2007-03:"Erotika - Drogen und Sexualität"

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Erotika - Drogen und Sexualität

franzb Drogen abseits von Alkohol und Tabak werden gesellschaftlich meist kritisch bewertet. Wer Drogen zu sich nimmt, wird illegalisiert. Dieses Buch bietet da zunächst einmal eine Abwechslung. Denn zumindest im politisch gehaltenen Essay zu Beginn des Buches wird die Legalisierung von Drogen und – begrenzt – eine Enttabuisierung von Sexualität gefordert.

Hintergrund ist unter anderem der Gedanke, dass ein phasenweiser und bewusstseinserweiternder Ausbruch aus den die Persönlichkeiten unterdrückenden Systemen möglich wird durch den verantwortungsvollen Gebrauch von Drogen, aber unabhängig davon auch von einer tabulos durchgeführten Sexualität. Die Verbindung beider Elemente kann zu verschiedenen Ergebnissen führen: Drogen können jegliche sexuelle Energien zerstören, aber ein Orgasmus unter LSD-Einnahme kann unvergleichlich besser wirken als ein „drogenfreier“. Dabei ist die Art der Droge genauso entscheidend wie ihre Dosierung.

Danach folgen im Wesentlichen prosaische Texte verschiedenster Menschen (auch „Berühmtheiten“ wie Nick Cave, Charles Buckowski...) geordnet nach der Art der Drogen. Diese scheinen größtenteils wahllos zusammengesammelt: Man merkt den Texten an, dass es gar nicht unbedingt Intention der AutorInnen war, über den Zusammenhang von Drogen und Sexualität zu schreiben. Dementsprechend wenig Antworten können sie geben. Wie ist das Problem der möglicherweise im Rausch häufiger auftretenden Grenzüberschreitungen der GeschlechtspartnerInnen zu lösen, wie das der vernachlässigten Verhütung? Wer fängt die im Rausch nicht all ihrer Körperfunktionen Mächtigen auf, wie erkennt man Abhängigkeiten und beugt ihnen vor, ohne ganz auf Drogen verzichten zu müssen? Und wie integriert man das in der Ekstase Erlebte in einen Alltag voll Unterdrückung, ohne dass man sich bald noch schwereren Problemen wie der (Nichtmehr-)Verarbeitung so verschiedener Realitäten gegenübersieht?

Zu den Bildern im Buch wäre anzumerken, dass das Buch „Drogen und Sexualität“ heißt und nicht einfach nur „Sex“. Die Bilder sind alles andere als sachlich hilfreich, sondern erwecken den Anschein, einfach nur „aufgeilen“ zu sollen. Aber wo sind die Bilder von den Drogentoten?

Die Antworten auf meine Fragen muss ich mir nun mühsam aus den verklausulierten Geschichten herauslesen. Das mag mit vielen prosaischen Texten funktionieren, aber die hier erscheinen mir nicht geeignet. Das Buch verspricht anfangs viel, aber letztendlich bleiben zu viele Fragezeichen im Kopf.

Erotika. Drogen und Sexualität (Taschenbuch) von Wolfgang Sterneck

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Nachtschatten Verlag; Auflage: 1 (März 2005)
  • ISBN-13: 978-303788121