2006-02:Theaterkritik Kapital is muss!

Aus grünes blatt
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Kabarett Denkzettel:

Kapital is muss!

fb “Das Kapital ist der fleischgewordene Galgen”, “von der Rendite wird der Henker bezahlt”. Mit bissigen und treffenden Metaphern übt dieses Kabarett-Stück des Kabarett "Denkzettel" in der Magdeburger Zwickmühle Kritik am Kapitalismus, an der Lokalpolitik, Sozialabbau und vielem anderen, was schon alltäglich geworden ist. Da kriegt der frühe Bundeskanzler was ab für seine Ölgeschäfte und die vorgezogenen Neuwahlen, aber auch eines Lieblingsprojekte des Magdeburger OB - das neue Fußballstadium - wird hart kritisiert. Vieles wird schonungslos zur Sprache gebracht: “Freie demokratische Wahlen in Deutschland sind nichts anderes als eine Orgelreparatur - es werden nur die Pfeifen ausgetauscht”.

Die szenische Umsetzung ist im Gegensatz zu diesen rhetorischen Höhepunkten an vielen Punkten leider sehr angepasst an oberflächlische Vorurteile, auf die das Publikum aber gerne eingeht: ständige Sex-Anspielungen und Streitereien, die klischeehafte Männer-Frauen-Feindlichkeiten darstellen. Im Verklageeifer zweier Figuren wird eine platte “Emanzen”-Szene produziert. Die häufige negativ gemeinte Verwendung der Bezeichnung “schwul” erweckt unangenehme Homophobie-Assoziationen. Aber das Publikum lacht. Vor allem Witze mit Ostbezug kommen hier sehr gut an.

Im Laufe des Stückes steigert sich die Darbietung von anfangs recht plattem Humor zu teils sehr raffiniertem Zynismus. Doch leider gibt es auch zwischendrin wieder niveaumäßige Hänger, die aber wieder überwunden werden. Sehr schön sind die Anspielungen auf Patzer in der Stadtpolitik: “Magdeburg und Städteplanung - sehr viel Mut und wenig Ahnung”. Diese kritisch-bissige Satire hat diese Stadt sehr nötig. Schön wäre, wenn die MacherInnen Mut zu weniger platten Sprüchen zeigen würden - das Publikum wird deswegen gewiss nicht zuhause bleiben.