2013-02:Bewegung zur Abschaffung von Atomwaffen

Aus grünes blatt
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Erinnern an Hiroshima und Nagasaki

Bewegung zur Abschaffung von Atomwaffen

Einige mögen den Flyer von „I CAN“ oder „Atomwaffen frei jetzt“ gesehen haben, vielleicht hat der ein oder andere von euch ja auch das Fasten in Berlin und die Blockade in Büchel an der Mosel unterstützt... Ich hoffe viele von euch haben sich die Zeit genommen sich daran zu erinnern, was 1945 in Hiroshima und Nagasaki geschah und welcher Gefahr wir auch heute noch gegenüber stehen. Ich wollte am 2., am Fasten vor dem Bundeskanzleramt damit beginnen und wollte mich dort einer Gruppe anschließen, wie ich es im letzten Jahr in Paris gemacht hatte (Dieses Jahr waren da rund 60 Leute!). Unglücklicherweise war ich zu früh, wie ich am nächsten Tag erfuhr, und die Konsequenz war, dass ich 3 Stunden in praller Sonne zwischen Bundeskanzleramt und Brandenburger Tor hin und her geirrt bin, bis ich mich entschloss einfach einen Freund zu besuchen.

Er war ziemlich skeptisch und zweifelte an der Sinnhaftigkeit davon, Druck zu machen, aber er verstand dann irgendwie doch, warum wir fasten wollen und kam am Samstag später auch zum Fasten vor dem Kanzleramt, um sich zu informieren und unterschrieb sogar die Petition. Wir lernten Mathias Engelke und seine Frau kennen, die das ganze nun schon das 12. Mal machen und immer einen Tag dranhängen, bis Schluss ist mit Atomwaffen (in Deutschland)!

Neben einer Frau von Anti-Atom Berlin und zwei anderen Interessierten, die uns für ein paar Stunden begleiteten, war mein Kumpel somit einer, der half, mich nicht komplett an Berlin verzweifeln zu lassen – Weltstadt, wo warst du??? Klar, es kamen auch vereinzelt Gespräche zustande, und zumindest die Polizei (ja, auch mit denen) und vielleicht die Leute hinter den Kameras, die den Platz überwachen, hatten immer ein Auge auf uns... Naja, ich musste an diesem Samstag allerdings am späten Nachmittag schon wieder zurück nach Ostfriesland, weil ich in Emden die Ankunft der Beluga erwartete (ein Greenpeace-Schiff).

Am Dienstag widmete ich mich wieder dem Fasten und der Aktion in Büchel und ich fuhr mit dem Zug nach Cochem an der Mosel, um von da den Bus rauf zum „Flughafen“ zu nehmen. Es war schon spät, als ich ankam, und ich musste noch mein Zelt aufbauen. Die Leute, die fasteten, hatten einen eigenen Pavillon direkt vor dem Haupttor neben der Straße, andere, die nach und nach dazu stießen, bauten das Camp für die Blockade am Sonntag auf. Ich begrüßte Mathias und seine Frau und ich glaube, wir haben dann noch einen ersten öffentlichen Gottesdienst abgehalten, was immer noch ein bisschen dichter am Bomben-Übungsplatz geschah.

Mathias Engelke lud dreimal am Tag dazu ein, am Gottesdienst teilzunehmen. Diese waren sehr gut vorbereitet: Im Zentrum war eine Weltkarte, auf der Uran-Abbaugebiete, Atomtests und Unfälle mit Radioaktivität verzeichnet waren, und es gab eine Auswahl an Liedern (zum Beispiel „weiches Wasser" von Günter Wallraff), die gesungen wurden. Während diesen Zeremonien gab es immer auch Raum für persönliche Gedanken, Anregungen und Gespräche.

Ich fühlte mich gut, als ich den nächsten Morgen aufwachte, das Wetter wechselte zwar ständig, aber es blieb insgesamt trocken. Ein Mann bot an, jeden Morgen vor dem Frühstück zum Vulkansee zu fahren. Mathias und einige andere aus der Fastengruppe standen schon zu beiden Seiten vor dem Tor zum Flugplatz und verteilten Briefe an die Soldaten. (Sie sollten erfahren, warum wir uns gegen Atomwaffen einsetzen, und sollten Hilfe bekommen, wenn sie sich entschließen zu erklären, dass sie keine Arbeit, die direkt oder indirekt mit Atomwaffen zu tun hat, mehr machen wollen.) Nach der Andacht gab es erste Gespräche mit Soldaten, ich hab geschaut, was ich im Camp helfen kann und bin dann erst mal ein bisschen in die Landschaft spaziert.

Donnerstag: Es gab viel zu tun, ich hab also sofort zugesagt, als ich von zwei Zwillingsschwestern gefragt wurde, ob ich mir zutraue, ein Auto zu fahren. Wir sind nicht geflüchtet, sondern wir haben einen Schwung Plakate und Handzettel genommen und sind damit bis in die Touristen-Hochburg Cochem gefahren, um sie zu verteilen. Wir trafen unter anderem eine erste Musikantin von den Lebenslauten, und als wir wieder oben im Camp ankamen war Rampenplan da, die ihre Küche mit hatten und gegen Spende (mit Preisempfehlung) drei Mahlzeiten am Tag anboten! Fantastisch!

Später am Abend war ich noch einmal in Cochem und habe während eines Gottesdienstes vor der Kirche erfolgreich Unterschriften gesammelt.

Freitag: Ich ging mit ein paar anderen schwimmen. Das Camp wuchs und ich sah die Bikers for Peace, IPPNW, Atomwaffen frei jetzt, die Lebenslaute und mehr Gruppen. Es gab weiterhin viel zu tun. Nina Hagen sollte am Sonntag kommen, wie auch Claudia Roth. Aus Japan bekamen wir eine Videobotschaft von einer Frauengruppe, die uns Solidarität bekundeten und uns Erfolg wünschten. Die Presse hatte schon über die Vorbereitungen und das Fasten geschrieben und heute gabs im Camp eine Pressekonferenz. Es gab wirklich ein Team, das versuchte, eine direkte Satellitenverbindung herzustellen; der sonstige technische Support kam von einem benachbarten Veranstaltungstechniker, der sein Lager direkt neben dem Camp hatte. Zugverbindungen nachgucken war also kein Problem für mich.

An diesem Tag wurde auch die Gruppenfindung organisiert, die wichtig für die Blockade war. Es gab auch ein Zelt, in dem Rechtshilfe stattfand, falls jemand Schwierigkeiten bekommen sollte. Was mir noch auffiel, war, dass das Militär ihre Zäune hochzog und es territoriale Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und der Polizei gab. Amerikanische Soldaten habe ich im Übrigen nur einmal aus der Ferne auf der anderen Seite des Zaunes gesehen, ein Amerikaner, der bei den Lebenslauten Trompete spielte, hatte im Camp allerdings mächtig Geschichten zu erzählen, und ich hab mich gefreut, ihn kennenlernen zu dürfen.

Die Nacht verbrachte ich am Tor 2. Ich und ein älterer Herr haben dort auf die Sachen aufgepasst, die dort jetzt in einem alten NVA-Zelt deponiert waren.

Sonntag: Als ich aufstand konnte ich mir ein herrliches Panorama reinziehen, in dem die Sonne langsam ihren Lauf nahm. Wir warteten noch, bis die anderen zu uns kamen, um alles für die Blockade-Aktionen vorzubereiten, und luden noch einen Wagen aus, dann machte ich mich auf den Weg zurück zum Haupttor. Der Mittag sollte ein Höhepunkt werden, und die Lebenslaute eröffneten die Blockade mit einer schönen Mischung verschiedener Musikstile in Form eines richtigen Orchesters. Die Bühne stand dort, wo vorher der Pavillon unserer Fastengruppe gestanden hat, und ich hab von dieser Stelle noch ein paar schöne Fotos gemacht.

„Das Gift heißt Geld…“, aber die richtige Dosis machts und darum mußte ich leider los, bevor die eigentliche lange Blockade-Nacht losging. Zum Glück hatte ich schon im Vorfeld gehört, dass die meisten deutschen Soldaten den kommenden Montag wohl frei bekommen hatten und ich wusste, was ich mit vorbereitet habe…

Jetzt heißt es dran bleiben! Ich will wissen, was noch los war in Büchel und wann die rund 20 atomaren Sprengköpfe endlich abgezogen werden. Wann müssen wir die Drohung eines atomaren Krieges endlich nicht mehr ernst nehmen… Was ich in Büchel gelernt hab, hat mir gezeigt, wie viel ich über die Folgen von Atombomben noch nicht weiß. Ich hoffe, die Politiker trauen sich jetzt, ihren Worten Taten folgen zu lassen, und auch Überschneidungen von deutschem Recht und NATO-Beschlüssen müssen den Einsatz von Atomwaffen klar ausschließen! Die Friedensbewegung ist nicht tot, die Frage ist nur, auf welcher Seite du stehst!

Für Falk, den gerade geborenen Sohn meiner Schwester, alle Anti-Atom Aktivisten, und für die Zukunft!

Onno Oncken