2008-02:Bericht von der ersten Fachleute-Runde zum Projekthaus in Braunschweig

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Projekthaus Braunschweig:

Bericht von der ersten Fachleute-Runde

fb Am 21. Juni fand das erste (organisierte) Treffen fachlich versierter Leute statt, die den Aufbau des Offenen Projekthauses in Braunschweig unterstützen wollen. Hintergrund ist die Idee einer "zukunftsweisenden Sanierung" - das bedeutet, kurz gesagt in Schlagworten: Ökologie, Partizipation, Barrierefreiheit, Selbstorganisation. Beginnend mit dem Planungsprozess über die Organisierung der Modernisierung bis zur baulichen Umsetzung wollen wir mit Methoden experimentieren, um uns der Idee einer emanzipatorischen Gesellschaft auch in unserem Handeln anzunähern. Wir wollen möglichst viel selbst machen (planen, organisieren, bauen), uns dazu die Kompetenzen aneignen bzw. Anderen dieses Wissen und die Praxiserfahrung vermitteln. Es sollen möglichst viele kreative und vielfältige Ideen zusammen kommen. Dieser Prozess soll von verschiedensten fachlich versierten Leuten unterstützt werden: durch Hilfestellungen, Beratung oder auch Anleitung.

Wichtig ist, dass die Realisierung der Ideen möglichst ohne Einsatz von Geld (oder mit wenig Geld) stattfinden kann, dass ein ergebnisoffener Diskussionsprozess abläuft (keine Entscheidungsgewalt aufgrund professioneller Autorität), der untereinander auch gleichberechtigt geführt wird und dass ökologische Materialien (recycelt oder nachwachsende Rohstoffe) bevorzugt werden.

Beim Treffen waren etwa ein Dutzend Leute anwesend. Vier davon waren aus dem Umfeld der Projekthausinitiative, die anderen aus den Bereichen Architektur, Sanierung, Regenerative Energien, Wasseraufbereitung bzw. nicht genauer definierter Art. Darüber hinaus gibt es weitere fachlich versierte Leute, die ihre Unterstützung bzw. ihr Interesse am Projekthaus bekundet haben, aber nicht zum Treffen kommen konnten. Es fehlt aber noch in vielen Bereichen am nötigen Know-How. Was wir nicht selbst leisten können, müssten wir über "den Markt" organisieren - was finanziell und ideell problematisch ist. Weitere Unterstützung ist sehr willkommen!

Das Treffen begann mit einem Überblick über Ideen und Prinzipien des geplanten Offenen Projekthauses und der darin bisher geplanten Projekte. Hervorgehoben wurden dabei die Aspekte der bisherigen Planungen, die sich auf die Sanierungskonzeption auswirken werden. Dies sind z.B. sehr lastenintensive Raumnutzungen wie die Bibliothek, das Materiallager und das Archiv, auf deren Anforderungen in Bezug auf die Statik besondere Rücksicht genommen werden muss. In zwei Bereichen des Hauses sollen großflächige Entkernungen vorgenommen werden: So soll ein kombinierter OpenSpace- und Bibliotheksraum entstehen, der über zwei Etagen geht, auf halber Höhe eine rollstuhltaugliche Galerie umfasst, viele Nischen für OpenSpace-Ecken aufweist und der gleichzeitigen Nutzung als Veranstaltungsraum und als Bibliothek gerecht wird. Der zweite Entkernungsbereich liegt im einetagigen Teil des Gebäudes. Hier soll der Boden zum Keller entfernt und dieser auf halbe Höhe aufgefüllt werden. Der Innenhof soll ein Glasdach erhalten, so dass ein großer, anderthalb Etagen hoher Raum für Kino, Theater und andere große Veranstaltungen entsteht. Auf dem Dach des einetagigen Bereichs soll eine Dachterrasse errichtet werden, die u.a. vom geplanten offenen Café genutzt werden kann. Sie soll über eine neue Außentreppe erreichbar sein.

Vorgestellt wurde auch die Idee zur Verwendung des Spitzdachbodens (derzeit noch nicht ausgebaut) für Schlafräume oder andere Veranstaltungsnutzungen. Diese Nutzung würde erhöhte Anforderungen an den Brandschutz in diesem Bereich stellen, wurde aber als realisierbar eingeschätzt. Zu erwähnen ist auch der Fahrstuhl, der die Erreichbarkeit aller Etagen auch für Menschen gewährleisten soll, die nicht gut zu Fuß sind.

Im Zuge dieser Projektvorstellung wurde die aktuelle Raumbelegungsplanung präsentiert. Diese wurde für den anstehenden Modernisierungsvertrag mit der Stadt (Grundlage für die Bereitstellung städtebaulicher Fördermittel) ausgearbeitet. Im Laufe des weiteren Planungsprozesses kann dieser Plan überarbeitet und geändert werden. Eine Kleingruppe befasste sich bereits mit dem Plan und machte einige Verbesserungsvorschläge.

An die Präsentation der Projektplanungen schloss sich die Vorstellung des Sanierungsplanungskonzepts an. Geplant sind weitere Fachleute-Runden zur Begleitung des Prozesses, eine OpenSpace-Konfererenz zur (groben) Sanierungsplanung mit daran anschließenden Spezial-AGs zur detaillierten Planung und die Umsetzung mittels internationaler Workcamps in den Sommern der nächsten Jahre. Begleitet werden die organisatorischen und baulichen Aktivitäten von Kompetenztrainings (z.B. in den Bereichen Selbstorganisation, Pressearbeit, Fundraising) und Gruppenprozess-Treffen (Reflexion und Verbesserung des Umgangs miteinander und der hierarchiearmen Organisierung). Im Spätherbst, Winter und Frühjahr sollen die Treffen und Seminare stattfinden, Frühling und Frühsommer werden die Materialorganisation (insbesondere Sachspenden) genutzt und die Bauarbeiten finden überwiegend im Sommer und Frühherbst statt.

Die zweite Hälfte der Fachleute-Runde wurde durch Kleingruppendiskussionen zu den Themen Außengelände, Leitungen, Raumplan und für informelle Gespräche genutzt. Ein Ergebnis daraus ist die Idee einer Biotopkartierung im Vorfeld der Workcamps, die u.a. Hinweise auf besonders sensible Vegetationsbereiche geben soll und Ausgangsbasis für weitere Planungen des Außengeländes sein kann. Später soll es weitere Untersuchungen von Biotopen, Geologie und Bodenbelastungen, möglichst in Kooperation mit dem Fachbereich Geoökologie der TU Braunschweig geben.

Für die Zukunft wurde verabredet eine Mailingliste (nur für fachliche Fragen) zu verwenden, die Wiki-Internetseite zur Dokumentation und Ideensammlung mehr zu nutzen und zu einer nächsten Fachleute-Runde am 16. August 2008 um 10.00 Uhr wieder in Braunschweig zusammen zu kommen.