2007-02:Giessen: Mais fällt

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Gießen:

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Mais fällt

so Im Aktionsbündnis gegen Gentechnik wurde die Nachricht des zerstörten GV-Maisfeldes mit Freude aufgenommen. Wenn die offiziell zuständigen Behörden sich der Verantwortung entziehen und hinter Paragraphen und Formulierungen verstecken, tut Selbsthilfe not. Auch wenn WissenschaftlerInnen mit Politik ungerne zu tun haben möchten, müssen sie einsehen, dass jede Art von Forschung gesellschaftliche Auswirkungen hat. Und diese Gesellschaft nimmt sich in den letzten Jahren viel zu selten das "Recht", sich "in ihre eigenen Angelegenheiten einzumischen".

Auch die Unileitung scheint angesichts der vorherigen angespannten Situation nicht allzu traurig über den Ausgang des Gießener Feldes zu sein. Durch den Bescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, der den Verkauf von MON810 seit dem 27.4.2007 untersagt, war auch für die Uni Gießen eine knifflige Situation entstanden. Haben gar Friedt, Hormuth oder Kogel selbst Hand angelegt, um das Problem aus der Welt zu schaffen? Es ist schon auffallend, dass mindestens der Versuchsleiter auch zwei Tage nach dem Vorfall keine Stellungnahme abgab...

Doch bei aller "Feierlaune" gilt es nun, die noch verbleibenden Gentechnik-Versuche der Uni ins Auge zu fassen. In Groß-Gerau wurden auf einer wesentlich größeren Fläche die gleichen MON810-Kreuzungen ausgesät wie in Gießen. Die bewusst ausgesprochenen Unwahrheiten der Uni- und der Versuchsleitung, diese Testreihen hätten mit Monsanto nichts zu tun, wurden durch Anfrage beim Bundessortenamt widerlegt. Eine vollständige Aufklärung der Sachlage und folgerichtige Konsequenzen stehen immer noch aus.

Außerdem sollte über das Aufsehen um MON810 das umstrittene GV-Gerstenfeld nicht vergessen werden. Ein Teil des Aktionsbündnisses gegen Gentechnik in Gießen hat sich inzwischen in mühevoller Kleinarbeit daran gemacht, Kritikpunkte am Gerste-Versuch und dessen Versuchsleiter Prof. Kogel zu sammeln. Diese Einwände werden nun der Überwachungsbehörde beim Regierungspräsidium Gießen und dem schon genannten Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) übergeben. Eine schon vor Wochen beim BVL eingereichte Kritik an der sogenannten Bio-Sicherheitsforschung wurde ohne Überprüfung der aufgeführten Sachverhalte zurückgegeben. Der Versuchsleiter selbst hätte bisher keine ungewöhnlichen Vorkommnisse gemeldet... Gesellschaftliche Überprüfung des durch Steuergelder finanzierten Projekts ausgeschlossen..?!

Pressemitteilung der Polizei Mittelhessen

Gen-Mais-Versuchsfeld der Uni Gießen weitgehend zerstört
Gießen: Unbekannte Täter zerstörten in der Nacht zum Montag, dem 21.5.07 einen Großteil des Gen-Mais-Feldes der Uni Gießen Gemarkung Weilburger Grenze. Sie zerschnitten den Zaun des Grundstücks und hackten einen Großteil der Pflanzen aus. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs. Der Sachschaden ist bisher nicht zu beziffern. Ein Tatverdacht besteht nicht, die Ermittlungen dauern an.

21.05.2007 16:20 Uhr


Feld mit gentechnisch verändertem Mais zerstört

Unbekannte durchtrennen Zaun und hacken Großteil der Pflanzen aus - Universität stellt Strafanzeige - Schaden erheblich
GIESSEN (had). Während die Universität am Wochenende ihren 400 Geburtstag feierte, haben Unbekannte das Maisfeld an der Weilburger Grenze zerstört, auf dem die Universität auch eine Sortenwertprüfung von gentechnisch verändertem Mais durchführt. Nach Angaben der Polizei zerschnitten die Täter den Zaun und hackten einen Großteil der Pflanzen aus. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Die Zerstörungen waren am Montagmorgen um 8.15 Uhr von Mitarbeitern des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung festgestellt worden.

Die Universität kündigte an, sie werde Strafantrag stellen. Vermutlich sei so viel zerstört worden, dass die Wertprüfung nicht nur der gentechnisch veränderten Sorten nicht mehr durchgeführt werden könne, so Uni-Vizepräsident Prof. Karl-Heinz Kogel. Endgültig werde vom Bundessortenamt, das die Aufträge für die Wertprüfungen erteilt, entschieden, wie es weiter gehen werde. Über die Höhe des entstandenen Schadens konnte Kogel keine Angaben machen. Klar sei allerdings, dass dieser erheblich sei. Kogel: "Das sind keine Peanuts." Den Versuch noch in diesem Jahr zu wiederholen sei unrealistisch, so der Uni-Vizepräsident weiter. Dafür sei es allein aus zeitlichen Gründen schon zu spät. Darüber hinaus wäre ein solches Vorgehen nach seiner Einschätzung auch "politisch äußert kritisch", nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz in der vergangenen Woche eine Studie veröffentlicht hatte, wonach es berechtigten Grund zu der Annahme gebe, dass von dem Anbau von gentechnisch verändertem Mais der Sorte MON 810 eine Gefahr für die Umwelt ausgehe. Daraufhin war der Handel mit entsprechendem Saatgut gestoppt worden. Konsequenzen für bereits ausgebrachten Genmais hatte das Bundesagrarministerium allerdings nicht gezogen. Kogel sprach in diesem Zusammenhang von einem "äußersten Durcheinander".

Zugleich machte er klar, dass die Zerstörungen nicht dazu führen dürften, dass Wertprüfungen von der Justus-Liebig-Universität nicht mehr durchgeführt würden. Dies gelte grundsätzlich auch für gentechnisch veränderte Pflanzen. Der Leiter des Projekts, Prof. Wolfgang Friedt, war gestern in München und für eine Stellungnahme ebenso wenig zu erreichen wie Unipräsident Stefan Hormuth, der sich gerade mit einer Delegation in Vietnam aufhält.

Gießener Anzeiger 21.05.2007


Feld mit Gen-Mais zerstört

Eine Absperrung hat nicht ausgereicht, um den Überfall auf das Versuchsfeld zu verhindern

Von Thorsten Winter

Ein Feld am Rande von Gießen, auf dem unter anderem gentechnisch veränderter Mais ausgesät worden war, ist in der Nacht zum Montag in Teilen verwüstet worden. Dort wollten Forscher der Universität bis zum Herbst auf rund 700 Quadratmetern 60 Maissorten wachsen lassen, darunter acht gentechnisch veränderte Saaten, um deren die Anbau- und Verwertungseigenschaften zu testen. Doch nach dem Überfall können sie ihren Plan, der auf einem Auftrag des Bundessortenamts in Hannover fußt, zu den Akten legen. Auf etwa der Hälfte des Feldes sind die jungen Kornpflanzen in einem Ausmaß geschädigt worden, dass die sogenannte Wertprüfung abgebrochen wird. Dies sagte Volker Klemm, der beim Bundessortenamt für Wertprüfungen von Mais und Futterpflanzen zuständig ist, gestern dieser Zeitung. Die Behörde verantwortet die Zulassung von Pflanzensorten, ohne die es nicht möglich ist, das jeweilige Saatgut in Deutschland zu vertreiben.

Wie eine Sprecherin der Universität mitteilte, wurde der Zaun um das Versuchsfeld an zwei Stellen aufgeschnitten, bevor es zu den Übergriffen kam. Der Überfall auf das Maisfeld kam nicht überraschend. Die Wissenschaftler um Professor Wolfgang Friedt vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung mussten nach einer Drohung auf einer einschlägigen Internetseite mit Übergriffen rechnen. Angesichts dessen war die Polizei gebeten worden, regelmäßig auf dem Maisfeld nach dem Rechten zu sehen. Um den Acker aber rund um die Uhr bewachen zu lassen, fehlte es den Forschern nach seinen Worten am nötigen Geld. Im Gegensatz dazu lässt Friedts Kollege Karl-Heinz Kogel vom Gießener Institut für Pflanzenkrankheiten ein Feld auf Universitätsgelände, auf dem ein Versuch mit gentechnisch veränderter Gerste im zweiten Jahr läuft, ständig bewachen. Denn am Pfingstwochenende des vergangenen Jahres war es auch dort zu Übergriffen gekommen.

Polizei fehlen noch Hinweise auf Täter
Die nun zwangsweise abgebrochene Wertprüfung in Gießen war einer von drei Feldversuchen mit gentechnisch veränderten Getreidesorten in Hessen. Ziel war, Maissorten deutscher Hersteller zu untersuchen, die ein von dem amerikanischen Unternehmen Monsanto entwickeltes Gen gegen den Schädling Maiszünsler enthalten: Diese Pflanzen erzeugen ein Gift und wehren sich damit gegen den Maiszünsler, einen bräunlichen Falter, dem Mais sonst als Nahrungsquelle dient. Der Freilandversuch war von verschiedener Seite, so von Imkern und auch anderen Forschern, kritisiert worden. Friedt hatte ihn aber mit dem Hinweis auf den Nutzen für die Landwirtschaft verteidigt.

Wer für den Überfall verantwortlich ist, liegt noch im dunkeln. Die Gießener Polizei hat nach Angaben eines Sprechers noch keine Erkenntnisse, die auf die oder den Täter hindeuten. Die Universität und das Bundessortenamt wollen dessen ungeachtet Strafanzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs stellen.

FAZ.NET 21. Mai 2007