2007-02:Atomkonzern will Windkraftunternehmen übernehmen

Aus grünes blatt
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Atomkonzern will Windkraftunternehmen übernehmen

Vom Gejammer marktorientierter REG-LobbyistInnen

fb Einen Aufschrei der Empörung hat die Ankündigung des Atomkonzerns Areva ausgelöst, den Windkraftkonzern Repower übernehmen zu wollen (was dieser gar nicht schlimm findet). Klar will das Atomunternehmen damit sein nukleares Image verschönern. Doch eigentlich zeigt die Empörung unter Regerative Energien-AktivistInnen deren bisherige Naivität. Wer Umweltschutz ökonomisch denkt, braucht sich nicht zu wundern, wenn Wirtschaftsdenken Ökotechnologien übernimmt. Seit über zehn Jahren propagieren "moderne" UmweltschützerInnen unreflektiert, Ökonomie und Ökologie seien jetzt doch vereinbar. Noch schlimmer: wer Umweltschutz wolle, müsse mit Wirtschaft und Staat kooperieren. Damit haben sich Öko-NGOs und viele EinzelaktivistInnen die wichtigsten politischen Kampfmittel genommen: den Druck von der Straße und die Argumente.

Zukünftig wird das Umweltthema noch mehr von Profitdenken und dem Verfall ökologischer Ansprüche getroffen sein - trotz immer reicherer und mitgliederstärkerer Öko-NGOs und obwohl - oder auch: wegen - der Aufnahme des Themas durch die Konzerne und Institutionen, die die bedeutensten Umweltzerstörer sind.

Ein Ausweg aus dieser Sackgasse kommt kaum an der Wiederaneignung der Erkenntnis vorbei, dass Ökonomie (im marktwirtschaftlichen Sinne) und Ökologie nicht vereinbar sind. Ohne auf die Bedürfnisse und Interessen der betroffenen Menschen einzugehen und die herrschenden Verhältnisse grundlegend in Frage zu stellen, wird Umweltschutz nicht umfassend realisierbar sein.


Auszug aus der Originalnachricht:

Die Atom-Königin

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/seite_3/622774.html

Anne Lauvergeon ist Chefin des größten Nuklear-Ausrüsters der Welt. Jetzt will sie auch in Windkraft investieren. Weil es gut zusammenpasst


Axel Veiel

PARIS. Die Frau ist keine Ideologin. Auch wenn sie von ihren Gegnern "Queen of Nukes", Königin der Nuklearraketen genannt wird. "Wir sollten immer das tun, was uns gerade sinnvoll erscheint, ohne uns zu sehr von eingeübtem Denken beeindrucken zu lassen", sagt Anne Lauvergeon. Die Chefin des vom französischen Staat kontrollierten Areva-Konzerns, des größten Atomreaktorherstellers der Welt, will die Mehrheit des Hamburger Windenergiekonzerns Repower übernehmen. Das hat vor allem bei Ideologen viel Verwirrung ausgelöst. Atommeiler und Windmühlen - wie soll das zusammen passen?

Anne Lauvergeon hört immer wieder solche Einwände, aber sie versteht nicht, wo eigentlich das Problem sein soll. Für sie haben Kern- und Windenergie viel gemeinsam. Beide belasten die Umwelt nicht mit Treibhausgasen. Beide haben Zukunft, während die Öl- und Gasreserven der Erde zur Neige gehen werden.

Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes kürte die blonde Französin mit dem makellosen Lächeln zur mächtigsten Frau außerhalb der USA. Das hat vor allem damit zu tun, dass Anne Lauvergeon mit ihrer Art zu denken und zu handeln äußerst erfolgreich ist. Auch mit ihrem jüngsten Deal scheint das so zu sein. "Areva hat mit dem freundschaftlichen Angebot, den Hamburger Windenergiekonzern Repower zu übernehmen, eine Gewinnkombination gewählt", sagt sie. Das deutsche Unternehmen sei genau das richtige, um bei der weltweiten Entwicklung des Windenergiemarktes entscheidend mitzumischen.

Was sie nicht sagt, was aber gleichwohl als Gewinn einkalkuliert sein dürfte, ist der Imagegewinn. Areva will nicht mehr nur ein hässlicher Atomriese sein. Der Name soll fortan auch für erneuerbare Energien stehen. Spötter mögen die 47-Jährige noch so oft "Atomic Anne". Sie selbst ist sich sicher, das Richtige zu tun.

Fritz Vahrenholt, der Mann an der Spitze von Repower, glaubt das auch. Er hätte nichts dagegen, künftig der Französin zuzuarbeiten. Wohin die Reise in diesem Fall gehen würde, weiß er schon. Lauvergeon hat die Richtung bereits vorgegeben. Auf die Wachstumsmärkte China, Indien und Nordamerika würden die Hamburger künftig ihr Augenmerk richten, kündigte sie an. Der frühere Umweltsenator der Hansestadt preist die mit Pariser Rückendeckung anzuvisierende Expansion als Chance. "Einen riesigen Schub nach vorne" erwartet er, sollte Areva die Beteiligung von bisher 29,9 Prozent auf mehr als 50 Prozent erhöhen.