2007-02:Gescheiterte Genfeld-Besetzung in Groß Lüsewitz (bei Rostock)

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Gescheiterte Genfeld-Besetzung in Groß Lüsewitz (bei Rostock)

Inhaltsverzeichnis

Wir sind turmhoch dageGEN

Mitte April trafen sich etwa zwei Dutzend Gentechnik-GegnerInnen im Convergence-Center in Rostock um Aktionen gegen die Gen-Versuchsfelder in Groß Lüsewitz zu starten.

xXx 12. April 2007. Die Sonne geht auf über Groß Lüsewitz. Dort wo das größte Gentechnik-Forschungsinstitut Deutschlands steht. Dort wo aber sonst nie etwas passiert, wo ein geklautes Fahrrad für ein par Monate Dorfgespräch ausreicht. Wie jeden Tag fahren die Mitarbeiter des Agro-Gentechnik-Institut auf der Bundesstraße 110 zur Arbeit, direkt an den Versuchsfeldern vorbei, auf denen in wenigen Tagen gentechnisch veränderte Kartoffeln ausgepflanzt werden sollen. Doch heute ist nicht alles wie immer. Heute steht mitten auf dem Feld ein 18 Meter hoher Turm, an dem ein Transparent mit der Aufschrift:“Cholera-Gene in Kartoffeln? Wir sind turmhoch dageGEN!“ hängt. Daneben steht ein Bauwagen, der mit abgeschraubten Rädern im Boden versenkt wurde. Am Straßenrand steht ein weiterer Bauwagen, in dem gerade das Frühstück vorbereitet wird. Die ersten Journalisten kommen, machen Photos und interviewen die Aktivisten,...

Soweit, sogut. Das war der Traum.

Die Aktion sollte durch verschiedenste Blockade-Techniken die Aussaat der gefährlichen Gen-Pflanzen verhindern. Leider schaffte die Popelzei es per Zufall das Ganze zu verhindern.

2 bunte Lastwägen, die den Turm später hochziehen sollten wurden unweit des Feldes abgestellt. Die Anwohner wurden misstrauisch und riefen die Polizei. Diese verfolgte die beiden Wägen erst in Zivil und später wurden beide Wägen von Uniformierten durchsucht. Diese fanden unter anderem Flugblätter, die am nächsten Tag verteilt werden sollten, auf denen mitgeteilt wurde, dass ein Genfeld besetzt worden sei. Die alamierte Polizei fuhr nun planlos durch die Gegend, weil sie nicht wussten, wo sich die Genfelder befinden.weil es in der Gegend so viele Genfelder gibt. Einer der Uniformierten musste pinkeln gehen. So hielt ein Streifenwagen zufällig genau dort, wo ein Spaten die Stelle markierte, an der die Lastwägen den Turm hochziehen sollten.

Vielleicht die erfolgreichste gescheiterte Aktion aller Zeiten

Am nächsten Tag berichtete die Bild-Zeitung überraschend neutral auf Seite 3 über die Aktion. Bei den Aktivisten war schnell klar, dass es weiter gehen sollte. Schon am nächsten Tag erkletterten Aktivisten einen etwa 30 Meter hohen Funkturm, der direkt auf dem Gelände des Aggro-Gentechnik-Institut steht, und entrollten das Transparent, das eigentlich für den Besetzungsturm gedacht war. Andere Aktivisten malten mit Kreide Sprüche auf die Straße oder klingelten bei den Leuten im Dorf und stellten sich als die Aktivisten der gescheiterten Aktion vor. Die Leute wussten bereits Bescheid und die Stimmung war erstaunlich positiv. In den nächste Tagen fanden mehrere Aktionen im Dorf statt. So gab es zum Beispiel einen Bastel-Nachmittag, an dem gemeinsam Anti-Gentechnik-Schilder gebastelt wurden die die Bewohner sich in den Garten stellen sollten, oder ein Fußballspiel fand auf dem Gentechnik-Acker statt.

Heute ist nicht alle Tage- Wir kommen wieder keine Frage

5 Tage nach dem ersten Besetzungsversuch starteten die Aktivisten den 2. Versuch. In mehreren Gruppen wurde versucht auf das Feld zu kommen. Außer einer Gruppe wurden aber alle von den Bullen abgefangen, wodurch auch dieser Versuch scheiterte.

In der darauffolgenden Nacht wurde eins der frisch ausgesäten Feldern zerstört. Die Polizei vermutete zuerst, dass es wohl Wildschweine waren die das Feld durchwühlt hätten. Zeitgleich wurden Gentechnik-kritische Parolen gefunden, die an das Agro-Gentechnik-Institut geschrieben wurden. Ob das wohl auch Wildschweine waren?

Fazit: Mit dieser gescheiterten Aktion hatte es eine kleine Gruppen von Aktivisten geschafft, lokal einen Kommunikationsprozess über Gentechnik in Gang zu bringen, sowie überregionale Aufmerksamkeit zu bekommen. Kaum auszumalen wie groß die Außenwirkung gewesen wäre, hätte die Aktion geklappt. Also: Lieber gut geplante, kreative Aktionen in Kleingruppen, als die heute üblichen Großdemonstrationen.


Der Artikel erschien bereits in der Zeitschrift Gegenwind. Für das grüne blatt wurde er geringfügig überarbeitet und aktualisiert.

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