2007-01:Schulverweigerung

Aus grünes blatt
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Die Freiheit zur Schule gehen zu müssen!

jes Dieser Text ist mehr ein Kommentar zum Nachdenken als ein reiner Bericht. Aber wie soll man über etwas neutral und objektiv berichten, das einem selbst so nahegeht. JedeR kann sich auch eine eigene Meinung zu dem Thema machen und ist hiermit ausdrücklich dazu aufgefordert. Und wer nur objektive Berichte haben möchte sollte die Sinne abschalten und aufhören überhaupt etwas zu lesen.

Viele haben es immer wieder in der Schule gelernt. Die Schule hat die armen Kinder vor der Kinderarbeit geschützt und ihnen die nötige Bildung beschert, um später ein besseres Leben führen zu können. Auch wenn diese Ansicht sicher nicht für alle Kinder völlig falsch war, bleibt es eine grandiose Überzeichnung der reelen Situation. Einige Fragen zeigen bereits, dass die Schule schon immer mehr war: Warum wohl sind sonst die Ferien noch immer in den traditionellen Zeiten der Ernte? Warum waren die ersten Lehrer Mönche? Warum stellen Studien fest dass es an der sozialen Herkunft liegt wie viel die Schule einem bringt? Neben der Funktion als Ort zur Wissensvermittlung und als Schutzort für Kinder vor Ausbeutung, scheinen andere Dinge bedeutender zu sein.

In der Schule wird vor allem gelehrt welches System auf der Welt das "richtige" ist. Dazu gehört wie man sich "konform" innerhalb der Gesellschaft verhält und das unkonformes Leben bestraft wird. In diesen Punkten unterscheiden sich viele Schulen in Deutschland und anderen westlichen Staaten nicht mal von - von manchen verhassten - Koranschulen in anderen Ländern.

Trotzdem bestehen ja auch zum Glück große unterschiede. Viele Strafen sind in Deutschland längst verboten und gerade der Freiheitsgedanke des Individuums wird doch hier um einiges mehr geschätzt als anderswo. Oder etwa nicht?

Auch wenn dies wohlmöglich in vielen Fällen stimmt, fällt auch auf wie wenig ein abweichen der Schulnorm gestattet wird. Viele erinnern sich noch an die Bilder als Kinder einer Christlichen Sekte mit gewalt zur Schule gebracht wurden. Egal wie man zu den Gedanken steht das ein paar fundamentalistische Eltern ihre Kinder selbst erziehen, wie auch immer sollte man sich ein paar Gedanken dazu machen.

Ob die Kinder, die übrigens nachdem die Polizei abgezogen wurde wieder nach Hause gingen, durch diese Maßnahme gelernt haben wie frei sie in dieser Gesellschaft sind? Gerade in jüngerer Zeit gehen die Behörden dabei immer drastischere Wege um die geschätzten 80 000 bis 400 000 Schulverweigerer noch in die Schule zu zwingen. Schon weit bekannt sind Strafen wie Bußgelder (gerade bei armen Familien sicher der richtige weg um den Kindern ein besseres Leben zu geben) oder auch Gefängnisstrafen für die Eltern (Was sicherlich hilft das dem Kind mehr aufmerksamkeit geschenkt wird). Aber neuerdings gibt es noch radikalere Ansätze.

So muss eine 16-jährige Sächsin für 14 Tage in den Knast. Was sie dort lernen soll ist nicht klar, aber sie wird danach wissen wie viel schöner die Schule doch ist, oder? Ihr Verbrechen war es einen Monat lang nicht zur Schule zu gehen. Was sie verbrochen hatte um zum Schulunterricht gezwungen zu sein weiß jeder. Sie wurde geboren und ist noch schulpflichtig. Ein schweres Verbrechen, was sicher auch den anderen Gefangenen zeigt, wo die Grenzen der Toleranz sind. Und die Kontakte die dort im Knast entstehen helfen sicher später auch ohne Abschluss einen Job zu finden. Gerade wo die Schülerin nun schon wieder 14 Tage Unterricht verpasst (vorrausgesetzt sie hätte dort wirklich etwas wichtiges gelernt) oder kürzere Ferien hat, was dafür sorgt, dass sie um so erholter in die Schule zurückkehren wird. Kann Mensch sich noch bessere Konzepte vorstellen? Ja, einige Menschen können. So wurde eine Fünfzehnjährige für ihre Schulverweigerung nun sogar in die geschlossene Psychatrie eingewiesen. Als Psychische Krankheit wurde dann auch "Schulverweigerung" angegeben. Wenn es eine psychatrische Krankheit ist, nicht zur Schule gehen zu wollen, müssen wohl zigtausend SchülerInnen dringend in geschlossene Anstalten. Interessant wird dann vielleicht auch die Untersuchung was der Auslöser dieser Krankheit ist. Das vermutlich einzige was all die SchülerInnen gemeinsam haben ist doch das sie zur Schule gehen. Schule als Therapie gegen Schule? Das klingt schon fast nach Hömopatie. Jedoch in weitaus stärkeren Dosen.

Wem das auch nicht einleuchtet, der kann ja auch auf die Schulmedizin zurückgreifen. Denn in all den Berichten tauchen die so Schulwilligen gar nicht mehr auf. Tausende SchülerInnen gehen nur noch mit der, oft unfreiwilligen, Hilfe von Medikamenten zur Schule. Oder benehmen sich dort so unkonform, dass sie ohne die Medikamente sogar den Unterricht stören würden. Eine ganze Industrie hat sich mittlerweile darauf spezialisiert, diese Störenfriede zu beruhigen. Das Ergebniss all der Mühen lässt sich sehen: Nicht nur in internationalen Tests wird bewiesen wie wenig die Menschen dabei lernen, (laut der Pisa Studie wussten nach einem Jahr 20% der Schüler weniger als noch ein Jahr zuvor) sondern auch soziale Unterschiede werden zementiert und so einer Veränderung der Machtverteilung entgegengewirkt. Eine sicherlich seit fast 500 Jahren völlig unbeabsichtigte Nebenwirkung.

Deshalb braucht man ja nicht gleich über andere Schulformen oder Lernkonzepte nachzudenken. Denn solange die Repressionen noch nicht ausgereitzt sind, ist das System noch zu retten. Und wieso dann nicht gleich über die lebenslange Sicherheitsverwahrung für SchulverweigerInnen nachdenken? Denn wer sich in der Schule mit all ihrer raffinierten Beeinflussung schon nicht angepasst hat, wird sicher auch später schwer ein guter Bürger. Auch das gilt genauso in fundamentalistischen Regimen wie hier in Deutschland, wo Freiheit und Würde für alle Menschen garantiert sind.