2017-01:Tar Sands

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Teil 12

"Tar Sands":
Nachhaltige Zerstörung von Urwäldern und Feuchtgebieten, Enteignung indigener Menschen und größter Einzelverursacher des Treibhauseffekts

fb Die bisherigen Teile dieses Artikels gaben einen Überblick über die Tar Sands-Vorkommen und die Ölindustrie in Alberta. Weiterer Fokus waren die ökologischen Auswirkungen der Tar Sands-Industrie, die Technologie der Rohölerzeugung aus den Tar Sands von der Konditionierung bis zum Upgrading sowie die Abbauverfahren, Probleme der Renaturierung sowie der gewaltige Flächenbrand im Sommer 2016. Im vorliegenden Teil geht es um die Geschichte und Einordnung des Landraubs an den indigenen Gemeinschaften Nordamerikas.


Inhaltsverzeichnis


Traditional Lands

Beim Großteil des Landes, auf dem Tar Sands abgebaut werden, handelt es sich um "tradional land" der First Nations, die hier seit Jahrtausenden leben und erst durch die weißen Siedler*innen und die sie begleitenden imperialistischen Streitkräfte verdrängt - und zuvor bekämpft und an den Rand der Ausrottung gedrängt - wurden. Das traditionelle Land der Mikisew Cree First Nation zum Beispiel, das diese mit vier weiteren First Nations, die zusammen das Athabasca Tribal Council bilden[1], erstreckt sich über weite Gebiete der "Athabasca Oil Sands"-Lagerstätte[2].

Traditional lands sind Gebiete, die vor der Eroberung durch die europäischen Siedler*innen von den bereits dort ansässigen Gemeinschaften genutzt wurden. Obwohl es keine allgemein anerkannte Definition zu geben scheint, finden sich sinngemäße Erläuterungen auf diversen Internetseiten zu derartigen Begrifflichkeiten zum Beispiel in Nigeria[3], Austrialien[4] oder auch Nordamerika[5]. Während sich Landbesitz in Europa um "Kontrolle" dreht, betrachten nordamerikanische First Nations dies vielmehr als ein Verwaltungsverhältnis[5].

"Land" bedeutet verschiedenes für indigene Gemeinschaften und Menschen, die keinen solchen Hintergrund haben. Viele indigene Menschen empfinden hier spirituelle, physische, soziale und kulturelle Verknüpfungen. Nicht-indigenen Personen bzw. Landeigentümer*innen hingegen mag sich mit dem Landbegriff eher Eigentum, Handelsware oder profitabler Vermögenstitel verbinden, wenn auch eine Lebensgrundlage oder "Zuhause" damit einhergehen können. "Das Land besitzt uns" und nicht umgekehrt, erklärt beispielsweise Bob Randall, ein australischer Aborigine, auf der Internetseite Creative Spirits, welche Bedeutung Land für indigene Menschen hat. [6]

Moderner Landraub

Anders als oft zu hören ist, war die Grundhaltung der kanadischen Regierung und der Britischen Krone seit dem 18. Jahrhundert, dass es sich bei dem Grund & Boden in Nordamerika um Eigentum der Gesellschaften handelte, die dort bereits vor der europäischen Kolonisierung lebten, was auch mit der Bezeichnung als "First Nations" und "First People" zum Ausdruck gebracht wurde[7]. Dies klingt doch gerechter als die Stellungnahmen von Weißen in Nordamerika, die behaupten es sei "herrenloses" Land, das sich einfach angeeignet werden könne.

Unter dem Eindruck der schnell expandierenden USA und der Angst dadurch weniger Ackerflächen, ökonomische Ausdehnungsmöglichkeiten und Bodenschätze beanspruchen zu können, gab es in der Phase vor den ersten der sogenannten "Nummerierten Verträge" aber sehr wohl viele Stimmen im Parlament Kanadas, die Ländereien im Westen zu annektieren. Letztlich wurde aber auf Verhandlungen gesetzt.[7]

Die oben beschriebene Rechtsauffassung war schließlich ursächlich für die Vertragsverhandlungen der Britischen Krone mit kanadischen First Nations über die Abtretung von großen Landstrichen. Ohne diese Vereinbarungen hätte die Besiedlung und kapitalistische "Entwicklung" der Gebiete formal nicht mehr vorangetrieben werden können.[7] Trotzdem sind die daraus entstandenen "Treatys" keineswegs auf gleicher Augenhöhe und zu beiderseitigem, sich ausgleichenden Vorteil verhandelt und festgelegt worden. Sehr wohl herrschte die Sichtweise der "Überlegenen" (Europäer) gegenüber den "einfachen" und "unwissenden" Naturmenschen, was sich sowohl im Verhandlungsprozess, der Wortwahl als auch in den Ergebnissen niederschlägt.

Erstmals 1973 wurde im Fall Calder ./. British Columbia vom obersten kanadischen Gericht anerkannt, dass "die Aussage, dass der Rechtstitel als Ureinwohner, auch bekannt als indianischer Rechtstitel, der von dem Kläger hinsichtlich seines historischen Stammesterritoriums wie zuvor beschrieben geltend gemacht wird, niemals rechtmäßig vollständig erloschen ist."[8][9]

Überhaupt stimmte die Praxis britischer Landrechtpolitik in Nordamerika nicht mit dem eingangs beschriebenen "Geiste" überein, dass das Land seinen Ureinwohner*innen zugeschrieben wurde. Dies zeigt sich an der Geschichte der Hudson's Bay Company (HBC), die zeitweise der weltgrößte private Landbesitzer war, und der heute so bekannte Marken wie Galeria Kaufhof gehören.[10]

Hudson's Bay Company

Alles begann mit den beiden französischen Händlern und Schwägern Pierre-Esprit Radisson und Médard des Groseilliers. Die beiden hatten von den Cree gehört, dass es im Norden die besten Pelze geben solle, und wollten dort einen Handelsposten eröffnen. Im damaligen 17. Jahrhundert hatte Frankreich mit seiner Kolonie "Neufrankreich"[11], die den Großteils des Ostens Nordamerikas umfasste[12], de-facto das Monopol auf Pelzhandel in Nordamerika, und so bemühten sich die beiden um französische Zustimmung zu ihrem Plan. Die Genehmigung wurde jedoch verwehrt, weil der französische Gouverneur Marquis d'Argenson Konkurrenz für die bestehende Handelsroute befürchtete. 1659 machten sich Radisson und Groseilliers trotzdem auf den Weg und kehrten mit hochwertigen Pelzen zum Beweis des Potenzials der Hudson Bay-Region zurück. In Konsequenz wurden sie wegen unerlaubten Handels eingesperrt, bestraft und die Pelze von den Behörden konfisziert.[10]

Nach einem gescheiterten zweiten Anlauf wurden ihnen Kontakte nach London vermittelt, wo sie auf Prinz Ruprecht von der Pfalz[13] (englisch: Prince Rupert) stießen, der sie von nun an unterstützte und auch mit seinem Cousin, dem britischen König Karl II, bekannt machte. Im Juni 1668 machten sich zwei Schiffe auf Expedition zur Hudson Bay, von denen eines vorzeitig umkehren musste. Im südlichen Teil der Hudson Bay wurde ein erstes Fort errichtet. Am 2. Mai 1670 wurde infolge der erfolgreichen ersten Pelzgeschäfte die HBC als The Governor and Company of Adventurers of England Trading into Hudson's Bay mit königlicher Urkunde inkorporiert. Die Urkunde garantierte dem Unternehmen die Monopolstellung über das gesamte Wassereinzugsgebiet der Hudson Bay und der in sie mündenden Flüsse und Ströme. Das dadurch gebildete Land wurde in Anlehnung an den Sponsor "Rupert's Land" genannt und bedeckte eine Fläche von 3,9 Millionen Quadratkilometern. Prinz Ruprecht war von 1670-1682 der Gouverneur des Unternehmens. Während beispielsweise das heutige Südalberta dazu gehörte, waren die Hauptvorkommen der Tar Sands im nördlichen Alberta nicht Bestandteil von Rupert's Land[9], sondern des Nordwestlichen Territoriums[14].[10]

Die Rechtstitel aus der königlichen Urkunde umfassten aber nicht nur ein Monopol auf Handel und Gewerbe in dem Gebiet, sondern erklärte das Areal zu "unserer Kolonie in Amerika", wobei "Gouverneur und Unternehmen (...) und ihre Nachfahren" zu den "wahren und absoluten Herren und Eigentümern desselben Gebietes" erklärt wurden. Ausgenommen von diesen Besitzansprüchen wurden nur solche Flächen, "die eigentlich Besitz jeglicher anderer unserer Subjekte oder anderer christlicher Fürsten oder Staaten sind".[9] Entgegen der weiter oben beschriebenen Auffassung , dass das Land den First Nations gehörte, hatte sich die Britische Krone in kolonialistischer Manier einfach die gewünschten Flächen zugesprochen.

Entsprechend war die Rechtsauffassung der Krone, dass das Land, das in den Verträgen mit den First Nations verhandelt wurde, ihr bereits gehöre und dass die Verträge lediglich ein friedlicher Weg seien, um die Besiedlung der Nordwest-Territorien auf dem bereits ihr zustehenden Land zu erlauben. Während die Verträge von den First Nations, denen das Konzept Eigentum über Land zu haben fremd war, als Vereinbarung zwischen Nationen über die gemeinsame Nutzung des Landes verstanden wurde, sah die Britische Krone darin eine Sicherung ihrer Hoheit über das Land eines Volkes, dessen Staatshoheit lediglich in einem "persönlichen und Nutznießerrecht abhängig vom Guten Willen des Souveräns" bestehe. Diese Sichtweise wurde 1887 vom obersten kanadischen Gericht folgendermaßen wiedergegeben: "Zum Zeitpunkt der Entdeckung Amerikas, und lange danach, galt es als akzeptierte Regel, dass heidnische und ungläubige Nationen als immerwährende Feinde betrachtet wurden und dass der christliche Fürst oder das christliche Volk, das das Land zuerst entdeckt und in Besitz nimmt zu seinem absoluten Eigentümer wurde und mit dem Land machen durfte, was er/es wollte."[9]

Zwischen 1668 und 1717 errichtete das Unternehmen sechs Posten rund um die Bucht. Weitere Inlandsposten folgten nach 1774. Indigene wie weiße Jäger und Fallensteller brachten ihre Beute zu den Handelsposten und tauschten sie gegen andere Güter ein. Ab 1686 liefen immer wieder Scharmützel mit französischen Truppen ab, die zeitweise eine Vielzahl der Posten unter ihre Kontrolle brachten. Infolge verlorener Kriege mit der Britischen Krone in Europa trat Frankreich 1713 schließlich alle Ansprüche an das neu entstandene Großbritannien ab.[10]

Die Fallensteller der HBC waren intensiv an der Erforschung und ersten kapitalistischen Erschließungen beteiligt. Meist waren sie diejenigen, die erste Kontakte zu First Nations hatten, und die Posten der Hudson's Bay Company waren in der Folge die dominierende Anlaufstelle für Handel zwischen indigenen Gemeinschaften und Europäer*innen. Für das Unternehmen tätige Erkunder kartierten große Teile Nordamerikas.[10]

Obwohl nicht offiziell von der königlichen Urkunde abgedeckt, übernahm die Hudson's Bay Company auch in dem riesigen Gebiet, das aufgrund seiner relativen Lage zu Rupert's Land als Nordwestliches Territorium bezeichnet wurde, das Handelsmonopol. Erst 1859 wurde ihr die Region von der Krone ausdrücklich zugesprochen. In Einklang mit der Königlichen Proklamation von 1763 war eine Besiedlung durch Nicht-Indigene im großen Stil verboten, solange es keine Landabtretung per Vertrag (siehe "Treaty 8" im nächsten grünen blatt) gab.[14]

Nach knapp zweihundert Jahren Besitzanspruch übertrug HBC 1869 schließlich Rupert's Land für 300,000 Pfund an Großbritannien, woraus dann mehrere kanadische Provinzen geformt wurden. Vielzählige indigene Gemeinschaften, die in diesem Gebiet lebten, bestritten immer wieder HBCs Ansprüche auf das Land und fochten deren Hoheitsgewalt darauf an[9]. Zusammen mit Rupert's Land trat die Hudson's Bay Company auch das Nordwestliche Territorium an die Krone ab[14]. Den endgültigen Übergang der Gebiete auf das eigenständiger werdende Kanada und das Zugeständnis eines eigenen Rechtssystems machte die britische Krone davon abhängig, dass Verträge mit den indigenen Gemeinschaften abgeschlossen würden, was den Abschluss der "Numbered Treaties", auf die später noch eingegangen wird, einleitete[9].[10]

Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Hudson's Bay Company ins Ölgeschäft ein, womit sich der Kreis zur Tar Sands-Industrie zu schließen beginnt. 1926 war das Unternehmen an der Gründung der Hudson's Bay Oil and Gas Company (HBOG) beteiligt, die 1967 der 6.-größte Ölproduzent in Kanada war. Infolge der sinkenden Ölpreise zog HBC sich 1981 aus dem Ölgeschäft zurück und überließ seinen Anteil an der HBOG dem Konzern Dome Petroleum, der 1988 von Amoco aufgekauft wurde[15]. Dieses Unternehmen wiederum fusionierte 1998 mit British Petroleum (BP)[16], ein Konzern, der massiv in Tar Sands investiert[17].[10]

Die Inbesitznahme von Land und natürlichen Ressourcen in Nordamerika, die Dominanz über die indigenen Einwohner*innen, aber auch die lange beanspruchte Kontrolle über den Handel in der Region und die letztlich erfolgreiche aggressive Verdrängung von Konkurrenten hat sich für die Hudson's Bay Company ausgezahlt. Heute macht das Unternehmen einen jährlichen Umsatz von 5,223 Mrd. Kanadischen Dollar und hat dabei Gewinne in Höhe von 258,1 Mio. Dollar. Das Gesamtvermögen der HBC wird mit 7,943 Mrd. Dollar beziffert. (alle Zahlen in Kanadischen Dollar CAD sowie beruhend auf Daten für das Jahr 2014)[10]

Proklamation von 1763

Infolge des "Siebenjährigen Kriegs" schlossen die europäischen Großmächte die "Friedensverträge von Paris", in denen u.a. nahezu alle Kolonialansprüche Frankreichs in Nordamerika an Großbritannien und Spanien abgetreten wurden.[18][19] Zur Neuorganisation der nordamerikanischen Gebiete unter britischer Vorherrschaft erließ König Georg III die "Königliche Proklamation von 1763". Sie enthielt auch die sogenannte "Proklamationslinie" zwischen den Kolonien und den "Indian Reserves", die vorläufig den indigenen Communitys zugesprochen wurden. Tatsächlich waren die "reservierten" Gebiete westlich der Appalachen weitestgehend unerkundet und fast gar nicht von Europäer*innen besiedelt. Es war durchaus vorgesehen, diese Linie nach und nach weiter nach Westen zu verlagern, wobei das betreffende Gebiet im Verhältnis zu den Kolonien klein war, aber dies sollte in geordneten und gesetzmäßigen Bahnen geschehen. Diese Proklamation dürfte den Ausgangspunkt der sich ändernden Rechtsauffassung zu den ursprünglichen Landrechten der First Nations dargestellt haben.[20][21]

Nun war es Privatleuten in dem definierten Gebiet nicht mehr erlaubt Land der Indigenen zu kaufen - dieses Recht behielt sich die Britische Krone vor. Dazu sollte es künftig öffentliche Versammlungen von königlichen Abgesandten mit Vertreter*innen der First Nations geben. Die Abgesandten der Krone mussten vor einer Zustimmung der Besiedlung von First Nations-Land durch Siedler auch die Zustimmung des Königs einholen. Die Grenzlinie war als solche problemlos übertretbar, nur Siedeln war dahinter für Nicht-Indigene verboten.[20][21]

Hintergrund des Erlasses dieser Regeln war wohl das Bedürfnis, die immer wieder gegen die Dominanz der Europäer*innen und gegen das aggressive Vordringen der Siedler und Unternehmen aufbegehrenden First Nations zu befrieden. Da aber häufig gegen diese Schutzregelungen verstoßen wurde, hinter der Proklamationslinie zehntausende Weiße ungehindert ansiedelten und auch die Arroganz der europäischen Einwanderer*innen insbesondere nach Einführung der Proklamation gegenüber den indigenen Gemeinschaften schlimmer wurde, kam es immer wieder zu Feindseligkeiten. Historisch wird übrigens eingeschätzt, dass die Beschränkung der freigegebenen Siedlungsflächen wesentlicher Anlass für die Loslösung der späteren USA von der Krone und damit für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg war.[20][21]

Die Proklamation von 1763 stellt bis heute einen wichtigen juristischen Bezugspunkt für die Ansprüche indigener Menschen auf das Land, auf dem sie und ihre Vorfahren gelebt haben, dar. Sie stellte wohl den ersten entscheidenden Präzedenzfall für die Anerkennung spezieller Rechte der indigenen Bevölkerung auf das von ihnen bewohnte Land dar.[21]

Numbered Treaties

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schloss die kanadische Regierung eine Reihe nummerierter Verträge mit Repräsentanten von First Nations ab, die auf weitere Besiedlungen und Ressourcenabbau abzielten und dem kanadischen Staat weite Gebiete zusprachen, wofür den indigenen Gemeinschaften individuell ausgehandelte Versprechen gemacht wurden. Diese Verträge sind bis heute gültig und wurden u.a. im Canadian Aboriginal law verankert. Da die Rechte der First Nations in den Verträgen teils recht unkonkret bleiben, müssen Indigene diese oft vor Gericht beweisen und für ihre Erfüllung kämpfen.[7]

Derartige Verträge wurden immer dann initiiert, wenn bedeutende wirtschaftliche Interessen den kanadischen Staat zu Verhandlungen mit den indigenen Gemeinschaften drängten. Dann wurden Zugeständnisse wie soziale Sicherung oder Versorgung mit Werkzeugen angeboten, um im Gegenzug die volle Verfügungsgewalt über deren Lebensraum zu erhalten. Oft fand die Vertragsentwicklung dann übereilt statt und nahm wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse der First Nations. Keine zwei der "Nummerierten Verträge" glichen einander; die Vertragsbedingungen wurden immer neu ausgehandelt, so dass eine Vergleichbarkeit schwer gegeben war. Durch die Verträge erlangte Kanada die Kontrolle über die meisten Aspekte der Gesellschaft, insbesondere hinsichtlich Bildung, Verwertung von Bodenschätzen, Landnutzung und Erlass von Gesetzen in verschiedensten sozialen Feldern.[7]

Anders als frühere Verträge mit First Nations, die sowohl indigene als auch britische Traditionen berücksichtigten, waren die "Nummerierten Verträge" in reiner britischer Diplomatenmanier aufgesetzt worden. Den indigenen Repräsentant*innen wurden Übersetzer*innen zugeordnet, die übersetzen sollten, was in den Diskussionen gesagt wurde. Schon hierbei sind entscheidende Unterschiede in schriftlichen Dokumenten der Regierungsvertreter dieser Zeit und den mündlichen Überlieferungen, die von den Repräsentanten der First Nations in den Verhandlungen vorgenommen wurden, zu finden. Die Misskommunikation zwischen den so unterschiedlichen Verhandlungspartnern ist u.a. in Tagebucheinträgen der Unterhändler und Beschuldigungen von Vertretern der indigenen Seite, wesentliche Inhalte nicht genannt zu haben, belegt. Einzelne detaillierte handschriftliche Notizen indigener Beteiligter weisen ebenfalls auf erhebliche Unterschiede im Verständnis des Diskussionsgegenstandes auf. Daran Schuld können neben den abweichenden kulturellen und juristischen Gewohnheiten auch die Sprachbarrieren sein, da bezweifelt werden muss, dass die juristischen englischen Formulierungen immer in verständlicher Form übersetzt wurden.[7]

Ein anderer Aspekt war der gezielte Einsatz von Vokabeln, die bei den First Nations gewisse Assoziationen auslösen sollten, aber in der britischen Amtssprache eine dezidierte Bedeutung haben. Die Titulierung der First Nations als "Kinder" und die Britische Krone als "Mother Queen" suggerierte ein Fürsorgeverhältnis und den Schutz der Interessen der indigenen Ureinwohner*innen Nordamerikas unter den Fittichen des Britischen Empires. Mit Phrasen wie "You will always be cared for, all the time, as long as the sun walks" wurden die Vertragspartner angesprochen und zur Zustimmung zu den "Treaties" bewegt. Der Glaube an den guten Willen und die Ehrlichkeit der britischen Abgesandten wurde in mancher Vertragsverhandlung durch Heilige Pfeifenrituale bekräftigt.[7]


Fortsetzung folgt! Weiter geht es mit diesem Hintergrundbericht in der nächsten Ausgabe. Oder, wer nicht so lange warten will, kann auf der Internetseite des grünen blatts bereits weiterlesen.

Dieser Artikel basiert auf Vorort-Recherchen in Alberta, Interviews mit Vertreter*innen von kanadischen Umwelt-NGOs, First Nations, aus Ölindustrie und Politik sowie auf Internet-Recherchen.


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Weiterführende Informationen

Tar Sands-Pipelines:

First Nations:

Initiativen, Gruppen, NGOs:

Fort McMurray:

Tar Sands-Lobby:


  1. http://atc97.org/about-atc - gesichtet 2. Februar 2017
  2. http://mikisewcree.ca - gesichtet 2. Februar 2017
  3. http://www.igi-global.com/dictionary/traditional-land-owners/44989 - gesichtet 2. Februar 2017
  4. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Land_council&oldid=746602984 - gesichtet 2. Februar 2017
  5. 5,0 5,1 https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Land_tenure&oldid=755865315 - gesichtet 2. Februar 2017
  6. https://www.creativespirits.info/aboriginalculture/land/meaning-of-land-to-aboriginal-people - gesichtet 2. Februar 2017
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 7,6 https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Numbered_Treaties&oldid=749377461 - gesichtet 3. Februar 2017
  8. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Calder_v_British_Columbia_(AG)&oldid=714943718 - gesichtet 5. Februar 2017
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 9,5 https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Rupert%27s_Land&oldid=760073996 - gesichtet 5. Februar 2017
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5 10,6 10,7 https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Hudson%27s_Bay_Company&oldid=763623702 - gesichtet 4. Februar 2017
  11. Schon frühe französische Expeditionen nach Amerika erhoben dort Landansprüche: 1534 war es Jacques Cartier, der das Gebiet um die Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms als erstes für Frankreich in Besitz nahm.
    Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Neufrankreich&oldid=161692592 - gesichtet 4. Februar 2017
  12. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Neufrankreich&oldid=161692592 - gesichtet 4. Februar 2017
  13. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ruprecht_von_der_Pfalz,_Duke_of_Cumberland&oldid=157345665 - gesichtet 4. Februar 2017
  14. 14,0 14,1 14,2 https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=North-Western_Territory&oldid=724872146 - gesichtet 5. Februar 2017
  15. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Dome_Petroleum&oldid=721071386 - gesichtet 5. Februar 2017
  16. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Amoco&oldid=755911575 - gesichtet 5. Februar 2017
  17. https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=BP&oldid=763653947 - gesichtet 5. Februar 2017
  18. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Pariser_Frieden_1763&oldid=159035311 - gesichtet 5. Februar 2017
  19. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Siebenj%C3%A4hriger_Krieg&oldid=162073410 - gesichtet 5. Februar 2017
  20. 20,0 20,1 20,2 https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=K%C3%B6nigliche_Proklamation_von_1763&oldid=147294081 - gesichtet 5. Februar 2017
  21. 21,0 21,1 21,2 21,3 https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Royal_Proclamation_of_1763&oldid=760802933 - gesichtet 5. Februar 2017