2016-02:Lieber tot als so verwahrt

Aus grünes blatt
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Lieber tot als so verwahrt

jes Das grüne blatt erreichte ein Schreiben von Arne A., der sich in so genannter Sicherheitsverwahrung befindet – de facto eine Haft ohne Entlassungsperspektive, die es seit 1933 gibt. In diesem beschreibt der Mensch aus der Sicherheitsverwahrung seinen Kampf um das Recht auf eine adäquate Behandlung oder eine Alternative und, wenn dies nicht möglich gemacht wird, um das Recht auf den Tod, entweder durch die Todesstrafe oder durch aktive Sterbehilfe.

Das Leben in der Sicherheitsverwahrung, ohne Aussicht auf ein Leben danach, stellt für ihn eine unerträgliche Qual dar und einen Gegensatz zu seinem verfassungsmäßigen Recht auf „Würde“ (Artikel 1. GG). Dabei hat er alles versucht, um sich nach den Taten zu ändern. Erst hat er jahrelang für eine Therapie gekämpft, die ihm eigentlich gesetzlich zusteht und ihm auch zugesichert worden war und diese dann auch erfolgversprechend durchgeführt (sogar mit Freigang), bis er aufgrund des Ausbruchs eines anderen Sicherheitsverwahrten als Kollektivbestrafung die Therapie abbrechen musste. Eine Perspektive sieht er nach den langen Kämpfen nicht mehr. Auch Schreiben an Justiz und Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene von ihm und seinem Anwalt verliefen bisher im Sande.

Auch der Antrag eines zweiten Menschen, der sich in Sicherheitsverwahrung befindet, auf die „Todesstrafe bzw. ersatzweise aktive Sterbehilfe“ (Zitat aus dem Brief) wurde mitgeschickt.

Dieser ist sogar zu 70% schwerbehindert und größtenteils bettlägrig. Aufgrund der vorurteilsbehafteten Angst der Öffentlichkeit, welche mit Menschen in Sicherheitsverwahrung einhergeht und der fehlenden Therapieangebote, die für eine Änderung der Situation nötig wären, hat auch er keine Option auf eine Lebensperspektive außerhalb von Gefängnissen. Auch für ihn gibt es im Moment nur noch die Perspektive Tod oder Haft bis zum Tod.

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass dies eine reine Provokation ist, mit der die Gefangenen auf ihre Lage hinweisen möchten. Im Anschreiben ist aber klargestellt, dass der Antrag ernst gemeint ist. In anderen Ländern wurden ähnliche Anträge auch schon angenommen und ein belgischer Gefangener war kurz davor zu sterben, bevor der Justizminister doch noch für ihn eine Alternative ermöglicht hatte. Weitere Häftlinge in Belgien kämpfen aber noch immer für ein Recht lieber sterben zu dürfen, als für alle Zeit im Gefängnis zu sitzen.

Das moralische Problem das sich aus der Situation ergibt, entsteht erst dadurch, dass es in der Realität kaum Möglichkeiten für Sicherheitsverwahrte gibt, eine ernsthafte psychologische Behandlung zu beginnen und, selbst wenn sie nach einer solchen Therapie für relativ ungefährlich erklärt werden, trotzdem keine Aussicht auf Entlassung bekommen. Dadurch haben die Gefangenen auch keinerlei Perspektive auf ein Leben danach oder auch nur auf neue Impulse in ihren Leben im Gefängnis. Dass sich daher einige Sicherheitsverwahrte, wie im Brief gefordert, lieber den Tod wünschen als für weitere Jahre bis zum Tod gefangen verwahrt zu werden, scheint mir absolut verständlich.