2015-01:Stellungnahme zum Unfall im AKW Zaporizhye

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Stellungnahme zum Unfall im AKW Zaporizhye

NukeNews Der Zwischenfall im AKW Zaporizhye am 28. November 2014 mit Transformatoren-Fehlfunktion wird als Routinevorfall in der ukrainischen Atomindustrie angesehen. Die gleiche Einheit war nach einer Pumpenfehlfunktion im Juni vom automatischen Sicherheitssystem gestoppt worden. Zaporizhye ist einer von 15 ukrainischen Reaktoren, von denen 12 dem Ende ihrer rechnerischen Lebensdauer entgegengehen und eigentlich im Lauf dieses Jahrzehnts geschlossen werden sollten. Die ukrainische Regierung zieht jedoch vor, die Einheiten in Betrieb zu halten, denn es gibt keinen Plan für ihren Abbau und keine Ideen für den Ersatz ihrer Kapazitäten, da fast die Hälfte der Energie des Landes aus Atomkraft stammt.

Der aktuelle Konflikt mit Russland hat Probleme des Atomsektors aufgedeckt. Die Ukraine verlässt sich stark auf Russland, sowohl in Bezug auf Kernbrennstoff als auch bei Ersatzteilen und technischer Dokumentation. Der Unfall vor kurzer Zeit hat auch ein weiteres Problem deutlich gemacht, das die Atomkraft dem Energiesektor zufügt: die Konzentration der Erzeugungskapazitäten. Der Zwischenfall hat das Gleichgewicht im Energiesektor gestört und zu sukzessiver Stromabschaltung in verschiedenen Gebieten nacheinander ("rolling blackouts") geführt.

Viele Expert*innen halten eine Umstrukturierung des Energiesektors für dringend notwendig, um den Verbrauch zu verringern und erneuerbare Energien zu entwickeln. Die EU dagegen unterstützt durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie Kredite von Euratom das Programm zur Laufzeitverlängerung der Reaktoren finanziell. Dadurch wird das Risiko eines schweren Atomunfalls in Europa und die Abhängigkeit des ukrainischen Energiesektors von Russland steigen.

NECU, Nationales Umweltzentrum der Ukraine