2015-03:Aufruf zur "Rettung" des grünen blatts

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Aufruf zur "Rettung" des grünes blatts

fb Es gehört ja irgendwie zum guten Ton bei linken Zeitungen, alle paar Jahre einen "Rettungsaufruf" zu starten, weil die Finanzierung mies läuft und anzukündigen, dass das Projekt sonst eingestellt würde. Einige bekanntere Zeitungen waren damit auch immer wieder recht erfolgreich. "Das grüne blatt", oder "wir" (oder wie immer ein nicht identitärer, nicht-kollektiver Zusammenhang zu bezeichnen wäre) haben das meines Wissens bislang nicht gemacht. Und ich werde damit auch jetzt nicht anfangen - vielleicht ist das auch einer der Gründe für die (schlechte) wirtschaftliche Situation der Zeitung... ;)

Rückblick

Beim grünen blatt gab es seit seiner Erstveröffentlichung in der Mitte der 1990er Jahre eine Menge Veränderungen. Eine der wichtigsten war die Weiterentwicklung von der Öko-Vereinszeitung zu einer offenen Redaktion mit Aktiven aus verschiedenen sozialen Bewegungen, wobei der Schwerpunkt klar im Umweltbereich blieb. Aber auch andere Kämpfe, Berichte und Analysen zur Entwicklung der Bewegung(en) und die Entwicklung des Konzepts eines horizontal organisierten, offenen Printmediums bekamen jetzt Raum. Inzwischen erschien das grüne blatt 68 Mal.

In zwei Jahrzehnten grünes blatt gab es Phasen hoher Strukturiertheit, Tiefphasen mit 0-1 Heften im Jahr, und dann bis Ende 2012 eine relativ struktur- und planlose Produktion, die mit der Einführung eines neuen Redaktionskonzepts endete. Damals waren viele Beteiligte frustriert. Aufgrund des Wunsches nach klaren Zeitplänen und Absprachen für die Produktion des Heftes gab es von da an wieder Planung und Struktur.

Neben der Einführung autonomer Themenrubriken und der genannten klaren "Fahrpläne" für die Redaktionsarbeit, gab es auch die Idee von inhaltlichen Begleitveranstaltungen, die im Gegensatz zu den anderen Neuerungen überhaupt nicht funktionierten. Schwierig war auch immer die Wirtschaftlichkeit des grünen blatts. Das wurde durch die neuen Koordinator*innen etwas entspannt, die nun abwechselnd für die Finanzierung einzelner Ausgaben zuständig waren. Bis vor vielleicht einem Jahr schien das Konzept für die Beteiligten zu funktionieren.

Probleme der Gegenwart

Seit mehreren Heften funktioniert diese Redaktionsarbeit nicht mehr: Kaum Beteiligung an den Redaktionstreffen, schwindende Unterstützung beim Versand der Hefte, das Layouten wurde herausfordernder, weil weniger Aktive ihre Beteiligung zusagten und oft alles erst sehr spät geklärt werden konnte. Gleichzeitig fühlten sich auch viele der aktivsten Mitmacher*innen der letzten Jahre mehr und mehr ausgebrannt, überfordert bzw. wollten die Prioritäten ihres Engagements anderen Feldern widmen.

Ganz deutlich wurde dies beim bisher letzten Anlauf einer Redaktionskonferenz, wo auch die Planung für 2016 anstand. Im Ergebnis haben wir nur die Zusage einer Person sich wieder um die Koordination und Finanzierung einer Ausgabe zu kümmern, für weitere Ausgaben gibt es keine Menschen, die diese Verantwortung übernehmen wollen. Angesichts dieser Situation gibt es nun keinen Fahrplan, keine Termine und keine Redaktionstreffen für 2016. Sicher ist nur, dass es mindestens eine Ausgabe geben wird, ob noch mehr kommt, muss sich zeigen und wird auch davon abhängen, ob neue Leute in die Redaktionsarbeit einsteigen werden.

Glücklicherweise betrifft dieses organisatorische Problem weniger die inhaltliche Seite des grünen blatts. Wir haben auch weiterhin viel Input zu den Themenrubriken und auch darüber hinaus erreichen uns weiter auch externe Beiträge zu verschiedenen Bewegungsthemen.

Herausforderungen

Trotzdem ist die gegenwärtige Situation ein großes Problem, denn irgendwer (besser: verschiedene Leute) muss sich um Layout, Produktion und Versand sowie um die Finanzierung mindestens der Druckkosten kümmern. Mit derzeit nur einer Ausgabe, die für 2016 bis jetzt steht, kann keine kontinuierliche Berichterstattung gemacht werden. Daher brauchen wir dringend Menschen, die sich in das grüne blatt einbringen wollen! Wie erwähnt fehlt es insbesondere an Leuten, die Verantwortung für eine Ausgabe übernehmen wollen, aber auch Unterstützung in allen möglichen anderen Bereichen ist hilfreich, weil sie die Beteiligten entlastet. Es ist dringend nötig, dass es nicht nur "genug", sondern "viele" Unterstützer*innen gibt, die dazu beitragen, dass Einzelne nicht dauerhaft überladen werden.

Unsere letzten Erfahrungen zeigen, dass als größte Belastung die Finanzierung wahrgenommen wurde. Es kann gut sein, dass eine Entspannung diese Problemfeldes auch den Druck auf die Beteiligten stark reduzieren würde. - Geld war immer ein Problem und wurde beim grünen blatt nie gut gelöst. Letztlich wurde es immer geschafft die Druckkosten und den Versand, selten auch einen Teil weiterer anfallender Kosten, zu decken. Aber ohne einheitliches Konzept.

Wir versuchen das mit Aboeinnahmen, Spenden, Zuschüssen - manchmal hat ein Verein eine Ausgabe gezahlt, es gab auch schon Erbschaften, die einzelne Hefte finanziert haben. Anläufe relevante Einnahmen über die Schaltung akzeptabler Anzeigen einzuwerben, waren nie erfolgreich. Es gab auch den Versuch einen "Förderkreis" für das grüne blatt aufzustellen, in dem kontinuierlich Menschen für das Zeitungsprojekt spenden - bisher ohne viel Resonanz. Und wir ermuntern unsere Leser*innen immer wieder mehr Hefte zu bestellen, neue Abonnent*innen zu gewinnen oder einen erhöhten Solibeitrag für ihr Abo zu zahlen. Bisher reichen diese Einnahmen aber nur aus, um die Versandkosten zu tragen. Der Aufruf an euch Leser*innen zu überlegen, ob ihr das grüne blatt auf die eine oder andere Weise finanziell unterstützen könnt, bleibt also aktuell. Aber auch ganz neue Ideen sind willkommen!

Konkret

Meldet euch bei der Redaktion, wenn ihr das grüne blatt irgendwie praktisch oder finanziell unterstützen wollt. Jeder Beitrag kann hilfreich sein, auch in Bereichen, an die wir noch nicht gedacht haben. Es wäre also super, wenn ihr eure Möglichkeiten und Willen reflektieren würdet, um die Idee das grüne blatt als unabhängige "Zeitung für Umweltschutz von unten" gemeinsam auf stabilere Füße zu stellen. Unser Wunsch ist, dass dieses Projekt nicht nur dem "Konsum" von Inhalt dient, sondern von seinen Leser*innen mitgestaltet wird.

In diesem Sinne: bis bald! Ich hoffe auf eure E-Mails, Anrufe oder auch Briefe!