2005-01:Universelles Leben?

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Universelles Leben ?

von Espi Twelve

Die Sekte “Universelles Leben” (UL) versucht seit einiger Zeit, sich in Naturkost-, Tierschutz- und Tierrechtszusammenhängen einzunisten - mindestens teilweise erfolgreich. Seit Ende 2004 ist die totalitäre Sekte um die Prophetin Gabrielle Wittek mit einer Plakatserie bundesweit im öffentlichen Raum präsent, die für unbedarfte BetrachterInnen einen harmlosen Eindruck erweckt - ein paar Tiere, die darum bitten, nicht gegessen zu werden. Nach Berichten auf Indymedia (www.de.indymedia.org) wurden diese Plakate in einigen Städten inzwischen mit Spruchblasen kommentiert, welche die Werbeaktion in ein anderes Licht rücken. Die Spruchblasen enthielten Sprüche wie “Für eine Welt ohne Religion, autoritäre Strukturen und Sekten wie UL” oder “Unsere Gesichter werden benutzt, um Spenden für eine totalitäre Sekte zu zocken”. Auch auf anderen Ebenen scheint sich Widerstand gegen die schleichende Unterwanderung zu regen: Verschiedene Stände und Läden des UL-Naturkostablegers “Lebe gesund” und “Gut zum Leben” wurden Opfer von Klein-Sabotage - auf Produkte und Werbematerialien des sektennahen Unternehmens wurden Etiketten mit kritischen Informationen zu UL angebracht. Doch für was steht eigentlich die Organisation “Universelles Leben”?

Was ist “Universelles Leben”?

Universelles Leben ist nach Ansicht ihrer KritikerInnen eine Sekte mit ausgeprägten autoritären Strukturen, der ein bayrisches Verwaltungsgericht bereits 1995 einen “Hang zum Totalitären” attestierte. Zentrale Figur ist Gabriele Wittek, die sich selbst zum Sprachrohr von Jesus Christus ernannt hat. Die anfangs “Heimholungswerk Jesu Christi” bezeichnete Gemeinschaft wurde 1984 in “Universelles Leben” umbenannt. Oberflächlich betrachtet präsentiert sich die Sekte in einem urchristlichen Gewand in klarer Abgrenzung zur offiziellen Kirche. In den Lehren des Universellen Lebens haben auch offenkundig antisemitische Tendenzen und Menschenverachtung einen festen Platz - so gibt unter anderem Gabriele Wittek höchstpersönlich den Juden die Schuld für ihre Verfolgung: “Seit nahezu 2000 Jahren ernten die Juden von einer Fleischwerdung zur anderen, was sie damals und auch in ihren weiteren Einverleibungen gesät haben.” . Auch in anderen Äußerungen von UL-nahen Persönlichkeiten und Publikationen wird eine abstruse Karmalehre benutzt, um jüdische Menschen als VerursacherInnen ihrer eigenen Unterdrückung hinzustellen.

Wie andere Sekten auch prophezeit UL-Oberhaupt Gabriele Wittek den Weltuntergang - der allerdings immer wieder verschoben wird. Dieses Szenario wirkt identitätsstiftend und rechtfertigt die Abschottung von der “feindlichen” Außenwelt. Um sich auf das bevorstehende Ende vorzubereiten, sollen die Mitglieder ihren Besitz an UL abtreten und fleißig in den UL-Betrieben “bienen” (UL-Jargon), ohne Lohnerhöhungen zu fordern oder zu fragen, wer davon eigentlich profitiert. Die Mitglieder werden massiv dazu gedrängt, sich ausschließlich in der von UL aufgebauten Parallelwelt zu bewegen und Kontakte zur “Außenwelt” aufzugeben. Besonders stark vertreten ist Universelles Leben in und um Würzburg (u.a. in Marktheidenfeld) - zur Sekte gehören Wirtschaftsbetriebe unterschiedlichster Art, aber auch Kinderheime, eine Schule und eine “Christusklinik”. Insgesamt verfügt die Organisation über ein kaum überschaubares Geflecht von Betrieben und (Tarn-)Organisationen, die ihre Nähe zu UL oftmals kategorisch leugnen. Ein Beispiel für Tarnorganisationen bildet die “Initiative Mahnmal für die Opfer der Kirche”, welche mit der Kritik an den Verbrechen der Kirche versucht, die religiöse Konkurrenz anzugreifen.

Universelles Leben im Naturkost-, Tierschutz- und Tierrechtssektor - Zufällige Überschneidungen oder gezielte Unterwanderung? Seit Anfang 2002 versucht Universelles Leben verstärkt, sich in der Naturkostszene sowie in Tierschutz- und Tierrechtszusammenhängen auszubreiten - unter anderem über die UL-Firma “Gut zum Leben” (hat zahlreiche Läden in Deutschland und ist auf Märkten vertreten) und “Lebe gesund”, die beide ökologische, vegetarische und vegane Produkte vertreiben. Der UL-nahe Verlag “Das Brennglas” verbreitet reißerisch aufgemachte Broschüren gegen Jagd. Auch die an Kiosken erhältliche Zeitschrift “Freiheit für Tiere” ist nach Ansicht von KritikerInnen ein UL-Organ. Auf dem Tierrechtskongress (September 2002) in Wien traten ganz selbstverständlich Dr. Sailer (UL-Rechtsanwalt) und Julia Brunke (Redakteurin des UL-nahen Verlags “Das Brennglas”) auf. Auf Demos der inzwischen UL-dominierten “Initiative zur Abschaffung der Jagd” ist urchristliche Propaganda omnipräsent - von Broschüren bis hin zu Transparenten mit Slogans wie “Auch Rehe haben eine Seele”.

Daneben gibt es weitere personelle Verflechtungen mit Tierrechtszusammenhängen. Trotz deutlicher Aussagen seitens kritischer TierrechtlerInnen ist Universelles Leben vielerorts immer noch geduldet oder sogar akzeptiert - mit “die machen ja gute Tierrechts-Arbeit” und ähnlichen Begründungen werden die massiven Bedenken gegenüber einer autoritären Organisation weggewischt, die unter dem Deckmantel der Tierliebe versucht neue AnhängerInnen zu rekrutieren sowie die eigene (Wirtschafts-)Macht auszudehnen.

Genauere Einblicke: Universelles Leben und Naturkost

Vor allem im süddeutschen Raum sind die UL-nahen Naturkost-Firmen “Gut zum Leben” und “Lebe gesund” vielerorts mit eigenen Ständen vertreten, in einigen Städten gibt es auch Läden. Gemeinsames Merkmal ist eine Aufmachung, welche sich deutlich von vielen Bioläden unterscheidet, die sich inzwischen vollständig an die Optik konventioneller Geschäfte angeglichen haben. Die Stände von “Lebe gesund” dagegen wirken mit unbedarftem Blick sehr einladend: Überall gibt es kostenlose Probehäppchen, die MitarbeiterInnen sprechen Interessierte freundlich an und geizen nicht mit Geschenken. Hier ist mensch bemüht, sich von der üblichen, “kalten” Einkaufsatmosphäre abzugrenzen - immer wieder werden im Gespräch Unterschiede zu anderen BioherstellerInnen betont. Auch in den Broschüren finden sich viele Abgrenzungen zu “normalen” Ökofirmen und Tierausbeutung - “Lebe gesund” verspricht besondere Konsequenz (Verzicht auf Gentechnik, Düngemittel, “friedfertiger Landbau”). Dafür zahlen Unbedarfte scheinbar auch mitunter deutlich überhöhte Preise - sehr amüsant angesichts des Umstands, dass in den Werbeheftchen das Profitdenken anderer Ökobetriebe heftig kritisiert wird.

Hinweise auf die Verflechtungen mit “Universelles Leben” finden sich erst bei genauem Durchblättern der Broschüren: In einem Faltblatt von “Hin zur Natur” findet sich eine Werbeanzeige der “Gabriele Stiftung” - Namensgeberin ist Gabriele Wittek ... die “erleuchtete” Führungsperson von UL, die sich selbst als Sprachrohr Jesus Christus versteht. Auffällig oft tauchen in den Werbematerialien ähnlich lautende Namen von UL-nahen Betrieben und Organisationen auf: “Lebe Gesund”, “Gut Zum Leben” (beides Naturkostausleger der Sekte), “Gut für Tiere” (Versand, u.a. für Tiernahrung) oder der Gnadenhof “Heimat für Tiere - Neue Zeit e.V.” sind nur einige der Namen, die zu UL führen. Produkte von UL-nahen Firmen (z.B. “Ibi” Brotaufstriche) werden auch in einigen Bioläden angeboten, wo diese vermutlich noch weniger auffallen.

Universelles Leben und der Umgang mit Kritik

Kritische Stimmen werden regelmäßig von UL mit juristischen Klagen und Abmahnungen angegangen, um diese zum Schweigen zu bringen. Nach der Veröffentlichung eines kritischen Berichts zu den Hintergründen der Sekte im Oktober 2002 wurde das Tierrechtsmagazin “voice” (http://www.voice-online.de) mit einer regelrechten Welle an Einstweiligen Verfügungen überzogen. Neben solidarischer Unterstützung derer, die von UL juristisch angegangen werden, scheint es aber vor allem nötig zu sein, dass mehr Menschen und Gruppen nicht mehr schweigen und deutlich machen, dass die Aktivitäten der Sekte auf klare Ablehnung und kreativen Protest vieler treffen.

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