2014-02:Präsentation

Aus grünes blatt
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Erfolgreich präsentieren – und zwar nicht (nur) im Internet!

jb Ausstellungen, Infostände, Zeitungen und Straßentheater sind außer Mode gekommen. Das Internet und seine massenorientierten Informationsangebote dominieren. Dabei gibt es keinen Hinweis darauf, dass sich über diesen Weg Menschen besonders gut ansprechen oder sogar zum Handeln motivieren lassen. Im Gegenteil: Der direkte Kontakt mit Menschen erzeugt deutlich mehr Wirkung. Doch leider ist er auf die Rote Liste aussterbender Politikformen gerutscht zugunsten der digitalen Oberflächlichkeit von Sofa zu Sofa (oder Schreibtisch zu Smartphone oder wie auch immer).

Eine Variante der direkten Begegnung ist der Vortrag. Klingt langweilig – aber muss es nicht sein. Ob eine Veranstaltung zur verlängerten Schulbank oder zu einem unvergesslichen Ereignis wird, hängt davon ab, wie alles abläuft. Ob dabei oder anschließend diskutiert wird, ob mehr passiert als Wissens-Einbahnstraße, ob viele einschlafen oder selbst müde Zuschauer_innen gefesselt zuhören – all das ist eine Frage der Machart eines Infoabends. Dieser Text basiert auf den Erfahrungen mehrerer Ton-Bilder-Schauen, die zu einem bedeutsamen, wenn nicht dem wichtigsten Teil einiger erfolgreicher politischer Kampagnen wurden. Gemeint sind vor allem „Monsanto auf Deutsch“, aber auch „Fiese Tricks von Polizei und Justiz“. Beide Formate haben Tausende Menschen gefesselt und sind selbst als abgefilmte Version noch unterhaltsam genug, um als DVD oder auf Youtube richtig gut zu gehen. Da der direkte Draht zu Menschen deutlich höhere Chancen hat, die Angesprochenen zu interessieren und zu motivieren, sei dringend empfohlen, hier mehr Aufmerksamkeit zu investieren als bisher – mindestens so viel wie in die überbordende Fülle von Blogs, Twitter, Facebook & Co.


Praktische Tipps für einen gelungenen Infoabend

Im Folgenden sollen einige praktische Tipps für spannende Vorträge und Präsentationen gegeben werden. Grundsätzlich ist aber darauf hinzuweisen, dass alles, was frontal herüberkommt, wenig emanzipatorisch ist. Input ist aber oft nötig, um Erfahrungen und Informationen weiterzugeben, damit danach auf einem angeglichenen Niveau diskutiert und weiterentwickelt werden kann. Das bedeutet aber, dass der frontale Input nur ein Element unter mehreren sein darf. Vortragsreihen oder Podiumsdiskussion, die allein stehen, gehören zum Arsenal autoritärer Bildung und daher auf den Müllhaufen einer bislang in fast allen Ritzen der Gesellschaft herrschaftsförmig verlaufenden Geschichte der Menschheit. Das Hauptargument für Veranstaltungen ist der Vorteil, dort den Menschen direkt zu begegnen. Das ist ein unschlagbarer Vorteil gegenüber aller digitaler Kommunikationskunst, die immer reduziert ist auf einfache Bilder und meist nur kurze Textdarstellungen.


Werbung: Mehr als nur eine Rundmail

Die Qualität einer Veranstaltung beginnt schon bei der Bewerbung. Das eigene Kommunikationsverhalten sollte dabei bewusst überwunden werden, d.h. wer viel per Email, Twitter oder Facebook agiert, sollte darüber nachdenken, wie draußen im Alltagsgeschehen Menschen geworben werden können (Plakate, Auslagen, Verteilen vor Kaufhäusern, Veranstaltungen und Märkten oder durch kleine Straßentheater, Flyer usw.). Und umgekehrt. Am erfolgreichsten sind die Veranstaltungen, bei denen Menschen oder Gruppen aus verschiedenen Kommunikationskulturen zusammenarbeiten und mit ihren Einladungen, die sich dann in Aufmachung und Verteilung unterscheiden werden, Menschen gewinnen.


Der Abend (oder Tag ...): Mehr als nur ein Vortrag

Ein Referat oder Ähnliches als Teil von mehr muss aber auch in seinem Verlauf nicht alles sein. Jeder Input lässt sich direkt mit weiteren Elementen verbinden. Denkbar sind kleine Diskussionsrunden am Anfang, mittendrin oder am Ende (z.B. aus dem Methodenschatz dominanzabbauender Gruppenmethoden wie Tuschelrunden oder World Cafe, siehe www. hierarchnie.de.vu). Ausstellungen und Infotische rund um das Geschehen bieten Möglichkeiten zur weiteren Information und für Gespräche. Auch hier führt Vielfalt dazu, dass unterschiedliche Menschen Andockpunkte haben - also verschiedene Gruppen bzw. Menschen ansprechen ... Wer schlau ist, bereitet gleich weiterführende, beteiligungsstärkere Veranstaltungen vor und lädt dazu ein (z.B. eine Aktion, ein Aktionstraining oder ein Themenseminar einige Tage oder Wochen nach einem Vortrag).


Der Vortrag: Mehr als nur Reden

Der Mensch nimmt Informationen mit allen Sinnen auf. Von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, was am meisten prägt. Daraus ergibt sich, dass ein Referat möglichst vieles bedienen sollte: Hören in unterschiedlichen Varianten (gesprochen, als O-Ton aus dem Lautsprecher, mit oder ohne Untermalung usw.). Dazu Hingucker auf der Leinwand oder herumgezeigt - aber bitte nicht (nur) das, was die Anwesenden ohnehin zu hören bekommen. Die schrecklichsten Versionen der in Mode gekommenen PowerPoint-Präsentationen (oder wahlweise OpenOffice) sind die, bei denen die Redner_innen nicht mehr ihre Spickzettel in der Hand halten, sondern auf Folie bringen. Sie wenden sich dann der Leinwand zu, zeigen dem Publikum den Rücken und lesen, was alle sehen. Gähn ...

Präsentationsprogramme können viel mehr. Die Leinwand sollte Zusatznutzen bieten, z.B. Fotos, Grafiken, Originaldokumente als Quellennachweise. Zudem können kleine Filme oder Animationen eingespielt werden - aber auch hier nur, wenn es zusätzlich etwas bringt. Ein Vortrag ist ein Kunstwerk. Leinwand und Lautsprecher bedienen weitere Sinne. Das kann auch durch theatralische Einlagen erfolgen. Weitere Akteur_innen können einzelne Parts übernehmen oder die_der Referent_in gibt Sachen zum Anfassen und Anschauen herum. Eine gute Mischung, die nicht zu viele Reize setzt, bringt das beste Ergebnis.


Die Diskussion: Mehr als nur Fragen und Antworten

Folgt auf den Input eine Debatte, so macht es immer Sinn, die große Runde möglichst schnell aufzuteilen. Zwar trifft das heute selten auf mehrheitliche Zustimmung, aber dann wächst nur zusammen, was zusammengehört. Nämlich: Die Dominanten wollen, dass alle ihnen zuhören - und viele der Anderen fühlen sich wohl in der passiven Rolle, bei der sie sich lenken und orientieren lassen. Beides zu durchbrechen, ist die Kunst gleichberechtigter Kommunikation. Wechsel von Klein- und Großgruppen, bei Streitfragen die Fishbowl und andere Methoden (siehe auch hier www.hierarchnie.de.vu) können in Debatten nach Vorträgen oder weiteren, nicht-frontalen Veranstaltungen zu einer breiten Beteiligung aktivieren. Merke: Es reden fast immer gleich viele, veränderlich ist nur die Zahl der Zuhörenden.


Beispiele

Der Autor dieses Textes ist „Schöpfer“ mehrerer Ton-Bilder-Schauen: „Monsanto auf Deutsch“, „Fiese Tricks von Polizei und Justiz“, „RWE - der Kampf um Kohle und Posten“ und „Die Mischung macht's!“ zu den Strategien erfolgreichen Widerstands. Wer Interesse daran hat, kann sowohl eine Veranstaltung organisieren als auch die Präsentationsdateien erhalten, um den Vortrag selbst zu halten, weiterzuentwickeln usw. Mehr Infos auf http://www.vortragsangebote.de.vu.


Präsentationen - aber wie?

Es lohnt sich, Ideen und Wissen über Präsentationstechniken zu sammeln. Die auf dem Markt befindlichen Programme wie das von Microsoft stammende, folglich also weder kostenfreie noch mit offenem Quellcode gelieferte PowerPoint, die OpenSource-Software Open- oder LibreOffice sowie zahlreiche weitere Programme bieten inzwischen unzählige Darstellungsmöglichkeiten. Die alle blind anzuwenden, überlädt eine Präsentation schnell. Wenn die Effekte vom Inhalt ablenken, ist nichts gewonnen. Häufiger aber ist das Umgekehrte: Die_der Redner_in liest ab, was auf der Leinwand auch zu sehen ist. Das ist schlimmer als ohne Präsentation, denn nun dreht sich die Person vorne auch noch vom Publikum weg – eine neue Qualität von Frontalunterricht. Die Stärken von Präsentationen liegen ganz woanders und sollten, wenn auch durchdacht, auch genutzt werden:

  • Belege und Hintergrundinformationen: Statt das zu zeigen, was auch gerade geredet wird, können Grafiken und Texte angezeigt werden, die das Gesagte ergänzen. Sie dürfen allerdings nicht selbst gelesen werden müssen, während geredet wird. Die Einblendung ist eher wie das Bild im Film. Der Ton kommt von der_m Redner_in, die selbst aber als optischer Fokus verschwindet.
  • Die Effekte auf der Leinwand können mit Darstellungen im Raum verbunden werden. Nicht alles muss aus dem Beamer stammen. Passende Belege für die dargestellten Thesen, Beispiele usw. können auch mal direkt zu sehen sein, z.B. ein Poster oder ein Gegenstand in der Hand des_r Redner_in. Und dann ruhig mal damit durch die Reihen gehen ...

Wer mehr Interesse an solchen Ideen hat, kann in das Buch „PowerPoint 2013. Einfach besser präsentieren“ schauen (Autor: Hermann Plasa, Microsoft Press in Unterschleißheim/O'Reilly in Köln, 274 S., 19,90 €). Das enthält mehr als der Titel verspricht, nämlich eine komplette Abhandlung für gelungene Infoveranstaltungen – von der Präsentation bis zur Beamertechnik oder sogar Sitzordnung im Raum wird alles angesprochen. Fast alles lässt sich auch auf verwandte Software übertragen, so dass das Buch allgemein gut verwendet werden kann. Wer es zum Programm „PowerPoint“ genauer wissen will, kann aus dem gleichen Verlag auf „PowerPoint 2013“ aus der Reihe „Auf einen Blick“ (Autorin: Eva Kolberg, 256 S., aber nur 9,90 €) oder auf „Das Handbuch Office 2013“ (1277 S., 39,90 €) zurückgreifen. Die beiden Werke unterscheiden sich in Umfang und Aufmachung. Das erste wirbt mit „Leicht verständlich“ auf dem Titel. Mit farbigen Bildern und an vielen Beispielen werden die Möglichkeiten des Programms erläutert. So ist das Buch auch für Einsteiger_innen gut geeignet. Das zweite hingegen ist ein echtes Grundlagenwerk. Der Verlag hat etliche dicke Bücher der gleichen Machart herausgegeben zu Programmen und Betriebssystemen von Microsoft. Die Ausführungen zu PowerPoint stellen ein Kapitel dar, daneben werden andere Office-Programme beschrieben sowie programmübergreifende Funktionen, von denen vor allem die Bildbearbeitung auch für Präsentationen von Nutzen sein dürfte. Wer noch mehr aus Grafiken herausholen will, braucht dann spezielle Programme – ob Gimp für Linux, Photoshop (für Fotos) oder Visio (vor allem für Diagramme und Schemazeichnungen, wieder kombinierbar mit dem passenden Werk „Das Handbuch: Visio 2013“ aus dem MicrosoftPress/O'Reilly-Verlag, 850 S., 49,90 €), ist Geschmacks- oder Überzeugungssache.

Bedauerlich ist die geringe Kompatibilität zwischen den Präsentationsprogrammen, z.B. zwischen Microsoft PowerPoint, den Mac-Varianten und den OpenSource-Programmen. Hier sind oftmals vorherige Kontrolle und Überarbeitung nötig, da Spezialeffekte, eingebettete Audio- oder Videodateien vielfach versagen. Das ging manchmal sogar für verschiedene Versionen des gleichen Programmes.