2005-02:Wenn der Profit über den Inhalten steht

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Wenn der Profit über den Inhalten steht

Zensur bei vegan.de offengelegt

svo Vegan.de ist unbestritten die größte deutsch-sprachige Internet-Community, die sich mit einer veganen Lebensweise beschäftigt. Doch die Betreibenden der Webseite sehen ungern Meinungen, die von ihrer Lifestyle-veganen Meinungsvorgabe abweichen. Nun wurde eine Liste mit über 150 Begriffen veröffentlicht, an Hand derer unliebsame Beiträge und Verweise zu konsum- und herrschaftskritischen Seiten verhindert werden sollen.

Neulich machte ein Witz die Runde: "Bei vegan.de gibt es offiziellen Angaben zufolge 250000 Foren-Beiträge. Nach Schätzung unabhängiger Experten ist die Dunkelziffer aber weitaus höher." Der Witz ist lustig und traurig zugleich.

Bei vegan.de herrscht Meinungszwang. Es gibt zwei Arten der Meinung: Erlaubte und unerlaubte. Eine Lobpreisung der Sekte "Universelles Leben" [1] ist durchaus erwünscht, eine kritische Äußerung zur Befürwortung von Euthanasie [2] durch die populistische Tierschutzfirma PETA [3] oder ein Link zu einem Artikel bei Indymedia werden - insofern diese es überhaupt durch den Wortfilter schaffen - schnellstens gelöscht.

So schreibt Bloggender Tom Falkner [9]: "Die Unterdrückung von Meinungen zu strittigen Themen wie beispielsweise dem Universellen Leben, Holocaustanalogien, reformistischen Strategien oder auch dem Veganismus als solchen suggeriert nach außen einen Konsens, der gar nicht gegeben ist. Die Folgen von Matthias Bollers veganer Onlinemedienkonzentration dürfen nicht verharmlost oder gar gänzlich ausgeblendet werden: Wer sich im Internet über Tierrechte und die vegane Lebensart informieren möchte, muss schon tief graben, um von Matthias Bollers Ansichten abweichende Positionen kennenzulernen. Nicht zuletzt ist vegan.de ein Grund für die verzerrte Darstellung des Veganismus in etablierten Medien. Für JournalistInnen, die auf vegan.de recherchieren, müssen VeganerInnen als eine homogene Szene mit teilweise bedenklichen gesellschaftspolitischen Ansichten erscheinen. Denn erst auf den dritten Blick fällt auf, dass beispielsweise Kritik an der als antisemitisch geltenden Sekte "Universelles Leben" rigoros von Matthias Boller gelöscht wird. Besonders pikant ist der von Matthias Boller an den Tag gelegte Protektionismus. Matthias Sympathie mit der umstrittenen "Tierrechtsorganisation" PETA geht soweit, dass er selektiv Links auf einzelne PETA-Artikel verbietet, die seiner Meinung nach das Ansehen der Organisation gefährden kšnnten. So zum Beispiel PETAs Lobrede auf die Euthanasie. Gerade an diesem Beispiel wird ein erschreckendes Ausmaß der auf vegan.de betriebenen Meinungsmanipulation und Stimmungsmache evident."

Am 21. 9. 2005 wurde im VeganWiki [4] anonym eine imposante Liste mit über 150 sogenannten Stoppwörtern veröffentlicht. Dass diese Wörter nicht benutzt werden können, lässt sich durch den Versuch, jene zu benutzen, leicht nachvollziehen. Wie diese Liste - und weitere nicht öffentlich zugängliche Informationen über die Implementierung des Zensurmechanismus - an die Öffentlichkeit gelangen konnten, ist noch unklar. Es wird aber vermutet, dass diese von Hackenden stammt. Darauf deutet auch eine Aktualisierung der Foren-Software kurz nach dem Bekanntwerden der Veröffentlichung hin. [5] Auf dieser Liste stehen, neben generischen Begriffen - darunter bezeichnenderweise "Zensur" - nahezu alle Webseiten, die sich mit Veganismus und Antispeziesismus beschäftigen. [6] Darunter selbst solche, die sich nicht negativ zu vegan.de äußern, wie die Webseite der Allied Primate Campaigns [7]. Die Vollständige Liste mit insgesamt über 150 Zensurbegriffen findet sich im VeganWiki [10].

Die Intention der Betreibenden liegt kaum im Interesse einer veganen Gesellschaft oder gar in der Befürwortung eines politischen Kampfes gegen Speziesismus, sondern ausschließlich im eigenen Profitinteresse.

Im VeganWiki ist hierzu zu lesen [10]: "Als Erklärung für die massiven inhaltlichen Eingriffe der Moderation in die Diskussionen sehen viele Kritiker die kommerzielle Ausrichtung des Portals. So finanziert sich die Seite nicht nur durch umfangreiche Werbung in den Foren, sondern ist der Betreiber Matthias Boller auch Besitzer des Versandhandels veganbasics. Kritiker gehen davon aus, dass schärfere Diskussionen in den Foren oder Hinweise auf andere Plattformen zu Veganismus und den angrenzenden Themen als nicht einträglich für die Geschäfte der Betreiber angesehen und aus diesem Grund zum Beispiel unter dem Vorwand von "Spamattacken" gelöscht und Nutzer sowie bestimmte Begriffe gesperrt werden."

So existiert die Vermutung, dass Matthias Boller, Betreibender der Seite, selbst nicht vegetarisch oder gar vegan lebt, sondern lediglich vegan lebende Menschen als Zielgruppe mit hohem Finanzniveau und starker Kundenbindung ausgemacht hat. Diese Vermutung untermauert die Tatsache, dass seine Werbebannerfirma "Rubrikator" - trotz "ethischer Richtlinien" - auch Werbung für nicht vegane Produkte anzeigt. [8]

Was "Bild" in der konventionellen Medienlandschaft ist, ist vegan.de im Blätterwald der veganismusrelevanten Internetseiten: geballte Medienmacht und Meinungsmanipulation. Auf jeden Fall ist vegan.de mit Bedacht zu genießen.