2014-01:Kleiner Rückblick zur finnischen Anti-Atom-Bewegung: Renaissance der Atomenergie? - Anti-Atom-Proteste in Finnland

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Kleiner Rückblick zur finnischen Anti-Atom-Bewegung:

Renaissance der Atomenergie? - Anti-Atom-Proteste in Finnland

fb Über viele Jahre wurde Finnland international als das führende Land der sogenannten "Renaissance der Atomenergie" (eine weltweit wachsende Zahl neuer Reaktorvorhaben war von der Atomlobby genutzt worden, um so zu tun als hätte diese Industrie eine blühende Zukunft) betrachtet. Das allererste EU-Reaktordesign, der Europäische Druckwas- serreaktor EPR, entwickelt von der französischen Framatome (heute: Areva) und dem deutschen Siemens-Konzern, sollte als Prototyp in Olkiluoto in Finnland errichtet werden. Gleichzeitig sollte ein Endlager für hochradioaktive Abfälle, genannt Onkalo, in Angriff genommen werden (noch nicht in Betrieb). Atomkraftbefürwortende Medien und Atomlobby behaupteten die finnische Bevölkerung unterstütze diese Pläne, und für einige Jahre war es unmöglich dieses Medienbild zu korrigieren.

Vor einigen Jahrzehnten, als die ersten AKW-Standorte für vier Reaktoren in Loviisa und Olkiluoto etabliert wurden, protestierte eine starke Anti-Atom-Bewegung gegen diese Politik, die bereits einen weiteren fünften Reaktor plante. Nach der Katastrophe in Tschernobyl 1986 schien es, dass dieser neue Reaktor nicht mehr gebaut würde, und die meisten der aktiven Leute wandten sich anderen Angelegenheiten zu. Nur eine kleine Zahl von Aktivist*innen setzte ihre Kampagnen und Bildungsarbeit gegen Atomkraft fort.

Eine neue Anti-Atom-Bewegung entstand seit 2008, als das International Anti-Nuclear (IAN) Festival eine neue Generation von Aktivist*innen zusammen brachte. Seitdem wurden mehrere internationale Kampagnen, Projekte und Veranstaltungen gestartet, die überwiegend auf Olkiluoto-3 (der schon genannte fünfte Reaktor Finnlands), Uranabbau-Vorhaben in Tervola und Ranua sowie das geplante EON-Fennovoima-AKW in Nordfinnland fokussierten.

Anfang November 2012 ereignete sich eine schwere Umweltkatastrophe in dem Nickel- und Uran-Tagebau Talvivaara. Tausende Kubikmeter toxischer und radioaktiver Abwässer wurden aufgrund einer Leckage freigesetzt. Schnell erhoben sich tausende Menschen und protestierten gegen den Uranabbau in Talvivaara und forderten die Schließung der Anlage. Eine große Zahl neuer Aktiver trat aufgrund der Talvivaara-Katastrophe der Bewegung gegen Bergbau und auch der Anti-Atom-Bewegung Finnlands bei. Innerhalb der finnischen Umweltbewegungen betrachten Viele Uran als Bergbauproblem und ein von der Atomkraft völlig abgekoppeltes Thema, wodurch es oft auch an der Vernetzung von Initiativen gegen Bergbauvorhaben, die in Finnland meist auch Uran umfassen, und Kampagnen gegen Atomkraftwerke oder Atommülllager mangelt. Im Falle der Talvivaara-Katastrophe gelang es Initiator*innen dieses Thema zu koppeln und die radioaktive Komponente der Freisetzung des giftigen Bergbau-Cocktails immer wieder anzubringen. Viele neue Initiativen wurden gestartet und es entstand eine enthusiastische Atmosphäre innerhalb der finnischen Anti-Atom-Kämpfe.

Die finnische Anti-Atom-Bewegung besteht aus vielen kleinen Aktivist*innen-Gruppen, teilweise in Austausch mit Umweltorganisationen, aber überwiegend graswurzelartig. 2010 war die öffentlich angekündigte "Olkiluoto-Blockade" das erste landesweite Zusammentreffen finnischer Anti-Atom-Aktivist*innen mit einem größeren Rahmen zur Diskussion von Strategien und um viele Aktivist*innen einmal persönlich zu treffen. Davon abgesehen finden Strategiediskussionen eher lokal statt, und in manchen Regionen wie Finnisch-Lappland (die nördliche Verwaltungsregion Finnlands) oder im dichtbesiedelten Süden stehen Gruppen in einem engeren Austausch miteinander. Spezielle Bewegungen entstanden gegen die Vielzahl neuer Uranabbau-Vorhaben und gegen die Fennovoima-AKW-Neubaupläne.