2007-02:Kameraden entdecken ihre Tier- und Naturliebe

Aus grünes blatt
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Rechte Ökologie:

Kameraden entdecken ihre Tier- und Naturliebe

Mit dem Ableben mehrerer Vordenker und Protagonisten war es in rechtsökologistischen Gefilden in den letzten Jahren wieder merklich ruhiger geworden (1993: Herbert Gruhl, 1999: Werner G. Haverbeck, 2003: Baldur Springmann).

In letzter Zeit sind es vor allem junge Kameradschaftler, die für sich den Tier- und Naturschutz entdecken. Die Ausgaben von immerhin drei jüngeren grün-braunen Magazinen sind dieses und Ende letztes Jahr erschienen. Im September 2006 erschien die zweite Ausgabe von „fallen rain“ einem A5-Blatt mit 52 Seiten dass laut Eigenangabe in einer Auflage von 250 Stück erschien[1]. Als Kontaktadresse für „fallen rain“ wird Edemissen[2] in Niedersachsen und als Kontaktperson ein Christian angegeben. Ein Christian Recklies aus Edemissen war bis zu einem Hackerangriff Anfang 2005 der Betreiber des rechten Umwelt- und Tierschutzportals „Bound for Nature“[3].

In unbekannter Stückzahl erschien im November 2006 die dritte Ausgabe des optisch nur wenig ansprechende 22seitigen Magazines „Öko..? Logisch..![4]“ aus Arendsee[5] (Sachsen-Anhalt). Beide im Fanzine-Outfit erstellte Hefte sind recht eindeutig im Kameradschaftsumfeld zu verorten.

Optisch ansprechender aber inhaltlich kaum weniger eindeutig hingegen ist das 32seitige Magazin „Umwelt und Aktiv“ (Untertitel: „Das Magazin für gesamtheitliches Denken“), dessen zweite Ausgabe Ende Mai herauskam. Eindeutig ist eine neuheidnische Ausrichtung bereits an der „Irminsul“, einem germanischen Heiligtum, im Cover erkennbar. Herausgeber ist ein „Verein Midgard e.V.“ mit Postfach in Traunstein (Oberbayern). Im zugehörigen Onlineshop gibt es auch „T-Hemden“ (Szenejargon für Tshirt) mit der Aufschrift „Umweltschutz ist Heimatschutz“ zu erwerben.

Auch außerhalb des rechten Blätterwaldes entdecken Rechtsextreme plötzlich ihr Herz für Tier und Natur. Seit kurzem besteht eine Gruppe namens „nationalen Sozialisten der AG-Tierrecht[6]“. Auf deren Homepage gleich am Anfang wurde ein Bild in Stürmer-Manier von schächtenden orthodoxen Juden postiert. Dieses Bild stammt, wie ein Artikel des antifaschistischen Autorenkollektiv redok nachweist[7], aus dem NS-„Kinderbuch“ „Der Giftpilz“, dass 1938 vom damaligen „Stürmer“-Hauptschriftleiter Ernst Hiemer herausgegeben und vom NS-Karikaturisten „Fips“ (Philipp Rupprecht) gezeichnet wurde.

Wie sich ein rechtsextremer Tierschutz präsentiert, merkt man schnell bei Passagen wie dieser: „Da es schon immer im Interesse der nationalsozialistischen Bewegung lag, die Natur und auch die Tierwelt zu schützen, wird es nun endlich Zeit, dass auch wir wieder unsere Stimme und Fäuste gegen die grausame Ausbeutung der Tierwelt durch den Menschen und für dessen egoistische Luxusbedürfnisse erheben.“

Auch Rassismus findet sich im braunen Tierschutz versteckt: „Wir fordern ein Zucht- bzw. Kreuzungsverbot verschiedener Tierarten und –rassen. Dieses soll gewährleisten, dass sich die einzelnen Arten und Rassen „selbstbestimmt“ entwickeln können.“

Mit ihrer Betonung auf einer veganen Ernährung erinnert die Gruppe stark an den völkischen Flügel der Lebensreformbewegung.

Kontakte von neuen rechtextremen Tier- und Umweltschutzgruppen zu nichtrechten Organisationen ähnlicher Zielsetzung sind nicht bekannt, aber Formulierungen wie „Holocausts gegen die Tierwelt“ von der AG Tierrecht erinnern stark an ähnliche Holocaustrelativierungen der Tierschutzorganisation PeTA. Besonders betont wird bei braunen Tierschützern immer wieder ihre Ablehnung des Schächtens, was daran liegen dürfte, dass diese Art der Schlachtung von orthodoxen Juden und Muslimen praktiziert wird. Schon die Nationalsozialisten erließen nach ihrem Machtantritt ein antisemitisches Gesetz gegen das Schächten. Dass die braunen Tierschützer ihren Worten auch Taten folgen lassen, konnte man erst vor kurzem beobachten.

In Laupheim (BaWü) hatten mehrere Mitglieder der „Nationalen Sozialisten - AG Tierrecht“ am 18. März diesen Jahres nach dem Verteilen von Flugblättern gegen Zirkustierhaltung („Zirkus - Amüsement auf Kosten der Tiere“) eine Zirkusfamilie attackiert[8].

Unklar ist ob die neu entdeckte Tierliebe wirklich immer ernst gemeint ist oder nur Mittel zum Zweck, um den Holocaust zu relativieren, gegen religiöse Minderheiten zu hetzen, antiziganistische Vorurteile zu schüren (gegen Fahrende und Roma) oder allgemein um Sympathien in der Bevölkerung zu sammeln.

R. Schwarzenberg
(Stand: 28.05.2007)


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