2009-02:Zwischen Global Governance und Post-Development

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Zwischen Global Governance und Post-Development

jhc EntwicklungstheoretikerInnen werden um dieses Buch nicht herum kommen, doch insbesondere auch EntwicklungspolitikerInnen/praktikerInnen möchte ich die Thesen von Aram Ziai ans Herz legen, denn sie eröffnen einen selbstreflektierten Blick auf das eigene politische Handeln. Aram Ziai, der zur Zeit Gastprofessor für Internationale Entwicklung an der Universität Wien ist, betrachtet entwicklungspolitische Diskurse im Sinne von Michel Foucault und elaboriert die Formationsregeln dieses Diskurses, um die dahinterliegenden Machtprozesse zu identifizieren. Ziel ist es sich der diskursiven Konstruktion der sozialen Wirklichkeit bewusst zu werden, denn: „Sich der historischen Bedingtheit, der Kontingenz und der politischen Dimension der verschiedenen Diskurse – auch der eigenen – bewusst zu werden, ist jedoch Voraussetzung nicht nur für Prozesse der Verständigung, sondern letztlich auch für Prozesse der Emanzipation“.

Nach einer kurzen Einführung in Foucaults Diskursanalyse und der historischen Transformation des kolonialen zum Entwicklungsdiskurs behandelt das Buch zwei Themen: Im ersten Teil untersucht Ziai zentrale Begrifflichkeiten des heutigen Entwicklungsdiskurses anhand einiger Texte, die jedoch sehr punktuell gewählt wurden und die die Reichweite seiner Thesen eindeutig reduzieren. Hierzu gehören u.a. allgemeine Begriffe wie Entwicklung, Migration und Neoliberalismus, aber auch speziellere Konzepte wie Global Governance, Good Governance und der Entwicklungsdiskurs des BMZ unter der rot-grünen Bundesregierung. Insbesondere da Ziai selbst immer wieder die Heterogenität der entwicklungspolitischen Diskurse und die Prozesshaftigkeit eben jener Diskurse betont, ist dieser Teil zwar sehr kritisch geschrieben, aber dennoch sehr belebend.

In einem zweiten Teil betrachtet er die unterschiedlichen Strömungen der Post-Development-Theorien und fasst diese in zwei rivalisierende Diskurse zusammen – in die neo-populistische und in die skeptische Variante des Post-Development. Während erstere „traditionelle Kulturen romantisiert, Kulturen als festgefügt und statisch konzipiert, auf einer vollständigen Ablehnung der Moderne beruht und die Rückkehr zur Subsistenzwirtschaft propagiert“, bevorzugt Ziai eher die letztere Perspektive, die „kulturelle Traditionen skeptischer bewertet, die Kritik an der Moderne vorsichtiger formuliert, sich einer konstruktivistischen Sichtweise auf Kultur bedient und auf Skizzen zukünftiger Gesellschaftstransformationen verzichtet“. Eben dieses emanzipatorische Potenzial des radikaldemokratischen Projekts im Post-Development sollte nicht übersehen werden, da dieser sich dem klassischen Entwicklungsdiskurs entledigt und die Definitionshoheit über die eigenen Bedürfnisse den betroffenen Menschen selbst überlässt.

Insgesamt stellt das Buch zwar eher eine Zusammenstellung einzelner Aufsätze als eine allumfassende Analyse dar – doch dies schmälert nicht die Bedeutung dieser Ideen: gerade für Nicht-WissenschaftlerInnen bietet es gute Anreize die eigene Arbeit zu reflektieren und die eigene Produktion von Diskursen kritisch hinterfragen zu lassen.

  • Aram Ziai: Zwischen Global Governance und Post-Development. Entwicklungspolitik aus diskursanalytischer Perspektive. (einsprüche Band 17).
  • Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2006
  • 172 Seiten
  • ISBN 978-3-89691-592-4