2014-02:Medien-rez

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Inhaltsverzeichnis

Bücher zu Medien

Andreas Schulte Hemming

Erfolgreich ins Netz

(2011, Stiftung Mitarbeit in Bonn, 122 S., 10 €)

Der Reader im A4-Format besticht durch seine klare Gliederung und den systematischen Aufbau mit Texten, Checklisten und Beispielen. Die Sache beginnt mit der Konzeption der Seite. Die innere Struktur wird dann umgesetzt - wobei es im Reader nicht um Anleitungen zur Erstellung von Webseiten geht. Im Vordergrund stehen vielmehr Fragen wie Strukturierung, Suchmaschinen, Domainname, Anforderungen an den Provider, rechtliche Fragen usw.


Bernd Hüttner u.a.

Handbuch Alternativ-Medien 2011/2012

(2011, AG SPAK Bücher in Neu-Ulm, 279 S., 22 €)

Ungefähr die Hälfte des Buches ist angefüllt mit Adressen von alternativen Medien, aber auch von Archiven und Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Schon das bietet eine Fundgrube. Die andere, erste Hälfte ist mit Fachaufsätzen gefüllt. Etliche AutorInnen werfen dort konkrete Blicke auf die Arbeitsweisen alternativer Medien, erläutern konkrete Beispiele, fragen nach den Veränderungen im Internetzeitalter und zu den ökonomischen Grundlagen des Medienmachens. Das Buch verschafft somit einen guten Überblick über die Lage der Dinge – zumindest soweit es die „offiziell“ erreichbaren Medien betrifft. Der fast völlig zusammengebrochene Bereich selbstorganisierter Gegenmedien im lokalen und regionalen Raum findet sich im Buch nicht – es gibt ihn auch kaum noch (was aber eher ein Grund wäre, ihm Aufmerksamkeit zu schenken).


Franziska Dähn u.a.

Grenzenlose Medien - Gegen-Öffentlichkeit

(2012, VSA in Hamburg, 198 S., 16,80 €) Eine spannende Sammlung von Beiträgen zu aktuellen Themen aus der kritischen Medienlandschaft. Sie stammen von der 8. Medienakademie und sind - von einigen Ausnahmen selbstbejubelnder Texte - eine kritische Reflexion z.B. der Dominanz internetgestützter Nachrichtenfluten oder konkrete Berichte zu Überwachungen, Persönlichkeiten oder Debatten. Insofern ist das Buch ein Lesebuch - leicht aufgebläht durch das eingesetzte, dicke Papier und den dadurch legitimierten, etwas überhöhten Preis.


Markus Beckedahl/Falk Lüke

Die digitale Gesellschaft

(2012, dtv in München, 219 S., 14,90 €)

Ein seltsames Buch: Es soll Vor- und Nachteile der zunehmenden digitalen Vernetzung aufzeigen. Doch von den Nachteilen ist wenig zu lesen im Buch. Als Problem werden Lücken in der Digitalisierung beschrieben – zu beheben seien sie dadurch, dass noch mehr Menschen an die Tastaturen oder Touchscreens gebracht werden. Kein Wort zur Veränderung von Kommunikationsformen, zum Verlust von Kreativität und selbstorganisierter Lebenskultur und kein einziger Absatz zu den längst vorliegenden Erkenntnisse über Veränderungen am menschlichen Körper, allem voran der Gehirnstruktur. Mensch muss das nicht bedrückend empfinden, aber es einfach wegzulassen, ist kein seriöser Umgang. Die beiden Autoren zeigen sich hier als klassische AnhängerInnen der absurden Theorie, Freiheit entstehe aus Platinen – sie dürften in der diese Programmatik verfolgenden Piratenpartei gern gesehen sein.


Wikimedia Deutschland e.V.

Alles über Wikipedia

(2011, Hoffmann und Campe in Hamburg, 350 S., 16,99 €)

Wenn Leute, die Wikipedia machen und fördern, über ihr eigenes „Kind“ schreiben, stellt sich die Frage der nötigen Distanz zum Objekt der Betrachtung – zumal wenn es um ein Projekt geht, das auf dem Irrtum einer feststellbaren Wahrheit (bei Wikipedia „NPOV“ genannt) beruht. Leider erfüllt das Buch die Erwartungen. Es bietet zwar durchaus nützliche Informationen zum Werdegang von den ersten Ideen und Versuchen bis zur großen Online-Enzyklopädie. Doch eine kritische Analyse fehlt in dem Buch weitgehend. Der Orientierung am Mainstream werden drei Seiten gewidmet. Danach wird die Sehnsucht, von den Facheliten anerkannt und benutzt zu werden, unhinterfragt als Ziel postuliert. Das Buch ist so zum ersten ein Manifest pro diskursives Herrschen und zum anderen eine Art Konzern-Selbstdarstellung.