2005-01:Morsleben - ein kleiner Ort macht Geschichte

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Morsleben - ein kleiner Ort macht Geschichte

Aktuelle Infos aus der Kampagne

fb Inzwischen ist die Morsleben-Kampagne der Greenkids schon mehr als zwei Jahre alt. Die Idee dazu entstand nach der Erarbeitung eines Beitrages zu Stasi-Aktivitäten gegen die Anti-Atom-Bewegung der DDR, den ich für die Dokumentationsbroschüre unserer Tschernobyl-Tagung 2002 erarbeitete. Ich hatte dazu erstmals Akten des früheren MfS - Ministerium für Staatssicherheit der DDR - in den Händen und stellte fest, dass mich diese Arbeit mit historischen Dokumenten sehr interessiert. Zu erkennen, welche Schätze an Wissen und Erfahrungen in irgendwelchen Archiven lagern und wichtig für die Weiterentwicklung sozialen und politischen Engagements wären, war für mich beeindruckend.

Als es dann zu Gesprächen mit der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen über ein weiteres Forschungsprojekt in den DDR-Archiven kam, schlug ich das Endlager Morsleben als neues Schwerpunktthema vor. Meine wichtigste Motivation waren die eigenen Aktivitäten in den 1990er Jahren gegen das Endlager und der Wunsch, diese jetzt durch wissenschaftliches Hintergrundmaterial zu untermauern. Außerdem war das ERAM jahrelang von Umweltorganisationen vernachlässigt worden - die seit 1990 kritisierten untragbare Sicherheitsprobleme bestehen noch immer, aber nur weil kein Müll mehr eingelagert wurde, hatte sich der Widerstand gegen das Endlager scheinbar in Luft aufgelöst.

So begannen schon 2003 die ersten Recherchen in verschiedenen Archiven. Das war zunächst vor allem das Landeshauptarchiv, wo vor allem Parteiunterlagen mit Bezug zum ERAM vorlagen, und später das Kreisarchiv Haldensleben. In diesem regionalen Fundus lagern vor allem Materialien, die den Aus- und Umbau des Endlagers betreffen.

Politische Aktivitäten entwickelten sich dann Anfang 2004 aus der Gründung des Morsleben-Netzwerks hinaus. Dieses wurde im Rahmen eines Seminars zur Stilllegung des ERAM initiiert und wird mittlerweile von mehr als einem Dutzend Umweltorganisationen unterstützt. Im September 2004 startete nach großem persönlichen Einsatz von etwa zehn Leuten die Wanderausstellung "Morsleben - Geschichte eines umstrittenen Atomprojekts", die inzwischen von mehr als 25.000 Menschen besucht wurde. Diese Ausstellung war der erste große Schritt an die Öffentlichkeit. Mit dieser und folgenden Publikationstätigkeiten (unzähligen Beiträgen in Zeitungen und Magazinen, Diashows und einer Broschüre zur DDR-Vergangenheit der Anlage) gelang es immer wieder auch die aktuelle Problematik des Endlagers an die Öffentlichkeit heranzutragen.

Ausblick: Wanderausstellung

Augenblicklich befindet sich die Ausstellung noch im Landratsamt Stendal. Ab September ist geplant sie an vier verschiedenen Berliner Örtlichkeiten zu präsentieren. Im Anschluss wird sie ab Januar 2006 im Magdeburger Bürgerkommittee am Moritzplatz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das zweite Quartal des nächsten Jahres macht die Ausstellung dann in der Haldenslebener Kulturfabrik Station.

Zur Wanderausstellung gibt es inzwischen ein farbiges Informations-Faltblatt, das die Rubriken und viele Tafeln kurz vorstellt und das Informationsangebot der Greenkids zum Endlager Morsleben erläutert. Außerdem gibt es einen Info-Flyer mit technischen Daten zur Ausstellung. Aktuelle Informationen gibt es auch auf der Internetseite http://www.greenkids.de/morsleben.

Studienarbeit ERAM

Für die Universität Magdeburg wurde im letzten halben Jahr an einer Studienarbeit zum Thema "Security Policies am Beispiel des Endlagers Morsleben" erarbeitet. Diese setzt sich aus der Sicht des IT-Begriffs der "Security Policy" mit Sicherheitsfragen im ERAM auseinander. Es wird eine Einführung in das Sicherheitskonzept der Security Policy gegeben und ein Überblick zu in Betracht kommenden Gefahren für die Sicherheit im Endlager Morsleben geschaffen.

Aufgrund der nur mäßigen Beantwortung von Anfragen an verantwortliche Behörden und Institutionen wurden kaum konkrete Informationen darüber bekannt, ob es für das ERAM ein einer Security Policy vergleichbares Sicherheitsregelwerk gibt. Daher führt die Studienarbeit beim Abgleich von Theorie und Praxis von Sicherheitsmaßnahmen nur Beispiele an, die im Zuge der Verarbeitung bereits recherchierter Dokumente gefunden wurden. Dies kann allerdings keine Grundlage für Schlussfolgerungen auf den realen Umgang mit Sicherheitsfragen darstellen.

Es ist geplant, an dieser Bewertung des Sicherheitskonzeptes weiter zu arbeiten. Im Sommersemester 2006 wird voraussichtlich eine tiefergehende Literaturrecherche zur Abstrahierbarkeit dieses IT-Konzepts auf Anlagen wie das ERAM erfolgen. Zusammen mit einer angedachten Diplomarbeit zur Anwendbarkeit von Security Policies am Endlager Morsleben und der Studienarbeit werden dann umfassende Erörterungen zu dem prinzipiellen Umgang mit den Sicherheitsproblemen des ERAM vorliegen.

Bald online: Morsleben-ForschungsWeb

Im Mai wurde mit der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen eine Kooperationsvereinbarung für das Morsleben-Archiv (Aktenbestände der bisherigen Recherchen) getroffen, die auch die Grundlage für das nun entstehende Online-Archiv bildet. In diesem sollen nach und nach möglichst viele Dokumente strukturiert, in Rubriken geordnet und im Internet für die Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Dabei ist geplant, die Unterlagen für sich selbst sprechen zu lassen und nicht unbedingt zu bewerten. Den NutzerInnen soll es möglich sein, sich selbst einen Überblick zur Vergangenheit des ERAM und wesentlichen Fragestellungen verschaffen zu können.

Über diesem Archiv soll noch das Morsleben-ForschungsWeb stehen. Dies wird eine auf dem Content-Management-System TYPO3 basierende Dokumentations-WebSite werden, die den aktuellen Stand der Forschungen repräsentiert. Die ForscherInnen werden Themenstränge einarbeiten, auf die aktuelle Recherche-Schwerpunkte gelegt wurden. Neue Erkenntnisse werden dann sofort online gestellt und sind sogleich einsehbar.

Die Programmierung des ForschungsWeb erfolgt im Rahmen eines Laborpraktikums an der Fakultät für Informatik der Universität Magdeburg. Ende März 2006 wird die WebSite spätestens fertiggestellt sein. Das Online-Archiv soll etwa im Mai nutzbar sein. Es wird allerdings nie einen Endzustand erreichen, da neue Dokumente kontinuierlich eingebunden werden.

Unterstützung willkommen

Obwohl das alles vielleicht sehr fertig und durchkonzipiert klingt, ist jede Hilfe für das Morsleben-Projekt sehr willkommen. Es gibt viele Ideen, die nur mit Unterstützung durch Außenstehende umgesetzt werden können. Ohne diese Hilfe kann nur ein minimaler Rahmen bewältigt werden - zu Lasten einiger weniger.

Also: wenn Du Lust hast uns kurzzeitig oder (noch lieber) kontinuierlich zu unterstützen, melde dich unter Telefon 03 91-72 72 657 oder an die Mail-Adresse morsleben ÄT greenkids.de[1].


  1. Zum Schutz vor automatischen Mailadressen-Robots, die nach Adressen suchen und diese dann mit Spam-Mails überfluten, ist diese Mailadresse für diese Robots unleserlich formatiert. Um eine korrekte Mailadresse zu erhalten muss ÄTT durch das @-Symbol ersetzt werden.