2005-01:Castorblockade Frankreich: Bericht - Gedanken einer Beteiligten

Aus grünes blatt
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Castorblockade Frankreich: Bericht - Gedanken einer Beteiligten

von Cécile, 10. November 2004

Es wurde viel über den tödlichen Unfall in Frankreich geredet.

Fotos wurden unter anderem auf Indymedia veröffentlicht, und es kam zu Verwirrung. Die Presse hat ihren Job schlecht gemacht!!! Es gab in Frankreich 2 Ankettaktionen. Die Erste bei Laneuveville ist ERFOLGREICH gewesen. Die zweite scheiterte und Sébastien wurde vom Zug überollt... Ich war an der ersten Aktion beteiligt und möchte hier berichten und ein paar persönliche Gedanken aufschreiben.

Ich habe mich in Laneuveville bei Nancy zusammen mit Camille an den Schienen festgekettet. Dabei waren noch 12 Leute auf den Schienen mit Transpi und schönen Liedern... Unsere Aktion hat um 11 Uhr 15 stattgefunden. Der Zug hielt gut 300 Meter vor der Blockade, keiner wurde in Gefahr gebracht. Die Polizei musste uns mit Schwergerät räumen. Die CRS (Sondereinheit der Polizei, Bereitschaftsbullen) waren net geschickt! Der Zug wurde mehr als 2 Stunden blokkiert wir wurden anschließend wie Schwerverbrecher mit Handschellen abgeführt und der Todeszug fuhr gegen 13 Uhr 25 weiter. Eine der erfolgreichsten Blockaden in Frankreich bisher, ich glaube das war die 2. ... Tolle Stimmung... Die 2 "Angeketteten" wurden in Gewahrsam genommen und wurden abends wieder frei gelassen. Die anderen AktivistInnen wurden nach einer Personalienfestellung und dem Verhör von 2 Personen entlassen.

Durch diese Aktion wollten die AktivistInnen die Bevölkerung über die Gefahren von Atomkraft und Atommülltransporten informieren. Seit einem Jahr ist es nämlich noch schwieriger geworden, über Atomkraft zu informieren, viele Informationen stehen unter Staatsgeheimnis...

Die Aktion fand in der Nähe einer Chemiefabrik statt. Ich komme aus Toulouse und weiß wie eine soche Fabrik explodieren kann, ich erinnere mich an AZF... Und kurz nach Durchfahrt des Castortransportes bei Strasbourg kam es zu einem Brand in einer Ölfabrik entlang der Strecke...

Wir wollten auch der Atomlobby zeigen, dass wir uns wehren können, trotz der Schwäche der Antiatombewegung in Frankreich. (im Vergleich zu Deutschland, wo Tausende demonstrieren...)

Schockiert

ABER die Freude dauerte nicht...Der Unfall geschah etwa eine Stunde später. Ich habe die traurige Nachricht aus Avricourt erfahren, als ich noch in Gewahrsam war. Ein Polizist ist lächelnd zu mir gekommen und hat gemeint "ich habe eine schlechte Nachricht für Sie, der Zug hat gerade eine Person überrollt" Ich war (und bin noch) schockiert und wütend. Es war umso schwieriger, dass ich alleine in der Zelle war und mich mit Menschen nicht unterhalten konnte... Die Leute haben versucht genauso wie wir den Zug zu stoppen. Aus mir unbekannten Gründen hielt der Zug nicht. Ich vermute der Zug war zu schnell, der Hubschrauber war dazu net dabei.

Unsere Aktionsgruppe kennt die andere Gruppe NICHT, aber wir sind alle sehr schockiert und bekunden unsere Solidarität. Die Gruppe hatte genauso viel Erfahrung wie unsere, das ist sicher (die Presse hat leider das Gegenteil geschrieben) Ich war nicht vor Ort, ich will mich zum Unfall nicht weiter äußern. Ich will nicht beurteilen. Ich denke heute an Sébastien... Die Beerdigung wird heute statt finden, heute Abend finden Trauerkundgebungen in Frankreich statt, am Bahnhof in vielen Städten... Vielen Dank auch für die Solidarität aus Deutschland. So was brauchen wir!! Wir wollen weder Helden noch Märtyrer... Wir stellen uns quer, weil ATOMKRAFT TÖTET. Der Atomstaat ist schuldig!!!

Presse braucht Sensation... die Verwirrung

Die Presse hat schrecklich über die Ereignisse berichtet: Bilder unserer Aktion mit Berichten über den Todesfall. Dies führte zur Verwirrung ... aber die Presse will ja Bilder, sie braucht Sensation... Nur die Zeitung "Est Républicain" hat inhaltlich relativ gut über die Ereignisse berichtet...

DER KAMPF GEHT WEITER

Wir sind alle schockiert, und brauchen Zeit nachzudenken. Aber wir werden uns weiter querstellen. Atomkraft tötet jeden Tag. Es geht meistens um langsamen Tod: Blutkrebs bei Kindern rund um die WAA La Hague, verstrahlte Arbeiter im "normal"-Betrieb von AKW, Ausbeutung und Krankheiten in Afrika und anderswo wegen Uranabbau...

Wir müssen dazu unsererseits unsere Verteidigung organisieren. Uns (2 "angeketteten" Personen) wird Eingriff in den Schienenverkehr vorgeworfen. Der Herr Staatsanwalt ermittelt und wird in den nächsten Tagen Bescheid sagen, ob belangt wird oder nicht. Ist aber warscheinlich. Wir werden politische Prozesse durchführen. Die Justiz will auch überprüfen, ob die 2 informellen Gruppen sich kennen.

Wir brauchen direct action!!! Ankett-aktionen wird es noch geben. So hoffe ich. Besonders in Frankreich, wo sonst nie über Atomkraft geredet wird. Neue AKWs werden sogar gebaut (EPR-Reaktor). Keiner achtet auf "klassische" Demonstrationen. Direkte Aktio-nen und Fantasie bleiben eine Stärke...

Ehrlich gesagt, ich brauche noch viel Zeit zum Nachdenken... Ich denke an Sébastien... Aber der Widerstand soll weiter gehen, auf jeden Fall!!! "Weil Atommüll uns den Tod nur bringt, darum stellen wir uns quer, wir wollen leben, leben leben wollen wir..."

Spenden

Die Organisation Cacendr (Bündnis gegen Atomtransporte) stellt ihr Konto zur Verfügung.

  • an: Cacendr
  • Bank: La Poste CCP Nancy
  • Kontonummer: NCY 06 228 44 G 031
  • Stichwort "fond de solidarité"
  • internationale Kontoidentifizierung:
    • IBAN: FR1820041010100622844G03127
    • BIC: PSSTFRPPNCY