2008-03:Das grüne Gold der Gene

Aus grünes blatt
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Das grüne Gold der Gene

jhc Wissenschaftler stellen einen von Menschen verursachten Verlust der Artenvielfalt fest und werten dies als ein wichtiges globales ökologisches Problem. Joscha Wullweber sieht darin zudem einen zentralen politischen Konflikt: Durch internationale Abkommen, etwa der 1992 verabschiedeten „Konvention über biologische Vielfalt“, soll der Verlust des Artenreichtums gestoppt werden, indem Eigentumsrechte in Form von Patenten auf Teile der Natur vergeben werden.

Der Erfolg dieser Strategie, die beispielsweise Saatgutmonopole zur Folge hat, wird allerdings bezweifelt, und sie wird auch bekämpft. Indigene Gesellschaften bezeichneten die Patentierung genetischer Ressourcen als Biopiraterie, so Wullweber. Anliegen der sehr detaillierten Untersuchung ist es, den Ansatz „Schutz der biologischen Vielfalt durch Privatisierung“ zu hinterfragen. Die Arbeit erläutert die Begriffe Biodiversität und traditionelles Wissen, benennt Akteure und Interessen in diesem Konflikt und beleuchtet die staatliche Regulierung vor allem in Form internationaler Abkommen.

An drei Fallbeispielen, etwa des indischen Neembaumes, führt der Biologe aus, dass die Patente den Menschen vor Ort, die die biologische Vielfalt gepflegt und erhalten haben, weder von direktem noch indirektem Nutzen sind. Deutlich sei auch, dass die zunehmende Privatisierung genetischer Ressourcen Hand in Hand mit einer weiteren Abnahme der Artenvielfalt gehe, so sein Fazit. Kurzfristig seien Samenbanken in Forschungslabors zwar auch im Sinne des Artenerhalts wertvoll und gut verwendbar. Langfristig aber würde das Wissen, das über Patente angeeignet und konserviert wird, von der Weiterentwicklung innerhalb des traditionellen Umfeldes abgekoppelt. Bestimmte Pflanzensorten könnten für kurzfristige Marktstrategien der Life-Science-Industrie aufgegeben werden, fürchtet Wullweber. Sein ausführliches Buch ist sinnvoll für alle, die in das Thema gründlich einsteigen wollen.

  • Joscha Wullweber: Das grüne Gold der Gene: Globale Konflikte und Biopiraterie.
  • Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2004
  • 191 Seiten
  • ISBN 978-3-89691-594-8