2013-02:Die Kunst des Liebens

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Erich Fromm:

Die Kunst des Liebens

fb Dieses Buch gilt als eines der wichtigsten und ersten, das sich mit dem psychischen Phänomen der Liebe befasst, und gleichzeitig als das vielleicht wichtigste Buch Erich Fromms. Es behandelt einige wichtige Aspekte, die auch heute, fast 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung, noch der Beachtung bedürfen. Dabei handelt es sich um eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung, die Auswirkungen des Kapitalismus auf das Bild von der Liebe beschreibt und kritisiert.

Die Kunst des Liebens legt dar, dass es falsch ist in erster Linie Liebe eines anderen Menschen zu erhoffen, dass es grundlegend ist selbst und bedingungslos zu lieben. Fromm geht davon aus, dass "Lieben" erlernt werden muss, dass mensch sich bewusst mit ihr auseinandersetzen muss. Er beschreibt und kritisiert die marktwirtschaftlich geprägte Liebe, die - wenn heute auch meist unbewusst - nach Erfolg, Prestige und auch Macht strebt. Er analysiert, dass als Herausforderung der Liebe ein "Objekt" - die andere Person, die die eigenen Gefühle auslösen und zu selbigen animiert werden müsse - statt die Fähigkeit zu lieben als etwas zu entwickelndes zu erkennen.

Nervend sind das Buch durchziehenden gottbezogenen Formulierungen, die vielleicht Resultat der streng religiösen Einflüsse aus seinem Elternhaus sind. Im Vorwort betont Fromm zwar, dass er sich bemüht habe in einer einfachen, klaren Sprache zu schreiben; das ist offenbar aber nur bedingt gelungen. Manchen seiner Ausführungen zu folgen ist anstrengend, und auch die predigende Form, in der er die seiner Meinung nach wichtigen Fakten wiederholend vorträgt, wirkt nervend und pädagogisch.

Zu bemängeln ist auch der Verzicht auf Quellenverweise bzw. Bezugnahme auf Fachliteratur. Auch dies begründete er damit, dass er das Buch möglichst einfach schreiben wollte - dadurch werden seine Überlegungen abgewertet, die ohne weitere Erläuterungen und Begründungen manchmal aus der Luft gegriffen wirken. Da er keine Quellen angibt und oft auch keine tiefergehenden Erklärungen liefert, muss mensch ihm also einfach glauben - oder seine Darlegungen wenig begründet finden. Vielleicht gibt es die fachwissenschaftlichen Grundlagen ja, aus denen er seine Überlegungen ableitet, vielleicht hat er in anderen Werken besser dargelegt, wie sich seine Annahmen begründen. Hier fehlen diese Angaben jedoch, die dem Buch einen höheren praktischen und theoretischen Wert geben würden.