2004-03:Alles Gentech, oder was?

Aus grünes blatt
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Alles Gentech, oder was?

Bundes-Ökologie-Treffen in Potsdam

fb Mitte Mai fand das Sommer-BÖT - Bundes-Ökologie-Treffen - ökologisch interessierter StudentInnen (und anderer) in Potsdam statt. Schwerpunktthema war die "Grüne Gentechnik". So informierten Greenpeace-AktivistInnen beispielsweise über Funktionsweise und Risiken des vom Menschen manipulierten Gen-Transfers. Eine Exkursion führte dann in das nahe gelegene Max-Planck-Institut (MPI) nach Golm, wo unter anderem ein Freisetzungsversuch mit genetisch veränderten Kartoffelpflanzen vorgenommen wird.

Diesen Kartoffeln ist ein Gen des japanischen Hornklee beigefügt, das dafür sorgen soll, dass der Stärkegehalt der Knollen steigt. Im Labor sei diese Veränderung bereits erfolgreich gewesen, nun werde untersucht, wie die Pflanzen im Freien bestehen können.

Angeblich betreibt das MPI nur Grundlagenforschung, ohne spezielle Interessen zu verfolgen. Prof. Altmann, Chef des die Versuche durchführenden Instituts, bekannte jedoch, dass das Ziel der Genmanipulation die Herstellung einer für die Industrie besser nutzbaren Stärkepflanze sein soll. Damit könnte dann beispielsweise in der Papierproduktion gearbeitet werden. Das MPI meldet übrigens - wie die freie Wirtschaft auch - Patente auf ihre Entdeckungen an. Weil - wie Altmann behauptet - sonst kein Unternehmen Geld in die Produktion dieser Gentech-Pflanzen stecken würde. Dass Patente für die Weiterentwicklung und Forschung nicht unabdingbar sind, zeigt z.B. die Open Source-Entwicklung im Softwarebereich. Dort gibt es gerade deshalb stärkere Entwicklungschancen, weil keine Patente die Weiternutzung von Erfindungen behindern.

Doch die Kartoffelpflanze ist nicht die einzige vom MPI manipulierte Kreatur. In den Gewächshäusern des Instituts war bestimmt ein halbes Dutzend weiterer veränderter Arten zu sehen. Erstaunlich bis erschreckend wirkt da die Bekundung des Institutsleiters, dass bestimmte Gefahrenpotentiale derzeit nicht untersucht würden, weil ein Eintreten unwahrscheinlich sei.

So erklärte Altmann, die Gefahr der Erhöhung von Antibiotikaresistenzen in der Natur - eine Großzahl genetisch veränderter Organismen enthält diese als Markergene - sei minimal, da es im Boden bereits resistente Bakterien gebe. Dass das Risiko durch den großflächigen Anbau solcher Gentech-Produkte steigt, vermochte er nicht zu erkennen.

Von Greenpeace wurde darauf hingewiesen, dass es möglich sei, dass nicht nur der Stärkegehalt in der Knolle, sondern z.B. auch der Giftgehalt der grünen Pflanzenteile sich erhöhen und davon dann Tiere, die solche Teile als Nahrung aufnehmen, gefährdet werden könnten. Laut Altmann werden die grünen Pflanzenteile derzeit nicht auf ihren Giftgehalt untersucht.

Einen anderen Schwerpunkt des BÖT bildeten die erneuerbaren Energien (REG). Eine Podiumsdiskussion mit einer Regionalpolitikerin, einem REG-Wissenschaftler und einem Fachmensch für Energiesparthemen befasste sich mit den Potentialen der neuen EU-Länder. Entgegen manchen Vermutungen kam es letztlich doch noch zu kontroversen Diskussionen, als sich herausstellte, dass der Energiewissenschaftler auch Kooperationen mit Atomkonzernen empfiehlt, wenn diese Interesse an den Erneuerbaren zeigen. Das Gegenkonzept vertrat die Politikerin aus der Region, die ihrer Überzeugung Ausdruck verlieh, dass in der aktuellen REG-Debatte nur noch über alternative Energieträger diskutiert wird, die wahnsinnigen Potentiale zum Einsparen von Energieverbrauch jedoch weiterhin vernachlässigt werden. Das Problem ist ja, dass auch regenerative Energienutzung nicht ohne Umweltbelastungen vonstatten geht - zumindest zum Bau der Anlagen, zum Anschluss an das Netz und für die Energie-Infrastruktur wird die Umwelt geschädigt. Die beste Energie bleibt die, die gar nicht erst verbraucht wird.

Ein Ansatz des BÖT ist es, das Know-How von ökoaktiven StudentInnen an andere weiterzugeben. Es treffen sich hier also auch viele Menschen, um sich über konkrete Umsetzungsmöglichkeiten z.B. für die Einführung von Öko-Mensaessen, die Umstellung des Mobilitätskonzeptes oder auch so scheinbar simple Dinge wie die Nutzung von Umweltschutzpapier auszutauschen. Dabei entstehen auch immer wieder bundesweite Projekte oder Kampagnen.

Das BÖT findet zweimal im Jahr - in jedem Semester einmal - statt. Es wird zusammen vom jeweiligen lokalen AStA/StuRa und der BSÖ (Bundeskoordination Studentische Ökologiearbeit) ausgerichtet. Finanziert wird es meist über Zuschüsse der ASten/StuRas.

In der BSÖ können Studentenschaften (es gibt hier nach StudentInnenzahl gestaffelte Mitgliedsbeiträge) und Einzelpersonen (StudentInnen) Mitglied werden. Die Magdeburger StudentInnenschaften sind übrigens noch nicht Mitglied in der BSÖ!

Als konkrete AnsprechpartnerInnen für hochschulpolitische Ökothemen und andere Fragen stehen bei der BSÖ ThemensprecherInnen zur Verfügung. So z.B. für die Bereiche Papier, AntiAtom, Wasser, Mensa, Verkehr, Internationales etc. Mehr Informationen zur BSÖ und den Bundes-Ökologie-Treffen sind im Internet auf http://www.bsoe.info zu finden.