2006-01:Widerstand gegen Agro-Gentechnik

Aus grünes blatt
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Widerstand gegen Agro-Gentechnik

Aktionen gegen Genmais und -gerste über Pfingsten

PI Die Initative Gendreck-weg begrüßt, dass über Pfingsten sowohl in Gießen als auch in Oberboihingen bei Stuttgart eigenständige Aktionen gegen Agro-Gentechnik stattgefunden haben. Anja Becker von Gendreck-weg kommentierte: "Der Widerstand nimmt zu. Die Agrarindustrie wird keinen Erfolg haben mit ihrer Strategie, einfach gefährliche Tatsachen zu schaffen."

Oberboihingen

Wie zuvor öffentlich angekündigt, machte sich der Bioimker Achim Schultheiß am Pfingstmontag zur Feldbegehung in Oberboihingen bei Stuttgart auf. Dort wächst seit rund vier Wochen gentechnisch manipulierter Mais der Firma Monsanto. Der Imker und Gentechnikgegner entfernte drei Genmaispflanzen, um sie sachgerecht zu entsorgen. Spontan hatten sich rund 30 Personen der Widerstandsaktion angeschlossen. Als die Polizei schließlich erschien und die Personalien der Anwesenden aufnahm, fehlten Hunderte von Genmaispflanzen. Zudem war an Stelle der gentechnisch veränderten Pflanzen Mais aus biologischer Produktion eingesäht worden.

Gießen

Auf einer Fläche der Uni Gießen befindet sich der erste Freilandversuch mit gentechnisch veränderter Gerste in der Bundesrepublik. GentechnikgegnerInnen hatten am Rande des Feldes eine Mahnwache über Pfingsten angemeldet. Am Freitag, dem 3. Juni unternahm eine kleine Gruppe junger Menschen eine Feldbefreiungsaktion auf dem Gerstenfeld. Obwohl die Polizei schnell eingriff, wurde ein Teil der Gerstenpflanzen zerstört. Zunächst wurden 6 Gentechnikgegner festgehalten. Die Universität kündigte hohe Schadensersatzforderungen an. Die GentechnikgegnerInnen setzten ihre Mahnwache und symbolische Spaziergänge zum Versuchsfeld fort.

Nachbeben einer Feldbefreiung

Eine Woche nach der Teil-Zerstörung des Genversuchsfeldes in Gießen wird deutlich: Die Debatte hat gerade erst begonnen - das wichtigste Ziel der Aktion ist damit erreicht! Der folgende Text soll kurz die aktuelle Lage darstellen. Insbesondere in überregionalen Medien ist die spektakuläre Aktion vom 2. Juni bislang wenig beachtet worden. Da alle FeldbefreierInnen wieder auf freiem Fuß sind, besteht die Möglichkeit, zusammenfassend und vorausschauend zu berichten. Auch Interviews sind möglich. Die folgenden Texte sollen Bausteine für Dokumentationen der Vorgänge und Hinweise auf weitere Informationsquellen bieten.

Die Lage nach der Feldbefreiung

Am Freitag, 15.30 Uhr, attackierten vier Menschen das Genversuchsfeld in Gießen am Alten Steinbacher Weg. Das Ziel war nicht in erster Linie die vollständige Zerstörung, sondern vielmehr eine symbolische Handlung, ein Ausdruck des Widerstandes gegen die auf Macht- und Profitinteressen ausgerichtete Technologie. Weitere Menschen beteiligten sich mit anderen Aktionen. Sechs Menschen wurden festgenommen, vier dem Richter vorgeführt, zwei von diesem trotz fehlender Begründung und offenbar auf Anweisung aus der Polizeiführung für mehrere Tage in das zentrale Polizeigewahrsam nach Frankfurt verbracht. Wenige Stunden später verbot die Stadt Gießen mit windigen Gründen die in der Nähe des beschädigten Genversuchsfeldes stehende mehrtägige Mahnwache.

Die Polizei, die offenbar genau darauf wartete und hoffte, räumte die für den ersten Tag schon im Abbau befindliche Mahnwache mit erheblicher Mannschaftsstärke rabiat ab. Vier FeldbefreierInnen erhielten am Folgetag mehrmonatige Aufenthaltsverbote für den gesamten Südosten der Stadt Gießen. In den Medien begann die typische Hetze der getroffenen Eliten. Den AktivistInnen wurde eine sachliche Begründung abgesprochen, sie wurden als ChaotInnen diffamiert. Mehrere Journalisten und Parteivertreter griffen zudem den Hessischen Rundfunk an, dass dieser sich erdreistet hätte, einen Filmmitschnitt der Aktion ausgestrahlt zu haben. Der regionale SPD-Chef Schäfer-Gümbel verstieg sich sogar zu der Forderung, dass bestimmte Personen überhaupt nicht mehr von den Medien beachtet werden sollten. Seine Stellungnahme ist ein offensives Einfordern von Zensur gegenüber Andersdenkenden. Eine Woche nach der teilweise geglückten Feldbefreiung ist die Lage damit offen.

Die von den Polizeimaßnahmen und dem Verbot der Mahnwache Betroffenen haben unabhängig voneinander Beschwerden eingereicht. Die Diskussion um das Genversuchsfeld hat an Schärfe gewonnen. Die Universität Gießen hat inzwischen Strafantrag eingereicht und damit nach der Aussaat der Gengerste per Sofortvollzug und der intensiven Bewachung mit Polizei und Sicherheitsdiensten zum dritten Mal gezeigt, dass sie von Dialog redet, aber anders handelt. Überregional soll die Idee der Feldbefreiungen verbreitet werden. Für das letzte Juliwochenende dieses Sommers ist eine weitere Feldbefreiung der Initiative "Gendreck-weg" angekündigt. AktivistInnen aus Gießen haben ihre Mitwirkung angekündigt. Solche Aktionen sind in Deutschland noch ganz am Anfang. In anderen Ländern wie Frankreich oder noch stärker Indien beteiligten sich Tausende Menschen an Feldbefreiungen.

Widerspruch gegen Inhaftierung

Nach der Feldbefreiung wurden sechs Personen festgenommen. Zwei mussten bis zum nachfolgenden Dienstag im Gewahrsam bleiben und wurden dazu per Gefangenentransport nach Frankfurt verbracht. Die anderen erhielten Aufenthaltsverbote für den gesamten Stadtteil zwischen Licher Straße und Schiffenberger Tal. Warum die beiden Aktivisten aus der Projektwerkstatt nicht auch nur diesen umfangreichen Platzverweis erhielten, ist nie begründet worden. Das Verhalten von Polizei und Richter machte deutlich, dass es hier um eine Racheaktion der Polizeiführung gegen zwei Menschen handelte, die in der Vergangenheit viel Kritik an Polizei- und Justizwillkür in Gießen übten.

Weitere Diskussion

Am 8. Juni kam es am Rande einer Veranstaltung zum Film "We feed the world" im Kino Traumstern (Lich) zu etlichen Gesprächen über die Aktionen gegen das Genversuchsfeld. Neu ist der Versuch, eine dauerhafte Gruppe zu bilden, die sich mit Gentechnik und Alternativen zum profitorientierten Landbau und fremdbestimmter Ernährung beschäftigen will.

Kontakt

  • Kontakt Oberboihingen: Achim Schultheiß - Telefon 0171 / 190 25 42
  • Kontakt Gießen - Telefon 0162/3068922
  • Kontakt Initiative "Gendreck-weg - Freiwillige Feldbefreiung": Anja Becker - Telefon 0176-52232580, presse ÄT gendreck-weg.de[1]

Weitere Informationen


  1. Zum Schutz vor automatischen Mailadressen-Robots, die nach Adressen suchen und diese dann mit Spam-Mails überfluten, ist diese Mailadresse für diese Robots unleserlich formatiert. Um eine korrekte Mailadresse zu erhalten muss ÄTT durch das @-Symbol ersetzt werden.