2005-01:Naturschutz ist angewandter Patriotismus?

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Naturschutz ist angewandter Patriotismus?

Umweltgruppen distanzieren sich scharf von deutschen Umweltverbänden

Die deutschen Umweltverbände einschließlich ihres Dachverbandes Deutscher Naturschutzring (DNR) haben mit der CDU (in persona u.a. Angela Merkel) im Dezember 2004 eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben. Darin veröffentlichen Umweltverbände und CDU u.a. folgenden Satz: "Naturschutz ist angewandter Patriotismus". Dieser ist als Originalzitat des DNR-Präsidenten und BUND-Ehrenvorsitzenden Hubert Weinzierl gekennzeichnet. Weitere Passagen der Presseinformationen zeigen die deutliche Neigung deutscher Umweltverbandsspitzen zu einer Verstärkung autoritärer Mittel bei der Durchsetzung des Umweltschutzes.

Diese Politik wird vom Institut für Ökologie e.V. mit Sitz in Bad Oldesloe und anderen Umweltgruppen scharf kritisiert: "Wer Naturschutz von oben kommandieren will, entzieht ihm die Basis, nämlich die Akzeptanz und den Mitwirkungswillen der Menschen", formuliert Jörn Hartje von der Umweltprojektwerkstatt Bad Oldesloe und fügt an: "Das genaue Gegenteil wäre richtig: Mehr Mitbestimmung und Demokratisierung der Flächennutzung!"

Das Institut für Ökologie sieht die aktuelle Position der Umweltverbände als weitere Steigerung einer langen Entwicklung weg von dem Bündnis mit den Menschen hin zu einer Anbiederung an Regierungen und oft auch Konzernspitzen. So seien es Umweltverbände gewesen, die sich für die Einschränkung der Bürgerbeteiligung z.B. bei Energieanlagen stark gemacht haben, mit marktförmigen Steuerungskonzepten wie CO2-Zertifikaten oder Öko-Audits würden vor allem Profite gesteigert, während der Umweltschutz nur noch als Kosmetik diene. Gleichzeitig wurden Projekte und Ideen für einen mitbestimmungsorientierten Naturschutz schon immer missachtet. Dennoch berge die neue Äußerung neue Qualitäten: "Wenn sich Naturschutz als angewandter Patriotismus bezeichnet, entsteht ein Schulterschluss bis weit nach rechts. Die Positionen der Umweltverbände sind vom Umweltprogramm der NPD nicht mehr unterscheidbar", kritisiert Jörg Bergstedt vom Institut für Ökologie den Deutschen Naturschutzring und die in im zusammengeschlossenen Verbände.

"Notwendig ist endlich eine deutliche Debatte über den Kurs des Umweltschutzes. Wer solchen Positionen als Mitglied von DNR, BUND, NABU, BBU oder anderen nur zusieht, hilft mit, dass der Naturschutz gegen sich selbst gerichtet wird - denn langfristig kann nur eine deutlich gesteigerte Mitbestimmung der jeweils betroffenen Menschen einen wirksamen Naturschutz durchsetzen!"

Weitere Information

Quelle: Presseinformation des Instituts für Ökologie'