2017-01:Uranabbau und Reaktoren im Fokus

Aus grünes blatt
Wechseln zu: Navigation, Suche

Internationales Anti-Atom-Sommercamp:

Inhaltsverzeichnis

Uranabbau und Reaktoren im Fokus

fb Uran ist der Stoff, der alle Aspekte der Atomenergie verbindet. Es ist der Brennstoff, der in den meisten kommerziellen Reaktoren verwendet wird, es durchläuft als Brennstoff viele Stufen der Uranspirale, steht mit vielen radioaktiven Transporten in Zusammenhang und taucht zuletzt auch bei der unmöglichen sicheren Endlagerung des Atommülls auf. Wir sind mit den Gefahren, die dieses Material birgt, auch beim Uranbergbau konfrontiert, der großflächige Zerstörung von Naturgebieten bedeutet, ebenso wie die radioaktive Belastung von Arbeiter*innen und signifikante Gesundheitsprobleme der Bevölkerung im Umfeld der Bergwerke, die oft auf indigenem Land errichtet werden. Abgesehen davon wird Uran für Atomwaffen benutzt und als abgereichertes Uran (Depleted Uranium - DU) ist es sowohl Teil von Panzerung wie auch von panzerbrechender Munition. Die Verwendung von Uran trägt mehr zur Klimaerwärmung bei, als bei ihrer Bewältigung zu helfen.

Beim internationalen Anti-Atom-Sommercamp vom 17.-23. Juli 2017 in Döbeln kommen Initiativen und Aktivist*innen gegen Uranbergwerke und weiterverarbeitende Fabriken ebenso zusammen wie Kampagnen gegen den Transport von Uran in verschiedener Form und auch gegen die militärische Komponente der Uranindustrie. Grundlagen- und Fachwissen wird geteilt, gemeinsame Aktivitäten werden entwickelt. Für Anti-Atom-Gruppen bietet dieses Zusammentreffen die Chance, interessierte Menschen zu finden, neue Unterstützer*innen zu gewinnen und mit neuen Bündnispartner*innen für den Kampf gegen die Uranindustrie in Kontakt zu kommen. Zudem werden wir einen Ausflug zum ehemaligen WISMUT-Uranabbaugebiet unternehmen, welches früher der weltweit drittgrößte Uranproduzent war. Heute verbindet sich die WISMUT-Sanierung mit massiven Greenwashing-Versuchen von Atomindustrie und Behörden, während indessen keine sichere Renaturierung der früheren Bergbau-Anlagen gelingt.

Kampf gegen Laufzeitverlängerung und AKW-Neubaupläne

In den meisten europäischen Ländern ist die Verlängerung der Laufzeit der alten kommerziellen Atomreaktoren ein aktuelles Thema. Selbst in Ländern, in denen eigentlich eine "Atomausstiegs"-Politik verfolgt wird, ist die Frage, ob alternden Atomreaktoren weitere Betriebsjahre zugestanden werden sollen, insbesondere von der Atomlobby in den Raum gestellt worden. Die Alterung ist ein großes Problem der Atomtechnologie. Aufgrund des starken Bombardements durch Neutronenstrahlung sind Atomreaktoren mit stärkerer Korrosion und damit einhergehend mit einem erhöhten Risiko von Sicherheitsproblemen konfrontiert. Eine Gefahr ist die Freisetzung von radioaktivem Material, ein anderes Problem ist der Ausfall von Sicherheitsmechanismen und dadurch verursachte Atomunfälle.

Eine ganze Reihe von Staaten, z.B. Belarus, Tschechische Republik, Finnland, Russland und Großbritannien, drängen auf den Bau neuer kommerzieller Reaktoren - obwohl zuletzt 2011 die Serie von Reaktorexplosionen in Fukushima, Japan, gezeigt hat, dass es unmöglich ist, den sicheren Betrieb dieser Technologie zu gewährleisten. Auch wenn die Befürworter*innen dieser Entwicklungen einen anderen Eindruck zu vermitteln versuchen, basieren alle diese Neubauten wieder auf den alten, sich als fehlerhaft herausgestellten Reaktormodellen. Davon abgesehen versteht unsere heutige Gesellschaft aber immer mehr, dass keine Basis für optimistische Erwartungen hinsichtlich der Hinterlassenschaften der Atomindustrie besteht. Obwohl es nirgendwo auf der Welt eine sichere Lösung für den radioaktiven Müll gibt, mit dem in Zukunft umgegangen werden muss, werden Laufzeitverlängerungen und der Bau neuer Reaktoren die Menge an Atommüll noch einmal massiv erhöhen.

Das internationale Anti-Atom-Sommercamp lädt Aktivist*innen und Organisationen, die gegen neue AKW-Bauten und die Laufzeitverlängerung von Altreaktoren kämpfen, ein, ihre Erfahrungen auszutauschen, über die aktuelle Situation in ihren Regionen zu informieren und Möglichkeiten zu finden, wie die Bewegungen gegen diese verrückten Entwicklungen gestärkt werden können.

Informationen zum Camp

Im Dreieck zwischen den sächsischen Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz wird das internationale Anti-Atom-Sommercamp 2017 stattfinden, zu dem wir Anti-Atom-Aktivist*innen, Organisationen und interessierte Menschen aus verschiedenen Regionen Europas und darüber hinaus erwarten. Es ist unser Eindruck, dass in den letzten paar Jahren ein solches internationales Anti-Atom-Zusammentreffen fehlte, um Erfahrungen und Wissen auszutauschen, strategische Diskussionen zu führen und das Netzwerk von Gruppen und Organisationen im Anti-Atom-Bereich zu stärken. Daher haben wir - Anti-Atom-Aktivist*innen aus unterschiedlichen europäischen Regionen - uns entschlossen, diese Veranstaltung vorzubereiten. Das Sommercamp wird die Möglichkeit bieten, sich mit interessierten Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt zu treffen, um neue Kampagnen und Projekte vorzubereiten, Aktionen durchzuführen und um mehr über Anti-Atom-Themen zu erfahren. Davon abgesehen möchten wir mit dem Sommercamp den Rahmen schaffen, um sich in ruhiger Umgebung besser kennenzulernen.

Das Camp wird Fähigkeiten vermitteln, Workshops, Vorträge und Dokumentationen umfassen, außerdem gibt es eine Exkursion zu den stillgelegten WISMUT-Uranabbauen sowie Möglichkeiten für öffentliche Aktionen. Anti-Atom-Expert*innen sowie Organisator*innen und Aktivist*innen werden ihr Wissen mit Euch teilen. JedE ist herzlich eingeladen, selbst Workshops oder Präsentationen zu den Themen anzubieten, in denen sie*er aktiv ist. Wir hoffen, dass möglichst viele Teilnehmer*innen über die Kämpfe gegen Atomkraft bzw. über die Atompolitik in ihren Regionen berichten werden. Dieses Treffen wird eine Plattform sein, um über aktuelle Auseinandersetzungen, bevorstehende Kampagnen und Aktionen zu diskutieren und diese zu unterstützen. Es wäre schön, wenn Ihr Eure eigenen Themen in das Camp einbringen würdet.

Einen besonderen Fokus setzen wir auf die zwei bereits benannten Themenschwerpunkte, denen wir für diese Veranstaltung große Bedeutung zurechnen und die uns nützlich erscheinen, um aktuelle Kampagnen und Projekte im Kampf gegen die Atomkraft zu unterstützen: Uran als der Stoff, der viele bedeutende Aspekte der Atomindustrie verknüpft, und die derzeitigen Versuche der Atomindustrie, Reaktorlaufzeiten zu verlängern oder gar neue Atomkraftwerke zu bauen. Wir werden insbesondere mit Gruppen in Kontakt treten, die in diesen Feldern bereits aktiv sind, so dass Ihr davon ausgehen könnt, mehr über Hintergründe, Strategien und Möglichkeiten der Intervention zu erfahren. Das Anti-Atom-Sommercamp soll diese Gruppen unterstützen, indem sie hier ihre Arbeit bekannter machen, die Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren verbessern und neue Unterstützer*innen für ihre Kampagnen finden können.

Das Anti-Atom-Sommercamp wird auf der Streuobstwiese des Projekthauses in Döbeln stattfinden. Hier gibt es Platz für eigene Zelte; einige größere Gruppenzelte und Pavillions werden außerdem aufgestellt. Eine Außenküche wird zur Essensversorgung und als Treffpunkt für Gruppenbesprechungen den Mittelpunkt des Camps bilden. Zusätzlich zu den vorhandenen Sanitäranlagen des Projekthauses wollen wir weitere Komposttoiletten und eine Solardusche errichten. Das Camp soll familienfreundlich sein und Aktivist*innen ermöglichen, gemeinsam mit ihren Kindern teilzunehmen. Wir werden unser Bestes tun, um Unterstützung für möglichst viele Sprachen, basierend beispielsweise auf (selbstorganisierten, nicht-professionellen) Flüsterübersetzungen, zu organisieren. Wir bitten darum, keine Hunde zum Camp mitzubringen.

Anti-Atom-Aktionssommer

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es im Anti-Atom-Bereich dieses Jahr wieder einige Events mit internationaler Ausrichtung geben wird, die wir gern verknüpfen wollen. Mit einzelnen Veranstalter*innen stehen wir bereits in Austausch, aber auch innerhalb unserer Orgagruppe steht noch die konkrete Ausgestaltung zur Diskussion. Ganz sicher wollen wir ermuntern an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen, um damit zu einer größeren Vernetzung beizutragen. Wir überlegen auch noch, in unserer bevorstehenden Mobilisierung mit Flyern dazu aufzurufen, auch an den anderen Events teilzunehmen. Mehr dazu wird voraussichtlich im nächsten grünen blatt zu lesen sein.

Auf einige Anti-Atom-Veranstaltungen wollen wir hier kurz schon aufmerksam machen. Sofern vorhanden, sind mehr Informationen, insbesondere Links zu den entsprechenden Internetseiten, in der Terminrubrik vom Nuclear Heritage Network zu finden: http://upcoming.nuclear-heritage.net
Im Telegrammstil einige größere Anti-Atom-Events: Temelín-Konferenz in München (25. März), Anti-Atom-Frühjahrskonferenz in Göttingen (31. März - 2. April), Nuclear Energy Conference in Linz (25. April), Kulturelle Widerstandspartie im Wendland (2. Juni), Anti-Atomwaffen-Aktionswoche am Fliegerhorst Büchel (10.-17. Juni), Floßtour gegen Atomtransporte von Trier nach Köln (9.-26. Juni), Menschenkette gegen Atomkraftwerke via Tihange - Lüttich - Maastricht - Aachen (25. Juni), Internationale Woche gegen Atomwaffen am Fliegerhorst Büchel (12.-18. Juli), e-Ventschau-Benefit-Openair für die Opfer von Tschernobyl und Fukushima im Wendland (28.-29. Juli), internationalistisches Anti-Atom-Camp in Gedelitz (7.-16. August), französisches Anti-Atom-Camp (August), Aktionscamp in Bure (12.-15. August). Nicht zu vergessen zwei Gipfeltreffen der Herrschenden, wo auch Atomkraft eine Rolle spielt: das G20-Treffen in Hamburg (7.-8. Juli) und die COP23-Klimakonferenz in Bonn (6.-17. November).

Deine Unterstützung wird gebraucht!

Wir wollen vielen Menschen die Teilnahme möglich machen - dazu soll sprachliche Unterstützung angeboten werden und auch Menschen mit Kindern der Raum gegeben werden, um dabei sein zu können. Gleichzeitig müssen wir die Kosten gering halten, denn es gibt keine externe Förderung für das Zusammentreffen, das wir hier organisieren. Wir stellen uns vor, dass die Teilnehmer*innen sich gegenseitig unterstützen, indem sie z.B. bei sprachlichen Problemen (Campsprache wird Englisch sein) helfen - das könnten Flüsterübersetzungen während Vorträgen oder Workshops sein, aber auch durch Erklärungen im Alltagsgeschehen passieren. In Einzelfällen kann es auch sinnvoll sein, direkte Übersetzungen von Vorträgen, z.B. aus dem Deutschen ins Englische, vorzunehmen. Wir suchen Leute, die anbieten mit bestimmten Sprachen beim Camp auszuhelfen.

Ein familienfreundliches Camp zu organisieren ist für viele Beteiligte etwas Neues. Wir wollen unser Bestes versuchen, trotz der beschränkten Möglichkeiten, die der Streuobstgarten bietet, Raum hierfür zu schaffen. Dazu brauchen wir sowohl noch Anregungen als auch Menschen, die entsprechende Angebote für jüngere Teilnehmer*innen machen möchten und bereit sind, einen Teil ihrer Zeit während des Camps für die Unterstützung von Teilnehmer*innen mit Kindern bereitzustellen.

Auch inhaltlich ist das Nuclear Heritage Network Gathering - das Sommercamp fällt in die Reihe der für gewöhnlich alljährlich veranstalteten Netzwerktreffen - ein Mitmachcamp. Wir werden keine externen Referent*innen beauftragen, uns mit thematischen Inhalten zu versorgen. Ganz im Gegenteil meinen wir, dass ausreichend Know-How und Erfahrungen in der Anti-Atom-Bewegung vorhanden sind, so dass wir darauf setzen, dass aktive atomkraftkritische Menschen ihr Wissen mit anderen auf dem Camp teilen, aber auch selbst teilnehmen wollen. Einiges davon kann sich spontan ergeben, aber wir wollen auch bereits jetzt ein Programm entwerfen, das weitere Menschen zur Teilnahme motiviert und einen ergebnisreichen Austausch ermöglicht. Schwerpunkt des Camps werden zwar die bereits genannten zwei Themen sein, daneben wird es aber auch Präsentationen und Vorträge zur Atomkraft in den Gegenden, aus denen Teilnehmer*innen kommen, geben und wir wollen auch inspirierende Berichte vom Widerstand in besonderen Regionen im Programm haben - beispielsweise der Kampf gegen das geplante Atomklo in Bure, Frankreich, der Widerstand gegen die Atomkraft im Wendland oder die Aktionen gegen den AKW-Neubau in Pyhäjoki, Finnland. Skillsharing, also die Selbstermächtigung der Beteiligten zu politischem Handeln, soll im Camp durch Workshops zu Aktionstechniken, Öffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement und mehr stattfinden. Deine Beiträge zu diesem Programm sind also wichtig - melde dich bei uns, wenn du zu speziellen Anti-Atom-Themen berichten oder praktische oder organisatorische Kompetenzen vermitteln möchtest.

Die Verpflegung des Camps wird grundsätzlich vegan sein und auf ökologischen Nahrungsmitteln basieren, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen. Wer Nichtveganes braucht, sollte dies selbst mitbringen und mit den anderen Teilnehmer*innen abklären, damit es zu keinen Irritationen/Verwechslungen kommt. Natürlich wird auch auf Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten Rücksicht genommen. Es wird eine kleine Gruppe von erfahrenen Leuten geben, die das Kochen koordinieren, doch beim Schnippeln und Zubereiten sowie Abwaschen sind alle Teilnehmer*innen gefragt.

Da für diese Veranstaltung, bei der wir mit 60-100 Teilnehmer*innen rechnen, noch einiges an Infrastruktur aufzubauen ist, wird aktive Hilfe beim Aufbau des Camps gebraucht! In der Woche vor Campbeginn, also vom 10.-16. Juli, sind u.a. noch einige Komposttoiletten zu bauen, eine Solardusche soll konstruiert werden und auch für das Aufstellen der Großzelte werden helfende Hände benötigt. Nach Campende ab 24. Juli wird auch beim Abbau und Aufräumen Unterstützung gebraucht.

Mitmachen bei der Vorbereitung

Schon jetzt laufen natürlich die Vorbereitungen zu diesem internationalen Zusammentreffen. Wir benutzen dazu digitale Medien, u.a. Mailingliste, Voice-over-IP-Konferenzen, Etherpads und ein Trelloboard. Etwa einmal im Monat tauschen wir uns in einer Skype-Konferenz aus. Zu verschiedenen Arbeitsbereichen wurden Gruppen eingerichtet, die sich z.B. mit der Kommunikation mit Interessent*innen, Öffentlichkeitsarbeit, Übersetzungen, Aktionen, Küche und Infrastruktur befassen.

Damit auch Menschen aus anderen Ländern mit geringen finanziellen Möglichkeiten teilnehmen können, wollen wir versuchen, Reisekostenunterstützung aufzutun - dazu müssen Organisationen und Stiftungen angefragt werden, was die derzeitige Orgagruppe kaum leisten kann. Um ein möglichst gutes Programm mit Austauschmöglichkeiten und Potenzial für Kooperationen und Unterstützung von Anti-Atom-Kämpfen zu bieten, wollen wir entsprechende Gruppen und Initiativen gezielt ansprechen und zur Mitwirkung einladen. Diese und weitere organisatorische Aufgaben erfordern mehr Unterstützer*innen in der Vorbereitung... Wir freuen uns auf deine Beteiligung!

Kontakt

Wenn du teilnehmen oder mithelfen möchtest, wende dich telefonisch an uns unter 03431/5894177 oder schreibe eine E-Mail an "summercamp AT nuclear-heritage DOT net". Postalisch ist die Orgagruppe im Nuclear Heritage Network, Am Bärental 6, 04720 Döbeln erreichbar. Informationen zum Camp gibt es außerdem unter: