2018-01:Vom Fliegerhorst zur Friedenswiese

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Vom Fliegerhorst zur Friedenswiese

Vor dem Haupttor des Fliegerhorstes Büchel in der Eifel ertönt Musik. Wieder ist Hiroshima-Gedenktag und eine mahnende Glocke wurde auf der nah gelegenen Friedenswiese montiert. Einige Abgeordnete wie auch die rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden Jutta Paulus und Jochen Bülow haben vor Ort ihre Reden gehalten und die Atomwaffen, die hier lagern und modernisiert werden sollen, als illegal gebrandmarkt.

In diesem Sinne hat die Versammlung am Kreisel, der in Richtung Alfen, Cochem und Koblenz führt, demonstriert und mit Bannern, Fahnen und Schildern kreativ kundgetan, dass sie eine atomwaffenfreie Welt wollen. Am 6. August waren folglich auch die Bundeswehrsoldaten und die Amerikanischen G.I. gezwungen an den zynischen „Little Boy“ zurückzudenken.

Die Zerstörungskraft der Atombombe hat nicht davor abgeschreckt diese in den Jahren nach 1945 noch zu erhöhen. Ist es nicht schon präventive Vertuschung, wenn heute von „Mini-Nukes“ oder kleineren Massenvernichtungswaffen gesprochen wird?

Gäbe es eine Volksabstimmung, wäre dieses aktuelle Kriegsverbrechen mit Sicherheit schon längst passé. Im letzten Jahr haben nicht weniger als 122 Staaten einem Atomwaffenverbotsvertrag zugestimmt. Widerrechtlich ist es quasi, dass einige wenige von der Angst und andere wenige von der Sicherheitspolitik dieser Fasson profitieren, während uns 140 Eurofighter mehr als 3000 Pflegeheime kosten (Plakat der DKP).

Was hat das alles mit Büchel zu tun?

Nun, hier sind Amerikaner stationiert, die möglicherweise die Modernisierung der Bombe vorantreiben, und deutsche Soldaten üben in Kooperation den Abwurf. Deutschland als Mitglied der Vereinten Nationen nahm an der Abstimmung über ein weltweites Verbot von Atomwaffen 2017 nicht teil und als NATO-Mitglied soll Deutschland mehr für die Rüstung tun und gemäß den Forderungen Trumps die Rüstungsausgaben auf 2% des BIP erhöhen, während auf dem Gelände des Geschwaders 33 (Büchel) mit etwas Sand im Getriebe gebaut wird.

Nachdem die lokale Bluesband auf der Bühne den Zug heim nach Chicago ausrollen ließ, verkündete Marion Küpker von der GAAA, dass zwei Personen im militärischen Sicherheitsgebiet aufgegriffen wurden und bald am Haupttor entlassen werden dürften.

Mit abenteuerlichen Geschichten der zwei amerikanischen Aktivisten später am Lagerfeuer endete der Tag auf dem Friedenscamp, und sicherlich erzählte man sich diese auch auf der anderen Seite des Zauns... Die Aktionswochen waren noch nicht vorbei! Die beiden und eine Handvoll Aktivisten im Friedenscamp droben in Büchel protestierten auch am 7. August 2018 vor dem Fliegerhorst des Geschwaders 33 weiter für eine Welt ohne Atomwaffen.

Der evangelische Pfarrer Engelke begann seine Fastenaktion schon am 28. Juli. Zu den Gedenktagen von Hiroshima und Nagasaki findet zudem vielerorts ein Protestfasten statt, in den Jahren zuvor beispielsweise in Burgfield in England und in Paris. Beim Fasten sind nicht alle dabei. Jeder wählt seine Protestform selbst und kann im Rahmen gewaltfreier Aktion oder des zivilen Ungehorsams frei entscheiden, wie weit er oder sie gehen möchte und es mit einer Bezugsgruppe besprechen…

An diesem Dienstag blieb es wegen der überschaubaren Anzahl Demonstranten bei Mahnwachen und einer spontanen einseitigen Blockade des Haupttors, was bei einigen Schwertransportern kurzzeitig Irritationen auslöste. Im Übrigen fahren viele Soldaten allein im Auto den Berg hinauf. Wer also wütend wird, weil am Verkehrsknoten wieder eine friedliche Versammlung stattfindet und der Verkehr nur im Schritttempo vorankommt, der möge doch auch einmal in Betracht ziehen, dass Fahrgemeinschaften oder eine Busfahrt durchaus entlasten.

Allen Beteiligten ist bewusst, dass 2000 Arbeitsplätze in Büchel eine große Nummer sind. Wir wollen jedoch keine Atomwaffen, diese sind keine Verteidigungswaffen und verfehlen damit zunächst einmal ihren Zweck. Der gemietete Bauzaun vor dem Haupttor, der unnötige Steuergelder verschwendet und es den Demonstranten erleichtert die Zufahrt zu blockieren, ist ebenfalls absurd. Wer das nicht glaubt, möge sich doch mal vom Kommandanten die Spritkosten für die Hubschraubersuchaktion erklären lassen, die durch das Eindringen auf das Gelände in die Höhe getrieben wurden. Man darf im Übrigen auf das gerichtliche Nachspiel gespannt sein.

Zweiter Tag nach dem Hiroshima-Gedenktag

Am Mittwoch waren einige stetig gegen den Krieg engagierte Menschen oben am Fliegerhorst in Büchel. Sie versuchen ihre Steuern nur für Friedensarbeit und nicht für Rüstung und Krieg einzubehalten und fordern hingegen eine Friedenssteuer. Das heißt im weitesten Sinne, das Recht, dass jeder frei entscheiden darf, ob seine Steuern für militärische Zwecke und Rüstung genutzt werden oder eben nicht. Der Fiskus reagiert hier mit rigiden Pfändungen. Mit dabei waren auch ein Pärchen Quäker.

Das Haupttor wurde während des Schichtwechsels komplett blockiert. Bundeswehr und Army Angehörige müssen diese Kritik aushalten und die Politik ist an ihre Versprechungen gebunden oder es wird an empfindlicher Stelle eben Öffentlichkeit hergestellt.

Die nukleare Teilhabe ist keine Pflicht!

Am 9. August war eine größere Versammlung angemeldet, das Haupttor wurde geschlossen und die Polizei leitete den Verkehr um. Am Vormittag dieses Nagasaki-Gedenktages versammelten sich allmählich alle Menschen aus dem Friedenscamp, wie auch einige Menschen aus Cochem und der Umgebung von Büchel wiederholt am Kreisel.

Der Protest in Form einer Andacht wurde von Pfarrer Engelke und seiner Frau Punkt 11:05 Uhr abgehalten und beinhaltete die Verlesung von Namen der Opfer des Atombombenabwurfs über Hiroshima; eine solche Totenliste wird es vielleicht bald auch zu der Tragödie von Nagasaki geben, „wenn nötig“, da man in Verbindung mit Japanern steht, die sich Jahr für Jahr am internationalen Gedenken beteiligen... Gerd Schinkel sorgte zwischendurch für Musik. Gegen Mittag war die Blockade des Atomwaffenlagers beendet, das Fasten wurde von allen Beteiligten mit einer Suppe gebrochen und nun blieb nur noch der Abbau des Friedenscamps 2018 und der Abschied...

Die Gewinner des diesjährigen Friedensnobelpreises gaben der Friedensbewegung etwas Schwung wieder, in Deutschland bleibt die Entfernung beziehungsweise das Verbot und die Abrüstung der Atombomben jedoch weiterhin eine große Herausforderung in einer Zeit, in der Präsidenten nicht davor zurückschrecken mit Massenvernichtung zu drohen und Gelder in die Rüstung (in Unternehmen wie Lockheed Martin) fließen, um nuklear Waffen zu modernisieren. Deshalb, steht auf ihr Leute, lasst uns nächstes Jahr wieder an die Schrecken eines Atomkrieges erinnern und kritisches Denken und friedlichen Widerstand provozieren, wo es geht!

Im April haben in den USA sieben Menschen durch eine direkte Aktion versucht Atomwaffen mit Hämmern ausgerüstet unschädlich zu machen, weil ihre bloße Existenz laut Kings Bay Plowshares tötet. Wer will kann also auch jetzt weiter aktiv bleiben oder es werden, über Artikel wie diesen reden oder auch mal wieder eine Postkarte schreiben an jene, die sich wagen zu handeln (Kings Bay Plowshares) statt zu warten bis es zu spät ist...

Ich zumindest nehme meinen Hut ab. Till then, I think ICAN and see you soon!


Onno Oncken