2012-01:AKW Olkiluoto blockiert

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20. August: Finnisches Atomkraftwerk Olkiluoto von internationalen AktivistInnen blockiert

fb Eine Blockade von über 100 AktivistInnen aus Finnland, Schweden, Deutschland, Russland, Frankreich, Großbritannien und Belarus stoppte am 20. August mehrfach den Verkehr auf den Zufahrtstraßen zum umstrittenen Atomkraftwerk (AKW) Olkiluoto in Finnland. Die Polizei hatte angekündigt diese 2011 zum zweiten Mal stattfindende Aktion verhindern zu wollen und drängte die DemonstrantInnen immer wieder von der Straße an eine Bushaltestelle ab. Trotzdem gelang es mehrere Male die Hauptzufahrstraße für einige Minuten zu blockieren und eine weitere Zufahrtstraße wurde durch ein Tripod, eine hölzerne Dreifußkonstruktion, auf dessen Spitze eine Aktivistin saß und an das drei weitere AktivistInnen angekettet waren, für etwa zwei Stunden gesperrt.

Olkiluoto ist eine Halbinsel an der Westküste Finnlands und einer von zwei Atomkraftwerk-Standorten des Landes. Dort wird gerade an dem Pannenreaktor Olkiluoto 3 gebaut, der bereits 2009 in Betrieb gehen sollte, aber noch immer nicht fertig gestellt ist. Statt dessen sind die Kosten inzwischen fast doppelt so hoch wie geplant und hunderte Baufehler, die zeitweise zur Unterbrechung der Arbeiten führten, wurden von seiten der Behörden bemängelt. Der französische Konzern Areva, an dem die Atomsparte von Siemens beteiligt ist, ist federführend beim Bau des Prototyps des EPR, des sogenannten “Europäischen Druckwasserreaktors".

Im Sommer letzten Jahres beschlossen die finnische Regierung und das finnische Parlament gegen die für finnische Verhältnisse massiven Proteste den Bau von zusätzlichen zwei bis drei Reaktoren. Deren Energie braucht in Finnland niemand; stattdessen wird auf lukrative Stromexporteinnahmen gebaut. Absurderweise kalkulieren im Prinzip alle Neubauvorhaben rund um die Ostsee mit dem Export ihres Atomstroms, obwohl es ein Überangebot an Elektrizität gibt und die neuen Atomkraftwerke alle um dieselbe kleine Zielgruppe buhlen müssten. In Finnland ist der Bau von Olkiluoto 3 jedoch vor allem ein strategisches Projekt der deutsch-französischen Atomindustrie, die dringend ein Vorzeige-AKW braucht, um den EPR international vermarkten zu können. Kosten spielen offensichtlich eine nachgeordnete Rolle.

Die Olkiluoto-Blockade fand am 20. August zum zweiten Mal statt und brachte Menschen aus verschiedenen Teilen Finnlands und anderen europäischen Ländern zusammen auf die Straße. Ein Jahr zuvor, am 28. August 2010 war es die erste öffentliche Straßenblockade einer Atomanlage, die jemals in Finnland stattgefunden hatte. Sie war mit Unterstützung von einer Vielzahl europäischer und finnischer Umwelt- und Anti-Atom-Gruppen gestartet worden. Das im März 2010 in Helsinki stattfindende Gathering des Nuclear Heritage Networks, eines internationalen Netzwerks von Anti-Atom-AktivistInnen hatte die Blockadeidee initiiert und gemeinsam mit den verschiedensten finnischen NGOs und Gruppen entwickelt. Ziel war es den internationalen Ruf Finnlands als Land der angeblichen “Rennaissance der Atomenergie” in Frage zu stellen und zu zeigen, dass auch in diesem von der Atomlobby so massiv bedrängten Land Atomkraft keinen Rückhalt in der Bevölkerung hat.

Für finnische Anti-Atom-AktivistInnen war die Olkiluoto-Blockade auch eine wichtige Gelegenheit zum Treffen und Austausch, da es bisher ansonsten keine überregionalen Organisierungsstrukturen für eine gemeinsame Anti-Atom-Strategie gibt. Sowohl im Süden als auch im Norden gibt es starke Netzwerke von lokalen Initiativen und Vereinen, die sich bereits erfolgreich gegen einzelne Uranabbau- und AKW-Neubauvorhaben wehrten. Querverbindungen zwischen diesen entstehen jedoch erst durch gemeinsame Großaktionen wie die Olkiluoto-Blockade oder die Anti-Atom-Infotour rund um die Ostsee, die ebenfalls 2010 stattfand.

Im Sommer 2012, wenn voraussichtlich die nächste große Aktion zivilen Ungehorsams gegen die Atompolitik in Finnland stattfindet, wäre es gut, wenn mehr AktivistInnen auch aus der BRD teilnehmen würdet. Überlegt doch schon mal in euren Gruppen, ob ihr eine eigene Blockade machen wollt, oder einen Bus nach Olkiluoto organisieren oder zumindest mit Anderen gemeinsam zur Unterstützung der finnischen Anti-Atom-Bewegung zur Blockade fahren wollt.

Falk Beyer


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