2005-02:Pestizide und Fungizide dank Bayer & Co

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Pestizide und Fungizide dank Bayer & Co

mfg Paprika gehört zu den Gemüsesorten, die besonders viele Vitamine enthalten, oft aber auch eine Extra-Dosis an Pestiziden. Auch viele andere Lebensmittel weisen immer höhere Pestizidrückstände auf - und zwar ganz legal. Denn die gesetzlich erlaubten Höchstmengen für Pestizide in Obst, Gemüse und Getreide sind in den vergangenen fünf Jahren massiv angehoben worden.

Zum Beispiel das Spritzmittel Chlorthalonil soll Hopfen vor Pilzkrankheiten schützen - und steht in Verdacht, Krebs zu erzeugen sowie Nieren und die Leber zu schädigen. Bis zum Jahr 2000 durfte ein Kilogramm Hopfen nach der Ernte 0,01 Milligramm des Funghizids enthalten.

Dann wurde der Höchstwert um den Faktor 5.000 angehoben: auf 50 Milligramm pro Kilogramm. Auch die Höchstgrenzen anderer Pestizide im Hopfen wurden in den vergangenen fünf Jahren gelockert, sodass er insgesamt mehr als das 10.000-fache an Pestiziden enthalten darf als früher. Insgesamt ist in 59 Prozent der pflanzlichen Lebensmittel die zulässige Pestizid-Grenze seit 1999 erhöht worden, nur in 41 Prozent wurde sie gesenkt. Besonders oft nach oben korrigiert wurde das Limit demnach im Jahr 2003, nämlich 319 Mal. Zu den zehn Pestiziden, deren Grenzwerte am stärksten heraufgesetzt wurden, sind acht besonders gesundheitsgefährdend. Diese Stoffe können Krebs auslösen, beeinträchtigen das Hormon- und Fortpflanzungssystem und schädigen Gewässerorganismen. In Deutschland werden nach Angaben des Umweltbundesamts jährlich rund 30.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel ausgebracht, etwa 30 Tonnen davon landen in Flüssen und Seen. Höchstgrenzen werden in der EU immer auf jeweils ein Pestizid in einem bestimmten Lebensmittel festgelegt. Dabei wird das Zusammenwirken der verschiedenen Schadstoffe außer Acht gelassen. Enthält ein Lebensmittel mehrere Pestizide unterhalb der Höchstgrenze, wird es bei Kontrollen nicht beanstandet. Anders als in den USA werde bei uns nicht berücksichtigt, dass Wirkstoffe verschiedener Pflanzenschutzmittel ein und dasselbe Organ schädigen und sich gegenseitig noch verstärken könnten. Auch Grenzwerte sind keine Garantie dafür, dass wir gesundes Gemüse auf dem Teller haben, Langzeitwirkungen von auch kleinsten Mengen der Pestizide sind absolut wahrscheinlich.

Zucchini, Paprika, Tomaten und Auberginen - In den Treibhäusern Südeuropas werden sie fünf Mal im Jahr geerntet. Hier hat sich eine hochtechnisierte Agrarindustrie entwickelt unter Einsatz aller erdenklichen Pestizide. Die Böden unter den Plastikplanen sind ausgelaugt, die Pflanzen müssen extrem gedüngt werden. Nur diese Art der Landwirtschaft garantiert, dass es im Winter Tomaten und im Frühling Erdbeeren gibt. In Deutschland sind wesentlich weniger Pflanzenspritzmittel zugelassen als bei den meisten unserer Nachbarn. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit prüft eine Bundesbehörde - mit Tierversuchen. Für Kernobst sind zum Beispiel 90 verschiedene Pestizide zugelassen. Im Rahmen des Naturschutzgesetzes müssen die Bauern auch dokumentieren, wie viel Spritz- und Düngemittel sie auf Wiesen und Feldern ausbringen.

Wenn Pestizide nach Vorschrift gespritzt werden, landen kaum Rückstände auf dem Teller. Doch auch bei geringen Rückstandsmengen stellt sich die Frage nach langfristigen Auswirkungen auf den Organismus. Schadstoffe gelangen über Magen und Darm in den Körper und können sich im Fettgewebe anreichern. Am stärksten belasten sie die Leber und können sogar das Herz schädigen. Mehr als die Hälfte der im Jahr 2002 von deutschen Lebensmittelämtern untersuchten Obst-, Gemüse- und Getreideproben enthielten Pestizidrückstände. Oft waren es gleich mehrere verschiedene Gifte pro Frucht und in knapp 9 Prozent der Fälle wurden die gesetzlichen Grenzwerte überschritten. Hoffnung, dass die Situation sich inzwischen verbessert hat, scheint es nicht zu geben, denn seit 1996 ist der Anteil der kontaminierten Proben ständig gestiegen. Also ist auch ein entsprechend ähnlicher Verlauf in den letzten beiden Jahren zu vermuten. Insgesamt waren 44 Prozent der europaweit untersuchten 46.000 Proben mit Pflanzenschutzmitteln belastet. In Deutschland allein wurden 7035 Proben untersucht, davon zeigten 54,1 Prozent Rückstände, die in Nahrungsmitteln eigentlich nichts verloren hätten. Nur in den Niederlanden und in Österreich waren die Zahlen ähnlich schlecht. Importware schnitt dabei deutlich schlechter ab als inländische Ware. So waren 56 Prozent der Inlandsprodukte rückstandsfrei, aber nur knapp 37 Prozent der importierten Früchte. Grenzwertverletzungen wurden bei 5 Prozent der einheimischen Produkte und bei 12 Prozent der Importe festgestellt. Dabei gelingt es den Kontrolleuren bisher allerdings nicht, die ganze Wahrheit abzubilden.

Untersucht werden nämlich gerade mal die Hälfte der 800 derzeit zugelassenen Wirkstoffe. Weitgehend unerforscht ist zudem, wie die unterschiedlichen Gifte im Zusammenspiel wirken. Der Giftcocktail wird immer bunter. In 20,7 Prozent der Proben kamen mehrere Giftstoffe vor (1999 waren es noch 14 Prozent), jede zwanzigste Probe enthielt vier und mehr verschiedene Pestizide - bei Getreide vor allem Insektengifte, bei Obst und Gemüse gegen Pilze eingesetzte Gifte. Auf immer weniger Äckern wird Nahrung für immer mehr Menschen produziert: Seit 1950 hat sich weltweit die landwirtschaftliche Fläche pro Kopf halbiert. Dass die Nahrungsproduktion trotzdem gestiegen ist, liegt nicht zuletzt am hohen Einsatz von Pestiziden. Doch die landen nicht nur auf den Feldern sondern auch auf dem Teller der Verbraucher. In über einem Drittel aller Lebensmittelproben in Europa fanden die Behörden Rückstände von Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln. Dabei suchen sie nur nach etwa zehn der über 1.000 zugelassenen Pestizide. Der WWF nennt etwa 50 Pestizide, die auf den tierischen Organismus wie Hormone wirken sollen. Die Folge: Die Fruchtbarkeit von Hasen sinkt, Schnecken wächst ein Pseudopenis und Männer bilden weniger Spermien. Einige Pestizide wirken im menschlichen Organismus wie Hormone. Das könnte erklären, warum die Fruchtbarkeit in Deutschland in den letzten Jahrzehnten ab genommen hat, so Toxikologen. Zum Teil leiden wir immer noch an Giften vergangener Jahrzehnte:

Obwohl DDT schon seit langem verboten ist, zirkuliert das langlebige Gift immer noch in der Nahrungskette. Andere hormonartige Pestizide sind noch immer zugelassen und werden in Deutschland versprüht. Die Behörden sehen jedoch keinen Grund zur Beunruhigung: Da ja nur ein kleiner Prozentsatz der Produkte die amtlichen Grenzwerte überschreitet.

Eine Alternative zu konventionell angebauten Nahrungsmitteln bietet die ökologische Landwirtschaft: Eine vor kurzem veröffentlichte Studie ergab, dass ökologisches Obst und Gemüse im Vergleich zu konventioneller Ware fast frei von Pestiziden ist. In der Zeit von 1994 - 2000 wurden insgesamt 2878 ökologische und konventionelle Proben auf den Gehalt an Pestiziden untersucht. Von 1041 ökologischen Obst- und Gemüseproben waren 96,1 % frei von Pestiziden. Zwei der 1041 ökologischen Proben (0,2 %) überschritten die zulässige Höchstmenge. Von 1837 konventionellen Obst- und Gemüseproben war durchschnittlich jede dritte Probe (35 %) mit Pestiziden belastet. Konventionelle Obst- und Gemüseproben waren um den Faktor 9 häufiger mit Höchstmengenüberschreitungen belastet als die ökologischen Proben: 33 (1,8 %) der 1837 konventionellen Proben überschritten die Höchstmenge. Ein Großteil der belasteten ökologischen Proben kommt durch Umweltbedingungen wie beispielsweise eine ungünstige Lage des ökologisch bewirtschafteten Ackers in der Nähe eines konventionell wirtschaftenden Betriebes zustande.