2007-02:Nachhaltiger Unfug

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Nachhaltiger Unfug

fb Einen grundlegenden Fehler macht Josef Plank vom Österreichischen Biomasse-Verband, wenn er die Pro-Atomkraft-Politik der EU-Kommission als nicht nachhaltig kritisiert. Wie so oft liegt hier der Fehler im System. Es ist widersprüchlich von "fairem Wettbewerb", positivem Bezug zwischen staatlichen Institutionen und den hier lebenden Menschen und "Wirtschaftsstandort Europa" zu sprechen und dann zu kritisieren, diejenigen, die für Atomkraft lobbyieren, würden sich nicht im Einklang mit dem Nachhaltigkeitsprinzip bewegen.

Der Nachhaltigkeitsdiskurs ist Teil einer Politik, die ökologische und soziale Themen wirtschaftlichen und machtpolitischen Fragen unterordnet. Es ist falsch analysiert, der Atomkraftnutzung Nicht-Nachhaltigkeit vorzuwerfen. In ihrem Sinne ist der Betrieb von Atomkraftwerken genauso nachhaltig wie die unökologische Bewirtschaftung eines Waldes, die schließlich Geburtsort dieses Begriffes war. Das Prinzip der Nachhaltigkeit baut auf Wirtschaftlichkeit auf. Es geht darum, auch langfristig Holz produzieren zu können, nicht um möglichst niedrige Natureingriffe. So ist es mit der Atomkraft auch: In der Lesart ihrer BefürworterInnen kann es als "nachhaltig" bezeichnet werden, die bereits gebauten und hochsubventionierten Atomkraftwerke möglichst lange weiterzubetreiben. Da ihre Baukosten inzwischen abgeschrieben sind, produzieren sie nahezu Reingewinn.

Wer gegen Atomkraft eintritt, sollte andere Argumente wählen. "Nachhaltigkeit" ist kein brauchbares Prinzip für einen emanzipatorischen Umweltschutz.



Originalnachricht:

Atomenergie ist Teil des Problems

Fehler im EU-Energieplan: Kernkraft als "nachhaltige" Energieform

http://www.oekonews.at/index.php?mdoc_id=1018460

Ökonews, 15.1.07


"Mit ihrer Stellungnahme pro Atomenergie hat die EU-Kommission wieder einmal einen namhaften Beitrag zur Entfremdung zwischen den EU-Institutionen und den europäischen Bürgern geleistet", erklärte DI Josef Plank vom Österreichischen Biomasse-Verband anlässlich des vorige Woche veröffentlichten Europäischen Energie- und Klimapakets für das 21. Jahrhundert.

In der Kernkraftdebatte fehlt Kostenwahrheit

Die Atomenergie ist - und das sollte eigentlich der sonst immer so auf Wettbewerbschancen bedachten EU auch einmal klar werden - die mit Abstand am höchsten subventionierte Energieform. Gäbe es einen freien, fairen Markt in der Stromwirtschaft, müssten alle 152 europäischen Atomkraftwerke sofort Konkurs anmelden, weil niemand auf dieser Erde bereit ist, auch nur einen einzigen Atomreaktor voll zu versichern. Darüber hinaus sind tausende Milliarden Folgekosten der sicheren Entsorgung und Verwahrung sowieso von der Allgemeinheit, sprich dem Bürger und Steuerzahler, zu bezahlen.

Die Argumentation des ständigen Strombedarfanstieges ist ebenso zu hinterfragen. Ein hoher Prozentanteil des Stromes wird nämlich nicht zur Produktion von hochwertigen Gütern verwendet, sondern dient schlicht und einfach der Wärmerversorgung. Es ist also durchaus möglich, der Reihe nach die alten Atommeiler vom Netz zu nehmen und die E-Heizungen (direkte und indirekte) durch intelligentere Niedrigenergiehauskonzepte ergänzt um solar-biogene Versorgungskonzepte zu ersetzen.

Gerade der heurige milde Winter zeigt eindrucksvoll den Rückgang der Strom-Tagespreise an der Strombörse als Folge des um 20 bis 25 % niedrigeren Heizenergiebedarfes für die Stromheizungen auf. Andererseits stellen alle Solaranlagenbetreiber fest, dass fast durchgängig in diesem Winter an zahlreichen Sonnentagen die Vorlauftemperaturen der neuen Solaranlagen immer über 40 bis 50Grad C gelegen sind.

Aus Strom Wärme zu erzeugen, ist Energieverschwendung

"Es ist also heute bereits technisch und ökonomisch leistbar, die zahlreichen Stromheizungen voll zu ersetzen", so Plank weiter. "Darüber hinaus entstehen in der Bauwirtschaft und Solar-Installationstechnik neue große Geschäftsfelder und Arbeitsplätze im Inland und auch für die Exportwirtschaft."

In Summe betrachtet ist es also besser, für den Wirtschaftsstandort Europa in diese nachhaltigeren Technologien zu investieren und den Stromverbrauch zu ersetzen anstelle für 100.000 MW neue Kraftwerke mit vielen tausenden Milliarden Euro an wenigen zentralen Standorten und für wenige Konzerne zu installieren.

Die EU-Kommission hat in dieser Frage nicht nur einen blinden Fleck, sondern ein totales Black-out und ist daher gut beraten, ihre Pro-Atom-Position rasch zu revidieren. Die Atomenergie ist Teil des Klimaproblemes und nicht Teil der Lösung des Energieproblems. Sie gaukelt der Öffentlichkeit vor, eine "billigere" Versorgung mit Strom dauerhaft zu gewährleisten. Das ist der große Fehler der Atompolitik, die überdies auch stark von den militärischen Überlegungen geprägt ist. Die "billige" Stromerzeugung als Nebenprodukt wird nur vorgeschoben.

Aussendung: Österreichischer Biomasse-Verband