2009-01:Heil Pflanzen Führer

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== Heil Pflanzen Führer ==
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der Rezension nicht auf die entsprechende Person zurückgeführt werden
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kann. Zu diesem Vorgang und ob dieser als "Zensur" angesehen werde
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sollte gab es innerhalb der Redaktion eine Diskussion ohne Einigung.
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Siehe auch Kommentar zu den Rezensionen.
  
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{{Kommentar}}
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== Heil Pflanzen Führer ==
 
'''Die absurde Welt des Wolf-Dieter Storl'''
 
'''Die absurde Welt des Wolf-Dieter Storl'''
  
von ''Olga Porombka''
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von '''Olga Porombka'''
 
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<h1>H</h1>och oben inmitten saftiger Matten eines malerischen Allgäuer Tales, steht ein Jagdschlößchen und ein daran angrenzendes Herrenhaus mit gewaltigem Walmdach. Warmes Sonnenlicht umschmeichelt die ganze Szenerie. Es riecht kräftig nach frühsommerlicher Luft. Weiter hinauf zieht sich der fahlgrüne Tannen- und Föhrenwald, bis hin zum mächtig aufragenden Bergmassiv der Alpen. Fleißige Bienen schießen hier, sonor summend, Nektar sammelnd von einer Blüte der überfließend sprießenden Bergkräuter zur nächsten. Blaue, rote, gelbe, violette und weiße Blütenkelche, -rispen und -mäulchen leuchten sie an. Die Pracht lockt nicht nur die suchenden Immen, sondern auch eine bunt gemischte Schar von Menschen, die jedoch für den romantischen Zauber Mutter Naturs jetzt nur wenige hastige Blicke übrig haben. Ihre Augen richten sich suchend in Richtung ihrer Fußspitzen. Ab und an blicken sie aufmerksam herüber zu dem stattlichen Mann mit den Wursthaaren im Nacken und dem etwas verfilzten grauen Bart der sich über seinen enormen Bauch ergießt. Er plaudert geduldig zu ihnen mit beschwörender Sprache – oft mit Anglizismen durchsetzt – in angenehm befremdlich wirkendem Tonfall. Dabei erzählt er von den geheimen Kräften, der Geschichte und dem was er unter traditionellem Gebrauch der wertvollen Heilkräuter versteht, die in der heimischen Natur so üppig für alle erblühen.
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Hoch oben inmitten saftiger Matten eines malerischen Allgäuer Tales, steht ein Jagdschlößchen und ein daran angrenzendes Herrenhaus mit gewaltigem Walmdach. Warmes Sonnenlicht umschmeichelt die ganze Szenerie. Es riecht kräftig nach frühsommerlicher Luft. Weiter hinauf zieht sich der fahlgrüne Tannen- und Föhrenwald, bis hin zum mächtig aufragenden Bergmassiv der Alpen. Fleißige Bienen schießen hier, sonor summend, Nektar sammelnd von einer Blüte der überfließend sprießenden Bergkräuter zur nächsten. Blaue, rote, gelbe, violette und weiße Blütenkelche, -rispen und -mäulchen leuchten sie an. Die Pracht lockt nicht nur die suchenden Immen, sondern auch eine bunt gemischte Schar von Menschen, die jedoch für den romantischen Zauber Mutter Naturs jetzt nur wenige hastige Blicke übrig haben. Ihre Augen richten sich suchend in Richtung ihrer Fußspitzen. Ab und an blicken sie aufmerksam herüber zu dem stattlichen Mann mit den Wursthaaren im Nacken und dem etwas verfilzten grauen Bart der sich über seinen enormen Bauch ergießt. Er plaudert geduldig zu ihnen mit beschwörender Sprache – oft mit Anglizismen durchsetzt – in angenehm befremdlich wirkendem Tonfall. Dabei erzählt er von den geheimen Kräften, der Geschichte und dem was er unter traditionellem Gebrauch der wertvollen Heilkräuter versteht, die in der heimischen Natur so üppig für alle erblühen.
  
 
Der Mann scheint ein Wiedergänger des Almöhi von der Heidi zu sein und er hört auf den launigen Namen Wolf-Dieter Storl. Er nennt sich selbst „Ethnobotaniker“ und weiß erstaunlich viel über exotische Völker und deren Kulte und Rituale und über Schamanismus zu erzählen, denn er ist obendrein auch noch ein weitgereister Völkerkundler. Ein „Ethnobotaniker“, das ist einer, der sich für sämtliche, weltweit vorkommenden Drogen und Pflanzen interessiert, und für das, was sich mit ihnen alles so anstellen läßt. Aber nicht nur die verschiedenen Wirkungen probiert er an sich selber aus. Er sieht es als seine „Mission“ an, dieses Wissen an andere weiter zu geben. darüber hinaus erforscht er von den Stämmen und Völkern, welche diese Drogen und Tränke schon seit jeher verwenden, bei welchen Ritualen und Feiern, magischen Anwendungen und Krankheiten sie diese traditionell anwenden. Hauptsächlich sammelt er viele der gefundenen Pflanzen ein, zeichnet sie, versucht sie botanisch einzuordnen, nimmt sie mit nach Hause, um sie dort mit anderen „Ethnobotanikern“ zu tauschen und zu konsumieren, vermehrt sie und schreibt Bücher über sein Tun. Nicht zum Erwähnen zu vergessen sei, daß er seine Produkte und Dienstleistungen auch gewinnbringend vermarktet.
 
Der Mann scheint ein Wiedergänger des Almöhi von der Heidi zu sein und er hört auf den launigen Namen Wolf-Dieter Storl. Er nennt sich selbst „Ethnobotaniker“ und weiß erstaunlich viel über exotische Völker und deren Kulte und Rituale und über Schamanismus zu erzählen, denn er ist obendrein auch noch ein weitgereister Völkerkundler. Ein „Ethnobotaniker“, das ist einer, der sich für sämtliche, weltweit vorkommenden Drogen und Pflanzen interessiert, und für das, was sich mit ihnen alles so anstellen läßt. Aber nicht nur die verschiedenen Wirkungen probiert er an sich selber aus. Er sieht es als seine „Mission“ an, dieses Wissen an andere weiter zu geben. darüber hinaus erforscht er von den Stämmen und Völkern, welche diese Drogen und Tränke schon seit jeher verwenden, bei welchen Ritualen und Feiern, magischen Anwendungen und Krankheiten sie diese traditionell anwenden. Hauptsächlich sammelt er viele der gefundenen Pflanzen ein, zeichnet sie, versucht sie botanisch einzuordnen, nimmt sie mit nach Hause, um sie dort mit anderen „Ethnobotanikern“ zu tauschen und zu konsumieren, vermehrt sie und schreibt Bücher über sein Tun. Nicht zum Erwähnen zu vergessen sei, daß er seine Produkte und Dienstleistungen auch gewinnbringend vermarktet.
  
Der wohl bekannteste unter den deutschen „Ethnobotanikern“ ist Christian Rätsch, von dem unter anderem ein umfangreiches „Lexikon der psychoaktiven Pflanzen“, mitsamt vergleichender Kulturgeschichte und ausführlichem Teil zur jeweiligen Pharmakologie, sowie Darstellung der Anwendung erschien. Doch nicht nur Rätsch genießt im Kleinbürgerlichen Spektrum ein Starimage und wird als edler Wilder herumgereicht. Christian Wyrwa wirbt im öffentlich-rechtlichen TV-Kanal NDR für Storl als „einer der führenden Experten im Bereich Ethnobotanik und gilt als der Heilpflanzenkundler hierzulande“. Er läßt sich als Kräuterheiligen und Alm-Indianer verehren. Wyrwa begeistert sich mit pathetischen Worten für den „gebürtigen Sachsen mit den langen Haaren und dem wallenden Bart“, der eines von seinen vielen „Sachbüchern“ im Fernsehen vorstellen darf. „Wohl jede Universität würde ihm einen Lehrstuhl anbieten, doch der promovierte Kulturanthropologe zieht ein zurückgezogenes Leben in den Allgäuer Bergen vor. Hier lebt er seit 1988 gemeinsam mit Frau und Kindern auf einem alten Hof, im Einklang mit der Natur.“
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Der wohl bekannteste unter den deutschen „Ethnobotanikern“ ist Christian Rätsch, von dem unter anderem ein umfangreiches „Lexikon der psychoaktiven Pflanzen“, mitsamt vergleichender Kulturgeschichte und ausführlichem Teil zur jeweiligen Pharmakologie, sowie Darstellung der Anwendung erschien. Doch nicht nur Rätsch genießt im Kleinbürgerlichen Spektrum ein Starimage und wird als edler Wilder herumgereicht. Ein Moderator (Name gestrichen, da inhaltlich falsch und ohne genaue Quellangabe) wirbt im öffentlich-rechtlichen TV-Kanal NDR für Storl als „einer der führenden Experten im Bereich Ethnobotanik und gilt als der Heilpflanzenkundler hierzulande“. Er läßt sich als Kräuterheiligen und Alm-Indianer verehren. Der Moderator begeistert sich mit pathetischen Worten für den „gebürtigen Sachsen mit den langen Haaren und dem wallenden Bart“, der eines von seinen vielen „Sachbüchern“ im Fernsehen vorstellen darf. „Wohl jede Universität würde ihm einen Lehrstuhl anbieten, doch der promovierte Kulturanthropologe zieht ein zurückgezogenes Leben in den Allgäuer Bergen vor. Hier lebt er seit 1988 gemeinsam mit Frau und Kindern auf einem alten Hof, im Einklang mit der Natur.“
 
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Bei der Recherche über ihn stößt man immer wieder auf die gleichen Allgemeinplätze, die sich lesen, wie aus seiner eigenen homepage herauskopiert: „Gut 20 Jahre lehrte Wolf-Dieter Storl als Dozent und College-Professor an verschiedenen Universitäten in den USA, in Indien sowie Europa. Eine erfolgreiche, wissenschaftliche Karriere schien ihm sicher.“ Früher war der langbärtige Wurzelsepp an vielen verschiedenen „Universitäten“ beschäftigt, sagt er. Forscht man jedoch neugierig in Publikationskatalogen und Nationalbibliotheken nach Veröffentlichungslisten unter seinem Namen wird man nicht fündig. Eine Promotionsschrift ist von ihm existiert nicht und erst recht keine Dissertation; wissenschaftlich betrachtet gibt es ihn gar nicht – sollte er tatsächlich an Universitäten als Lehrbeauftragter beschäftigt gewesen sein, so sicherlich nicht als Professor.
 
Bei der Recherche über ihn stößt man immer wieder auf die gleichen Allgemeinplätze, die sich lesen, wie aus seiner eigenen homepage herauskopiert: „Gut 20 Jahre lehrte Wolf-Dieter Storl als Dozent und College-Professor an verschiedenen Universitäten in den USA, in Indien sowie Europa. Eine erfolgreiche, wissenschaftliche Karriere schien ihm sicher.“ Früher war der langbärtige Wurzelsepp an vielen verschiedenen „Universitäten“ beschäftigt, sagt er. Forscht man jedoch neugierig in Publikationskatalogen und Nationalbibliotheken nach Veröffentlichungslisten unter seinem Namen wird man nicht fündig. Eine Promotionsschrift ist von ihm existiert nicht und erst recht keine Dissertation; wissenschaftlich betrachtet gibt es ihn gar nicht – sollte er tatsächlich an Universitäten als Lehrbeauftragter beschäftigt gewesen sein, so sicherlich nicht als Professor.
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Die Deutsche Nationalbibliothek listet ausschließlich seine populären Bücher auf – immerhin es sind fünfundvierzig an der Zahl. Einige hat er mit Rätsch und der Bach-Blüten-Tante Claudia Mueller-Ebeling zusammengeschrieben. In der Libary of Congress der USA finden sich nur zwei Einträge: 1. Witchcraft medicine: healing arts, shamanic practices, and forbidden plants (2003) 2. Shiva: the wild God of power and ecstasy (2004). Diese Titel sind Übersetzungen deutscher Originalausgaben. Offenbar hat Storl in den Staaten nichts wissenschaftliches publiziert – erst recht keine Beiträge die peer-reviewed sind. (Methode des Gegenlesens innerhalb der peer-group anerkannter Forscher einer wissenschaftlichen Disziplin, um den Wert der Arbeit feststellen zu können – gegenwärtig der Garant für wissenschaftliche Reputation)
 
Die Deutsche Nationalbibliothek listet ausschließlich seine populären Bücher auf – immerhin es sind fünfundvierzig an der Zahl. Einige hat er mit Rätsch und der Bach-Blüten-Tante Claudia Mueller-Ebeling zusammengeschrieben. In der Libary of Congress der USA finden sich nur zwei Einträge: 1. Witchcraft medicine: healing arts, shamanic practices, and forbidden plants (2003) 2. Shiva: the wild God of power and ecstasy (2004). Diese Titel sind Übersetzungen deutscher Originalausgaben. Offenbar hat Storl in den Staaten nichts wissenschaftliches publiziert – erst recht keine Beiträge die peer-reviewed sind. (Methode des Gegenlesens innerhalb der peer-group anerkannter Forscher einer wissenschaftlichen Disziplin, um den Wert der Arbeit feststellen zu können – gegenwärtig der Garant für wissenschaftliche Reputation)
  
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Storl selber gibt kräftig an mit seiner scheinbaren Anerkennung als gefeierter Wissenschaftler. Für kritische Beobachter stellt sich eindringlich die Frage was seine esoterischen Absonderungen mit vernünftiger Weltsicht, Emanzipation und Aufklärung zu tun haben. Bei einem Interview im Kifferblättchen „grow“ palavert er erstaunlich offenherzig daher. Auf die Frage „Was lehrte dich das Botanik-Studium?“ (Botanik wird als einzelnes Lehrfach auch in den USA nicht angeboten – sie ist ein Teilbereich der Biologie): „Im Studium habe ich gleich gespürt, dass die Pflanzen wie tote Gegenstände behandelt wurden, die Wirkstoffe akkumulieren, Zellulose anhäufen und das war’s. Das waren reine Materialisten die dort lehrten. Sie sagten: ‚Die Pflanze lässt ihre Wurzeln nicht wachsen um Nährstoffe zu suchen. Dies würde ihr ein Motiv zusprechen, was nicht vorhanden ist.’ Ihrer Ansicht nach ist alles in der Natur einfach eine chemisch-mechanische Reaktion.“ Er verläßt sich da schon lieber auf seine hanebüchenen Vorurteile. Von den Erkenntnissen der „materialistischen“ Naturwissenschaften „wusste, (er im Voraus) dass stimmt nicht. Ich hatte über Jahre im Wald gesessen und die Natur empfunden. Ein Teil dieser Ansicht war sicherlich auch dadurch bestimmt, dass ich in meiner frühen Jugend einige Bücher der Romantik gelesen hatte.“ Unumwunden gibt der „Forscher“ damit seinen Romantizismus zu. Kein Wunder daß er immer wieder Dichotomien zwischen gut und böse, rein und verdorben eröffnet: „Aber das amerikanische Ethos unterscheidet zwischen ‘Kultur’ und ‘Natur’. Kultur ist zivilisiert und kontrolliert, die Natur ist wild. Dementsprechend wurden die Indianer behandelt. Genauso sind Wildkräuter aus dieser Sicht wertlos. Mir scheint es fast anders herum: Das was Kultur ist, dieser kurzgemähte Rasen, die ganze Entseelung. Der Wald ist für mich viel wertvoller und mit viel mehr Seele ausgestattet. Ja, ja, so ist es.“
  
Storl selber gibt kräftig an mit seiner scheinbaren Anerkennung als gefeierter Wissenschaftler. Für kritische Beobachter stellt sich eindringlich die Frage was seine esoterischen Absonderungen mit vernünftiger Weltsicht, Emanzipation und Aufklärung zu tun haben. Bei einem Interview im Kifferblättchen „grow“ palavert er erstaunlich offenherzig daher. Auf die Frage „Was lehrte dich das Botanik-Studium?“ (Botanik wird als einzelnes Lehrfach auch in den USA nicht angeboten– sie ist ein Teilbereich der Biologie): „Im Studium habe ich gleich gespürt, dass die Pflanzen wie tote Gegenstände behandelt wurden, die Wirkstoffe akkumulieren, Zellulose anhäufen und das war’s. Das waren reine Materialisten die dort lehrten. Sie sagten: ‚Die Pflanze lässt ihre Wurzeln nicht wachsen um Nährstoffe zu suchen. Dies würde ihr ein Motiv zusprechen, was nicht vorhanden ist.’ Ihrer Ansicht nach ist alles in der Natur einfach eine chemisch-mechanische Reaktion.“ Er verläßt sich da schon lieber auf seine hanebüchenen Vorurteile. Von den Erkenntnissen der „materialistischen“ Naturwissenschaften „wusste, (er im Voraus) dass stimmt nicht. Ich hatte über Jahre im Wald gesessen und die Natur empfunden. Ein Teil dieser Ansicht war sicherlich auch dadurch bestimmt, dass ich in meiner frühen Jugend einige Bücher der Romantik gelesen hatte.“ Unumwunden gibt der „Forscher“ damit seinen Romantizismus zu. Kein Wunder daß er immer wieder Dichotomien zwischen gut und böse, rein und verdorben eröffnet: „Aber das amerikanische Ethos unterscheidet zwischen ‘Kultur’ und ‘Natur’. Kultur ist zivilisiert und kontrolliert, die Natur ist wild. Dementsprechend wurden die Indianer behandelt. Genauso sind Wildkräuter aus dieser Sicht wertlos. Mir scheint es fast anders herum: Das was Kultur ist, dieser kurzgemähte Rasen, die ganze Entseelung. Der Wald ist für mich viel wertvoller und mit viel mehr Seele ausgestattet. Ja, ja, so ist es.
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Ken Wilber, selbst ein großer Freund psychoaktiver Nutzanwendungen, sowie bekannt dafür eine esoterische Kosmologie vorgelegt zu haben, führt zum Dualitätsprinzip bei den Natur-Romantikern, und deren Suche nach dem Richtigen und Reinen, aus dem sie Identität schöpfen, folgendes in Form eines Frage – Antwortspieles aus:  
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„KW: Das alte Griechenland ist heute bei den Romantikern ziemlich ‘out’, hauptsächlich deshalb, weil es eine Ackerbaukultur und damit eine patriarchale Kultur war. Deshalb ließen die Romantiker ihre Retrozeitmaschine nochmals an und kamen bei den Gartenbaugesellschaften an. Diese sind heute mit Abstand der beliebteste Tummelplatz der Ökofeministinnen. Wie wir gesehen haben, waren diese Gesellschaften ja oft matrifokal, von der Großen Mutter beherrscht. Verschwenden wir also keinen Gedanken an das zentrale Ritual praktisch aller Gartenbaugesellschaften: das rituelle Menschenopfer, das unter anderem notwendig war, um die Fruchtbarkeit der Erde sicherzustellen. Reden wir auch nicht davon, daß nach Lenskis beeindruckendem Datenmaterial nicht weniger als vierundvierzig Prozent dieser Gesellschaften häufig Kriege führten, über fünfzig Prozent in regelmäßigen Abständen (soviel zu den friedliebenden Große-Mutter-Gesellschaften), daß es in einundsechzig Prozent von ihnen Privatbesitz gab, in vierzehn Prozent Sklaverei und in fünfundvierzig Prozent die Praxis des Brautpreises. Die Ackerbaugesellschaften waren in Wirklichkeit alles andere als ‘rein und ursprünglich’, worauf wiederum die Ökomaskulinisten lautstark hinweisen.
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F: Diese halten es mehr mit den Jägern und Sammlern.
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KW: Ja, es blieb den Ökomaskulinisten (‘Tiefenökologen’) vorbehalten, noch eine Stufe weiter zurückzugehen, wo sie die Jäger-und-Sammler-Kulturen in ‘reinen und ursprünglichen Zustand’ vorfanden. Ihnen zufolge ist die von den Ökofeministinnen geliebte Gartenbaukultur der Natur nicht wirklich in reiner Weise nahe, weil diese Gesellschaften Ackerbau betrieben, was schon eine Vergewaltigung des Landes ist. Jagen und Sammeln, ja, das ist erst wirklich rein und ursprünglich.
  
Ken Wilber, selbst ein großer Freund psychoaktiver Nutzanwendungen, sowie bekannt dafür eine esoterische Kosmologie vorgelegt zu haben, führt zum Dualitätsprinzip bei den Natur-Romantikern, und deren Suche nach dem Richtigen und Reinen, aus dem sie Identität schöpfen, folgendes in Form eines Frage – Antwortspieles aus: „KW: Das alte Griechenland ist heute bei den Romantikern ziemlich ‘out’, hauptsächlich deshalb, weil es eine Ackerbaukultur und damit eine patriarchale Kultur war. Deshalb ließen die Romantiker ihre Retrozeitmaschine nochmals an und kamen bei den Gartenbaugesellschaften an. Diese sind heute mit Abstand der beliebteste Tummelplatz der Ökofeministinnen. Wie wir gesehen haben, waren diese Gesellschaften ja oft matrifokal, von der Großen Mutter beherrscht. Verschwenden wir also keinen Gedanken an das zentrale Ritual praktisch aller Gartenbaugesellschaften: das rituelle Menschenopfer, das unter anderem notwendig war, um die Fruchtbarkeit der Erde sicherzustellen. Reden wir auch nicht davon, daß nach Lenskis beeindruckendem Datenmaterial nicht weniger als vierundvierzig Prozent dieser Gesellschaften häufig Kriege führten, über fünfzig Prozent in regelmäßigen Abständen (soviel zu den friedliebenden Große-Mutter-Gesellschaften), daß es in einundsechzig Prozent von ihnen Privatbesitz gab, in vierzehn Prozent Sklaverei und in fünfundvierzig Prozent die Praxis des Brautpreises. Die Ackerbaugesellschaften waren in Wirklichkeit alles andere als ‘rein und ursprünglich’, worauf wiederum die Ökomaskulinisten lautstark hinweisen.
 
F: Dies halten es mehr mit den Jägern und Sammlern.
 
KW: Ja, es blieb den Ökomaskulinisten (‘Tiefenökologen’)vorbehalten, noch eine Stufe weiter zurückzugehen, wo sie die Jäger-und-Sammler-Kulturen in ‘reinen und ursprünglichen Zustand’ vorfanden. Ihnen zufolge ist die von den Ökofeministinnen geliebte Gartenbaukultur der Natur nicht wirklich in reiner Weise nahe, weil diese Gesellschaften Ackerbau betrieben, was schon eine Vergewaltigung des Landes ist. Jagen und Sammeln, ja, das ist erst wirklich rein und ursprünglich.
 
 
Sehen wir auch hier wiederum großzügig über die Befunde hinweg, denen zufolge es in zehn Prozent dieser Gesellschaften Sklaverei gab, in siebenunddreißig Prozent die Praxis des Brautpreises und in achtundfünfzig Prozent mehr oder weniger häufige Kriege. Also – dies muß jetzt der reine und ursprüngliche Zustand sein, weil man nicht mehr weiter zurückgehen kann! Dies muß er sein! Ich ignoriere einfach alles Unerfreuliche an diesen Gesellschaften, und dann finde ich in ihnen die Zeit des edeln Wilden, Punktum.
 
Sehen wir auch hier wiederum großzügig über die Befunde hinweg, denen zufolge es in zehn Prozent dieser Gesellschaften Sklaverei gab, in siebenunddreißig Prozent die Praxis des Brautpreises und in achtundfünfzig Prozent mehr oder weniger häufige Kriege. Also – dies muß jetzt der reine und ursprüngliche Zustand sein, weil man nicht mehr weiter zurückgehen kann! Dies muß er sein! Ich ignoriere einfach alles Unerfreuliche an diesen Gesellschaften, und dann finde ich in ihnen die Zeit des edeln Wilden, Punktum.
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Logischer wäre es aber doch, noch ein Stück weiter zu den Affen zurückzugehen, weil sie schließlich keine Sklaverei, keinen Brautpreis, keinen Krieg und so weiter kennen. Oder vielleicht sollten wir mit dieser Retrogression wirklich Ernst machen und sie zu Ende denken: Alles nach dem Urknall war ein großer Irrtum. Dies ist die letzte Konsequenz, zu der man gezwungen wird, wenn man Differenzierung und Dissoziation miteinander verwechselt: Man hält jede Differenzierung für einen Fehler, man hält die Eiche für ein Verbrechen an der Eichel.“ (Ken Wilber, Eine kurze Geschichte des Kosmos, Fischer FFM, 2000, S. 372-373)
 
Logischer wäre es aber doch, noch ein Stück weiter zu den Affen zurückzugehen, weil sie schließlich keine Sklaverei, keinen Brautpreis, keinen Krieg und so weiter kennen. Oder vielleicht sollten wir mit dieser Retrogression wirklich Ernst machen und sie zu Ende denken: Alles nach dem Urknall war ein großer Irrtum. Dies ist die letzte Konsequenz, zu der man gezwungen wird, wenn man Differenzierung und Dissoziation miteinander verwechselt: Man hält jede Differenzierung für einen Fehler, man hält die Eiche für ein Verbrechen an der Eichel.“ (Ken Wilber, Eine kurze Geschichte des Kosmos, Fischer FFM, 2000, S. 372-373)
  
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Wenn die Leute dann wieder zurück daheim sind und seine Bücher lesen, fühlen sie sich nicht mehr so ganz allein in den häßlichen mitteleuropäischen Städten mit ihren eigenen armseligen Identitäten. Wer kann sich nicht daran erinnern, wie traurig die arme Heidi in Frankfurt am Main war, wo sie bei der Clara in einem Gründerzeithaus leben mußte und ihren Ziegenpeter und den Almöhi so arg vermißte. Wenn sich die Stadtmenschen vorstellen, daß putzige kleine Pflanzengeisterchen in den Blümelein und Sträuchern wohnen, und die auch dann noch in der Droge „weiterleben“, wenn das Blatt, die Blüte oder die Wurzel längst abgerissen und vertrocknet sind, dann nennt man das „magisches Denken“. Das ist wiederum schon ganz alt (und traditionell), und hat den Menschen damals, als sie noch nicht soviel über die Chemie, Biologie und Medizin wissen mußten, wohlige Zuversicht eingeflößt, aber auch den nötigen Respekt vor der mitunter auch schrecklichen wilden Natur. In der Bronzezeit war das auch schon so. Damals haben die Kelten überall in Mitteleuropa gesiedelt und mit goldenen Sicheln schnitten ihre Druiden ganz viele Misteln für den berühmten Zaubertrank. (Als die Römer schließlich alle Bäume mit ''Agent Orange'' von ''Monsanto'' besprühten, damit die Misteln absterben, war es um den keltischen Widerstand geschehen – die Römer gewannen und sind nach Amerika gezogen, um dort das wackere Volk der Cheyenne zu knechten.) Ab und zu haben die geheimnisvollen Kelten zwar ganz viele andere Menschen in große Korbmänner gepackt und diese dann angezündet, um dann die ganze Nacht lang drum herum zu tanzen; das war dann nicht ganz so schön, aber eben ein wichtiger Bestandteil ihrer einzigartigen faszinierenden Große-Mutter-Kultur. Über die weiß leider niemand wirklich viel, weil sie kaum etwas aufgeschrieben haben, damit die Römer ihnen nicht ihre Mythologie rauben konnten, wie sie das sonst immer gemacht haben in den besetzten Gebieten. (siehe das Schicksal der armen Cheyenne)
 
Wenn die Leute dann wieder zurück daheim sind und seine Bücher lesen, fühlen sie sich nicht mehr so ganz allein in den häßlichen mitteleuropäischen Städten mit ihren eigenen armseligen Identitäten. Wer kann sich nicht daran erinnern, wie traurig die arme Heidi in Frankfurt am Main war, wo sie bei der Clara in einem Gründerzeithaus leben mußte und ihren Ziegenpeter und den Almöhi so arg vermißte. Wenn sich die Stadtmenschen vorstellen, daß putzige kleine Pflanzengeisterchen in den Blümelein und Sträuchern wohnen, und die auch dann noch in der Droge „weiterleben“, wenn das Blatt, die Blüte oder die Wurzel längst abgerissen und vertrocknet sind, dann nennt man das „magisches Denken“. Das ist wiederum schon ganz alt (und traditionell), und hat den Menschen damals, als sie noch nicht soviel über die Chemie, Biologie und Medizin wissen mußten, wohlige Zuversicht eingeflößt, aber auch den nötigen Respekt vor der mitunter auch schrecklichen wilden Natur. In der Bronzezeit war das auch schon so. Damals haben die Kelten überall in Mitteleuropa gesiedelt und mit goldenen Sicheln schnitten ihre Druiden ganz viele Misteln für den berühmten Zaubertrank. (Als die Römer schließlich alle Bäume mit ''Agent Orange'' von ''Monsanto'' besprühten, damit die Misteln absterben, war es um den keltischen Widerstand geschehen – die Römer gewannen und sind nach Amerika gezogen, um dort das wackere Volk der Cheyenne zu knechten.) Ab und zu haben die geheimnisvollen Kelten zwar ganz viele andere Menschen in große Korbmänner gepackt und diese dann angezündet, um dann die ganze Nacht lang drum herum zu tanzen; das war dann nicht ganz so schön, aber eben ein wichtiger Bestandteil ihrer einzigartigen faszinierenden Große-Mutter-Kultur. Über die weiß leider niemand wirklich viel, weil sie kaum etwas aufgeschrieben haben, damit die Römer ihnen nicht ihre Mythologie rauben konnten, wie sie das sonst immer gemacht haben in den besetzten Gebieten. (siehe das Schicksal der armen Cheyenne)
  
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Der weise Krautmann hat sich von Bekannten eine hübsch ansprechende eigene Netzseite gestalten lassen. Eine rührige „Heilpraktikerin“ aus der schönen alt-fränkischen Kaiserpfalzstadt Forchheim hilft geschäftig mit seine von ihm gesammelten Erfahrungen bei der „Heilung“ von Krankheiten, wie der garstigen Borreliose an bedürftige Menschen weiter zu geben. Interessierten Lesern seiner Netzseite gibt er bereitwillig Auskunft, daß „es (ihn) immer wieder in ferne Länder (zog), wo ihn besonders der Umgang der verschiedenen Kulturen mit der Natur interresierte. Die Reisen, sowie ethnographische und ethnobotanische Feldforschungen  in einer traditionellen Spiritistensiedlung in Ohio, in einer Camphill-Commune südlich von Genf, bei alteingesessenen Bauern im Emmental, bei Medizinmännern der Northern Cheyenne, bei Shiva Sadhus in Indien und Nepal - prägten sein Denken und fanden ihren Niederschlag in zahlreichen späteren Publikationen.“ (orthographische Eigenheiten im Original)
  
Der weise Krautmann hat sich von Bekannten eine hübsch ansprechende eigene Netzseite gestalten lassen. Eine rührige „Heilpraktikerin“ aus der schönen alt-fränkischen Kaiserpfalzstadt Forchheim hilft geschäftig mit seine von ihm gesammelten Erfahrungen bei der „Heilung“ von Krankheiten, wie der garstigen Borreliose an bedürftige Menschen weiter zu geben. Interessierten Lesern seiner Netzseite gibt er bereitwillig Auskunft, daß „es (ihn) immer wieder in ferne Länder (zog), wo ihn besonders der Umgang der verschiedenen Kulturen mit der Natur interresierte. Die Reisen, sowie ethnographische und ethnobotanische Feldforschungen - in einer traditionellen Spiritistensiedlung in Ohio, in einer Camphill-Commune südlich von Genf, bei alteingesessenen Bauern im Emmental, bei Medizinmännern der Northern Cheyenne, bei Shiva Sadhus in Indien und Nepal - prägten sein Denken und fanden ihren Niederschlag in zahlreichen späteren Publikationen.“ (orthographische Eigenheiten im Original)
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Der umtriebige Völkerkundler besuchte durchaus merkwürdige Völker: Traditionelle Spiritisten in Ohio, eine Südschweizer Camphill-Kommune, alteingesessene ''redneck'' Bauern im Emmental, Native Americans, die in den 1970ern das Saufen von Feuerwasser aufgaben, um ihre „Tradition“ wiederentdeckten, und kastenbegeisterte Hindus, all diese bedrohten fremden Kulturen haben sich erkennbar auf sein „Denken“ niedergeschlagen. Heute lebt er lieber wieder im schönen Süddeutschland, in der Schweiz und in der Ostmark gefällt es ihm jedoch auch sehr gut. Hier kann er nach Herzenslust mit der „Identität“ der hiesigen Pflanzen viel leichter intuitiv in Kontakt kommen, denn er kennt sich schließlich gut mit der germanischen und keltischen Kultur und Mythologie aus.{{Anker|Onlineteil}} Das sagt der Autor der Rezension über das Buch vom Wolf-Dieter, von dem er auch sagt es wäre ein „sehr lebendiges und spannendes Werk über die keltische Kultur.“ Und jetzt weiß der Autor der Rezension auch ganz viel über unsere Vorfahren und will allen raten, daß sie das Buch ebenfalls lesen sollen. Er ist total begeistert davon, daß „Die mitteleuropäische Natur (…) mannigfaltig Heilpflanzen (bietet) die schon die Kelten zu schätzen wußten.“ Wie so mancher Laie liefert er mit seiner „Kritik“ lediglich informationsfreie Gemeinplätze ab. Weil das Siedlungsgebiet der Kelten offenkundig Mitteleuropa war, nutzten sie höchst wahrscheinlich auch die dort vorkommenden Pflanzen. Leider ist nicht zu erfahren welch Krautes Stroh sie verwandten um das lustige Korbmannfeuer zu entfachen. Der Autor der Rezension sagt auch, daß „es (...) nicht wie andere Fachbücher, trocken geschrieben (ist), sondern (es) hat einen lebhaften und spannenden Stil.“ Der Autor der Rezension kann sich leider noch nicht ganz so gut ausdrücken wie sein großväterlicher Guru-Freund, der für ihn vielleicht einen lebhaften und spannenden Stil beim Schreiben an den Tag legen mag.
 
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Der umtriebige Völkerkundler besuchte durchaus merkwürdige Völker: Traditionelle Spiritisten in Ohio, eine Südschweizer Camphill-Kommune, alteingesessene ''redneck'' Bauern im Emmental, Native Americans, die in den 1970ern das Saufen von Feuerwasser aufgaben, um ihre „Tradition“ wiederentdeckten, und kastenbegeisterte Hindus, all diese bedrohten fremden Kulturen haben sich erkennbar auf sein „Denken“ niedergeschlagen. Heute lebt er lieber wieder im schönen Süddeutschland, in der Schweiz und in der Ostmark gefällt es ihm jedoch auch sehr gut. Hier kann er nach Herzenslust mit der „Identität“ der hiesigen Pflanzen viel leichter intuitiv in Kontakt kommen, denn er kennt sich schließlich gut mit der germanischen und keltischen Kultur und Mythologie aus. Das sagt der Jan-Henrik Cropp über das Buch vom Wolf-Dieter, von dem er auch sagt es wäre ein „sehr lebendiges und spannendes Werk über die keltische Kultur.“ Und jetzt weiß der Jan-Henrik auch ganz viel über unsere Vorfahren und will allen raten, daß sie das Buch ebenfalls lesen sollen. Er ist total begeistert davon, daß „Die mitteleuropäische Natur (…) mannigfaltig Heilpflanzen (bietet) die schon die Kelten zu schätzen wußten.“ Wie so mancher Laie liefert er mit seiner „Kritik“ lediglich informationsfreie Gemeinplätze ab. Weil das Siedlungsgebiet der Kelten offenkundig Mitteleuropa war, nutzten sie höchst wahrscheinlich auch die dort vorkommenden Pflanzen. Leider ist nicht zu erfahren welch Krautes Stroh sie verwandten um das lustige Korbmannfeuer zu entfachen. Der Jan-Henrik sagt auch, daß „es (...) nicht wie andere Fachbücher, trocken geschrieben (ist), sondern (es) hat einen lebhaften und spannenden Stil.“ Der Jan-Henrik kann sich leider noch nicht ganz so gut ausdrücken wie sein großväterlicher Guru-Freund, der für ihn vielleicht einen lebhaften und spannenden Stil beim Schreiben an den Tag legen mag.
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Daß der Prophet aus Sachsen bestrickende Geschichtchen erzählen kann ist sicher. Daß er hingegen wirklich stichhaltig argumentiert bezweifeln andere Rezensenten beträchtlich. So ist von Herrn Konradi zu erfahren, der auch im Heilpflanzen Geschäft tätig ist, jedoch versucht dieses von solch unseriösen Gestalten wie den Storl zu säubern, daß für Wolf-Dieter „die Sehnsucht nach einfachen, wunderbaren Lösungen stärker ist als jedes Argument.“ oder „hier kommen als ‚Argumente’ vor allem Heilungs-Anekdoten zum Zug“.
 
Daß der Prophet aus Sachsen bestrickende Geschichtchen erzählen kann ist sicher. Daß er hingegen wirklich stichhaltig argumentiert bezweifeln andere Rezensenten beträchtlich. So ist von Herrn Konradi zu erfahren, der auch im Heilpflanzen Geschäft tätig ist, jedoch versucht dieses von solch unseriösen Gestalten wie den Storl zu säubern, daß für Wolf-Dieter „die Sehnsucht nach einfachen, wunderbaren Lösungen stärker ist als jedes Argument.“ oder „hier kommen als ‚Argumente’ vor allem Heilungs-Anekdoten zum Zug“.
  
Aber solche Miesmacherstimmen läßt '''jhc''', der Experte für „Bioregionalismus“ für sich nicht gelten, wenn er im fetten Lobe schwelgt: „Storl versteht es vorzüglich die Geschichte, die wissenschaftlich Betrachtung und die Mythologie der Kelten unter einen Hut zu bringen.“ Der „Rezensent“ verheimlicht dabei nicht nur welche „Geschichte“ er damit meint und mit welcher wissenschaftlichen Methodologie was genau betrachtet wird, sondern er versteht es diese zwei leeren Signifikanten mit einer von ihm imaginierten „Mythologie der Kelten unter einen Hut zu bringen“. (er verfügt deshalb wohl über ein monistisches Geschichts- und Wissenschaftsbild) Ganz in seinem notorischen Neo-Ludditen-Stil, den er üblicherweise für seine Absonderungen pflegt, haut er nach „moderne Mythen“ – verschweigend welche er meint – wenn er Kritik vortäuscht: „endlich mal ein fundiertes Werk über die keltische Kultur, das ohne wabernde Nebel, moderne Mythen oder ähnliches auskommt“. Natürlich produziert ein Esoterik-Quatschkopf, wie der Wolf-Dieter überhaupt nichts anderes als „moderne Mythen“, ist er doch ein moderner Zeitgenosse, der keinerlei a priori Einblick in die verloren gegangene Mystik der Kulturepoche der Laténe-Zeit haben kann – außer er ist reinkarniert, aber solcherlei gegenaufklärerisches Denken lehnt die Autorin freiheraus ab.
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Aber solche Miesmacherstimmen läßt '''rez''', der Experte für „Bioregionalismus“ für sich nicht gelten, wenn er im fetten Lobe schwelgt: „Storl versteht es vorzüglich die Geschichte, die wissenschaftlich Betrachtung und die Mythologie der Kelten unter einen Hut zu bringen.“ Der „Rezensent“ verheimlicht dabei nicht nur welche „Geschichte“ er damit meint und mit welcher wissenschaftlichen Methodologie was genau betrachtet wird, sondern er versteht es diese zwei leeren Signifikanten mit einer von ihm imaginierten „Mythologie der Kelten unter einen Hut zu bringen“. (er verfügt deshalb wohl über ein monistisches Geschichts- und Wissenschaftsbild) Ganz in seinem notorischen Neo-Ludditen-Stil, den er üblicherweise für seine Absonderungen pflegt, haut er nach „moderne Mythen“ – verschweigend welche er meint – wenn er Kritik vortäuscht: „endlich mal ein fundiertes Werk über die keltische Kultur, das ohne wabernde Nebel, moderne Mythen oder ähnliches auskommt“. Natürlich produziert ein Esoterik-Quatschkopf, wie der Wolf-Dieter überhaupt nichts anderes als „moderne Mythen“, ist er doch ein moderner Zeitgenosse, der keinerlei a priori Einblick in die verloren gegangene Mystik der Kulturepoche der Laténe-Zeit haben kann – außer er ist reinkarniert, aber solcherlei gegenaufklärerisches Denken lehnt die Autorin freiheraus ab.
  
Im Gegensatz sieht auch das der Wurzelsepp ganz anders, wenn er einer ''wicca''-Waldschratin ins Mikro fantasiert: „Alles geht im Kreis, der Winter wird zum Sommer – der Sommer zum Winter, der Neumond zu Vollmond – der Vollmond zum Neumond, die Jahreszeiten folgen einander, die Nacht folgt dem Tag und umgekehrt. Und deshalb frage ich mich, warum wir nicht erkennen, dass dies auch so bei uns ist. Wenn ein Kind geboren wird und man schaut es an, da kommt einem das Gefühl – bei einer natürlichen Geburt – dass das Kind die Leute um sich herum erkennt, als ob eine Persönlichkeit wiederkommt.“ Was er mit „einer natürlichen Geburt“ meint, läßt er unter den Tisch fallen. Eine mackerhafte Unverfrorenheit legt er hier als (prominenter) Mann an den Tag. Aus dieser Position heraus fordert er normativ Frauen dazu auf sich gegen sichere Geburten in Hospitälern zu entscheiden, weil ansonsten ihr Nachwuchs Persönlichkeitslos wäre. „Und jedes Kind ist anders. Bei den alten Germanen war es so, dass man sogar die Leute wieder erkannte, also diejenigen, die geboren wurden – die wieder geborenen Ahnen, die aus der Anderswelt wiederkommen. Deswegen hießen die Kinder auch Enkel. Enkel bedeutet nichts anderes wie ‚kleiner Ahne’. Und in Indien habe ich eine Kultur erlebt, wo diese Überzeugung überhaupt nicht in Frage gestellt wurde. Es wurde so wenig in Frage gestellt, wie man sagt ‚morgen früh steigt die Sonne im Osten wieder auf’. Und ich kann es mir persönlich anders kaum vorstellen. Ich habe auch gesehen, wie Verstorbene, wenn sie den Körper verlassen, dann noch da sind. Das habe ich hier gesehen, das habe ich in Indien gesehen. Ich bin ein bisschen hellsichtig in der Richtung. Und deswegen gab es immer Totenbegleitrituale, wo man mit den Verstorbenen einen Schritt geht. Ganz wichtig sind erstmal die ersten drei Tage, denn da ist der Tote noch sehr nahe und erscheint in der Vision der Leute, die ihm sehr nahe stehen. Und dann sind es so zwischen 40 und 50 Tage, wo die Toten herumreisen und noch Dinge tun, die sie im Leben nicht mehr tun konnten, ehe sie dann tiefer hineingehen in die Anderswelt. Den ‚Totenpfad’ hat man das früher genannt. Deswegen haben die alten Germanen ihre Toten meistens mit Stiefeln und Schuhen begraben, damit sie gut wandern können in der geistigen Welt. Für mich ist die Wiedergeburt eine Grundüberzeugung, eine persönliche Erlebensweise, dass mit dem Tod die Sachen nicht aufhören und auch dass die Kinder nicht irgendwo aus dem Nichts kommen und dann von der Gesellschaft nur geprägt werden. Sondern dass es da auch weitergeht, vermutlich auch in einem Kreis. So kommt es mir vor. Ich glaube nicht, dass die Menschen einfach aus dem Nichts entstehen und dann wieder verlöschen.“ Man freut sich einfach immer wieder, wenn man es mit solch aufgeklärten weisen Streitern für eine gemeinsame konkrete Utopie zu tun hat.
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Im Gegensatz sieht auch das der Wurzelsepp ganz anders, wenn er einer ''wicca''-Waldschratin ins Mikro fantasiert: „Alles geht im Kreis, der Winter wird zum Sommer – der Sommer zum Winter, der Neumond zu Vollmond – der Vollmond zum Neumond, die Jahreszeiten folgen einander, die Nacht folgt dem Tag und umgekehrt. Und deshalb frage ich mich, warum wir nicht erkennen, dass dies auch so bei uns ist. Wenn ein Kind geboren wird und man schaut es an, da kommt einem das Gefühl – bei einer natürlichen Geburt – dass das Kind die Leute um sich herum erkennt, als ob eine Persönlichkeit wiederkommt.“ Was er mit „einer natürlichen Geburt“ meint, läßt er unter den Tisch fallen. Eine mackerhafte Unverfrorenheit legt er hier als (prominenter) Mann an den Tag. Aus dieser Position heraus fordert er normativ Frauen dazu auf sich gegen sichere Geburten in Hospitälern zu entscheiden, weil ansonsten ihr Nachwuchs persönlichkeitslos wäre. „Und jedes Kind ist anders. Bei den alten Germanen war es so, dass man sogar die Leute wieder erkannte, also diejenigen, die geboren wurden – die wieder geborenen Ahnen, die aus der Anderswelt wiederkommen. Deswegen hießen die Kinder auch Enkel. Enkel bedeutet nichts anderes wie ‚kleiner Ahne’. Und in Indien habe ich eine Kultur erlebt, wo diese Überzeugung überhaupt nicht in Frage gestellt wurde. Es wurde so wenig in Frage gestellt, wie man sagt ‚morgen früh steigt die Sonne im Osten wieder auf’. Und ich kann es mir persönlich anders kaum vorstellen. Ich habe auch gesehen, wie Verstorbene, wenn sie den Körper verlassen, dann noch da sind. Das habe ich hier gesehen, das habe ich in Indien gesehen. Ich bin ein bisschen hellsichtig in der Richtung. Und deswegen gab es immer Totenbegleitrituale, wo man mit den Verstorbenen einen Schritt geht. Ganz wichtig sind erstmal die ersten drei Tage, denn da ist der Tote noch sehr nahe und erscheint in der Vision der Leute, die ihm sehr nahe stehen. Und dann sind es so zwischen 40 und 50 Tage, wo die Toten herumreisen und noch Dinge tun, die sie im Leben nicht mehr tun konnten, ehe sie dann tiefer hineingehen in die Anderswelt. Den ‚Totenpfad’ hat man das früher genannt. Deswegen haben die alten Germanen ihre Toten meistens mit Stiefeln und Schuhen begraben, damit sie gut wandern können in der geistigen Welt. Für mich ist die Wiedergeburt eine Grundüberzeugung, eine persönliche Erlebensweise, dass mit dem Tod die Sachen nicht aufhören und auch dass die Kinder nicht irgendwo aus dem Nichts kommen und dann von der Gesellschaft nur geprägt werden. Sondern dass es da auch weitergeht, vermutlich auch in einem Kreis. So kommt es mir vor. Ich glaube nicht, dass die Menschen einfach aus dem Nichts entstehen und dann wieder verlöschen.“ Man freut sich einfach immer wieder, wenn man es mit solch aufgeklärten weisen Streitern für eine gemeinsame konkrete Utopie zu tun hat.
Angesichts solcher Abseitigkeiten kommen dem Jan-Henrik zwar schon ein paar kleine Bedenken, so schreibt er man müsse „an den entsprechenden Stellen oft differenzieren zwischen zweifelhaften ‚energetischen Wirkungen’ der Pflanzen und deren chemisch nachgewiesenen Wirkungen“. Weshalb er meint „das Buch (ist) ein fantastisches Phytotherapie-Lehrbuch“ bleibt schließlich nach diesem Urteil schleierhaft, denn die Frage nach dem Sinngehalt der Lektüre eines „Fach-Buches“, bei dem der Leser erst selbst kolossalen Unfug über „zweifelhafte ‚energetische Wirkungen’“ von den tatsächlichen Wirkmöglichkeiten eines Heilkrautes unterscheiden muß, beantwortet sich von ganz allein.
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Angesichts solcher Abseitigkeiten kommen dem Autor der Rezension zwar schon ein paar kleine Bedenken, so schreibt er man müsse „an den entsprechenden Stellen oft differenzieren zwischen zweifelhaften ‚energetischen Wirkungen’ der Pflanzen und deren chemisch nachgewiesenen Wirkungen“. Weshalb er meint „das Buch (ist) ein fantastisches Phytotherapie-Lehrbuch“ bleibt schließlich nach diesem Urteil schleierhaft, denn die Frage nach dem Sinngehalt der Lektüre eines „Fach-Buches“, bei dem der Leser erst selbst kolossalen Unfug über „zweifelhafte ‚energetische Wirkungen’“ von den tatsächlichen Wirkmöglichkeiten eines Heilkrautes unterscheiden muß, beantwortet sich von ganz allein.
  
Dabei ist der Heimat- und Klimaschutzbeauftragte Cropp auch hier nicht alleine. So findet sich auf einer Veganisten-Netzseite folgendes Zitat: „Seit alter Zeit wussten die wahren Kräuterkundigen, dass selbst die einfachsten, gewöhnlichsten Kräuter ihren Wert haben und dass schon eine Hand voll davon genügt, um sämtliche Leiden zu heilen(sic!). Wesentlich ist dabei, die Pflanze durch und durch zu kennen, sie nicht nur als Behälter chemischer Wirkstoffe zu betrachten, sondern als Persönlichkeiten mit eigenem Wesen und einer eigenen langen Geschichte. Neun ganz gewöhnliche Wildkräuter, die - meist wohl ungeliebt und gewiss unbeachtet - überall zwischen Haustür und Gartentor wachsen, greift der Autor heraus... Er beschreibt ihre Eigenschaften und ihre Heilkräfte, ihre Bedeutung in der Volksmedizin, ihre Rolle in Sage, Märchen und Aberglaube(sic!) und ihre planetarischen Bezüge.“
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Dabei ist der Heimat- und Klimaschutzbeauftragte auch hier nicht alleine. So findet sich auf einer Veganisten-Netzseite folgendes Zitat: „Seit alter Zeit wussten die wahren Kräuterkundigen, dass selbst die einfachsten, gewöhnlichsten Kräuter ihren Wert haben und dass schon eine Hand voll davon genügt, um sämtliche Leiden zu heilen(sic!). Wesentlich ist dabei, die Pflanze durch und durch zu kennen, sie nicht nur als Behälter chemischer Wirkstoffe zu betrachten, sondern als Persönlichkeiten mit eigenem Wesen und einer eigenen langen Geschichte. Neun ganz gewöhnliche Wildkräuter, die - meist wohl ungeliebt und gewiss unbeachtet - überall zwischen Haustür und Gartentor wachsen, greift der Autor heraus... Er beschreibt ihre Eigenschaften und ihre Heilkräfte, ihre Bedeutung in der Volksmedizin, ihre Rolle in Sage, Märchen und Aberglaube(sic!) und ihre planetarischen Bezüge.“
 
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Wen jedoch die Wirkstoffe und Anwendungsgebiete von Heilpflanzen tatsächlich interessieren schlage sie lieber im amtlichen Arzneibuch selbst nach, oder frage den nächsten freundlichen Apotheker. (welcher stets gerne bei allen Fragen zu sämtlichen Heilpflanzen gut berät, denn er verkauft die meisten als Drogen auch noch sehr günstig mit garantierter Heilwirkung und der Beratung über Risiken und Nebenwirkungen!) Dies erscheint dem Buchempfehler jhc aber als ganz ungenügend, denn er, der naiv skandiert „Natur ist Vernunft“ – hat doch die wissenschaftlich räsonierende Vernunft des Menschen, durch ihre zerlegende und abstrahierende Methodik erst den Begriff von „Natur“, wie sie heute gebräuchlich ist erst erzeugt –, verlangt nach der „bioregionalistisch“/neurechten Ganzheit von Lebensraum, Geschichte und Volksgruppe, die dem Lebensraum traditionell zugehört und unablösbar von diesem geprägt ist: „Er schreibt nicht nur über die Heilpflanzen, sondern auch über die Gebräuche und Traditionen.“ Und das tut der Wolf-Dieter nicht nur in seinen Büchern.
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Wen jedoch die Wirkstoffe und Anwendungsgebiete von Heilpflanzen tatsächlich interessieren schlage sie lieber im amtlichen Arzneibuch selbst nach, oder frage den nächsten freundlichen Apotheker. (welcher stets gerne bei allen Fragen zu sämtlichen Heilpflanzen gut berät, denn er verkauft die meisten als Drogen auch noch sehr günstig mit garantierter Heilwirkung und der Beratung über Risiken und Nebenwirkungen!) Dies erscheint dem Buchempfehler rez aber als ganz ungenügend, denn er, der naiv skandiert „Natur ist Vernunft“ – hat doch die wissenschaftlich räsonierende Vernunft des Menschen, durch ihre zerlegende und abstrahierende Methodik erst den Begriff von „Natur“, wie sie heute gebräuchlich ist erst erzeugt –, verlangt nach der „bioregionalistisch“/neurechten Ganzheit von Lebensraum, Geschichte und Volksgruppe, die dem Lebensraum traditionell zugehört und unablösbar von diesem geprägt ist: „Er schreibt nicht nur über die Heilpflanzen, sondern auch über die Gebräuche und Traditionen.“ Und das tut der Wolf-Dieter nicht nur in seinen Büchern.
  
 
Doch zurück zu den sonnigen Allgäuer Matten, wo der bärtige alte Mann, wie damals der Ziegenpeter, die begeisterte Gruppe, wie Zicklein durch die noch vom HerrschaftsTechnikKomplex unberührte Bilderbuch-Natur führt. Weil Storl eben nicht nur ein toller Autor, sondern auch ein Kenner von deutsch-völkischem „bioregionalem“ Brauchtum ist, lädt er gerne Menschen zu sich nach Hause ein, um ihnen die heile Welt der Almindianer zu zeigen: „Hier oben, zwischen Isny und Kempten, lebt Dr. Wolf-Dieter Storl, einer der führenden Experten im Bereich Ethnobotanik, mit seiner Frau und zwei Kindern. Im Winter ist die Familie oft wochenlang eingeschneit. Keiner kann ins Dorf hinab, niemand kommt hinauf - kein Briefträger, kein Arzt. Bereits im Frühjahr fängt Dr. Storl an, Fallholz aus dem Wald zu holen und in den einstigen Stallgebäuden aufzuschichten. Der nächste Winter ist gewiss, und dann wird der Herd in der Wohnstube ständig nach Nachschub verlangen. Auch um Lebensmittelvorräte muss man sich beizeiten kümmern.“ diktiert Willi Bommer dem wißbegierigen Publikum in der „Spuren“-Ausgabe Nr. 65. Willi hat es wie alle neurechten Verschwörungsfreaks mit der Zahlenmagie, denn er verrät den Lesern Storls wichtigstes Geheimnis: „Hof Herrenberg war lange Zeit ein Rittersitz und ging später in den Besitz des Benediktiner-Ordens über. 1188 wurde das Gut erstmals urkundlich erwähnt. Interessanterweise ist Storl 11/88 hier eingezogen.“
 
Doch zurück zu den sonnigen Allgäuer Matten, wo der bärtige alte Mann, wie damals der Ziegenpeter, die begeisterte Gruppe, wie Zicklein durch die noch vom HerrschaftsTechnikKomplex unberührte Bilderbuch-Natur führt. Weil Storl eben nicht nur ein toller Autor, sondern auch ein Kenner von deutsch-völkischem „bioregionalem“ Brauchtum ist, lädt er gerne Menschen zu sich nach Hause ein, um ihnen die heile Welt der Almindianer zu zeigen: „Hier oben, zwischen Isny und Kempten, lebt Dr. Wolf-Dieter Storl, einer der führenden Experten im Bereich Ethnobotanik, mit seiner Frau und zwei Kindern. Im Winter ist die Familie oft wochenlang eingeschneit. Keiner kann ins Dorf hinab, niemand kommt hinauf - kein Briefträger, kein Arzt. Bereits im Frühjahr fängt Dr. Storl an, Fallholz aus dem Wald zu holen und in den einstigen Stallgebäuden aufzuschichten. Der nächste Winter ist gewiss, und dann wird der Herd in der Wohnstube ständig nach Nachschub verlangen. Auch um Lebensmittelvorräte muss man sich beizeiten kümmern.“ diktiert Willi Bommer dem wißbegierigen Publikum in der „Spuren“-Ausgabe Nr. 65. Willi hat es wie alle neurechten Verschwörungsfreaks mit der Zahlenmagie, denn er verrät den Lesern Storls wichtigstes Geheimnis: „Hof Herrenberg war lange Zeit ein Rittersitz und ging später in den Besitz des Benediktiner-Ordens über. 1188 wurde das Gut erstmals urkundlich erwähnt. Interessanterweise ist Storl 11/88 hier eingezogen.“
 
  
 
Vielleicht läßt sich das Phänomen Wolf-Dieter Storl mitsamt seiner germanengläubigen Anhängerschaft, die noch immer auf der Suche sind nach dem „Mythus des 20. Jahrhunderts“ (Rosenberg) mit Willis ergreifendem Abschlußzitat am besten umschreiben: „Dem Kompost gilt seine besondere Liebe. ‚Darin liegt das Geheimnis eines gesunden Gartens’, sagt er, greift mit beiden Händen in die dunkle erdige Masse und hält sie mir an die Nase: ‚Der Geruch des Lebens’.“
 
Vielleicht läßt sich das Phänomen Wolf-Dieter Storl mitsamt seiner germanengläubigen Anhängerschaft, die noch immer auf der Suche sind nach dem „Mythus des 20. Jahrhunderts“ (Rosenberg) mit Willis ergreifendem Abschlußzitat am besten umschreiben: „Dem Kompost gilt seine besondere Liebe. ‚Darin liegt das Geheimnis eines gesunden Gartens’, sagt er, greift mit beiden Händen in die dunkle erdige Masse und hält sie mir an die Nase: ‚Der Geruch des Lebens’.“
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Aktuelle Version vom 13. Dezember 2013, 15:05 Uhr

Dieser Artikel wurde entpersonalisiert und entsprechende Namensnennung
mit "Autor der Rezension" ersetzt. Dies deshalb, da die Urheberschaft
der Rezension nicht auf die entsprechende Person zurückgeführt werden
kann. Zu diesem Vorgang und ob dieser als "Zensur" angesehen werde
sollte gab es innerhalb der Redaktion eine Diskussion ohne Einigung.
Siehe auch Kommentar zu den Rezensionen.


Kommentar:

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[bearbeiten] Heil Pflanzen Führer

Die absurde Welt des Wolf-Dieter Storl

von Olga Porombka

Hoch oben inmitten saftiger Matten eines malerischen Allgäuer Tales, steht ein Jagdschlößchen und ein daran angrenzendes Herrenhaus mit gewaltigem Walmdach. Warmes Sonnenlicht umschmeichelt die ganze Szenerie. Es riecht kräftig nach frühsommerlicher Luft. Weiter hinauf zieht sich der fahlgrüne Tannen- und Föhrenwald, bis hin zum mächtig aufragenden Bergmassiv der Alpen. Fleißige Bienen schießen hier, sonor summend, Nektar sammelnd von einer Blüte der überfließend sprießenden Bergkräuter zur nächsten. Blaue, rote, gelbe, violette und weiße Blütenkelche, -rispen und -mäulchen leuchten sie an. Die Pracht lockt nicht nur die suchenden Immen, sondern auch eine bunt gemischte Schar von Menschen, die jedoch für den romantischen Zauber Mutter Naturs jetzt nur wenige hastige Blicke übrig haben. Ihre Augen richten sich suchend in Richtung ihrer Fußspitzen. Ab und an blicken sie aufmerksam herüber zu dem stattlichen Mann mit den Wursthaaren im Nacken und dem etwas verfilzten grauen Bart der sich über seinen enormen Bauch ergießt. Er plaudert geduldig zu ihnen mit beschwörender Sprache – oft mit Anglizismen durchsetzt – in angenehm befremdlich wirkendem Tonfall. Dabei erzählt er von den geheimen Kräften, der Geschichte und dem was er unter traditionellem Gebrauch der wertvollen Heilkräuter versteht, die in der heimischen Natur so üppig für alle erblühen.

Der Mann scheint ein Wiedergänger des Almöhi von der Heidi zu sein und er hört auf den launigen Namen Wolf-Dieter Storl. Er nennt sich selbst „Ethnobotaniker“ und weiß erstaunlich viel über exotische Völker und deren Kulte und Rituale und über Schamanismus zu erzählen, denn er ist obendrein auch noch ein weitgereister Völkerkundler. Ein „Ethnobotaniker“, das ist einer, der sich für sämtliche, weltweit vorkommenden Drogen und Pflanzen interessiert, und für das, was sich mit ihnen alles so anstellen läßt. Aber nicht nur die verschiedenen Wirkungen probiert er an sich selber aus. Er sieht es als seine „Mission“ an, dieses Wissen an andere weiter zu geben. darüber hinaus erforscht er von den Stämmen und Völkern, welche diese Drogen und Tränke schon seit jeher verwenden, bei welchen Ritualen und Feiern, magischen Anwendungen und Krankheiten sie diese traditionell anwenden. Hauptsächlich sammelt er viele der gefundenen Pflanzen ein, zeichnet sie, versucht sie botanisch einzuordnen, nimmt sie mit nach Hause, um sie dort mit anderen „Ethnobotanikern“ zu tauschen und zu konsumieren, vermehrt sie und schreibt Bücher über sein Tun. Nicht zum Erwähnen zu vergessen sei, daß er seine Produkte und Dienstleistungen auch gewinnbringend vermarktet.

Der wohl bekannteste unter den deutschen „Ethnobotanikern“ ist Christian Rätsch, von dem unter anderem ein umfangreiches „Lexikon der psychoaktiven Pflanzen“, mitsamt vergleichender Kulturgeschichte und ausführlichem Teil zur jeweiligen Pharmakologie, sowie Darstellung der Anwendung erschien. Doch nicht nur Rätsch genießt im Kleinbürgerlichen Spektrum ein Starimage und wird als edler Wilder herumgereicht. Ein Moderator (Name gestrichen, da inhaltlich falsch und ohne genaue Quellangabe) wirbt im öffentlich-rechtlichen TV-Kanal NDR für Storl als „einer der führenden Experten im Bereich Ethnobotanik und gilt als der Heilpflanzenkundler hierzulande“. Er läßt sich als Kräuterheiligen und Alm-Indianer verehren. Der Moderator begeistert sich mit pathetischen Worten für den „gebürtigen Sachsen mit den langen Haaren und dem wallenden Bart“, der eines von seinen vielen „Sachbüchern“ im Fernsehen vorstellen darf. „Wohl jede Universität würde ihm einen Lehrstuhl anbieten, doch der promovierte Kulturanthropologe zieht ein zurückgezogenes Leben in den Allgäuer Bergen vor. Hier lebt er seit 1988 gemeinsam mit Frau und Kindern auf einem alten Hof, im Einklang mit der Natur.“

Bei der Recherche über ihn stößt man immer wieder auf die gleichen Allgemeinplätze, die sich lesen, wie aus seiner eigenen homepage herauskopiert: „Gut 20 Jahre lehrte Wolf-Dieter Storl als Dozent und College-Professor an verschiedenen Universitäten in den USA, in Indien sowie Europa. Eine erfolgreiche, wissenschaftliche Karriere schien ihm sicher.“ Früher war der langbärtige Wurzelsepp an vielen verschiedenen „Universitäten“ beschäftigt, sagt er. Forscht man jedoch neugierig in Publikationskatalogen und Nationalbibliotheken nach Veröffentlichungslisten unter seinem Namen wird man nicht fündig. Eine Promotionsschrift ist von ihm existiert nicht und erst recht keine Dissertation; wissenschaftlich betrachtet gibt es ihn gar nicht – sollte er tatsächlich an Universitäten als Lehrbeauftragter beschäftigt gewesen sein, so sicherlich nicht als Professor.

Die Deutsche Nationalbibliothek listet ausschließlich seine populären Bücher auf – immerhin es sind fünfundvierzig an der Zahl. Einige hat er mit Rätsch und der Bach-Blüten-Tante Claudia Mueller-Ebeling zusammengeschrieben. In der Libary of Congress der USA finden sich nur zwei Einträge: 1. Witchcraft medicine: healing arts, shamanic practices, and forbidden plants (2003) 2. Shiva: the wild God of power and ecstasy (2004). Diese Titel sind Übersetzungen deutscher Originalausgaben. Offenbar hat Storl in den Staaten nichts wissenschaftliches publiziert – erst recht keine Beiträge die peer-reviewed sind. (Methode des Gegenlesens innerhalb der peer-group anerkannter Forscher einer wissenschaftlichen Disziplin, um den Wert der Arbeit feststellen zu können – gegenwärtig der Garant für wissenschaftliche Reputation)

Storl selber gibt kräftig an mit seiner scheinbaren Anerkennung als gefeierter Wissenschaftler. Für kritische Beobachter stellt sich eindringlich die Frage was seine esoterischen Absonderungen mit vernünftiger Weltsicht, Emanzipation und Aufklärung zu tun haben. Bei einem Interview im Kifferblättchen „grow“ palavert er erstaunlich offenherzig daher. Auf die Frage „Was lehrte dich das Botanik-Studium?“ (Botanik wird als einzelnes Lehrfach auch in den USA nicht angeboten – sie ist ein Teilbereich der Biologie): „Im Studium habe ich gleich gespürt, dass die Pflanzen wie tote Gegenstände behandelt wurden, die Wirkstoffe akkumulieren, Zellulose anhäufen und das war’s. Das waren reine Materialisten die dort lehrten. Sie sagten: ‚Die Pflanze lässt ihre Wurzeln nicht wachsen um Nährstoffe zu suchen. Dies würde ihr ein Motiv zusprechen, was nicht vorhanden ist.’ Ihrer Ansicht nach ist alles in der Natur einfach eine chemisch-mechanische Reaktion.“ Er verläßt sich da schon lieber auf seine hanebüchenen Vorurteile. Von den Erkenntnissen der „materialistischen“ Naturwissenschaften „wusste, (er im Voraus) dass stimmt nicht. Ich hatte über Jahre im Wald gesessen und die Natur empfunden. Ein Teil dieser Ansicht war sicherlich auch dadurch bestimmt, dass ich in meiner frühen Jugend einige Bücher der Romantik gelesen hatte.“ Unumwunden gibt der „Forscher“ damit seinen Romantizismus zu. Kein Wunder daß er immer wieder Dichotomien zwischen gut und böse, rein und verdorben eröffnet: „Aber das amerikanische Ethos unterscheidet zwischen ‘Kultur’ und ‘Natur’. Kultur ist zivilisiert und kontrolliert, die Natur ist wild. Dementsprechend wurden die Indianer behandelt. Genauso sind Wildkräuter aus dieser Sicht wertlos. Mir scheint es fast anders herum: Das was Kultur ist, dieser kurzgemähte Rasen, die ganze Entseelung. Der Wald ist für mich viel wertvoller und mit viel mehr Seele ausgestattet. Ja, ja, so ist es.“

Ken Wilber, selbst ein großer Freund psychoaktiver Nutzanwendungen, sowie bekannt dafür eine esoterische Kosmologie vorgelegt zu haben, führt zum Dualitätsprinzip bei den Natur-Romantikern, und deren Suche nach dem Richtigen und Reinen, aus dem sie Identität schöpfen, folgendes in Form eines Frage – Antwortspieles aus:

„KW: Das alte Griechenland ist heute bei den Romantikern ziemlich ‘out’, hauptsächlich deshalb, weil es eine Ackerbaukultur und damit eine patriarchale Kultur war. Deshalb ließen die Romantiker ihre Retrozeitmaschine nochmals an und kamen bei den Gartenbaugesellschaften an. Diese sind heute mit Abstand der beliebteste Tummelplatz der Ökofeministinnen. Wie wir gesehen haben, waren diese Gesellschaften ja oft matrifokal, von der Großen Mutter beherrscht. Verschwenden wir also keinen Gedanken an das zentrale Ritual praktisch aller Gartenbaugesellschaften: das rituelle Menschenopfer, das unter anderem notwendig war, um die Fruchtbarkeit der Erde sicherzustellen. Reden wir auch nicht davon, daß nach Lenskis beeindruckendem Datenmaterial nicht weniger als vierundvierzig Prozent dieser Gesellschaften häufig Kriege führten, über fünfzig Prozent in regelmäßigen Abständen (soviel zu den friedliebenden Große-Mutter-Gesellschaften), daß es in einundsechzig Prozent von ihnen Privatbesitz gab, in vierzehn Prozent Sklaverei und in fünfundvierzig Prozent die Praxis des Brautpreises. Die Ackerbaugesellschaften waren in Wirklichkeit alles andere als ‘rein und ursprünglich’, worauf wiederum die Ökomaskulinisten lautstark hinweisen.

F: Diese halten es mehr mit den Jägern und Sammlern.

KW: Ja, es blieb den Ökomaskulinisten (‘Tiefenökologen’) vorbehalten, noch eine Stufe weiter zurückzugehen, wo sie die Jäger-und-Sammler-Kulturen in ‘reinen und ursprünglichen Zustand’ vorfanden. Ihnen zufolge ist die von den Ökofeministinnen geliebte Gartenbaukultur der Natur nicht wirklich in reiner Weise nahe, weil diese Gesellschaften Ackerbau betrieben, was schon eine Vergewaltigung des Landes ist. Jagen und Sammeln, ja, das ist erst wirklich rein und ursprünglich.

Sehen wir auch hier wiederum großzügig über die Befunde hinweg, denen zufolge es in zehn Prozent dieser Gesellschaften Sklaverei gab, in siebenunddreißig Prozent die Praxis des Brautpreises und in achtundfünfzig Prozent mehr oder weniger häufige Kriege. Also – dies muß jetzt der reine und ursprüngliche Zustand sein, weil man nicht mehr weiter zurückgehen kann! Dies muß er sein! Ich ignoriere einfach alles Unerfreuliche an diesen Gesellschaften, und dann finde ich in ihnen die Zeit des edeln Wilden, Punktum.

Logischer wäre es aber doch, noch ein Stück weiter zu den Affen zurückzugehen, weil sie schließlich keine Sklaverei, keinen Brautpreis, keinen Krieg und so weiter kennen. Oder vielleicht sollten wir mit dieser Retrogression wirklich Ernst machen und sie zu Ende denken: Alles nach dem Urknall war ein großer Irrtum. Dies ist die letzte Konsequenz, zu der man gezwungen wird, wenn man Differenzierung und Dissoziation miteinander verwechselt: Man hält jede Differenzierung für einen Fehler, man hält die Eiche für ein Verbrechen an der Eichel.“ (Ken Wilber, Eine kurze Geschichte des Kosmos, Fischer FFM, 2000, S. 372-373)

Mit einem solch regressiv-romantischen Weltbild ist der Voralpen-Rasputin längst nicht alleine. Ein Zeitgenosse, der eines seiner Bücher für das gruene blatt bespricht, findet mitfühlende Worte für ihn: „Pflanzen sind für ihn nicht nur botanische Gegenstände, sondern haben, durch ihre Wechselbeziehung mit den Menschen, auch eine kulturelle, sprachliche, heilkundliche und mythologische Identität.“ Unzählige Jahre in der Fremde haben aus dem Wolf-Dieter einen kundigen Schamanen und Mythologen gemacht. Ein wenig schrullig hört es sich ja schon an, aber kauzige Völkerkundler erfinden noch für die letzte nichtidentische, weil jeweils einzigartig von Wuchs und durch Standort vorkommende Pflanze, eine „Identität“, die dann für alle Exemplare in der „Bioregion“ gelten soll.

Hat er eine solche Identität von Volk, Tradition und Pflanze heraus gefunden, schreibt er ein neues spannendes Buch darüber. Identität von Pflanzen und Völkern, die sie gebrauchen, Einheit von Ritual und traditionelle Mystik. Das ist selbstverständlich alles grober Schabernack, aber das zahlungskräftige nach Lebenssinn suchende Mittelschichts-Publikum wünscht sich sehnlichst solcherlei Geraune – schließlich will Storl von seinem Beruf ein anständiges Auskommen erzielen. Seine kostengünstigen „Seminare“, sind dann auch schon für einen läppischen „Gesamtpreis“ der „sich zusammen(setzt) aus der Kursgebühr von EUR 295,00 plus den Kosten für Unterkunft inkl. Vollpension. Damit ergeben sich: EUR 438,00, (im Vierbettzimmer) EUR 455,00, (im Doppelzimmer) EUR 471,00, (im Einzelzimmer)“ zu haben. Auch Vortragsveranstaltungen für durchschnittlich 12.- € per Nase locken immer wieder zahlreiche Kräuter- und Feengläubige in die wunderschöne Berglandschaft. (oder bei Bedarf auch in Kongreßhallen) Bei den Zusammenfindungen kann nach Herzenslust die verlorene Heimat neu erlebt werden. Die nach alternativen Heilmethoden und ganzheitlichen Lösungen für ihre seelischen Wehwehchen Suchenden lassen sich bereitwillig von ihm lehren, führen und voll quasseln. Auch der Gesang darf bei der germanophilen Horde nicht fehlen, so werden die TeilnehmerInnen eingeladen ihre „eigenen Musikinstrumente mitzubringen zum gemeinschaftlichen Musizieren“. So preist Storls Netzseite in anheimelndem Ton seine Dienste an: „Bei Ausflügen in die Natur, sowie Erzählungen über Erlebnisse und Erfahrungen von Wolf-Dieter Storl mit dem Wesen der Pflanzen, werden wir die Natur auf uns wirken lassen. Wir lernen Pflanzen verschiedener Völker und Kulturen kennen und erfahren etwas über ihre Anwendung.“

Wenn die Leute dann wieder zurück daheim sind und seine Bücher lesen, fühlen sie sich nicht mehr so ganz allein in den häßlichen mitteleuropäischen Städten mit ihren eigenen armseligen Identitäten. Wer kann sich nicht daran erinnern, wie traurig die arme Heidi in Frankfurt am Main war, wo sie bei der Clara in einem Gründerzeithaus leben mußte und ihren Ziegenpeter und den Almöhi so arg vermißte. Wenn sich die Stadtmenschen vorstellen, daß putzige kleine Pflanzengeisterchen in den Blümelein und Sträuchern wohnen, und die auch dann noch in der Droge „weiterleben“, wenn das Blatt, die Blüte oder die Wurzel längst abgerissen und vertrocknet sind, dann nennt man das „magisches Denken“. Das ist wiederum schon ganz alt (und traditionell), und hat den Menschen damals, als sie noch nicht soviel über die Chemie, Biologie und Medizin wissen mußten, wohlige Zuversicht eingeflößt, aber auch den nötigen Respekt vor der mitunter auch schrecklichen wilden Natur. In der Bronzezeit war das auch schon so. Damals haben die Kelten überall in Mitteleuropa gesiedelt und mit goldenen Sicheln schnitten ihre Druiden ganz viele Misteln für den berühmten Zaubertrank. (Als die Römer schließlich alle Bäume mit Agent Orange von Monsanto besprühten, damit die Misteln absterben, war es um den keltischen Widerstand geschehen – die Römer gewannen und sind nach Amerika gezogen, um dort das wackere Volk der Cheyenne zu knechten.) Ab und zu haben die geheimnisvollen Kelten zwar ganz viele andere Menschen in große Korbmänner gepackt und diese dann angezündet, um dann die ganze Nacht lang drum herum zu tanzen; das war dann nicht ganz so schön, aber eben ein wichtiger Bestandteil ihrer einzigartigen faszinierenden Große-Mutter-Kultur. Über die weiß leider niemand wirklich viel, weil sie kaum etwas aufgeschrieben haben, damit die Römer ihnen nicht ihre Mythologie rauben konnten, wie sie das sonst immer gemacht haben in den besetzten Gebieten. (siehe das Schicksal der armen Cheyenne)

Der weise Krautmann hat sich von Bekannten eine hübsch ansprechende eigene Netzseite gestalten lassen. Eine rührige „Heilpraktikerin“ aus der schönen alt-fränkischen Kaiserpfalzstadt Forchheim hilft geschäftig mit seine von ihm gesammelten Erfahrungen bei der „Heilung“ von Krankheiten, wie der garstigen Borreliose an bedürftige Menschen weiter zu geben. Interessierten Lesern seiner Netzseite gibt er bereitwillig Auskunft, daß „es (ihn) immer wieder in ferne Länder (zog), wo ihn besonders der Umgang der verschiedenen Kulturen mit der Natur interresierte. Die Reisen, sowie ethnographische und ethnobotanische Feldforschungen in einer traditionellen Spiritistensiedlung in Ohio, in einer Camphill-Commune südlich von Genf, bei alteingesessenen Bauern im Emmental, bei Medizinmännern der Northern Cheyenne, bei Shiva Sadhus in Indien und Nepal - prägten sein Denken und fanden ihren Niederschlag in zahlreichen späteren Publikationen.“ (orthographische Eigenheiten im Original)

Der umtriebige Völkerkundler besuchte durchaus merkwürdige Völker: Traditionelle Spiritisten in Ohio, eine Südschweizer Camphill-Kommune, alteingesessene redneck Bauern im Emmental, Native Americans, die in den 1970ern das Saufen von Feuerwasser aufgaben, um ihre „Tradition“ wiederentdeckten, und kastenbegeisterte Hindus, all diese bedrohten fremden Kulturen haben sich erkennbar auf sein „Denken“ niedergeschlagen. Heute lebt er lieber wieder im schönen Süddeutschland, in der Schweiz und in der Ostmark gefällt es ihm jedoch auch sehr gut. Hier kann er nach Herzenslust mit der „Identität“ der hiesigen Pflanzen viel leichter intuitiv in Kontakt kommen, denn er kennt sich schließlich gut mit der germanischen und keltischen Kultur und Mythologie aus. Das sagt der Autor der Rezension über das Buch vom Wolf-Dieter, von dem er auch sagt es wäre ein „sehr lebendiges und spannendes Werk über die keltische Kultur.“ Und jetzt weiß der Autor der Rezension auch ganz viel über unsere Vorfahren und will allen raten, daß sie das Buch ebenfalls lesen sollen. Er ist total begeistert davon, daß „Die mitteleuropäische Natur (…) mannigfaltig Heilpflanzen (bietet) die schon die Kelten zu schätzen wußten.“ Wie so mancher Laie liefert er mit seiner „Kritik“ lediglich informationsfreie Gemeinplätze ab. Weil das Siedlungsgebiet der Kelten offenkundig Mitteleuropa war, nutzten sie höchst wahrscheinlich auch die dort vorkommenden Pflanzen. Leider ist nicht zu erfahren welch Krautes Stroh sie verwandten um das lustige Korbmannfeuer zu entfachen. Der Autor der Rezension sagt auch, daß „es (...) nicht wie andere Fachbücher, trocken geschrieben (ist), sondern (es) hat einen lebhaften und spannenden Stil.“ Der Autor der Rezension kann sich leider noch nicht ganz so gut ausdrücken wie sein großväterlicher Guru-Freund, der für ihn vielleicht einen lebhaften und spannenden Stil beim Schreiben an den Tag legen mag.

Daß der Prophet aus Sachsen bestrickende Geschichtchen erzählen kann ist sicher. Daß er hingegen wirklich stichhaltig argumentiert bezweifeln andere Rezensenten beträchtlich. So ist von Herrn Konradi zu erfahren, der auch im Heilpflanzen Geschäft tätig ist, jedoch versucht dieses von solch unseriösen Gestalten wie den Storl zu säubern, daß für Wolf-Dieter „die Sehnsucht nach einfachen, wunderbaren Lösungen stärker ist als jedes Argument.“ oder „hier kommen als ‚Argumente’ vor allem Heilungs-Anekdoten zum Zug“.

Aber solche Miesmacherstimmen läßt rez, der Experte für „Bioregionalismus“ für sich nicht gelten, wenn er im fetten Lobe schwelgt: „Storl versteht es vorzüglich die Geschichte, die wissenschaftlich Betrachtung und die Mythologie der Kelten unter einen Hut zu bringen.“ Der „Rezensent“ verheimlicht dabei nicht nur welche „Geschichte“ er damit meint und mit welcher wissenschaftlichen Methodologie was genau betrachtet wird, sondern er versteht es diese zwei leeren Signifikanten mit einer von ihm imaginierten „Mythologie der Kelten unter einen Hut zu bringen“. (er verfügt deshalb wohl über ein monistisches Geschichts- und Wissenschaftsbild) Ganz in seinem notorischen Neo-Ludditen-Stil, den er üblicherweise für seine Absonderungen pflegt, haut er nach „moderne Mythen“ – verschweigend welche er meint – wenn er Kritik vortäuscht: „endlich mal ein fundiertes Werk über die keltische Kultur, das ohne wabernde Nebel, moderne Mythen oder ähnliches auskommt“. Natürlich produziert ein Esoterik-Quatschkopf, wie der Wolf-Dieter überhaupt nichts anderes als „moderne Mythen“, ist er doch ein moderner Zeitgenosse, der keinerlei a priori Einblick in die verloren gegangene Mystik der Kulturepoche der Laténe-Zeit haben kann – außer er ist reinkarniert, aber solcherlei gegenaufklärerisches Denken lehnt die Autorin freiheraus ab.

Im Gegensatz sieht auch das der Wurzelsepp ganz anders, wenn er einer wicca-Waldschratin ins Mikro fantasiert: „Alles geht im Kreis, der Winter wird zum Sommer – der Sommer zum Winter, der Neumond zu Vollmond – der Vollmond zum Neumond, die Jahreszeiten folgen einander, die Nacht folgt dem Tag und umgekehrt. Und deshalb frage ich mich, warum wir nicht erkennen, dass dies auch so bei uns ist. Wenn ein Kind geboren wird und man schaut es an, da kommt einem das Gefühl – bei einer natürlichen Geburt – dass das Kind die Leute um sich herum erkennt, als ob eine Persönlichkeit wiederkommt.“ Was er mit „einer natürlichen Geburt“ meint, läßt er unter den Tisch fallen. Eine mackerhafte Unverfrorenheit legt er hier als (prominenter) Mann an den Tag. Aus dieser Position heraus fordert er normativ Frauen dazu auf sich gegen sichere Geburten in Hospitälern zu entscheiden, weil ansonsten ihr Nachwuchs persönlichkeitslos wäre. „Und jedes Kind ist anders. Bei den alten Germanen war es so, dass man sogar die Leute wieder erkannte, also diejenigen, die geboren wurden – die wieder geborenen Ahnen, die aus der Anderswelt wiederkommen. Deswegen hießen die Kinder auch Enkel. Enkel bedeutet nichts anderes wie ‚kleiner Ahne’. Und in Indien habe ich eine Kultur erlebt, wo diese Überzeugung überhaupt nicht in Frage gestellt wurde. Es wurde so wenig in Frage gestellt, wie man sagt ‚morgen früh steigt die Sonne im Osten wieder auf’. Und ich kann es mir persönlich anders kaum vorstellen. Ich habe auch gesehen, wie Verstorbene, wenn sie den Körper verlassen, dann noch da sind. Das habe ich hier gesehen, das habe ich in Indien gesehen. Ich bin ein bisschen hellsichtig in der Richtung. Und deswegen gab es immer Totenbegleitrituale, wo man mit den Verstorbenen einen Schritt geht. Ganz wichtig sind erstmal die ersten drei Tage, denn da ist der Tote noch sehr nahe und erscheint in der Vision der Leute, die ihm sehr nahe stehen. Und dann sind es so zwischen 40 und 50 Tage, wo die Toten herumreisen und noch Dinge tun, die sie im Leben nicht mehr tun konnten, ehe sie dann tiefer hineingehen in die Anderswelt. Den ‚Totenpfad’ hat man das früher genannt. Deswegen haben die alten Germanen ihre Toten meistens mit Stiefeln und Schuhen begraben, damit sie gut wandern können in der geistigen Welt. Für mich ist die Wiedergeburt eine Grundüberzeugung, eine persönliche Erlebensweise, dass mit dem Tod die Sachen nicht aufhören und auch dass die Kinder nicht irgendwo aus dem Nichts kommen und dann von der Gesellschaft nur geprägt werden. Sondern dass es da auch weitergeht, vermutlich auch in einem Kreis. So kommt es mir vor. Ich glaube nicht, dass die Menschen einfach aus dem Nichts entstehen und dann wieder verlöschen.“ Man freut sich einfach immer wieder, wenn man es mit solch aufgeklärten weisen Streitern für eine gemeinsame konkrete Utopie zu tun hat.

Angesichts solcher Abseitigkeiten kommen dem Autor der Rezension zwar schon ein paar kleine Bedenken, so schreibt er man müsse „an den entsprechenden Stellen oft differenzieren zwischen zweifelhaften ‚energetischen Wirkungen’ der Pflanzen und deren chemisch nachgewiesenen Wirkungen“. Weshalb er meint „das Buch (ist) ein fantastisches Phytotherapie-Lehrbuch“ bleibt schließlich nach diesem Urteil schleierhaft, denn die Frage nach dem Sinngehalt der Lektüre eines „Fach-Buches“, bei dem der Leser erst selbst kolossalen Unfug über „zweifelhafte ‚energetische Wirkungen’“ von den tatsächlichen Wirkmöglichkeiten eines Heilkrautes unterscheiden muß, beantwortet sich von ganz allein.

Dabei ist der Heimat- und Klimaschutzbeauftragte auch hier nicht alleine. So findet sich auf einer Veganisten-Netzseite folgendes Zitat: „Seit alter Zeit wussten die wahren Kräuterkundigen, dass selbst die einfachsten, gewöhnlichsten Kräuter ihren Wert haben und dass schon eine Hand voll davon genügt, um sämtliche Leiden zu heilen(sic!). Wesentlich ist dabei, die Pflanze durch und durch zu kennen, sie nicht nur als Behälter chemischer Wirkstoffe zu betrachten, sondern als Persönlichkeiten mit eigenem Wesen und einer eigenen langen Geschichte. Neun ganz gewöhnliche Wildkräuter, die - meist wohl ungeliebt und gewiss unbeachtet - überall zwischen Haustür und Gartentor wachsen, greift der Autor heraus... Er beschreibt ihre Eigenschaften und ihre Heilkräfte, ihre Bedeutung in der Volksmedizin, ihre Rolle in Sage, Märchen und Aberglaube(sic!) und ihre planetarischen Bezüge.“

Wen jedoch die Wirkstoffe und Anwendungsgebiete von Heilpflanzen tatsächlich interessieren schlage sie lieber im amtlichen Arzneibuch selbst nach, oder frage den nächsten freundlichen Apotheker. (welcher stets gerne bei allen Fragen zu sämtlichen Heilpflanzen gut berät, denn er verkauft die meisten als Drogen auch noch sehr günstig mit garantierter Heilwirkung und der Beratung über Risiken und Nebenwirkungen!) Dies erscheint dem Buchempfehler rez aber als ganz ungenügend, denn er, der naiv skandiert „Natur ist Vernunft“ – hat doch die wissenschaftlich räsonierende Vernunft des Menschen, durch ihre zerlegende und abstrahierende Methodik erst den Begriff von „Natur“, wie sie heute gebräuchlich ist erst erzeugt –, verlangt nach der „bioregionalistisch“/neurechten Ganzheit von Lebensraum, Geschichte und Volksgruppe, die dem Lebensraum traditionell zugehört und unablösbar von diesem geprägt ist: „Er schreibt nicht nur über die Heilpflanzen, sondern auch über die Gebräuche und Traditionen.“ Und das tut der Wolf-Dieter nicht nur in seinen Büchern.

Doch zurück zu den sonnigen Allgäuer Matten, wo der bärtige alte Mann, wie damals der Ziegenpeter, die begeisterte Gruppe, wie Zicklein durch die noch vom HerrschaftsTechnikKomplex unberührte Bilderbuch-Natur führt. Weil Storl eben nicht nur ein toller Autor, sondern auch ein Kenner von deutsch-völkischem „bioregionalem“ Brauchtum ist, lädt er gerne Menschen zu sich nach Hause ein, um ihnen die heile Welt der Almindianer zu zeigen: „Hier oben, zwischen Isny und Kempten, lebt Dr. Wolf-Dieter Storl, einer der führenden Experten im Bereich Ethnobotanik, mit seiner Frau und zwei Kindern. Im Winter ist die Familie oft wochenlang eingeschneit. Keiner kann ins Dorf hinab, niemand kommt hinauf - kein Briefträger, kein Arzt. Bereits im Frühjahr fängt Dr. Storl an, Fallholz aus dem Wald zu holen und in den einstigen Stallgebäuden aufzuschichten. Der nächste Winter ist gewiss, und dann wird der Herd in der Wohnstube ständig nach Nachschub verlangen. Auch um Lebensmittelvorräte muss man sich beizeiten kümmern.“ diktiert Willi Bommer dem wißbegierigen Publikum in der „Spuren“-Ausgabe Nr. 65. Willi hat es wie alle neurechten Verschwörungsfreaks mit der Zahlenmagie, denn er verrät den Lesern Storls wichtigstes Geheimnis: „Hof Herrenberg war lange Zeit ein Rittersitz und ging später in den Besitz des Benediktiner-Ordens über. 1188 wurde das Gut erstmals urkundlich erwähnt. Interessanterweise ist Storl 11/88 hier eingezogen.“

Vielleicht läßt sich das Phänomen Wolf-Dieter Storl mitsamt seiner germanengläubigen Anhängerschaft, die noch immer auf der Suche sind nach dem „Mythus des 20. Jahrhunderts“ (Rosenberg) mit Willis ergreifendem Abschlußzitat am besten umschreiben: „Dem Kompost gilt seine besondere Liebe. ‚Darin liegt das Geheimnis eines gesunden Gartens’, sagt er, greift mit beiden Händen in die dunkle erdige Masse und hält sie mir an die Nase: ‚Der Geruch des Lebens’.“