch ist[7]. Eine solche Maßnahme wurde noch nie erfolgreich in einer so feuchten, kalten und fruchtbaren Gegend wie dem Einzugsgebiet des Chuitna River realisiert[4]. Eine Wiederherstellung dieses komplexen Ökosystems ist daher ausgeschlossen.[2]

Auch die Kohlelobby gesteht ein, dass mit dem Kohlebergbau verheerende Umweltfolgen verbunden sind: "Kohlebergbau erhöht eine Anzahl von Umweltproblemen einschließlich Bodenerosion, Staub, Lärm, Wasserverschmutzung und Auswirkungen auf die lokale Biodiversität." (World Coal Institute)[33] Zusätzlich werden die Ströme zugrunde gerichtet, menschliche Gemeinschaften verwüstet, es gibt hohe Quecksilber-Belastungen und deutliche Beiträge zum klimaschädlichen Kohlendioxid-Ausstoß. Wenn die Kohleindustrie sich eines Tages aus dem Gebiet zurückzieht, bleiben große Probleme bestehen, denn die komplexen und wenig verstandenen Feuchtgebiete und Wassersysteme sowie die vorbergbauliche Fruchtbarkeit der Gewässer sind kaum wiederherzustellen.[33] Der Kohle-Tagebau wird nahezu 8.000 Hektar[2] von bedeutenden Fisch-, Elch- und Bär-Habitaten vernichten.[12]

Kohlestaub und Abwässer

Kohlestaub-Partikel und freigesetzte Sedimente vom Kohlebergbau können die Lebenserwartung von Fisch verringern, sein Immunsystem schädigen und den Laich ersticken. Die Abfälle der Kohleverbrennung zur Stromerzeugung sind hoch-toxische feste und flüssige Stoffe einschließlich Asche, Schlamm und Schlacke. Diese Abfälle (über 120 Millionen Tonnen pro Jahr in den USA) reichern in sich Gifte wie Arsen, Quecksilber, Chrom, Cadmium, Uran und Thorium an. Sie sind schwierig und teuer zu lagern und bergen außerdem weitere Umwelt- und Gesundheitsrisiken. Die Säuberungsaktion einer kürzlichen Katastrophe mit Kohleasche in Tennessee wird auf Kosten in Höhe von 825 Millionen US-Dollar geschätzt.[7]

Pro Tag sollen dem Antrag bei der EPA zufolge etwa 550.000 Liter Abwässer aus Kohlelagern, Hygieneabfällen und Ausrüstungsreinigung in das Cook Inlet eingeleitet werden[18]. PacRim geht von einer Mischung aus Abwasserschadstoffen aus, die organischen Kohlenstoff, Schwebstoffe, Ammonium, Nitrate, Öl, Fette und Metalle einschließlich Aluminium, Eisen und Magnesium enthält. Zusätzlich werden in Abwässern aus dem häuslichen Bereich und anderen Anlagen Ableitungen geringer Mengen fäkaler Kolibakterien und Restchlor erwartet. Den Akten der EPA zufolge wird PacRim vier Absetzbecken errichten, um die Schwebstoffe zu entfernen. Drei Becken werden die Abwässer aus den Bergwerksanlagen, das vierte die Abwässer der damit verbundenen Anlagen aufnehmen. An vier Ausflüssen wird das Abwasser in die Frischwasser-Bäche eingeleitet werden.[8]

Wer oder was ist PacRim?

PacRim Coal Limited Partnership ist ein privates Unternehmen aus Delaware, das von den zwei reichen texanischen Investoren, Richard D. Bass und William Herbert Hunt, und dem William Herbert Hunt Trust Estate[21], gebildet wurde. Geschäftsführender Hauptgesellschafter ist die PacRim Coal-GP Limited Liability Company; Eigentümer des Chuitna Coal Project ist die schon genannte PacRim Coal LP[21]. Die neuen GeschäftsführerInnen sind der Ingenieur Dan Graham und der Ölindustrie-Vertreter[34] Joe Lucas. Einziger Zweck dieses Unternehmens ist die Entwicklung des riesigen Chuitna-Kohle-Tagebaus und die Verfrachtung der Kohle nach Asien.[9][2]

Beeinträchtigung des Cook Inlet

Das Cook Inlet ist eine riesige Bucht im Golf von Alaska, die die Kenai-Halbinsel vom Festland abtrennt. Es ist ein wichtiges hydrologisches Einzugsgebiet für eine Fläche von etwa 100.000 km².[35] Die Pipeline wird so weit in das Cook Inlet hineinführen, dass sie nur bei Ebbe zu sehen sein wird. Trinkwasserbrunnen befinden sich wenige hundert Fuß (1 Fuß entspricht etwa 30 Zentimetern) von dem angekündigten Vorhaben bei Ladd Landings entfernt. Der Kohletransport verläuft nach aktuellen Planungen zwischen dem Three Mile Lake-System und der Three Mile Creek Subdivision. Das zukünftige Trinkwasser der Region wird durch die Kohleindustrie gefährdet.[18]

In Ladd Landing werden 500 Millionen Tonnen Kohle[8] über die Jahre auf Förderbändern zur Zwischenlagerung und anschließender Verschiffung antransportiert werden. Three Mile Beach wird von kleinen Kohlestücken und Kohlestaub schwarz sein. Die Gezeiten werden dieses Material in Richtung des Dorfes Tyonek und zum Chuitna River weitertragen. Bei typischen Südwest-Sommer-Winden wird der Kohlestaub in Richtung der Gemeinde Beluga geblasen werden, während Nord-Winde den Staub zum Cook Inlet und nach Tyonek tragen werden. Bei voller Leistung werden die Hafen-Anlagen Kohlestaub-Verschmutzungen von 230 Tonnen pro Jahr verursachen.[18]

Im Frühjahr 2008 wurde die Cook Inlet Salmon Task Force gegründet, um die zurückgegangenen Lachswanderungen in das Mat-Su Valley zu untersuchen, was eine Sorge für Fischer der Mat-Su-Gegend seit vielen Jahren ist. Die Gründe für die geringen Rückwanderungen an Lachsen in den vergangenen Jahren sind noch strittig, fakt ist aber, dass die Errichtung des Chuitna-Kohlebergwerks und die damit verbundene Infrastruktur ungünstige Einwirkungen auf die in den nördlichen Distrikt zurückkehrenden Lachse haben wird.[6]


Luftverschmutzung und Klimawandel

Die Emissionen der Kohleverbrennung beinhalten u.a. Stickoxide, die für die Entwicklung von Smog verantwortlich sind, Schwefeldioxide, die Hauptverursacher des Sauren Regens sind, und große Mengen CO2, das ein wichtiges Treibhausgas ist. Auch der Bergbau selbst setzt eine bedeutende Menge von Methan frei, ein extrem starkes Treibhausgas. Der Kohlebergbau ist für mehr als 25% der energiebezogenen Methan-Emissionen in den USA verantwortlich.[7]

Die zusätzlichen CO2-Emissionen durch das Kohlevorhaben im Umfang von Millionen Tonnen ist besonders dramatisch, da Alaska bereits unverhältnismäßig hart vom Klimawandel betroffen ist und viele Effekte hier stärker zuschlagen als beispielsweise in den anderen US-Bundesstaaten[36].[12] Folgen der Klimaveränderungen sind erodierende Küsten, die Erwärmung von Lachsströmen, das Schmelzen von Permafrostböden und das Verschwinden von Gletschern[36]. Alaska erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der USA und die Temperaturen der Ströme im Sommer haben nun permanent die Standards des Bundesstaates erreicht, die einst zum Schutz der laichenden und wandernden Lachse aufgestellt wurden. Weitere Auswirkungen sind intensivere Stürme, die Verringerung des Meereseis-Puffers und steigende Meeresspiegel. Den Kommunen Shishmaref, Kivalina und Newtok an der Westküste Alaskas verbleiben dem Army Corps of Engineers zufolge noch 10 bis 15 Jahre, bis sie ihren jetzigen Standorten verlassen müssen. Die Umsiedlung wird US-Regierung und Alaska Milliarden US-Dollar kosten.[7]


Gesundheitsschäden inklusive

Quecksilber reichert sich zu giftigen Mengen in der Nahrungskette an. Kohlestaub aus Bergbau, Säuberung und offener Lagerung der Kohle erhöht Explosionsrisiken im Umfeld der Anlagen. Er kann zu ernsthaften Atemwegserkrankungen wie Asthma und Pneumoconiosis (Schwarze Lunge) beitragen. Toxische Emissionen wie Ruß, Schwefeloxide und Stickoxide aus Kohlekraftwerken werden als verantwortlich für jährlich Tausende von Frühgeburt-Todesfällen in den USA und Kanada angenommen.[7]


Braune Wolke

Im Frühjahr lagert sich das Quecksilber, das von einer braunen Wolke von Asien[37] nach West-Nordamerika transportiert wird, in Alaska ab. Diese Wolke macht im nördlichsten Bundesstaat der USA mehr als 15 % der gesamten Luftverschmutzung aus. Während der Schneelschmelze läuft das giftige Material in Flüsse und Seen. Es lagert sich im Sediment ab und wird dort von Mikroorganismen in Methylquecksilber umgewandelt, eine hochgiftige Form, die sich in Fischen, Meeresfrüchten und fischfressenden Tieren anreichert.[11]

Quecksilberbelastung durch Kohleindustrie

Ein bedeutender Anteil des Quecksilbers, das Alaska erreicht, kommt über die Luft. Quecksilber in gasförmiger Form wird das ganze Jahr über von überall in der nördlichen Hemisphäre nach Alaska transportiert. Diese Stoffe sammeln sich im Winter über dem Nordpol zusammen mit dem aus der Kohleverbrennung in Alaska stammenden Quecksilber und fallen im Frühling auf die Erde.[38]

Zukünftige Kohlebergwerke sind davon abhängig den Rohstoff nach Asien zu exportieren, was zu erhöhten Freisetzungen von Quecksilber in die Atmosphäre führen wird. Etwa 20% des Quecksilbers in Alaska muss asiatischen Kohleanlagen und Industrie zugerechnet werden. Die nicht exportierte Kohle wird in Alaska zu den lokalen Quecksilber-Emissionen beitragen.[38]

Das atmosphärische Quecksilber, das durch die Verbrennung von Kohle freigesetzt wurde, beeinträchtigt Alaska direkt: Die Verwaltung erließ 2007 erstmals in der Geschichte Alaskas eine offizielle Empfehlung zur Eingeschränkung des Konsums von Meeresfischen aufgrund von Quecksilber-Belastungen. Wie MitarbeiterInnen der Gouverneurin Palin einräumten, sind wahrscheinliche asiatische Industrien und Kraftwerke die Quelle des Quecksilbers in Alaskas Fisch. Also wird der Kohleabbau in Chuitna die Quecksilberbelastung in Alaskas Fischen weiter erhöhen und damit die AlaskanerInnen, die mehr Fisch konsumieren als der Durchschnitt der USA, und Alaskas kommerzielle Fischerei schädigen.[4] Aufgrund der Belastungen, empfehlen Umweltorganisationen, sollte die Verwaltung in Betracht ziehen, auch standortspezifische Empfehlungen für Süßwasserfische zu verabschieden. Quecksilber-Belastungen können SelbstversorgerInnen direkt beeinträchtigen und schon die Möglichkeit einer potenziellen Kontamination kann Märkte, die auf unbeeinträchtigte Ökosystemen setzen (Tourismus, kommerzieller Fischfang), auf den Kopf stellen.[38]


"Step Up & Stand Up"

"Wie einige von euch wissen, ist mein Background nicht in der Öffentlichkeit zu sprechen oder gegen Kohlebergbau zu kämpfen, das alles war ein Lernprozess. Unsere Motivation uns gegen den Kohle-Tagebau zu stellen war am Anfang egoistisch. Wir wollten einfach unser Zuhause, die Gegend und die Flüsse bewahren, die unsere Kinder, Enkelkinder, Familie und Freunde genießen, wenn sie zu Besuch kommen oder Zeit mit uns verbringen. Aber wie so oft wenn du etwas beginnst, lernst du viele andere Dinge, die du gar nicht lernen wolltest, aber es passiert einfach..."
(Judy Heilman, Präsidentin der Chuitna Citizens NO-COALition)[39]

Regierungspolitik pro Kohle

Gewissermaßen als ein "Geschenk in letzter Minute" hat die Bush-Administration eine Bestimmung verabschiedet, die den schon lange bestehenden Bann ("Stream Buffer Zone Rule" aus der Reagan-Ära) gegen Kohlebergwerke im Umfeld von 100 Fuß um Ströme und Wasserkörper aufhebt. Dieser Bann hatte Störungen von empfindlichen Ufergebieten verboten, wenn Einwirkungen auf Wasserqualität und Wassermenge erfolgen würden. Die neue Regelung erlaubt der Bundesverwaltung nun nach eigenem Ermessen zu bestimmen, ob Sicherheitsmaßnahmen für diese Ufergebiete "praktikabel" sind. So werden Alaskas Lachsströme ins Fadenkreuz von intensiven Tagebau-Aktivitäten geraten. Statt einer Aufhebung von Schutzbestimmungen wäre deren Erhöhung nötig, da die Fisch-Habitate bereits durch die stressverursachenden Effekte des Klimawandels belastet werden. Der Chuitna-Tagebau wäre der erste Fall in Alaska, dass ein Bergwerk die Erlaubnis bekäme durch einen Lachsstrom errichtet zu werden - das wäre ein Präzedenzfall für den Bundesstaat[8][6].[40] Wenn die Industrie Lachsströme in der Chuitna-Region zerstören kann, dann kann sie es auch anderswo[2].

Zusätzliche zum Marktpreis der Kohle entstehen Umwelt-, Gesundheits- und indirekte wirtschaftliche Kosten. Diese sind höher als der wirtschaftliche Wert der Kohle, der weltweit etwa 450 Milliarden US-Dollar beträgt. Diese zusätzlichen Kosten müssen nicht etwa von der Kohleindustrie, die die Profite einkassiert, sondern von anderen Industrien, SteuerzahlerInnen und zukünftigen Generationen bezahlt werden.[7]

Zusätzliche wirtschaftliche Kosten entstehen u.a. durch die Subventionen für die teuren Kohleprojekte. Ein weiteres Problem ist die Unkalkulierbarkeit, ob zukünftige Regulierungen die Kohleindustrie aufgeben lassen, was sich auf die von ihr Abhängigen (Gemeinden, ArbeitnehmerInnen, lokale Wirtschaft) auswirken würde. Negative Auswirkungen hat das Chuitna Coal Project auch auf andere Branchen (z.B. Tourismus, Fischerei).[7]


Widerstand gegen das Mammut-Projekt

Nach Einschätzung lokaler Gruppen besteht ein "überwältigender lokaler Widerstand" gegen das Projekt. Neben den bereits erwähnten Zahlen von über 90% der BewohnerInnen des Dorfes Tyonek, die sich gegen die Pläne zum Abbau der Kohle in ihrer Region aussprachen, gibt es viele Aktivitäten und Anstrengungen Druck gegen das zerstörerische Projekt auf allen Ebenen zu machen. So gab es beispielsweise eine Petition an die Genehmigungsbehörde (das DNR), um diese dazu zu bewegen, dem Tagebau wegen der Unmöglichkeit der Wiederherstellung der sensiblen Ökosysteme eine Absage zu erteilen. DNR-Commissioner Tom Irwin jedoch lehnte es ab auf dieses Begehren einzugehen. Dagegen legten die Trustees for Alaska in Vertretung der Inletkeeper, lokaler BürgerInnen und anderer am 17.3.2008 Klage beim Alaska Superior Court (erste Gerichtsinstanz in Alaska) ein.[12] Das DNR hat inzwischen zugesichert künftige Einwendungen zu berücksichtigen; eine neue Unterschriftensammlung wird nun unternommen. PacRims Reaktion auf dieses und ein weiteres Gerichtsverfahren, das gegen das Kohleprojekt eingeleitet wurde, ist die Abwiegelung von Bedenken: "Kraftwerke haben weltweit Risiken und bergen nachteilige Unsicherheiten"[21].

In Zusammenarbeit mit AktivistInnen aus den Appalachen, die dort gegen die rabiaten Maßnahmen der Kohleindustrie kämpfen (dort werden ganze Bergkuppen abgetragen, um an den begehrten Rohstoff zu kommen), fand im Frühjahr mit dem Titel "It happened in Appalachia - Will it happen in Alaska?" eine Infotour durch Alaska statt[41]. Hierbei berichteten die AktivistInnen aus dem Süden über die Auswirkungen des schon viele Jahrzehnte in den Appalachen wütenden Kohlebergbaus und ihren Widerstand. Den zweiten Teil der Veranstaltung bildete die Information über das geplante Vorhaben am Chuitna River. Hier hat die Kohleindustrie noch nicht Fuß gefasst - anders als in den Appalachen bestehen noch keine Abhängigkeiten von den Bergbau-Arbeitsplätzen, die Unternehmen haben sich nicht durch jahrelangen gezielten Spendenregen "einkaufen" können. Auch die Infrastruktur-Bedingungen sind am westlichen Cook Inlet noch nicht geschaffen. Es bestehen also Hoffnungen, dass die zerstörerischen Vorhaben der Energiewirtschaft hier einfacher abgewehrt werden können, als das beispielsweise in den Appalachen möglich ist.

Die Regierung von Alaska treibt das Projekt weiter voran. Die vielfältigen Einwendungen brachten aber bereits Erfolge indem sie das Genehmigungsverfahren verlangsamen und den Zeitplan des Projektes hinausziehen.[12] 2007 sollte früheren Planungen zufolge die Errichtung des Tagebaus starten; 2009 sollte der Betrieb beginnen[21][42]. Beides konnte erfolgreich verzögert werden. Noch nicht einmal der Entwurf der Umweltfolgenstudie wurde fertiggestellt, obwohl dies nach neueren Planungen im ersten Quartal 2009 geschehen sollte[12]. PacRim hat es allerdings auch nicht fertig gebracht seine Unterlagen rechtzeitig einzureichen[17]. UmweltschützerInnen gehen davon aus, dass der Entwurf vielleicht dieses Jahr erscheinen könnte, die Abschlussfassung aber mindestens 2 Jahre später erst zu erwarten ist[42].


Chuitna Citizens NO-COALition

Die Chuitna Citizens NO-COALition (CCNC) sind BewohnerInnen, LandbesitzerInnen, JägerInnen, FischerInnen und Leute, die sich in der Natur erholen wollen, die zusammen gekommen sind, um das Wassereinzugsgebiet des Chuitna River zu schützen und den Lebensraum vor den verheerenden Auswirkungen des Kohle-Tagebaus zu bewahren.[39]

Speziesismus-Anmerkungen

Der Begriff Speziesismus versucht die Ungleichbehandlung von Lebewesen aufgrund ihrer Art sprachlich fassbar zu machen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Speziesismus ein soziales Konstrukt seitens der Menschen ist. Speziesismus wird als Phänomen ähnlich dem Rassismus oder Sexismus unter Menschen gesehen.[43] Der derzeitige anti-speziesistische Diskurs wurde in herrschaftskritischen Kreisen initiiert und kritisiert das Herrschaftsverhältnis zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren. Verkürzt gesagt, wird die Selbstverständlichkeit, dass Menschen andere Tiere zu ihren Zwecken nutzen oder töten, in Frage gestellt.

Fischfang und Jagd als Argumentation erscheinen befremdend für Menschen, die mit dem Anti-Speziesismus-Diskurs der deutschen herrschaftskritischen Szene vertraut sind. Im Gespräch mit Leuten, die in Homer (Ostseite des Cook Inlet) leben, ergab sich mir der Eindruck, dass eine akzeptable und regionale Ernährung hier vegan nicht möglich ist. Alaska hat kaum Ackerbau, die Vegetationszeit ist sehr kurz und die Temperaturen sind niedrig. Tierhaltung wird in einigen Regionen betrieben. Die meisten pflanzlichen Produkte, die hier zu bekommen sind, werden über tausende Kilometer importiert. Da stellt sich mir die Frage, wie angemessen es wäre, an diese Leute den Anspruch auf eine vegane Lebensweise zu stellen und ob dies im Verhältnis zu den Umweltzerstörungen durch die langen Transportwege und damit verbundenen Einwirkungen auch auf nichtmenschliche Tiere stünde.

Wer sich allerdings vegan ernähren will, kann das ohne Schwierigkeiten tun, denn selbst die Supermärkte sind voll mit Tofu- und anderen pflanzlichen Produkten. Nur sind diese seltenst regional produziert worden. Ökologie und Anti-Speziesismus scheinen hier im Widerspruch zu stehen.

Problematischer werden vegane Ansprüche, wenn mensch sie auch auf die indigenen Menschen projiziert, deren wichtigste Nahrungsquellen das Fischen und die Jagd sind. Als weißE EuropäerIn dorthin zu kommen und den Native Americans zum wiederholten Mal westliche Ideologien aufstülpen zu wollen, erscheint mir sehr bedenklich. Die Ausbeutung, Unterdrückung sowie die Versuche der Auslöschung sind längst nicht Geschichte; diese "Tradition" weißer EinwandererInnen setzt sich bis in die Gegenwart fort, symptomatisch dafür sind die permanente ungefragte Vergabe von traditionellem Land Indigener an Industriekonzerne, die überempfindliche repressive Reaktion auf Proteste indigener Menschen[44] oder die zwanghafte Unterbringung von Kindern indigener Familien in den "Residential Schools"[45], die noch bis vor wenigen Jahren im benachbarten Kanada betrieben wurden. Die Auseinandersetzung um die Legitimität von Ausbeutung und Tötung nichtmenschlicher Tiere ist wichtig, muss in diesem Kontext aber besonders sensibel geführt werden.

Zum Schluss

Neben dem Chuitna Coal Project im Cook Inlet ist ein weiteres großes Kohlebergwerk in Alaska geplant: in der westlichen Arktis nahe Point Hope und Point Lay soll das Western Arctic Coal Project entstehen. Außerdem sind infolge der erwarteten größeren verfügbaren Kohlemengen in Alaska weitere Anlagen, insbesondere Kraftwerke und Kohleverflüssigungsfabriken, in Planung. Der Ausbau dieser Industrie bringt Alaska auf den Weg zu einer Kohleexport-Provinz und leitet in eine Ära verwüsteter Fisch-Habitate, verschlimmerten Klimawandels und erhöhten Quecksilbergehalts in Fisch und Wasser über.[13][7]



  1. http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Anchorage,_Alaska&oldid=298151767, 27. Juni 2009
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 Chuitna Citizens NO-COALition: The Chuitna River: No Place for a Coal Strip Mine
  3. http://www.inletkeeper.org/energy/ChuitnaCoalProject.htm, 26.06.2009
  4. 4,00 4,01 4,02 4,03 4,04 4,05 4,06 4,07 4,08 4,09 4,10 4,11 4,12 Judy Heilman, NO-COALition: COALmining. Proposed Mining Projects in Alaska; Artikel: Chuitna Coal Strip Mine
  5. Kürzlich sprachen sich in einer Umfrage sogar 98 % der EinwohnerInnen gegen den Kohle-Bergbau aus - Quelle: Chuitna Citizens NO-COALition: Winter/Spring 2009 Newsletter: News from the Board President
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 6,6 6,7 6,8 Inletkeeper ... Protecting The Cook Inlet Watershed & The Life It Sustains, Winter 2008-2009: Upper Cook Inlet Fisheries & the Chuitna Coal Strip Mine. Will the Kenai Borough & the State take us backwards to more coal?
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 7,6 7,7 7,8 7,9 Center for Science in Public Participation, Ground Truth Trekking und Cook Inletkeeper: The True Costs of Coal. Who pays?; http://www.groundtruthtrekking.org/factSheeIndex.html, 27. Juni 2009
  8. 8,00 8,01 8,02 8,03 8,04 8,05 8,06 8,07 8,08 8,09 8,10 8,11 8,12 8,13 http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Chuitna_Coal_Project&oldid=293464789, 2. Juli 2009
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 9,5 Chuitna Citizens NO-COALition: Winter/Spring 2009 Newsletter: Chuitna River Threatened by Massive Coal Strip Mine. Current plans call for directly mining through 11 miles of salmon spawning streams
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Borealer_Nadelwald&oldid=61043045, 28. Juni 2009
  11. 11,0 11,1 Prepared for Cook Inletkeeper by Damion Design: Toxid Trade: The Coal-to-Mercury Cycle between Alaska and Asia
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 12,5 12,6 Inletkeeper ... Protecting The Cook Inlet Watershed & The Life It Sustains, Summer 2008: Outside Investors Still Pressing Massive Chuitna Coal Project. Alaskans Would Get More Habitat Destruction, Mercury & Climate Change
  13. 13,0 13,1 13,2 Inletkeeper ... Protecting The Cook Inlet Watershed & The Life It Sustains, Summer 2008: Inletkeeper Leading Effort to Keep Alaska Coal in the Ground. Groups, Tribes Come Together to say „No Coal, Yes Renewable Energy“
  14. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kohle&oldid=61009699, 27. Juni 2009
  15. 15,0 15,1 15,2 http://www.chuitnaseis.com/, 3. Juli 2009
  16. http://www.mhtrust.org/index.cfm?section=about-us&page=About-The-Trust, 3. Juli 2009
  17. 17,0 17,1 17,2 17,3 17,4 http://dnr.alaska.gov/mlw/mining/largemine/chuitna/index.htm, 27. Juni 2009
  18. 18,0 18,1 18,2 18,3 Chuitna Citizens NO-COALition: Winter/Spring 2009 Newsletter: The Ladd Landing Lease and the Impacts to the Community of Beluga
  19. Kendra Zamzow, PhD, 1515 F Street, Anchorage, Alaska 99501: How much Coal Dust in Seward?
  20. http://www.alaskacoal.org/form_kpba.php, 2. Juli 2009
  21. 21,0 21,1 21,2 21,3 21,4 21,5 21,6 21,7 21,8 Henry Hub, PacRim Coal: Chuitna. Development Status Chuitna Coal Project. Presentation to Resource Development Council. Petroleum Club of Alaska. Anchorage, AK, December 1, 2005
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  25. Gespräche mit BewohnerInnen Homers, der mit knapp über 5.000 EinwohnerInnen elftgrößten Stadt des nördlichsten Bundesstaates der USA
  26. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Buckellachs&oldid=58998571, 28. Juni 2009
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  29. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ketalachs&oldid=58158216, 28. Juni 2009
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  33. 33,0 33,1 Chuitna Citizens NO-COALition: Winter/Spring 2009 Newsletter: The Chuitna River Watershed: Is it Suitable for Coal Mining? The Aquatic Health of Salmon and Wildlife Habitat Vs. Coal Strip Mining
  34. "landman" - http://www.landman.org/inner.asp?id=3&mid=1&sid=, 27. Juni 2009
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  36. 36,0 36,1 Center for Science in Public Participation, Ground Truth Trekking, and Cook Inletkeeper: Low Carbon Coal. Carbon Capture and Sequestration; http://www.groundtruthtrekking.org/factSheets/FactSheeIndex.html, 27. Juni 2009
  37. Seit 2008 ist Asien die größte Quelle anthropogener atmosphärischer Emissionen des Planeten
  38. 38,0 38,1 38,2 Center for Science in Public Participation, Ground Truth Trekking und Cook Inletkeeper: Mercury from Coal. Effects on Alaska; http://www.groundtruthtrekking.org/factSheets/FactSheeIndex.html, 27. Juni 2009
  39. 39,0 39,1 Chuitna Citizens NO-COALition: Winter/Spring 2009 Newsletter
  40. Inletkeeper ... Protecting The Cook Inlet Watershed & The Life It Sustains, Winter 2008-2009: Bush Administration Coal Rule Threatens Alaska Salmon Streams. Last minute rollback a gift for corporate donors in coal industry
  41. http://www.alaskacoal.org/schedule.php, 2. Juli 2009
  42. 42,0 42,1 Information aus dem Cook Inletkeeper Büro in Homer vom 30. Juni 2009
  43. http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Speziesismus&oldid=60962390, 29. Juni 2009
  44. Ein bedrückendes Beispiel für die rassistische Repression gegen indigenen Protest stellen die Ereignisse in Kanada Anfang der 1990er Jahre in Kanehsatake dar, wo der Widerstand von indigenen Menschen gegen einen Golfplatz auf ihrem Land mit schießwütiger Polizei und zuletzt sogar mit Einsatz des Militärs erwidert wurde.
  45. In den Residential Schools Kanadas wurden bis in die letzten Jahrzehnte die Kinder indigener Familien interniert; ihnen wurde der Kontakt zu ihren Eltern untersagt; verboten waren ihnen spirituelle Handlungen ebenso wie ihre traditionelle Sprache. Offenbar wurden diese staatlichen Maßnahmen zur Zerstörung der indigenen Kulturen verwendet. Die tiefgehenden Folgen dieser "Ära" sind in den indigenen Gemeinschaften heute deutlich zu sehen.