2011-01:Freie Menschen in freien Vereinbarungen II

Aus grünes blatt
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Inhaltsverzeichnis

Aufruf zum Mitdenken und -diskutieren:

Freie Menschen in freien Vereinbarungen II

(jb) 2000 erschien das Buch „Freie Menschen in freien Vereinbarungen“ erstmals. Es lag in gedruckter Form vor, konnte als Gesamtes auch heruntergeladen werden (PDF) und stand auf www.opentheory.org als Debatte bereit. Inzwischen sind Jahre ins Land gegangen und das Buch (fast) vergriffen (Restexemplar über www.aktionsversand.de.vu). Nun soll es neu entstehen - und das in einem Prozess, in dem alle, die das wollen, mitmischen können.

Dazu soll dieser Aufruf auch anregen. Die Textentwürfe für das neue Werk sind inzwischen verfasst - im Gießener Gefängnis, wo einer der AutorInnen aus der Gruppe Gegenbilder bis 22.3.2011 einsaß (http:// weggesperrt.blogsport.eu). Das hat natürlich wenig mit der Qualität der Texte zu tun, aber schon damit, dass sie gerade jetzt alle fertiggestellt wurden - und die Debatte damit losgehen kann:

  • Holt Euch die Texte und lest, wozu Ihr Lust habt. Macht Anmerkungen in den Ausdrucken (oder als Notiz im Dokument) und schickt die zu. Längere Textvorschläge wären auf jeden Fall schön, auch als Datei zu erhalten - andererseits sind zum Einarbeiten Ausdrucke mit handschriftlichen Anmerkungen einfacher.
  • Gern können auch Veranstaltungen oder Workshops vereinbart werden, in denen über die Ansätze diskutiert wird.

Was ist die Idee des Buches?

„Freie Menschen in freien Vereinbarungen II“ soll in kompakter Form eine wissenschaftliche (nicht: objektive) Basis für die Diskussion um herrschaftsfreie Gesellschaft liefern. Denn diese passt viel besser zur Natur und Evolution der Materie, des Lebendigen und der Menschen. Denn die sind alles andere als starr und linear, sondern selbstorganisierend und kreativ. Alte und moderne Herrschaftsformen, auch demokratische Rechtsstaaten müssen das Menschliche brechen. Wie Befreiung aussehen kann, was emanzipatorischer Wandel bedeutet, das soll in diesem Buch dargestellt werden - nicht als Rückgriff auf verstaubte Theorien des vorletzten Jahrhunderts, sondern abgeleitet aus einem aufklärenden, aber skeptischen Blick auf den Stand des Wissens. Ohne Anspruch auf Wahrheit, sondern als Baustein auf der nach oben offenen Entwicklungsleiter kultureller Evolution.

Gliederungsentwurf

Diese Übersicht zeigt die Planung für die zweite Auflage des Buches „Freie Menschen in Freien Vereinbarungen“. Alle Kapitel sind als Entwurf in Form von Internetseiten vorhanden. Aus ihnen soll im Herbst 2011 das neue Buch gedruckt werden. Bis dahin ist die Diskussion eröffnet - per Mail, Brief, als Ausdruck der Kapitel mit Anmerkungen, als neue Textbeiträge oder auch in Foren. Dafür dürfen die Textentwürfe oder besonders diskutierte Passagen gerne auch gespiegelt oder in Diskussionsforen übertragen werden. Wenn eine Mitteilung darüber gemailt wird, kann der jeweilige Link auf die Diskussionsseiten beim passenden Text eingefügt werden. Unter www.herrschaftsfrei.de.vu findet sich das Einleitungskapitel, ein Link zur nächsten Seite (so geht es dann auch weiter) und ein Link zur gesamten Gliederung, die dann einen Überblick und alle Links enthält.

Die Kapitel:

  1. Einführung (www.projektwerkstatt.de/hoppetosse/ emanzipat/debatte.html)
  2. Geschichte sozialer Organisierung (.../herrschaft.html)
    1. Soziale Organisierung als Prozess (.../formen.html). Notwendigkeit zur gesellschaftlichen Arbeitsteilung, Entstehung von Kontrolle, Hierarchien usw.
    2. Geschichte formaler Herrschaft: Institutionen der Normierung, Kontrolle und Sanktion (.../institutional.html). Wandel und Formen der institutionellen Macht (Staat, Kirche, Ähnlichkeit der Durchsetzungsorgane in allen Systemen usw.) sowie zu modernen Funktions- und Deutungseliten, dem Verhältnis von Metropole zu Peripherie usw.
    3. Geschichte der Produktivkraft und die ökonomische Unterdrückung des Menschen (.../produktiv.html)
    4. Diskurse und Verhaltenssteuerung (.../diskurs.html). Bildung, Medien, Religion, Moral, Gesetze, Normen
    5. Konstruktion von Einheit und Gemeinwille (.../wirundalle.html). Instrumentalisierung und Repräsentation, Integration und Assimilierung
  3. Theorie herrschaftsfreier Gesellschaftsgestaltung
    1. Was ist die Welt und das Leben? Idee und Materie (.../logik.html). Den Widerspruch zwischen materialistisch-deterministischen und rein ideellen Theorien auflösen. Themen wie Selbstorganisierung von Materie ... ich würde gerne eine Art „anarchistischen Materialismus“ formulieren. Will heißen, dass alles eine materielle Basis hat, Materie aber ungemein dynamisch ist (z.B. das Gehirn, wo Gedanken sich als Synapsen niederschlagen - oder auch das Genom, welches mit der starren Ideologie in der Genetik nicht zu erfassen ist). Weitere Stichworte: Dekonstruktivismus, Wahrnehmung, Wahrheit
    2. Was ist der Mensch? Losgelöstheit, Leben in offenen Systemen (.../mensch.html). Emanzipation von Scheingeborgenheit vermittelnden Ankern (Mutter/Eltern, Volk, Clique, Nation, Gott). Herrschaftsfreiheit ist immer unklar hinsichtlich der Zukunft. Die ist immer offen. Weitere Stichworte: Was ist die menschliche Natur?
    3. Selbstentfaltung und gleiche Möglichkeiten (.../selbst.html)
    4. Eigennutz und Gemeinnutz, Autonomie und Kooperation (.../autokoop.html). Inhalt: Wie Egoismus und Kooperation zusammenfallen. Menschliche „Natur„ ist dafür egal, weil es um die Bedingungen geht, die dann prägen - von welchem Ausgangspunkt auch immer aus.
    5. Mensch - Natur - Technik (.../natur.html)
  4. Worum geht es? Strategien herrschaftsfreier, sozialer Organisierung (.../strategie.html). Hier ginge es vor allem um das Verhältnis der beiden zueinander, die Notwendigkeit der Verknüpfung und warum eine gute Theorie die Impulse aus der praktischen Anwendung braucht. Es werde allgemeine Anforderungen für eine Umsetzung benannt, unter anderem
    1. Befreiung als Prozess, u.a.: Emanzipation (.../prozess.html)
    2. Utopie und Skepsis, u.a.: Dialektik (.../fragendvoran.html)
    3. Horizontalität und offene Systeme (.../offen.html)
    4. Koordinierung und Kooperation: Räte, ratlos oder was? (.../raetesystem.html)
    5. Ökonomie ohne Zwang und Unterdrückung (.../oekonomie.html)
  5. Praktische Organisierung von Autonomie und Kooperation (.../praxis.html). Beispiele für gleiche Möglichkeiten, offene Räume, Wissensorte, Konfliktaustragung usw. im Hier und Jetzt. Im Einleitungstext finden sich Kurzbeschreibungen zu offenen Räumen, Lern- und Wissensorten und den mit jeweiligem Verweis auf ausführlichere Texte in „Autonomie&Kooperation“ und „HierarchNIE!“.
    1. Commons und Eigentumslosigkeit (open access) (.../commons.html)
    2. Streitkultur (.../streit.html)
    3. Umgang mit Umwelt und Rohstoffen (.../umweltschutz.html)
    4. Große Infrastruktur und High-Tech (mit Fallbeispielen Wasser/Energie und Mobilität) (.../bsp_strasse.html)
    5. Praxis von Bewegung und Widerstand (.../widerstand-hierarchiefrei.html)
  6. Anhang
    1. Glossar (Ergänzen und Aktualisieren des Glossars aus 1. Auflage direkt auf www.opentheory.org/gegenbilder_5-2/text.phtml)
    2. Literatur (.../literatur.html)

Kontakt:
Jörg Bergstedt c/o Projektwerkstatt Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen
Email: joerg@projektwerkstatt.de

Gliederung und Links zu den Kapiteln siehe oben und www.projektwerkstatt.de/hoppetosse/lesefenster/gliederung.html
Einstiegsseite: www.herrschaftsfrei.de.vu


In Planung:

  • Seminare zur Diskussion der wichtigen Thesen und Inhalte von „Freie Menschen in freien Vereinbarungen“
  • Herbst 2011 in der Projektwerkstatt Saasen: Wahrscheinlich zwei Termine für
    • Welt, Mensch, Selbstentfaltung
    • Strategie und Praxis

Genauere Infos folgen. Wer sich unter der Email-Adresse meldet, erfährt mehr!


Rezensionen zu Utopien

Amartya Sen Die Identitätsfalle
(2010, dtv in München, 208 S., 9,90 €)
Ein wichtiges, provozierendes und doch am Ende noch unvollständiges Buch. Die Fragestellung ist klar: Sind Konflikte zwischen scheinbar einheitlichen Gruppen die Folge derer Identität, also klar umreißbarer Unterschiede, die die Gruppe kennzeichnen? Oder werden diese Identitäten konstruiert, um die Kriege führen zu können oder sind Konflikte Folge solche Konstruktionen? Sen beantwortet die Frage eindeutig: Die einheitlichen Identitäten gibt es nicht. Tatsächlich sind alle Menschen Teil unterschiedlicher identitärer Gruppen, d.h. sie sind immer eine Mischung von Identitäten. Werden einzelne herausgehoben und die Menschen auf diese eine Identität reduziert, wird es gefährlich. Dann können Christen und Muslime Kulturkämpfe austragen, obwohl sich ihre sonstigen Prägungen überlagern. Was fehlt im Buch: Die Identitäten sind nicht nur plural, sondern auch in dieser Vielfalt noch konstruiert. Jede Identität ist Vereinheitlichung.

Hans Jürgen Krysmanski Hirten & Wölfe
(2.Auflage 2009, Westfälisches Dampfboot in Münster, 313 S.)
Wie werden moderne, kapitalistisch-demokratische Gesellschaften gesteuert? Sind die Reichen besonders mächtig - und wenn ja, wie weit reicht ihr Einfluss? Diesen und weiteren Fragen geht der Autor nach. Er tut das in einer angenehmen Vorsichtigkeit, denn vielfach führt der Blick auf die Reichen der Welt zu neid- oder verschwörungsschwangeren Theorien, die vor allem unter „den Gefahren der Vereinfachung und Mythologisierung“ (S. 182) leiden. Das Buch ist aufklärerisch, d.h. es erlaubt intensive Einblicke in die Netzwerke „teil kooperierender, teil konkurrierender Eliten“. Einige Blicke gehen auch auf die anderen Teile der Funktionseliten - und damit relativiert sich die Macht des Geldes. Es ist nur ein Einflussmittel. Aber es ist das auch.

Bettina Fackelmann Ambivalenz der Macht
(2010, Carl Auer Verlag in Heidelberg, 286 S., 25,95 €)
Ein kompliziertes Buch über öffentliche Verwaltung und die Mechanismen des Informationsaustausches, der Macht und Steuerung in ihnen. Die Autorin versucht intensiv, Begrifflichkeiten und Theorieansätze zu klären, um mit ihnen dann die Funktionsweisen kommunaler Ämter durchleuchten zu können. Dadurch gerät das Buch aber immer wieder zu einer Art philosophischer Enzyklopädie und ist unter diesem Aspekt auch wertvoll, verliert aber den Bezug zur Praxis des Handelns von Verwaltung, welches eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte. Verwirrung schafft auch der Begriff Organisation, der hier etwas unklar und eher gleichlautend mit Verwaltung gebracht wird. Zitate und Theorien aus Unternehmens- und Bewegungsstrukturen fließen dann etwas unvermittelt in die Abhandlung ein. Empfehlenswert als Fundgrube der Machtanalyse von Verwaltung, schwierig als Lesebuch zum besseren Verständnis politischer Gestaltung.

Klaus Kremb Weltordnungskonzepte
(2010, Wochenschau Verlag in Taunusstein, 127 S.)
Vier epochale politische Veränderungsstrategien und eine allgemeine Einleitung bilden die Kapitel des kleinen Büchleins. Durchgehend werden dabei Gegensatzpaare aufgestellt, die in der Einleitung bereits die Absatzüberschriften bilden. Konsequent ist dann der Kommunismus das Gegenteil liberaler Weltkonzepte und die Geschichte ein Ringen um Hoffnung und Enttäuschung. Letztlich macht damit das Buch aber genau die Logik auf, die Identität, Innen und Außen, Gute und Böse schafft - und das verbindende Element aller herrschaftsförmigen Gesellschaften darstellt, die so ihre Legitimation im Diskurs selbst schaffen.

Kenneth J. und Mary Gergen Einführung in den sozialen Konstruktionismus
(2009, Carl-Auer-Systeme Verlag in Heidelberg, 118 S., 12,95 €)
Es gibt keine Wahrheit, sondern jede Wahrnehmung hängt von dem Mitteln ab, mit der sie wahrgenommen wird - ob wissenschaftlich, religiös oder anders. Mit diesem Büchlein betonen die AutorInnen aber die Entstehung von Wahrnehmung als zwischenmenschliche Interaktion. Sie unterscheiden deshalb ihren Begriff Konstruktionismus vom individualistichen Konstruktivismus - zugegeben etwas pedantisch, aber wertvoll im Hinweis, dass Begriffe und Wirklichkeit in der Kommunikation entstehen. Daraus werden Konzepte für Therapien, Sozialforschung und Bildung abgeleitet.

Uri Gordon Hier und jetzt
(2010, Edition Nautilus in Hamburg, 256 S., 18 €)
Die anarchistische Theorie außerhalb des deutschsprachigen Raumes lebt stärker als hier von der Praxis des Alltags und des politischen Kampfes. Das zeigt auch dieses Buch - es ist erfrischend anders als die deutschen Langweiler von Graswurzelrevolution bis FAU. Hier geht es um Aktionen, Debatten und Organisierungsversuche. Das Buch ist eher ein Mosaik der bunten, bisweilen chaotischen Welt anarchistischer Kultur. Es ist keine systematische Abhandlung anarchistischer Entwürfe. Wichtige Fragen sind unter anderem die Gewalt- und die Technikdiskussion.

Andreas Kilian Egoismus, Macht und Strategien
(2009, Alibri in Aschaffenburg, 212 S., 16 €)
Ein Buch archaischer Verhaltensantriebe des Menschen. Diese werden beschrieben, bewertet und auf moderne Verhaltensmuster übertragen. Das regt zum Nachdenken an in zweierlei Form: Zum einen, wieweit tatsächlich Triebe und alte Traditionen der Grund für etliche antiemanzipatorische Verhältnisse sind. Zum anderen aber auch, ob dieses Buch nicht vor allem auf wirren, aber abenteuerlich und damit interessant klingenden Phantasien entspringt. Dummerweise sind zwar im Anhang viele Literaturangaben enthalten, aber im Text befinden sich überhaupt keine Hinweise, worauf die vielen Annahmen beruhen. Auffällig häufig werden patriarchale Unterdrückungsmechanismen den Frauen in die Schuhe geschoben, denen sie angeblich mal genutzt haben sollen. So läuft das Buch Gefahr, Legitimationshilfe genau für solche Muster zu sein.

dtv-Atlas Politik
(2010, dtv in München, 304 S., 12,90 €)
Ein hübsches Buch mit vielen farbigen Abbildungen und einer hohen Informationsdichte in kleiner Schrift. Der Atlas ist nicht alphabetisch, sondern in einer Mischung aus Chronologie und Systematik gegliedert. So werden verschiedene Staatstheorien in der Reihenfolge erwähnt, in der sie geschichtlich aufgetreten oder entworfen wurden. Leider dominieren meist Quellen- und Literaturangaben die Texte, während inhaltliche Passagen sehr kurz ausfallen. Zudem wird im wesentlich die klassische Schul- oder Lehrbuchmeinung vertreten. Kritische Blicke werden verschwiegen, stattdessen vieles einfach so benannt als gäbe es keine abweichenden Meinungen (z.B. die Behauptung, die Justiz sei in Rechtsstaaten unabhängig).