2007:Der Utopie auf der Spur

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Der Utopie auf der Spur

Von Falk Beyer

Im September laden junge Menschen aus dem Umfeld des Jugend-Umweltbüros in Magdeburg zu einem Utopien-Seminar ein. Hier sollen herrschaftsfreie Utopien kritisch analysiert, eigene Entwürfe ausgetauscht und weiterentwickelt werden. Ziel ist damit die Vernetzung und die Unterstützung des Aufbaus neuer Projekte und Organisierungsansätze einerseits und andererseits eine Kompetenzbildung beim Umgang mit herrschaftskritischen Gesellschaftsentwürfen.

Welche Arten von Utopien gibt es, wie lassen sie sich klassifizieren? Welche Ansätze werden mit ihnen verfolgt? Welche herrschaftskritischen Gesellschaftsvorstellungen gibt es? Einen Überblick zum Thema Utopien und den in der Debatte um herrschaftsfreie Entwürfe zugrundegelegten Begriffe wird ein Impulsreferat zum Beginn des Seminars geben. Davon ausgehend bilden sich Kleingruppen aus den TeilnehmerInnen, die sich mit ausgewählten Fragestellungen befassen.

Die methodische Vielfalt spielt auch hier eine große Rolle. Auch ganz neue oder zumindest selten verwendete Methoden für Gruppenprozesse sollen angewandt und probiert werden. Damit weitet sich das Blickfeld der TeilnehmerInnen fuer unkonventionelle Herangehensweisen; gewünscht ist, dass sich das Seminar damit auch auf die Alltagswelt der beteiligten Menschen auswirkt: ein Aufbrechen der Normalität hierarchischer, unkreativer Gruppenprozesse zugunsten vielseitiger, auch experimenteller Herangehensweisen.

Eine wichtige Position nehmen eigene Wünsche und Ideale ein, aus denen „wir“ unsere Träume von einer anderen (besseren) Welt ableiten. Das Seminar soll Raum geben, diese Vorstellungen auszutauschen, zu vertiefen und sich zu verabreden, um sie in ersten Ansätzen realisieren zu können. Aber es will auch einen kritischen Blick vermitteln, der hilft die emanzipatorischen Schwachpunkte von Utopie-Entwürfen schneller zu erkennen. Schrittweise werden die eigenen Utopievorstellungen konkretisiert und dann kritisch hinterfragt. Dazu gibt es genug Raum für Diskussionen, Reflektionen und den Austausch von Ideen. Zuletzt soll ein Katalog von Fragestellungen entstehen, mit denen herrschaftskritische Utopien auf ihren emanzipatorischen Gehalt „abgeklopft“ werden können. Diese Liste wird notwendigerweise keinen abschließenden Charakter haben, sondern einige Punkte aufzeigen, die genauer zu betrachten sind.

Dass es kein Privateigentum an Produktionsmitteln geben soll, sagen einige Gesellschaftsutopien. Aber soll es überhaupt Eigentum geben? Wie sieht es mit „Besitz“ aus? Ist eine gleichberechtigte, horizontal organisierte Gesellschaft vorstellbar, in der es prinzipiell gleiche Zugangsmöglichkeiten zu allen Ressourcen, Gegenständen, Infrastruktur gibt? Wie kann so etwas realisiert werden? Oder scheitert diese Idee bereits am Avocado-Bäumchen, das eine Person für sich selbst in Anspruch nehmen möchte? An der Eigentumsfrage bzw. vielmehr der Frage von Zugangsbeschränkungen entscheiden sich die Grundzüge des utopischen Wirtschafts- und Organisationssystems, aber auch der Umfang möglicher Freiheiten und der Komplexität von Kommunikationsprozessen.

Ein anderer Aspekt ist der Umgang mit Verhalten, das subjektiv als Schädigung der Gesellschaft oder auch einzelner Menschen wahrgenommen wird. Was geschieht mit Personen, die sich nicht der Logik „des Ganzen“ unterordnen wollen? Eine Utopie, die mehr als eine Insellösung darstellen will, kann nicht einfach alle Leute rauswerfen, die ihrem Gesellschaftsmodell nicht entsprechen. Kommt jetzt Repression in Frage? Erziehung? Unterschwellige Manipulation? Alles Methoden, die offensichtlich Widerspruch provozieren. Allerdings auch die Realität vieler utopischer Ansätze. Wo Zwang und Strafe mitgedacht werden, werden schnell auch Knäste, Polizei- und Militärstrukturen folgen. Aber wie kann eine emanzipatorische Gesellschaft anders funktionieren?

Die VeranstalterInnen wünschen sich, dass aus dem Seminar „mehr“ entsteht – Ideen und Projekte, Kontakte und Realisierungsansätze. Die Vorstellungen von einer herrschaftsfreien Welt sollen sich verbreiten und konkretisiert werden. Es ist also sowohl eine theoretische als auch sehr praktisch angelegte Veranstaltung.

Grundlagen- und Perspektiven-Entwicklungstreffen
„Utopien für eine herrschaftsfreie Welt“
13.-16. September im Ökozentrum Magdeburg, Harsdorfer Str. 49
Vorbereitungen ab 10. September, Unterstützung willkommen!

Infos & Anmeldung im Jugend-Umweltbüro:
Telefon 0391 / 55 70 753, magdeburg ÄTT projektwerkstatt.de[1]

Seminarbeitrag: nach Selbsteinschätzung

Mehr Informationen:
http://herrschaftsfreie-welt.de.vu


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